Zum Tausch als Form des bargeldlosen Zahlungsverkehrs in der Antike


Hausarbeit (Hauptseminar), 2002

23 Seiten, Note: 1,5


Leseprobe

Gliederung

1. Einleitung

2. Tausch als bargeldloser Zahlungsverkehr
2.1 Tauschwitschaft und Barter als Wirtschaftspraxis
2.1.1 Barter als Wirtschaftsform der Moderne
2.1.2 Tauschwirtschaft in premonetären Gesellschaften
2.1.3 Tauschgeschäfte in der Antike
2.2 Geschenke und ihre Rolle in antiken Gesellschaften
2.2.1 Geschenke und ihre Funktionen
2.2.2 Geschenke und ihr Austausch im sozialen Kontext der Antik

3. Zusammenfassung

4. Literatur

1. Einleitung

Bargeldloser Zahlungsverkehr läßt sich, innerhalb der modernen Terminologie, in zwei große Formen unterteilen. Zum einen ist das der gesamte Giroverkehr, also bargeldlose Zahlungen innerhalb von Bankensystemen. Diese Form wird auch als Non-Barter bezeichnet. Der Giroverkehr schließt die Frage des Wechselwesens mit ein. Die andere große Form ist die des Tauschhandels, des Barters. Tausch ist eine Form der Transaktion, bei der Produkte und Leistungen wechselseitig zwischen sozialen Akteuren übertragen werden. Man unterscheidet zwischen dem profanen oder ökonomischen Tausch, bei der der wirtschaftliche Tauschwert und der materielle Gebrauchswert der ausgetauschten Güter entscheidend ist und dem rituellen oder zeremoniellen Tausch mit symbolischen Charakter, bei dem religiöse, rechtliche, soziale und ähnliche Momente von Bedeutung sind.[1] Beim profanen Tausch findet neben der sofortigen Transaktion bisweilen zwischen – unter Umständen verfeindeten – Ethnien oder Gruppen (beispielsweise den Wedda auf Sri Lanka, die mit Angehörigen der singhalesischen Bevölkerung Honig gegen Eisenwerkzeuge tauschen) ein verzögerter Austausch statt, der als stummer Handel bezeichnet wird und der ohne persönlichen Kontakt zwischen den Tauschakteuren vollzogen wird. Dabei werden die von einer Gruppe angebotenen Güter an einem festgelegten Ort abgelegt, die Anbieter ziehen sich zurück. Die andere Gruppe betrachtet die Güter, legt ihrerseits ihr Angebot ab und versteckt sich in der Nähe. Die erste Gruppe kehrt wieder zurück, und nimmt, wenn sie mit dem vorgeschlagenen Tausch zufrieden ist, die angebotenen Güter, anderenfalls wird der Handel auf dieselbe Weise fortgesetzt oder beendet.[2] Allgemein wird beim ökonomischen Tausch die Tauschrate, das quantitative Verhältnis der getauschten Produkte zueinander, zumeist durch Feilschen bestimmt, wobei Geld als allgemeines Tauschmittel fungieren kann. Einer gängigen Definition zufolge erfordert der Handel gegenüber dem Tausch die Zwischenschaltung von Spezialisten.

Das wirft die Frage auf, in welcher Form ökonomischer, sowie ritueller Tausch in der Antike stattfanden.

