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Macht und Herrschaft nach Hannah Arendt und Michel Foucault

Ein Theorievergleich

Title: Macht und Herrschaft nach Hannah Arendt und Michel Foucault

Master's Thesis , 2020 , 56 Pages , Grade: 3,0

Autor:in: Bachelor of Arts Petra Drewitz (Author)

Sociology - Miscellaneous
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Zu den klassischen Fragen der Soziologie zählt die Frage, warum Menschen sich anderen Menschen unterordnen. Machtbeziehungen und wie diese zustande kommen ist ein vielfach untersuchter Bereich der Soziologie. Es gibt eine Vielzahl von Definitionen des Begriffs Macht in der Soziologie. Macht tritt in verschiedenen Formen auf und befindet sich im ständigen Wandel. Die prominenteste Definition von Macht stammt vom dem Soziologen Max Weber. Für Weber bedeutet Macht, jede Chance, innerhalb einer sozialen Beziehung zu nutzen, um den eigenen Willen gegen den Wiederstand durchzusetzen, egal auf was diese Chance be. Webers Sicht auf den Begriff macht ist eher negativ. Macht wird hier über eine Person oder über Gruppen ausgeübt. Der wissenschaftliche Begriff hierfür ist „power over“(vgl. Imbusch, 2013)

Die Politikwissenschaftlerin Hannah Arendt hat sich ebenfalls mit der Thematik Macht und Herrschaft auseinandergesetzt. Für Arendt ist Macht ein Phänomen, dass erst durch menschliches Handeln entsteht und in diesem Handeln existiert. Hannah Arendt sieht Macht als soziales Geschehen, die nur im Moment des Handelns existiert (vgl. Anter, 2018) In ihrem Werk „Macht und Gewalt kommt Arendt zu dem Schluss, dass Macht nicht ohne Kommunikation existieren kann und Macht niemals nur durch einen Einzelnen ausgeübt wird (ebd., 2018) Anders als Weber sieht Arendt in Gewalt keine Form von Macht. Gewaltausübung ist aus ihrer Sicht lediglich Machtlosigkeit (vgl. Anter, 2018). Aus Arendts Sicht sind Macht und Gewalt Gegensätze (vgl. Arendt, 1970). Macht ist am größten, wenn sie ohne Gewalt auskommt. Arendt besetzt mit diesen Gedanken den Machtbegriff positiv. (vgl. Anter, 2018). Für Arendt ist Macht ein Strukturelement der Gesellschaft. Mit Hilfe von Macht können Menschen gemeinschaftlichen handeln und dadurch die Gesellschaft gestalten.

Eine ähnlich positive Sicht auf den Machtbegriff hat Michel Foucault. Er beschreibt und bewertet Macht auf unterschiedliche Art und Weise. In seinem Text „Subjekt und Macht“ stellt er fest, dass es keine Gesellschaft ohne Machtbeziehungen gibt und diese Machtbeziehungen im gesellschaftlichen Geflecht verwurzelt sind. Ebenfalls kommt er zu dem Schluss, dass Freiheit Voraussetzung für Macht ist und Macht nur in Handlungen existiert. (vgl. Foucault, 2005). Foucault geht primär der Frage nach wie Macht ausgeübt wird und weniger wie Macht zustande kommt. „

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Das klassische Machtverständnis

3 Macht ohne Gewalt: Hannah Arendts Machtverständnis

4 Foucaults Theorie der Macht

5 Arendt vs. Foucault

5.1 Entstehungsräume von Macht: Macht als gemeinschaftliche Praxis

5.2 Macht als produktives Netz in der Gesellschaft

5.3 Repressive und produktive Formen von Macht und deren Auswirkungen auf die Gesellschaft

5.4 Die Unterscheidung von Macht und Herrschaft

5.5 Macht und Politik: Formen von staatlicher Herrschaft und deren Auswirkung auf die Gesellschaft

6 Das Machtverständnis für die heutige Gesellschaft

7 Fazit

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit verfolgt das Ziel, ein neues soziologisches Machtverständnis für die komplexe und stetig wandelbare heutige Gesellschaft zu definieren, indem sie die theoretischen Ansätze von Hannah Arendt und Michel Foucault kritisch vergleicht und integriert.

