Maria Theresia und Joseph II.: Ihre Haltung zu Russland


Seminararbeit, 2005

21 Seiten, Note: sehr gut


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Quellen

3. Maria Theresia und Joseph II.: Ihre Haltung zu Russland
3.1. Die Thronbesteigung der Zarin Katharina II.
3.2.Die polnische Thronfolge und das preussisch-russische Bündnis
3.3. Maria Theresia und die Mitregentschaft Josephs II
3.4. Das Osmanische Reich und die erste Teilung Polens
3.5. Die beginnende Annäherung Österreichs an Russland
3.6. Die Russlandreise Josephs II.
3.7. Maria Theresias Tod und das russisch-österreichische Bündnis

4. Schlussfolgerungen

5. Bibliografie
5.1.Literatur
5.2.Editierte Quellen

1. Einleitung

Unter der Zarin Katharina II. stieg Russland in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts zur Grossmacht auf und gewann an Einfluss auf die europäische Politik. Das Habsburgerreich war von diesem Aufstieg besonders betroffen, denn auf Grund der geografischen Lage hatten beide Staaten Interessen in Mitteleuropa und Südosteuropa, was Anlass zu Konflikten, aber auch zu Zusammenarbeit beispielsweise in Polen und im Osmanischen Reich bot. Meine Arbeit zeigt, wie die damaligen Herrscher des Habsburger Reiches – Maria Theresia und ihr Sohn und Mitregent Kaiser Joseph II. – auf den neuen Rivalen Russland reagierten. Welche Haltung vertraten sie in Bezug auf Russland? Wie beurteilten sie die russische Zarin persönlich? Stimmten ihre Ansichten grösstenteils überein, oder vertraten sie oft ganz gegensätzliche Meinungen? Zur Frage steht lediglich die österreichische Sicht; die Geschichte Russlands und die Haltung Katharinas kommen deshalb nur zur Sprache, wenn sie für das Thema von Bedeutung sind. Zeitlich habe ich mich auf die Periode zwischen der Thronbesteigung Katharinas II. 1762 und dem Abschluss der österreichisch-russischen Allianz 1781 beschränkt.

In einem ersten Teil meiner Arbeit gehe ich auf die Quellen - von Maria Theresia und Joseph II. verfasste Briefe – ein und stelle kurz die verschiedenen Briefpartner vor. Anhand dieser Quellen beschreibe ich im Hauptteil die Haltung Maria Theresias und Josephs II. gegenüber Russland; die zitierten Briefausschnitte sind jeweils in kursiver Schrift dargestellt. Dabei gehe ich weitgehend chronologisch vor: Beginnend mit Katharinas Thronbesteigung 1762 vollziehe ich die wichtigsten Stationen der österreichisch-russischen Beziehung bis zum Bündnisabschluss im Jahre 1781 nach. In den meisten Kapiteln untersuche ich sowohl Maria Theresias Haltung, als auch diejenige Josephs. Dies gilt jedoch nicht uneingeschränkt: Die ersten beiden Kapitel haben nur Maria Theresia zum Thema, denn Joseph II. war zu diesem Zeitpunkt noch nicht Mitregent. Und das letzte Kapitel gibt einen Einblick in die Zeit von Josephs Alleinherrschaft nach dem Tod der österreichischen Herrscherin. In den Schlussfolgerungen beantworte ich die oben gestellten Fragen in kurzer Form.

Als Literatur verwende ich Beiträge aus Sammelbänden und Monografien die nicht älter als ungefähr ein Vierteljahrhundert sind, denn die neuere Forschung beurteilt insbesondere Joseph II. und Katharina II. anders als die meisten früheren Historiker.

2. Die Quellen

In meiner Arbeit verwende ich als Quellen ausschliesslich von Maria Theresia und Joseph II. verfasste Briefe. Die Briefwechsel der beiden Herrscher sind zwar nicht vollständig vorhanden, dennoch ist die Zahl der vorhandenen Briefe recht gross; ebenso die Zahl der editierten Quellensammlungen. In meiner Arbeit greife ich ausschliesslich auf solche editierten Quellen zurück. Nach Möglichkeit verwende ich das französische Original, in einigen Fällen allerdings auch die deutsche Übersetzung.

