Sachbücher für Kinder im Heimat- und Sachunterricht


Seminararbeit, 2005

18 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Geschichte des Sachbuches
2.1. Das erste Sachbuch
2.2. Auf den Spuren des „Orbis sensualium pictus“
2.3. Auf dem Weg zum „modernen Sachbuch“

3. Arten, Formen und Typen des Sachbuches
3.1. Beschreibung und Umgang mit der Themenvielfalt
3.2. Präsentationsformen des Sachbuches

4. Sachbücher für Kinder mit historischen Themen
4.1. Geschichte des historischen Sachbuches
4.2. Kinder und ihr historisches Interesse
4.3. Bewertungskriterien für Sachbücher für Kinder und Jugendliche

5. Historisches Lernen mit Bilder- und Sachbüchern
5.1. Fiktionale Texte
5.2. Bebildertes Sachbuch
5.3. Dimensionen historischen Lernens mit Hilfe von Sachbüchern
5.4. Methodische Anregungen

6. Fazit

7. Literaturliste

1. Einleitung

Sachbücher für Kinder sind beliebte Begleiter in der Freizeitgestaltung vieler Jungen und Mädchen. Kinder begegnen ihnen oft schon vor der Schulzeit in ihren Elternhäusern oder anderen öffentlichen Orten (Kindergarten, Buchhandlungen, Bibliotheken). Ihre natürliche Neugier und der Wunsch nach Beschäftigung und Nähe wird durch den Umgang mit diesen Büchern befriedigt. Der Kontakt mit Büchern und dem , was in ihnen verborgen ist, kann also zu einem positiv besetzten Erlebnis werden. Deshalb spricht einiges dafür, diese günstige Ausgangssituation über die Zeit vor und nach der Schule hinaus für den Unterricht zu nutzen.

Doch der Einsatz von Sachbüchern im Unterricht hat gegen vielfältige Vorbehalte zu kämpfen. Denn im Unterricht der Grundschule werden Kinderbücher bisher vorwiegend für den Erwerb der Kulturtechnik Lesen eingesetzt. Dabei weicht das schulische Leseangebot oftmals von den inhaltlichen Lektüreinteressen der Kinder ab. Außerdem sorgt die (vermeintliche) Unvereinbarkeit von Bildung und Unterhaltung immer wieder für Spannungen.

Im folgenden möchte ich darstellen, wie sich das Sachbuch für Kinder sowohl bildungsgeschichtlich als auch als eigenständiges Genre entwickelt hat. Das Angebot an Sachbüchern, das der Markt für Kinder heutzutage bereit hält, ist sehr breit. Seine enorme Vielfalt soll hier ansatzweise strukturiert werden. Aus der Vielzahl an Themen, die in Sachbüchern für Kinder bearbeitet werden, greife ich dann exemplarisch für den Sachunterricht diejenigen mit geschichtlichen Inhalten heraus. Ich lege ich dar, wie sich verschiedene Dimensionen historischen Lernens mit Hilfe von Sachbüchern für Kinder erarbeiten lassen. Dabei soll überprüft werden, ob sich Sachbücher für Kinder für den Einsatz im Sachunterricht und das Erreichen von Lernzielen eignen.

2. Geschichte des Sachbuches

2.1. Das erste „Sachbuch“

Das Sachbuch für Kinder ist keine Erfindung der Neuzeit. Schon in der Antike befand man es in der Kindererziehung für wichtig, sich von seiner Umwelt ein Bild zu verschaffen und dieses zu erfassen und zu erfahren. Durch die Erfindung des Buchdruckes wurde die Möglichkeit geschaffen, Worte und Bilder und die darin enthaltenen Informationen nicht nur Erwachsenen, sondern auch Kindern zugänglich zu machen.

