Die folgende kleine Untersuchung widmet sich, ausgehend von einer diskursgeschichtlichen Herleitung der Bedingungen der wissenschaftlichen Konstitution des Textkorpus, einer Metaphernanalyse. Es werden verschiedene Metaphernkonzepte besprochen um endlich an ausgewählten Beispielen die Anwendungsmöglichkeiten soziokultureller Aspekte der Metaphernanalyse zu beleuchten.2. Geschichte des Diskursbegriffes Der Diskursbegriff führte bis in die 70er Jahre ein kaum beachtetes Schattendasein. Rein deskriptiv verstand man darunter einen „erörterndenVortrag“oder ein „hinund her gehendes Gespräch.“(1).Habermas wertete diesen Begriff in seiner `Theoriedes kommunikativen Handelns`im philosophischen Sinne auf, indem er dem Diskurs die zentrale Aufgabe zuwies, geltende Normen in einer von Herrschaft freien Auseinandersetzung zu legitimieren. Im Vertrauen auf die in der Tradition der Aufklärung verankerte Macht der Rationalität, die in der Struktur der Sprache selbst angelegt ist, sollte eine Gesellschaft in dieser idealtypischen Weise ihren Weg bestimmen können.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Zur Geschichte des Diskursbegriffes
3. Die Konstituierung einer linguistischen Diskursanalyse
4. Metaphernkonzepte
5. Die entscheidenden Fragestellungen
5.1. Orientierungsmetaphern
5.2. Kontextuelle Metaphern
5.3. Metaphernbereiche
6. Die Untersuchung
6.1 Orientierungsmetaphern
6.2. Exemplarische Analyse konzeptueller Metaphern
6.3. Metaphernbereiche
7. Fazit
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die Arbeit untersucht anhand eines Textkorpus aus 96 Zeitungsberichten, wie das Medienformat der Reality-Shows diskursiv konstruiert und bewertet wird. Dabei liegt der Fokus auf der Anwendung metaphernanalytischer Methoden, um gesellschaftliche Einstellungsebenen und tiefere Wissensstrukturen offenzulegen.
- Grundlagen der linguistischen Diskursanalyse
- Anwendung kognitiver Metapherntheorien nach Lakoff und Johnson
- Analyse von Orientierungs- und konzeptuellen Metaphern
- Zusammenhang von Metaphern und gesellschaftlicher Argumentation
- Identifikation zentraler Metaphernbereiche im Diskurs
Auszug aus dem Buch
6.2 Exemplarische Analyse konzeptueller Metaphern
Wenden wir uns einer ersten Metapher aus dem Bereich der Naturmetaphern zu:
„Wer gehofft hatte, die Flut der Quiz- und Reality-Shows werde zurückgehen, der sollte die Schwimmweste fester schnüren. In diesen Tagen bricht eine Woge neuer Voyeur- und Rätsel-Formate mit Macht über uns herein.“(21)
Hierbei handelt es sich um eine Metaphernlandschaft, die verschiedene Elemente eines Metaphernbereiches miteinander kombiniert. Grundlegendes Bild ist die Flut, die hier im Zustand nach der Katastrophe geschildert wird. Im Bildbereich ausgeführt wird also weder die Phase des Entspringens noch die des Flutens. Allerdings wird dem Leser die Hoffnung genommen, die Flut könne sich zurückentwickeln. Es wird also ausgegangen von der bildhaft vorgegeben Tatsache, dass sich die Flut über Land ausgebreitet hat, und nach wie vor eine reale Gefahr für den Leser besteht. Deshalb wird ihm angeraten die Schwimmweste noch fester zu schnüren. Aus dem vorgegebenen Gesamtbild werden jetzt zeitlich und inhaltlich Teilsegmente herausgenommen. So droht die neue Gefahr „in diesen Tagen“ und es handelt sich nicht um das Hereinbrechen der ganzen Flut, demgegenüber der sich der Leser zu wappnen hat, sondern um eine Woge, die allerdings „mit Macht“ hereinzubrechen droht.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung skizziert den Aufbau der Untersuchung von der Konstitution des Textkorpus bis zur Anwendung verschiedener Metaphernkonzepte.
2. Zur Geschichte des Diskursbegriffes: Dieses Kapitel zeichnet die theoretische Entwicklung des Diskursbegriffs nach, insbesondere den Wandel von einer philosophischen hin zu einer foucaultschen machtanalytischen Perspektive.
3. Die Konstituierung einer linguistischen Diskursanalyse: Hier werden die methodischen Prinzipien für die wissenschaftliche Erstellung eines Textkorpus erarbeitet, basierend auf inhaltlichen und semantischen Kriterien.
4. Metaphernkonzepte: Es werden linguistische Grundlagen der Metaphernanalyse dargelegt und die Bedeutung von Konzeptualisierungen für die Konstruktion von Wirklichkeit diskutiert.
5. Die entscheidenden Fragestellungen: Das Kapitel definiert die zentralen Forschungsfragen hinsichtlich Orientierungsmetaphern, konzeptueller Metaphern und der Identifikation diskursbestimmender Metaphernbereiche.
6. Die Untersuchung: Der Hauptteil analysiert konkret das gewählte Textkorpus, indem Orientierungsmetaphern wie die „Quote“ sowie konzeptuelle Metaphern wie die „Flut“ untersucht werden.
7. Fazit: Das Fazit resümiert den hohen aufklärerischen Wert der angewandten Methode für die Bewusstseinsanalyse gesellschaftlicher Einstellungen.
Schlüsselwörter
Diskursanalyse, Metaphernanalyse, Reality-Shows, Konzeptualisierung, Orientierungsmetaphern, Textkorpus, Foucault, Lakoff, Wissensanalyse, Argumentationsanalyse, gesellschaftliche Werte, Mediensprache, Metaphernbereiche, Ideologie, Wirklichkeitskonstitution.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der diskursanalytischen Untersuchung von Texten über das Medienformat „Reality-Shows“ im Zeitraum von 1998 bis 2004.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind die wissenschaftliche Konstitution eines Textkorpus sowie die metaphernanalytische Untersuchung gesellschaftlicher Einstellungen gegenüber neuen Medienformaten.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, durch die Analyse von Bildbereichen und Metaphern tiefere Schichten gesellschaftlicher Wissensstrukturen und moralischer Grundordnungen aufzudecken.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine linguistische Diskursanalyse unter besonderer Berücksichtigung der kognitiven Metapherntheorie (insbesondere nach Lakoff/Johnson und Pielenz) angewandt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert exemplarisch, wie Begriffe wie „Quote“ als Orientierungsmetaphern fungieren und wie Metaphernlandschaften (z. B. Naturgewalten) die Wahrnehmung von Reality-Shows prägen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Kernbegriffe sind Diskursanalyse, Metaphernanalyse, Reality-Shows, Wirklichkeitskonstitution und gesellschaftliche Wissensstrukturen.
Warum wird speziell der Begriff der „Quote“ analysiert?
Die „Quote“ dient als eindrückliches Beispiel für eine Orientierungsmetapher, die durch räumliche Gegensatzpaare (oben/unten) die gesellschaftliche Bewertung von Inhalten strukturiert.
Welche Rolle spielt das Bild der „Flut“ im Text?
Die „Flut“ dient als konzeptuelle Metapher, die eine unaufhaltsame, bedrohliche Entwicklung von Reality-Formaten suggeriert und beim Leser eine Abwehrhaltung provoziert.
- Quote paper
- Peter Tausch (Author), 2005, Zur Konstituierung eines diskursanalytischen Textkorpus und dessen metaphernanalytischen Untersuchung , Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/54198