Im Folgenden möchte ich kurz auf die Adressaten der in meiner Arbeit zitierten Schreiben eingehen. Eine Gruppe von Briefempfängern sind Maria Theresias Kinder bzw. Josephs Geschwister: Leopold, Grossherzog von Toskana, wurde nach Josephs II. Tod Kaiser. Erzherzog Ferdinand war Generalgouverneur der Lombardei; der Briefwechsel mit seiner Mutter ist fast vollständig erhalten. Maria Theresia schrieb auch viele Briefe an Ferdinands Gemahlin, die Erzherzogin Marie Beatrix. Marie Antoinette heiratete 1770 den französischen Thronfolger und wurde vier Jahre darauf Königin Frankreichs.

Eine weitere Gruppe von Briefpartnern stellen die Berater Maria Theresias und Josephs dar: Der wichtigste Ratgeber war Staatskanzler Kaunitz; er beeinflusste unter anderem die Aussenpolitik massgeblich. Zwei weitere Ratgeber waren Gesandte Österreichs im Ausland: Graf Cobenzl in St. Petersburg und Mercy d’Argenteau in Paris.

Die zwei letzten Briefpartner, die in meiner Arbeit eine Rolle spielen, lassen sich in keine der obigen Gruppen einordnen. Zum einen ist das Maria Antonia, die Kurprinzessin von Sachsen, deren Korrespondenz mit Maria Theresia vermutlich nicht nur freundschaftliche Gründe hatte: Maria Theresia baute eine persönliche Beziehung zu Maria Antonia auf, um dadurch das gute Verhältnis zwischen Sachsen und Österreich zu festigen. Die andere ist Katharina II., mit der Joseph einen intensiven Briefwechsel führte. Die ersten Briefe stammen aus dem Jahre 1774, danach ruhte die Korrespondenz für sechs Jahre, bis sie sechs Jahre später von Joseph im Rahmen seiner Russlandreise wieder aufgenommen wurde.

3. Maria Theresia und Joseph II.: Ihre Haltung zu Russland

3.1. Die Thronbesteigung der Zarin Katharina II.

Maria Theresia empfand schon zu Beginn der Regierungszeit Katharina der Grossen starke Abneigung und Misstrauen gegenüber der russischen Zarin: Sie [Kaiserin Katharina II.] kann schaden, man darf sie nicht erzürnen, aber nie wird sie Elisabeth gleich sein, wird weder ihr Herz noch ihre Gesinnung haben. Sie ist falsch, könnte falscher nicht sein, ist eine ebenso gute Preussin wie Peter III., aber gefährlicher.[1] Worauf beruhte ihre Antipathie?

Katharina II. wurde als Tochter eines preussischen Offiziers und Herrschers über einen deutschen Kleinstaat geboren. Mit vierzehn Jahren verliess die deutsche Prinzessin ihre Heimat und heiratete in Russland den zukünftigen Thronfolger Peter III. 1761 gelangte Peter III. nach dem Tod der Kaiserin Elisabeth auf den Zarenthron und begann sogleich mit der totalen Umgestaltung der Innen- und Aussenpolitik des Staates. Da er ein begeisterter Anhänger Friedrichs II. war, beendete er im April 1762 den Krieg Russlands gegen Preussen und liess damit Russlands vormalige Bündnispartner Österreich und Frankreich alleine weiterkämpfen. Peter III. blieb wegen seinen ungeschickten Entscheiden jedoch nicht lange an der Macht; schon im Juni 1762 wurde er gestürzt und bald darauf ermordet, an seiner Stelle gelangte Katharina II. auf den Zarenthron.

Die Geschichte der Thronbesteigung Katharinas hilft beim Verständnis der Abneigung Maria Theresias gegenüber der Zarin. Schon nur Katharinas Herkunft erregte vermutlich das Missfallen der habsburgischen Herrscherin, denn alles Preussische war ihr verhasst. Österreich befand sich seit Jahren im Konflikt mit Friedrich II.; Maria Theresia betrachtete den preussischen Herrscher als ihren „persönlichen Feind“[2].

Es war jedoch ein anderer Punkt, der Maria Theresia besonders gegen Russland aufbrachte: Sie war überzeugt, „dass Russland sie im Siebenjährigen Krieg im Stich gelassen hatte, als Peter III. 1762 aus der antipreussischen Koalition ausgeschieden war.“[3] Denn dieser Seitenwechsel Russlands war ein wichtiger Grund dafür, dass der Siebenjährige Krieg ein Jahr darauf beendet wurde, ohne dass Österreich trotz seiner immensen finanziellen und menschlichen Opfer sein grosses Kriegsziel - die Rückeroberung Schlesiens - hatte erreichen können. Als Katharina II. bald darauf den Thron bestieg, löste sie zwar das von Peter III. geschlossene Bündnis mit Preussen auf, doch die Zarin nahm den Krieg gegen Friedrich II. nicht wieder auf. Damit handelte sie in den Augen der österreichischen Herrscherin wie eine gute Preussin – in Maria Theresias Sprachgebrauch eindeutig eine Beschimpfung – und zog sich ebenfalls die Abneigung der Herrscherin zu.