Aber erst Johann Amos Comenius (1592-1670) schuf mit seinem bahnbrechenden Werk „Orbis sensualium pictus“ (Die sichtbare Welt) ein Anschauungsbuch, das von Fachleuten als „erstes Sachbuch für Kinder bezeichnet wird“[1]. Comenius’ Intention war es, seinen Schulkindern das Erlernen der lateinischen Sprache durch Anschauung, also die Verknüpfung von Wort und Bild zu erleichtern. Ähnlich einer heutigen Fibel oder einem Wörterbuch ordnete er den Buchstaben des Alphabetes Bilder von den Kindern bekannten Tieren zu, erläuterte die Lautierung des Buchstaben und beschrieb den Gebrauch des Wortes in einem deutschen Satz. Es folgten dann noch ca. 4000 Wörter (Vokabeln), die aber nicht durch Bildleisten, sondern durch Holzschnitte visualisiert und bestimmten Themenbereichen zugeordnet waren. „In jedem Ausschnitt wurde ein Ausschnitt „der Welt“ gezeigt und damit ein Gesamtzusammenhang hergestellt. Innerhalb jedes Bildes waren Ziffern den Einzelheiten, Dingen oder Lebewesen zugeordnet; außerhalb der Gesamtkomposition standen die bezifferten Benennungen“.[2] Diese Idee wird auch heute noch in vielen Sachbüchern eingesetzt. Dabei eigneten sich die Gegenstands- und Lebewesennamen sowohl für eine Bildbeschreibung als auch für eine zusammenfassende Erzählung des Dargestellten. Comenius bediente sich dabei solcher Begriffe und Abbildungen, die Gegenstände, Lebewesen und Geschehnisse aus der konkreten Lebenswelt der Kinder repräsentierten. „Natürlich sollte es ein Lehrbuch sein, aber der didaktische „Kniff“ dieser kindgemäßen Aneignung von Wissen basierte nicht zuletzt auf den unterhaltenden Elementen des Wechselspiels von Wort, Bild und Inhalt.[3] Er gilt vielen daher als „Stammvater des Sachbuchs“[4]

2.2. Auf den Spuren des „Orbis sensualium pictus“

Spätere Autoren griffen die Ideen von Comenius auf, um den Kindern anschauliches Lernen zu ermöglichen. So schuf Bernhard Basedow (1747-1822) das „Elementarwerk“, sein Zeitgenosse Friedrich Johann Justin Bertuch veröffentlichte ein 12-Bändiges „Bilderbuch für Kinder“.

Einen anderen Schwerpunkt für die Veranschaulichung verwendete Joachim Heinrich Campe (1746-1818). Für ihn war die Sprache das Wesentliche, er zielte auf „anschauliche Belehrung durch unterhaltsames Erzählen ab. Für ihn führten hauptsächlich Spannung und persönliche Anteilnahme des (jungen) Lesers zum Erfolg.“[5] Campe gilt im Zusammenhang mit dem Sachbuch als weiterer „Urvater“, nämlich des „erzählenden Sachbuchs“[6].

2.3. Auf dem Weg zum „modernen Sachbuch“

Bis zur zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurden diese ersten Sachbücher nur in der Schule verwendet. Erst im Zuge der fortschreitenden Technisierung erschienen Sachbücher für Jugendliche, die sich über die schulischen Themenbereiche hinaus technischen und naturwissenschaftlichen Gegenständen zuwandten.

Seit dem Zweiten Weltkrieg „boomt“ der Sachbuchmarkt und erscheint dem Laien auf Grund seiner Themen- und Formenvielfalt oft als unübersichtlich.

