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Religionspolitik oder Humanitas - Zur Diskussion um die 'Christenbriefe' bei Plinius

Title: Religionspolitik oder Humanitas - Zur Diskussion um die 'Christenbriefe' bei Plinius

Term Paper (Advanced seminar) , 2006 , 20 Pages , Grade: 2+

Autor:in: Mathias Pfeiffer (Author)

World History - Early and Ancient History
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Summary Excerpt Details

Um das Jahr 112 n. Chr. hielt sich Plinius der Jüngere als kaiserlicher Legat in der Provinz Pontus-Bithynien in Kleinasien auf. Als Statthalter und Sonderbeauftragter war er dort mit den unterschiedlichsten Aufgaben und Angelegenheiten befaßt. Einblick in das Leben der Provinz und in Plinius Amtstätigkeit bietet das 10. Buch seiner Briefsammlung, in dem die amtliche Korrespondenz mit dem Kaiser Trajan niedergelegt ist. Plinius schildert Probleme, gibt Berichte und erbittet sich in Einzelfragen Anweisungen und Entscheidungen vom Princeps.
Einzigartig in dieser Briefsammlung sind die sogenannten Christenbriefe. Anlaß waren Gerichtsprozesse gegen Christen, mit denen sich Plinius zu befassen hatte, und in deren Verlauf sich für ihn verschieden gelagerte Rechtsprobleme ergaben. Seine Fragen sowie einen Bericht über seine bisherige Prozeßführung übermittelte er an den Kaiser. Trajans Bestimmungen, wie mit den Christen zu verfahren sei, sind in einem kurzen Antwortbrief enthalten. Zusammen bilden diese beiden Briefe die wichtigste Quelle zum Thema Christenprozesse in der Zeit vor den großen Verfolgungen ab dem 3.Jh.; wichtig zum einen, weil es sich um die einzige Quelle handelt, die nicht christlich gefärbt auf uns gekommen ist, und zum andern stellt sie das älteste Dokument mit einer staatlichen Stellungnahme zum Christenproblem dar. Gemeinhin gelten die Christenbriefe als zentrales Zeugnis für den Umgang mit dem Christentum im römischen Reich, insbesondere für die Rechtslage der Christen vor dem Opferedikt des Decius.
Der Relevanz dieser Quelle haben wir eine Fülle von Forschungsliteratur zu verdanken. Der Umstand aber, daß sie singulär steht und schwer in einem sonst undefinierten Koordinatensystem zu verorten ist, beschert uns auch viel gelehrte Spekulation und gewagte Hypothesen. Die Christenbriefe bereiten ihren Interpreten erhebliche Schwierigkeiten und scheinen mehr Fragen aufzuwerfen als zu erhellen. Das hier beackerte Problemfeld sieht wie folgt aus: Warum wurden Christen verfolgt? Gab es ein allgemeines, staatliches Verbot des Christentums? Auf welcher rechtlichen Basis? Wie geht Plinius in den Christenprozessen vor? Mit welchen speziellen Fragen wendet sich Plinius an Trajan, verfolgt er eine bestimmte Absicht? Und wie ist die Antwort des Kaisers zu bewerten?
Die Arbeit beleuchtet die aktuelle Forschungsdiskussion anhand zweier prägnanter Positionen: War Plinius knallharter Religionspolitiker oder selbstloser, naiver Humanist?

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Inhalt der Christenbriefe und Problemstellung

III. Plinius als Religionpolitiker

IV. Plinius als Humanist

V. Pro und Kontra

VI. Weder noch?

Zielsetzung & Themen der Arbeit

Die vorliegende Hausarbeit untersucht die historischen und juristischen Implikationen der sogenannten „Christenbriefe“ zwischen Plinius dem Jüngeren und Kaiser Trajan, um die Motivation hinter Plinius' Handeln im Umgang mit der frühen christlichen Minderheit kritisch zu hinterfragen.

  • Analyse der Christenbriefe als zentrale Quelle für die Rechtslage des frühen Christentums.
  • Gegenüberstellung der Forschungspositionen von A. Reichert und J. Molthagen.
  • Diskussion über die Intention von Plinius: Religionspolitik versus humanistische Gesinnung.
  • Untersuchung der Diskrepanz zwischen der Strafbarkeit des Christseins und der unterlassenen behördlichen Fahndung.

Auszug aus dem Buch

III. Plinius als Religionspolitiker

A. Reichert vertritt die Meinung, daß vor Plinius keine allgemeinen Rechtsvorschriften existierten, die den Umgang mit den Christen geregelt hätten. Trotzdem habe Plinius eine sehr klare, eigene Vorstellung davon, wie mit den Christen zu verfahren sei; seine im Eingang des Briefes erwähnte Unsicherheit bezöge sich nicht allgemein auf Unerfahrenheit mit Christenprozessen sondern vielmehr darauf, ob Trajan den speziell von ihm eingeschlagenen Weg billigen werde. Eigentliches Ziel des Plinius sei es, die Rechtslücke zu schließen, wozu er eigens eine Art „religionspolitisches“ Doppelprogramm ersonnen hat.