Doch nicht nur Katharinas politische Handlungen stiessen auf Maria Theresias Ablehnung. Ihr Hass auf die Zarin beruhte genauso auf einer starken persönlichen Abneigung. Die österreichische Herrscherin war sehr religiös und legte grossen Wert auf ein moralisch einwandfreies Leben. So missfielen ihr insbesondere die verschiedenen Liebschaften der Zarin und die Tatsache, dass sie ihren eigenen Ehemann vom Thron gestürzt hatte und vielleicht sogar in seine Ermordung verwickelt war.

Im oben zitierten Quellenausschnitt ist neben der Abneigung und dem Misstrauen auch sehr deutlich die Furcht Maria Theresias vor Katharina II. erkennbar. Russlands Aufstieg zur Grossmacht begann erst während des Siebenjährigen Krieges und beruhte unter anderem auf der militärischen Macht, die Russland während des Krieges bewiesen hatte. Mit dem Ende des Siebenjährigen Krieges war Russland „zu einem vollständig integrierten Mitglied des europäischen Staatensystems geworden.“[4] Die neue Macht konnte insbesondere für das Habsburgerreich bedrohlich werden, was sich auch bald in Ost- und Südosteuropa bewahrheitete.

3.2. Die polnische Thronfolge und das preussisch – russische Bündnis

In Osteuropa kam es schon bald nach der Thronbesteigung Katharinas II. zum ersten Konflikt zwischen Russland und Österreich. Grund war der erwartete Tod des polnischen Königs August III. und das darauf folgende Tauziehen um die Nachfolge. Maria Theresia schrieb zu diesem Thema mehrere Briefe an Maria Antonia, eine Schwiegertochter Augusts III.; deren Ehemann war Österreichs und Frankreichs Wunschkandidat für die Nachfolge des polnischen Königs. Maria Theresias Briefe an Maria Antonia sind deshalb kritisch zu beurteilen, da die Herrscherin unter diesen Umständen nichts Positives über Russland schreiben konnte, denn Katharina unterstützte einen anderen Kandidaten. Trotz dieser Einschränkung fasse ich Maria Theresias Aussagen als im Grossen und Ganzen ihrer damaligen Meinung entsprechend auf; wenn auch möglicherweise ein bisschen überspitzt.

[...]


[1] Maria Theresia an Maria Antonia, 10. 6. 1763 (Original französisch), in: Walter, Friedrich (Hg.): Maria Theresia. Briefe und Aktenstücke in Auswahl, Darmstadt 1968, S. 183.

[2] Scott, Hamish M.: Verteidigung und Bewahrung: Österreich und die europäischen Mächte 1740 – 1780, in: Koschatzky, Walter (Hg.): Maria Theresia und ihre Zeit. Eine Darstellung der Epoche von 1740 – 1780 aus Anlass der 200. Wiederkehr des Todestages der Kaiserin, Salzburg 1979, S. 47 – 54, hier S. 47.

[3] Scott, Hamish M.: Katharinas Russland und das europäische Staatensystem, in: Scharf, Claus (Hg.): Katharina II., Russland und Europa. Beiträge zur internationalen Forschung, Mainz 2001, S. 3 – 57, hier S. 32.

[4] Madariaga, Isabel de: Katharina die Grosse. Ein Zeitgemälde, Berlin 1993, S. 29.

Ende der Leseprobe aus 21 Seiten

Details

Titel
Maria Theresia und Joseph II.: Ihre Haltung zu Russland
Hochschule
Universität Bern
Note
sehr gut
Autor
Jahr
2005
Seiten
21
Katalognummer
V54177
ISBN (eBook)
9783638494397
Dateigröße
518 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Maria, Theresia, Joseph, Ihre, Haltung, Russland
Arbeit zitieren
Salome Ast (Autor), 2005, Maria Theresia und Joseph II.: Ihre Haltung zu Russland, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/54177

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