Neben Bronislaws Malinowkis Arbeiten über den Kula, ein zeremonielles Tauschsystem in Melanesien (Argonauts of the Western Pacific, 1922), und Marcel Mauss’ Essay über die Gabe (Essai sur le don, 1923/24)[3], haben die Arbeiten Karl Polanyis großen Einfluss auf die Theoriebildungen genommen, demzufolge sich drei Hauptformen des Tauschs unterscheiden lassen, die auf reziproken, redistributiven oder auf Marktbeziehungen basieren.[4] Beim reziproken Tausch wird keine unmittelbare, sofortige Gegenleistung des Nehmenden vorausgesetzt, der Wert der getauschten Güter und Leistungen untersteht keiner systematischen Berechnung. Empfänger der nach festen Regeln verteilten Produkte sind sowohl Produzenten als auch Nichtproduzenten. Beim redistributiven Tausch, der einen organisatorischen und koordinatorischen Apparat voraussetzt, werden größere Mengen von Produkten zentral gesammelt und über einen Redistributor verteilt. Während bei egalitären Gesellschaften der Redistributor auch Produzent ist und durch die Verteilung keinen materiellen Vorteil erlangt, sind Redistributoren in geschichteten Gesellschaften in der Regel nicht am Produktionsprozess beteiligt und erlangen durch die Verteilung wirtschaftlichen Gewinn. Beide Tauschaktionen sind Bestandteil eines ausgeklügelten Systems von Verwandtschafts- und Ritualbeziehungen, aber auch einfache Marktsysteme sind im Gegensatz zum Warentausch komplexer Ökonomien mit sozialen Beziehungen verbunden.[5]

Die Annahme, daß der Tauschhandel mit dem Aufkommen der Geldwirtschaft aufhörte zu existieren ist falsch. Zum einen natürlich, da hierbei große kulturelle Unterschiede zwischen , z.B. den stark ausdifferenzierten Wirtschaftssystemen der frühen Hochkulturen, wie Mesopotamien und Ägypten, und auf der anderen Seite etwa die Völker Germaniens, die bis ins frühe Mittelalter noch in tausch-wirtschaftlichen Verhältnissen lebten. Aber selbst in entwickelten Kulturen, wie z.B. Ägypten gibt es Zeugnisse für verschiedene Formen des Tauschhandels. Die Verbindung von Mauss zu meinem Thema wird von Sitta von Reden mit ihrer Studie „Exchange in ancient greece“[6] aufgebaut. Sie überträgt die soziologischen Ansätze Mauss´ in die Zeit der griechischen Antike. Sie geht dabei besonders auf die Überlieferung von Geschenk-Handlungen durch die homerischen Epen „Ilias“ und „Odyssee“ ein. Homer beschreibt in sehr anschaulicher Weise die Praxis des Geschenkaustausches zwischen seinen Protagonisten. Er zeigt auch sehr deutlich, in welche sozio-kulturellen Zusammenhänge sich dieser Austausch einbettet, wie er etwa mit dem Aufbau eines gesellschaftlichen Status´ zusammenhängt. Bei aller Vorsicht, die bei der Verwendung der Epen geboten ist, so sind sie doch die einzige Quelle, die uns Aufschluß über gesellschaftliche Zusammenhänge im homerischen Griechenland gibt.

Zeitliche Grenzen zu ziehen, ist bei dieser Art Betrachtung schwer, da es ja die Aufgabe dieser Ausarbeitung ist, nachzuweisen, ob, und in welcher Form Tauschhandel in der gesamten Antike stattgefunden hat. Dabei muß aber unsere heutige Terminologie herhalten, denn die Antike kannte Begriffe wie barter noch nicht. Und schließlich muß man im Vergleich zu heutigen Tauschsystemen überprüfen, ob diese Modelle auch auf die Antike anwendbar sind. Das wiederum bedeutet, daß die zeitliche Eingrenzung sehr großzügig gehandhabt werden muß. Es werden also heutige Modelle und Formen des Tauschhandels versucht, auf die Antike zu übertragen. Der Begriff Antike umfasst hierbei die Zeit vom homerischen Griechenland, über den Hellenismus bis zum römischen Imperium.

Die geographischen Grenzen sind hierbei die Grenzen, die die jeweiligen zu betrachtenden Reiche umfassten.

2. Barter als bargeldloser Zahlungsverkehr

2.1 Tauschwirtschaft und Barter als Wirtschaftspraxis

2.1.1 Barter als Wirtschaftsform in der Moderne

Um Barter als Wirtschaftsform der Marktwirtschaft charakterisieren zu können, muß an dieser Stelle erst einmal Geld und seine Rolle in der modernen Volkswirtschaft definiert werden. Zum einen, weil Geldhandel Nachfolgestruktur des Tauschhandels ist, zum anderen aufgrund der Definition von Tausch als bargeldlose Zahlung. Wenn etwas bargeldlos ist, muß geklärt werden, was Bargeld ist.

