Inwiefern rechtsextreme Hassgewalt stärker ausgeprägt ist als linksextreme, ist Gegenstand der vorliegenden Analyse. Im Rahmen dieser Arbeit wird eine Gegenüberstellung rechts- und linksextremer Gewaltkriminalität auf der Grundlage unterschiedlicher ideologischer Feindkonzepte beider Extremismusformen erfolgen. Hierfür werden für die Auslösung der Hassgewalt relevante Feindbilder aus der rechts- und linksextremistischen Musik betrachtet. Ein Einblick in die psychopathologischen Profile der politisch motivierten Gewalttäter aus dem rechten und linken Spektrum soll bei der Beantwortung der Forschungsfrage aufschlussreich sein. Der Zusammenhang zwischen den Feindbildern und Hassgewaltdelikten soll die Beantwortung der Fragestellung herbeiführen.
Wird Deutschland gerade zum Einwanderungsland? Oder ist das die Bundesrepublik schon längst? Darüber wird in den Medien gerne und viel diskutiert. Zwischen all die Stimmen, die etwas zu dem Thema zu sagen haben, mischen sich zunehmend auch ausländerfeindliche und migrationskritische Stimmen. Auch wird die Öffentlichkeit immer wieder von Berichten über Hassverbrechen mit rassistischem oder antisemitischem Hintergrund erschüttert. Ereignisse, bei denen Gewalttäter ihre Opfer körperlich angreifen und sogar töten. Ist Hassgewalt also eine Domäne rechtsextremer Kräfte – oder lassen sich Hassverbrechen auch bei linksextremen Aktivisten finden?
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Begriffsklärung
1.2 Forschungsstand
2 Hassgewalt als Form politisch motivierter Kriminalität
3 Vom Feindbild zur Hassgewalt
3.1 Rechtsextreme Musik
3.2 Linksextreme Musik
3.3 „Spezialität rechter Gewalt“
3.4 Psychopathologie rechts- und linksextremistischer Gewalt
3.5 Auswertung der Daten
4 Zusammenfassung
Zielsetzung und Forschungsfokus
Die vorliegende Arbeit untersucht vergleichend, inwiefern rechtsextreme Hassgewalt stärker ausgeprägt ist als linksextreme Hassgewalt, indem sie ideologische Feindbilder in der jeweiligen Musik sowie psychopathologische Profile der Täter analysiert.
- Gegenüberstellung rechts- und linksextremer Gewaltkriminalität
- Analyse von Feindbildern in rechts- und linksextremer Musik
- Untersuchung psychopathologischer Profile politisch motivierter Gewalttäter
- Vergleich der Ausprägungen von Hassgewalt auf Basis polizeilicher Daten
- Diskussion des Zusammenhangs zwischen Ideologie, Feindbildern und Gewalttaten
Auszug aus dem Buch
Rechtsextreme Musik
In der rechtsextremistischen Ideologie dominieren Feindbilder wie „Fremde“, „Linke“ und „Repräsentanten des Staates“. Letztere gelten laut Ulrike Madest (2014: 67) als „weniger dominant“ und sind per definitionem für Hassgewalt weniger relevant, außer, dass Linksextremisten als Menschen anderer politischer Einstellung zur Zielscheibe rechtsextremer Hassgewalt werden. Der politische Antipode aus der Sicht der Rechtsextremisten „Rote“, „bolschewistische Zecken“3, „Antifanten“ und „Parasiten“4 wird für vermeintliche „Massenzuwanderung“ verantwortlich gemacht und im „Verrat am eigenen Volk“5 beschuldigt. „Insofern gelten sie [Linksextremisten] als ‚undeutsch‘ aufgrund ihres Weltbildes“ (Madest 2014: 68). Aus diesem Grund ist jede Gewaltanwendung gegen sie gerechtfertigt, wie aus den Liedtexten („Schlagt sie tot!“) der beiden rechtsextremen Bands „Hass“ und „Landser“ hervorgeht (vgl. Plodeck 2008: 67). Insgesamt sind Linksextremisten seltener als andere Opfergruppen Zielobjekte rechtsextremer Hassgewalt und werden gewöhnlich im Rahmen von Demonstrationen angegriffen, was eher Konfrontationsgewalt abbildet.