  • Vergleich klassischer und moderner Machttheorien
  • Analyse der Entstehungsräume von Macht bei Arendt und Foucault
  • Unterscheidung zwischen repressiven und produktiven Machtformen
  • Verhältnisbestimmung von Macht, Politik und Herrschaft
  • Anwendbarkeit der Theorien auf gegenwärtige gesellschaftliche Phänomene

Auszug aus dem Buch

3 Macht ohne Gewalt: Hannah Arendts Machtverständnis

Hannah Arendt ist eine der bedeutendsten politischen Theoretikerinnen der Moderne, die sich mit Machttheorien befasst hat (vgl. Anter 2018: 91). In ihrem Werk „Macht und Gewalt“ unterscheidet Arendt die Begriffe Macht und Gewalt und entwickelt aus dieser Analyse einen handlungsorientierten Machtbegriff. Arendt will die domminierende Sichtweise, dass politische Macht durch Gewalt zustande kommt, widerlegen und stattdessen aufzeigen, dass Macht nur durch Abgrenzung zur Gewalt vorhanden ist. Der Focus von Arents Machttheorie liegt auf dem Bereich des Handelns (vgl. Heuer, Heiter & Rosenmüller 2011: 114).

Um die Begrifflichkeit des Handelns zu verdeutlichen, erfolgt hier ein kurzer Exkurs zur Handlungstheorie von Hannah Arendt:

Mit dem Begriff Handeln hat sich Hannah Arendt im Werk „Vita activa“ auseinandergesetzt und drei Grundformen des Tätigseins benannt: das Arbeiten, das Herstellen und das Handeln. Arbeiten sind für sie alle Prozesse, die zyklisch wiederkehren und dazu dienen, den biologischen Lebensprozess zu erhalten. Dazu zählt kochen, Ackerbau oder auch putzen. Grundbedingung und Ziel sind hier identisch: das Leben. Arbeiten hinterlässt nichts, was nicht sofort wieder verbraucht werden kann. Das Kochen von Lebensmittel ist Arbeit im Sinne von Arendt; das daraus resultierende Produkt wird verzehrt. Im Gegensatz dazu steht das Herstellen. Zuerst wird die Idee einer Vorstellung von der Herstellung geboren, die dann realisiert wird und sich in einem materiell greifbaren Produkt zeigt. Zum Beispiel in einem Tisch, Auto oder Geschirr. Die produzierten Dinge haben Bestand, im Gegensatz zu den schnell konsumierten Produkten von Arbeit. Grundvoraussetzung für das Herstellen von Dingen ist, dass die Produkte den Zweck erfüllen, den Menschen dabei zu unterstützen, sich der Natur zu widersetzen, um sich in der Welt heimatlich zu fühlen. Von Arbeiten und Herstellen grenzt Arendt das Handeln ab. Handeln findet ohne materielle Dinge nur zwischen Menschen statt. Die Grundbedingung für das Handeln ist die Pluralität, denn durch das Handeln entstehen Beziehungen zwischen den Menschen. Pluralität bedeutet in diesem Fall, dass Handeln nur in Gegenwart anderer Subjekte möglich ist. Entscheidend ist hier, dass jede handelnde Person Bestandteil des öffentlichen Erscheinungsraums ist. Durch das Handeln und Sprechen im öffentlichen Erscheinungsraum zeigt die Person, wer sie ist.

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung: Einführung in das Thema Macht und Herrschaft, Vorstellung der klassischen sowie der Positionen von Arendt und Foucault und Darlegung der Forschungsabsicht.

2 Das klassische Machtverständnis: Darstellung der traditionellen soziologischen Machtbegriffe, insbesondere durch Max Weber und Heinrich Popitz.

3 Macht ohne Gewalt: Hannah Arendts Machtverständnis: Analyse des handlungstheoretischen Machtbegriffs bei Arendt, inklusive der Abgrenzung von Macht und Gewalt sowie Macht und Herrschaft.