3. Arten, Formen und Typen des Sachbuches

3.1. Beschreibung und Umgang mit der Themenvielfalt

Die Begriff des Sachbuches überschneidet sich in vielen Merkmalen mit denen anderer Buchgattungen. Daher kann er zwar nicht eindeutig definiert, seine Merkmale jedoch beschreiben werden. Dabei wird nach Kennzeichen des Inhalts, der Zielsetzung und der formalen Gestaltung differenziert. Bereits in den 60er Jahren des vergangenen Jahrhunderts wurden Definitionsversuche unternommen. So schreibt Klaus Doderer 1961: „eine Sachschrift...unterrichtet den Leser über Dinge, Ereignisse oder Zusammenhängen dieser Welt in einer solchen Weise, dass durch den Einsatz besonderer sprachlicher Mittel und kompositorischer Kräfte der Leser gleichzeitig unterhalten und belehrt wird.“[7] Ein Sachbuch versucht, „den Wissensstoff zu verlebendigen, ihn anschaulich zu machen, ihn in seiner Bedeutung für den Menschen erfassen zu lassen. Der Begriff des Sachbuchs wird nicht nur von seinem Inhalt, sondern auch von seiner Darstellungsform bestimmt.“[8] Wesentliche Elemente des Sachbuches, die von heutigen Wissenschaftlern aufgezeigt werden, lassen sich dabei auf einen der erwähnten „Urväter“ des Sachbuches, Joachim Heinrich Campe, zurückführen. So schreibt Martin Hussong 1984: „Der Sachbuchautor findet die Sache bereits in der Welt vor. Als Bestandteil der Umwelt ist die Gegenstand wissenschaftlicher Forschung geworden. ... der Autor ... muss den Sachverhalt nicht erst im Schreibakt konstituieren. – Die Sache bzw. das Wissen über sie soll an Nichtfachleute, an Laien vermittelt werden. Diese Vermittlung bedarf besonderer Methoden.“[9]

Zusammenfassend kann man sagen, dass das Sachbuch Personen, Lebewesen, Gegenstände und Sachverhalte behandelt, die real existieren oder existiert haben, es gehört also zur non-fiction-Literatur. Die beschriebenen Inhalte sind allgemeinverständlich bzw. populärwissenschaftlich dargestellt, da ein Sachbuch, unabhängig ob es sich an erwachsene oder jugendliche Leser wendet, von Nichtfachleuten gelesen wird. Ein Sachbuch will dabei belehren und unterhalten.[10]

[...]


[1] Ossowski, Herbert: Die Sache mit dem Sachbuch. In: Deutschunterricht 7/8 1996, S. 346

[2] ebd., S. 347

[3] Ossowski, Ekkehard: Das geschichtliche Sachbuch für Kinder. In: Josting, Petra/Stenzel, Gudrun (Hrsg.): Wieso, weshalb, warum...“ Sachliteratur für Kinder und Jugendliche. 15. Beiheft Beiträge Jugendliteratur und Medien. Weinheim 2004, S. 95 (Hervorhebung von mir)

[4] ebd.

[5] Ossowski, Herbert: Die Sache mit dem Sachbuch. In: Deutschunterricht 7/8/ 1996, S 348

[6] ebd.

[7] Doderer, Klaus: Das Sachbuch als literaturpädagogisches Problem. Frankfurt a.M. 1961, S. 14

[8] Bamberger, Richard: Jugendlektüre. Wien 1965, S.244

[9] Hussong, Martin: Das Sachbuch. In: Haas, G. (Hrsg.): Kinder – und Jugendliteratur. Stuttgart 1984, S. 74

[10] vgl. Ossowski, Ekkehard: Wieso? Weshalb? Warum? – Wer kein Sachbuch liest, bleibt dumm! – Zur Lesemotivation durch Sachbücher. In: Gläser, Eva/Franke-Zöllmer, Gitta (Hrsg.): Lesekompetenz fördern von Anfang an. Baltmannsweiler 2005, S. 71

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Details

Titel
Sachbücher für Kinder im Heimat- und Sachunterricht
Hochschule
Europa-Universität Flensburg (ehem. Universität Flensburg)
Note
1,7
Autor
Jahr
2005
Seiten
18
Katalognummer
V54179
ISBN (eBook)
9783638494410
Dateigröße
497 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Sachbücher, Kinder, Heimat-, Sachunterricht
Arbeit zitieren
Mareke Dreyer (Autor), 2005, Sachbücher für Kinder im Heimat- und Sachunterricht, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/54179

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