Geld, allgemein anerkanntes Tauschmittel, Wertmesser und Recheneinheit. Geld ist gegen alle wirtschaftlichen Güter (Waren und Dienstleistungen) eintauschbar und wird jederzeit und von jedermann als Tauschmittel akzeptiert. Es wird ständig zur Bewertung der Tauschgüter benutzt. Jedes wirtschaftliche Gut wird in Geldeinheiten bewertet und jeder Tausch heute in Geldeinheiten berechnet. Durch das Geld als Wertmesser und Recheneinheit werden alle Güter vergleichbar und addierbar. Bargeld ist gesetzliches Zahlungsmittel. Kraft Gesetzes muss es von jedermann als Gegenwert für eine Leistung akzeptiert werden, wenn die Gegenleistung ausschließlich in Geldeinheiten bestimmt ist. Im weiteren Sinne ist Geld alles, was als Träger von Kaufkraft in einer Wirtschaft verwendet wird.[7]

Das Entstehen von Geld hängt mit der Arbeitsteilung in einer Volkswirtschaft zusammen. In einer arbeitsteiligen Wirtschaft spezialisiert sich jedes Wirtschaftssubjekt auf die Produktion bestimmter Güter und erstellt damit nur wenige oder gar keine der von ihm benötigten Waren und Dienstleistungen selbst. Daher sind die einzelnen Wirtschaftssubjekte auf den Tausch angewiesen. Ein Tausch Gut gegen Gut ist in der Neuzeit jedoch schwierig geworden: Es muss ein anderer gefunden werden, der das gleiche Gut nachfragt, das man selbst anbietet, und gleichzeitig etwas anbietet, das man selbst benötigt. Außerdem müssen beide Wirtschaftssubjekte sich über den Wert der beiden Tauschgüter einig werden. Im Vergleich dazu erleichtert der Einsatz von Geld den Handel wesentlich. In den modernen, arbeitsteiligen Volkswirtschaften ist es unentbehrlich.

[...]


[1] Humphrey, C.: An anthropological view of barter in russia. In: Seabright, P. (Ed.): The Vanishing Rouble. Barter Networks and Non-Monetary Transactions in Post-Soviet Societies. Cambridge 2000.

[2] Gell, A.: Inter-tribal Commodity Barter and Reproductive gift-exchange in old Melanesia. In: Humphrey, C./ Hugh-Jones, S. (Eds.): Barter, Exchange and Value: An Anthropological Approach. Cambridge 1992, S. 159.

[3] Mauss, M.: Die Gabe. Form und Funktion des Austauschs in archaischen Gesellschaften. Frankfurt / M. 1990.

[4] "Tausch", Microsoft® Encarta® 98 Enzyklopädie. © 1993-1997 Microsoft Corporation. Alle Rechte vorbehalten.

[5] a.a.O.

[6] Reeden, S. von: Exchange in ancient greece. London 1995.

[7] „Geld“, Microsoft® Encarta® 98 Enzyklopädie. © 1993-1997 Microsoft Corporation. Alle Rechte vorbehalten.

Ende der Leseprobe aus 23 Seiten

Details

Titel
Zum Tausch als Form des bargeldlosen Zahlungsverkehrs in der Antike
Hochschule
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg  (Fachbereich Altertumswissenschaften)
Veranstaltung
Hauptseminar: Finanz-, Kredit- und Zahlungssysteme im historischen
Note
1,5
Autor
Jahr
2002
Seiten
23
Katalognummer
V5420
ISBN (eBook)
9783638132978
Dateigröße
587 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Tausch, Form, Zahlungsverkehrs, Antike, Hauptseminar, Finanz-, Kredit-, Zahlungssysteme
Arbeit zitieren
Martin Habermann (Autor), 2002, Zum Tausch als Form des bargeldlosen Zahlungsverkehrs in der Antike, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/5420

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