Mit dieser Zielstellung verfaßt Plinius seine Anfrage an den Kaiser, den er in seinem Sinne beeinflussen möchte. Entsprechend dieser Wirkungsabsicht habe Plinius seinen Brief literarisch gestaltet. In ihrer Analyse möchte A. Reichert Tatsachen und literarisches Arrangement voneinander trennen und kommt über durchaus scharfsinnige Beobachtungen schließlich zu dem Ergebnis, daß nicht viel als gesicherte Tatsache übrig bleibt. Insgesamt sei der Bericht des Plinius dazu angetan, die Apostaten zu entlasten, will er doch Straffreiheit für diese Gruppe erwirken. Zu diesem Zweck sei es aber notwendig gewesen, die Strafbarkeit auf das nomen ipsum zu fixieren, denn ehemaliges Christsein könne nur verziehen werden, stünden damit nicht automatisch andere erwiesene Verbrechen in Verbindung.

Zusammenfassung der Kapitel

I. Einleitung: Einführung in die Problematik der Christenbriefe als historische Quelle und Formulierung der zentralen Forschungsfrage bezüglich Plinius' Intention.

II. Inhalt der Christenbriefe und Problemstellung: Darstellung der drei Abschnitte der Plinius-Briefe sowie die Analyse der rechtlichen Unsicherheiten, die den Autor zu seiner Anfrage an Trajan bewegten.

III. Plinius als Religionpolitiker: Erörterung der These von A. Reichert, dass Plinius ein gezieltes religionspolitisches Doppelprogramm verfolgte, um die christliche Bewegung einzudämmen.

IV. Plinius als Humanist: Analyse des Erklärungsmodells von J. Molthagen, welches Plinius als behutsamen Akteur im Namen der Humanitas deutet, der auf Milderung der Rechtspraxis abzielte.

V. Pro und Kontra: Kritische Auseinandersetzung mit den beiden zuvor genannten Forschungspositionen unter Berücksichtigung faktischer Schwachstellen und wissenschaftstheoretischer Bedenken.

VI. Weder noch?: Synthese der Ergebnisse mit der Schlussfolgerung, dass die Briefe eher als Ausdruck praktischer Verwaltungsentscheidungen und latenter Kriminalisierung denn als klare Rechtssetzung zu interpretieren sind.

Schlüsselwörter

Plinius der Jüngere, Trajan, Christenbriefe, Christenverfolgung, Religionspolitik, Humanitas, Rechtsgeschichte, Kaiserzeit, Pontus-Bithynien, Apostaten, nomen ipsum, Quellenanalyse, Antike, Märtyrerakten, Rechtslage.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit beschäftigt sich mit dem Briefwechsel zwischen Plinius dem Jüngeren und Kaiser Trajan (ca. 112 n. Chr.) bezüglich des Umgangs mit christlichen Gemeinschaften in der Provinz Pontus-Bithynien.

Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?

Die Themenfelder umfassen die römische Religionspolitik, den rechtlichen Status des Christseins im römischen Reich sowie die historiographische Interpretation der Christenbriefe.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage dieser Arbeit?

Es wird untersucht, ob Plinius' Handeln von einer religionspolitischen Strategie gegen das Christentum oder von einem humanitären Impuls zur Milderung der bestehenden Rechtspraxis geleitet war.

Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?

Die Autorin/der Autor nutzt eine vergleichende Analyse zweier konträrer Forschungspositionen (Reichert vs. Molthagen) auf Basis der vorliegenden Primärquelle.

Was wird schwerpunktmäßig im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die inhaltliche Rekonstruktion der Briefe, die detaillierte Darstellung der zwei Forschungsansätze sowie eine kritische Prüfung der Plausibilität dieser Hypothesen.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?

Zentrale Begriffe sind das „nomen ipsum“ (der Name des Christseins als Straftatbestand), die „Humanitas“, „Religionspolitik“ und das „Trajan-Reskript“.

Warum wird im Dokument die Rolle von Plinius als "Schreibtisch-Täter" diskutiert?

Dieser Begriff reflektiert die Frage, ob Plinius starr und pragmatisch nach bürokratischen Mustern handelte, statt aus persönlicher Überzeugung oder einer expliziten kaiserlichen Anweisung zu agieren.

Welches Fazit zieht der Verfasser zur Historizität der Christenverfolgungen?

Der Verfasser schließt, dass "Verfolgung" kein einheitliches Konzept der Zeit war, sondern vielmehr lokale, situationsbedingte Reaktionen auf Konflikte widerspiegelte, die erst durch spätere Quellen überhöht wurden.

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Details

Title
Religionspolitik oder Humanitas - Zur Diskussion um die 'Christenbriefe' bei Plinius
College
University of Leipzig
Course
Polemik und Apologetik - Der literarische Kampf um den christlichen Wahrheitsanspruch
Grade
2+
Author
Mathias Pfeiffer (Author)
Publication Year
2006
Pages
20
Catalog Number
V54201
ISBN (eBook)
9783638494601
ISBN (Book)
9783638792066
Language
German
Tags
Religionspolitik Humanitas Diskussion Christenbriefe Plinius Polemik Apologetik Kampf Wahrheitsanspruch Mathias Pfeiffer Trajan Christen Märtyrer
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Mathias Pfeiffer (Author), 2006, Religionspolitik oder Humanitas - Zur Diskussion um die 'Christenbriefe' bei Plinius, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/54201
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