4 Foucaults Theorie der Macht: Untersuchung der dezentralen, produktiven Machtkonzeption bei Foucault, inklusive der Rolle von Wissen und den Technologien der Macht.

5 Arendt vs. Foucault: Systematischer Vergleich der beiden Theorieansätze anhand von Themen wie Entstehungsräumen, Machtstrukturen und dem Verhältnis zu Politik.

6 Das Machtverständnis für die heutige Gesellschaft: Synthese der Ergebnisse beider Ansätze zur Formulierung eines neuen, flexiblen Machtverständnisses für die Moderne.

7 Fazit: Zusammenfassende Reflexion der theoretischen Ergebnisse und Bestätigung der Notwendigkeit eines zeitgemäßen Machtbegriffs.

Schlüsselwörter

Macht, Herrschaft, Hannah Arendt, Michel Foucault, Soziologie, Machtverständnis, Gewalt, Handeln, Produktive Macht, Repressive Macht, Diskurs, Gouvernementalität, Gemeinschaft, Politik, Gesellschaft

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundlegend?

Die Arbeit vergleicht die Machtkonzeptionen von Hannah Arendt und Michel Foucault, um ein zeitgemäßes soziologisches Verständnis von Macht für die heutige, von schnellem Wandel geprägte Gesellschaft zu entwickeln.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zentrale Felder sind die Abgrenzung von Macht und Gewalt, die Unterscheidung zwischen produktiven und repressiven Machtformen sowie das Verhältnis von Macht zu Politik und Herrschaft.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das primäre Ziel ist die Definition eines neuen, soziologischen Machtbegriffs, der der Komplexität moderner gesellschaftlicher Strukturen besser gerecht wird als klassische, eher negativ besetzte Modelle.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt eine komparative theoretische Analyse, bei der die Ansätze von Arendt und Foucault gegenübergestellt und auf ihre Anwendbarkeit für aktuelle gesellschaftliche Bedingungen hin untersucht werden.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil umfasst die detaillierte Darstellung der Machttheorien der beiden Autoren, deren systematischen Vergleich anhand ausgewählter Themenfelder und die darauf aufbauende Herleitung einer neuen Definition.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird durch Begriffe wie Macht, Herrschaft, kommunikatives Handeln, produktive Machtstrukturen, Diskurs und gesellschaftlicher Wandel charakterisiert.

Wie unterscheidet Hannah Arendt Macht von Gewalt?

Für Arendt sind Macht und Gewalt Gegensätze: Macht entsteht durch gemeinschaftliches Handeln und Konsens, während Gewalt die Abwesenheit von Macht signalisiert und auf Zwang und Werkzeugen basiert.

Was versteht Foucault unter produktiver Macht?

Foucault sieht Macht nicht nur als repressiv an, sondern als produktiv, da sie Wissen hervorbringt, Subjekte formt und das Feld möglicher Handlungen strukturiert.

Warum ist eine neue Definition von Macht für die Gegenwart notwendig?

Aufgrund der Komplexität und der schnellen Wandlungsprozesse der digitalen Moderne greifen klassische, statische Machtverständnisse zu kurz, weshalb ein flexiblerer, temporärer Machtbegriff erforderlich ist.

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Details

Title
Macht und Herrschaft nach Hannah Arendt und Michel Foucault
Subtitle
Ein Theorievergleich
College
University of Hagen  (Fakultät für Kultur- und Sozialwissenschaften)
Course
Allgemeine Soziologie uns Soziologische Theorie
Grade
3,0
Author
Bachelor of Arts Petra Drewitz (Author)
Publication Year
2020
Pages
56
Catalog Number
V542551
ISBN (eBook)
9783346168252
ISBN (Book)
9783346168269
Language
German
Tags
Arendt Foucault Macht Herrschaft
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Bachelor of Arts Petra Drewitz (Author), 2020, Macht und Herrschaft nach Hannah Arendt und Michel Foucault, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/542551
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