Das dominanteste Feindbild rechtsextremistischer Ideologie ist der „Fremde“. Aus der Definition des Rechtsextremismus geht hervor, dass Ausländer, Juden und Menschen anderer Hauptfarbe in erster Linie als ideologische Erzfeinde betrachtet werden: „Ausländerdreck“, „Kanaken“6, „Türkenpack“7, „Türkenschwein“8, Knoblauchfresser“9, „Kebabfotzen“10, „Affen“, „Parasiten“ (Madest 2014: 69; Plodeck 2008: 36f.). Mit ausschließlich negativ besetzten Eigenschaften bringt es ein fremdenfeindliches, hasserfülltes Narrativ zum Ausdruck: „Kanake verrecke, Kanake verrecke“11, „Es stinkt nach Scheiße in Kanakistan“12, „Kanaken überfluten unser deutsches Land“13, „Scheißasylanten, die Deutschland berauben“14, „Du verdammte schwarze Mistsau schläfst mit einer weißen Frau. Du dreckiges Niggerschwein bringst somit Mulatten herein“15. In dem Feindbild „Fremde“ liegt der Vorwurf des „Sozialschmarotzertums“, der „Bedrohung der ‚weißen Rasse‘“ und der Ausländerkriminalität kodiert (Madest 2014: 64ff.) sowie ein Aufruf dazu, die „Asylanten“ „zurückzujagen“16. Das Bild eines dunkelhäutigen Einwanderers wird mit bestimmten Vorurteilen und Diskriminierungshass besetzt, indem er als unterentwickelt, zivilisatorisch rückständig und schließlich minderwertig dargestellt wird.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung führt in das Thema der vergleichenden Analyse von rechts- und linksextremer Hassgewalt ein, definiert die zentralen Begriffe und skizziert den aktuellen Forschungsstand.
2 Hassgewalt als Form politisch motivierter Kriminalität: Dieses Kapitel erläutert das Konzept der Hassgewalt und grenzt es von anderen Formen politisch motivierter Gewalt ab.
3 Vom Feindbild zur Hassgewalt: Dieser Hauptteil analysiert Feindbilder in rechts- und linksextremer Musik, untersucht die psychopathologischen Hintergründe der Täter und wertet statistische Daten aus.
4 Zusammenfassung: Die Zusammenfassung resümiert, dass Hassgewalt in fremdenfeindlicher Ausprägung eine Spezialität rechter Gewalt darstellt, während sie sich im linken Spektrum primär als Konfrontationsgewalt manifestiert.
Schlüsselwörter
Hassgewalt, Rechtsextremismus, Linksextremismus, Politisch motivierte Kriminalität, Feindbilder, Musik, Psychopathologie, Antisemitismus, Fremdenfeindlichkeit, Gewaltforschung, Konfrontationsgewalt, Radikalisierung, Verfassungsschutz, Ideologie, Terrorismus.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit einem Vergleich zwischen rechtsextremer und linksextremer Gewalt, wobei der Fokus insbesondere auf Hassgewalt und deren ideologischen sowie psychologischen Hintergründen liegt.
Welche zentralen Themenfelder behandelt das Dokument?
Zentrale Themen sind die Rolle ideologischer Feindbilder, die Funktion extremistischer Musik als Mittler dieser Feindbilder sowie die psychopathologischen Profile der jeweiligen Gewalttäter.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Hauptziel ist die Beantwortung der Forschungsfrage, inwiefern rechtsextreme Hassgewalt stärker ausgeprägt ist als linksextreme Hassgewalt.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es handelt sich um eine vergleichende Analyse, die auf der Auswertung von Fachliteratur, extremistischem Liedgut und polizeilichen Statistiken, wie den Berichten des Verfassungsschutzes, basiert.
Was wird im umfangreichen Hauptteil thematisiert?
Der Hauptteil behandelt die theoretischen Grundlagen der Hasskriminalität, die Analyse von Feindbildern in Musiktexten beider Spektren, eine psychopathologische Betrachtung der Täter sowie eine statistische Auswertung der Gewaltdaten.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist maßgeblich geprägt durch Begriffe wie Hassgewalt, politische Ideologie, Fremdenfeindlichkeit, Konfrontationsgewalt und psychopathologische Profile.
Warum spielt Musik eine so wichtige Rolle in der Analyse der Feindbilder?
Die Autorin betrachtet Musik als ein Medium, das ideologische Feindbilder transportiert, verfestigt und die Anhänger zur Ausübung von Hassgewalt anleiten kann.
Welcher Zusammenhang besteht zwischen den psychopathologischen Profilen der Täter und der Art der Gewalt?
Die Arbeit legt dar, dass rechtsextreme Gewalttäter häufiger Persönlichkeitsstörungen aufweisen, was die Ausprägung von Hassgewalt und Sadismus begünstigen kann, während linksextreme Täter eher neurotische Entwicklungen zeigen.
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- Vita Zeyliger-Cherednychenko (Author), 2019, Eine vergleichende Analyse rechts- und linksextremer Hassgewalt, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/541521