Diese Arbeit behandelt die Fragen wie sich die Finanzierung der Pflege im Krankenhaus zum 01.01.2020 verändert, welche Auswirkungen dies auf die klinische Leistungserbringung im Allgemeinen und der pflegerischen Leistungserbringung im Speziellen hat als auch welche künftigen Entwicklungswege der Vergütungssystematik bereits definiert bzw. antizipierbar sind.
Um die Bedeutung der veränderten Finanzierungsbedingungen abschätzen zu können, aber auch um die Vergütungsprinzipien der nicht ausgliederungsfähigen Kosten verständlich zu machen, werden zunächst die Grundprinzipien der Vergütung von Krankenhausleistungen im DRG-System behandelt. Dabei wurde der Schwerpunkt auf die Vergütung pflegerischer Leistungen gelegt. Im folgenden Abschnitt werden dann die neuen Normen der Pflegepersonalkostenfinanzierung beschrieben und deren Auswirkungen auf das klinische Leistungsgeschehen beleuchtet. In diesem Zusammenhang ergeben sich wiederholt Hinweise auf die bereits verankerten künftigen Entwicklungsmöglichkeiten des Systems, die durchaus auch Entwicklungschancen für den Stellenwert der Pflege im Erlösgeschehen beinhalten.
Die zum 01.01.2020 in Kraft getretene Ausgliederung der „Pflegepersonalkosten für die unmittelbare Patientenversorgung auf bettenführenden Stationen“ (§ 17b Abs. 4 KHG) hat den Gesundheitssektor in erheblichem Maße in Bewegung gesetzt. Die Herauslösung eines wesentlichen Teils der Kosten von Krankenhausbehandlung aus dem DRG-System stellt unmittelbar die Frage nach der Zukunft der Finanzierung von Krankenhausleistungen in Deutschland. Vereinzelt wird bereits der Einstieg in den Ausstieg aus dem DRG-System beschworen. Pflege redet inzwischen wieder ganz selbstverständlich über die Rückkehr zum Selbstkostenerstattungsprinzip.
Inhaltsverzeichnis
1 Anliegen und Methode
2 Recherche
3 Krankenhausfinanzierung in Deutschland
3.1 Fallpauschalierte Vergütung von Krankenhausleistungen im DRG-System
3.2 Kalkulation der Bewertungsrelationen
3.3 Budgetierung
3.4 Erlösverwendung und Erlösverteilung
3.5 Abbildung von Pflege im DRG-System
4 Die neue Vergütungssystematik im Krankenhaussektor
4.1 Das Pflegepersonalstärkungsgesetz
4.2 Ausgliederung der Pflegepersonalkosten aus den DRG
4.3 Vergütung der ausgegliederten Pflegepersonalkosten
4.4 Bestandteile des Pflegebudgets
5 Diskussion
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit analysiert die zum 01.01.2020 eingeführte Ausgliederung der Pflegepersonalkosten aus dem DRG-System und untersucht deren Auswirkungen auf die Finanzierung der Pflege im Akutkrankenhaus sowie die künftigen Entwicklungswege dieser Vergütungssystematik.
- Analyse der veränderten Finanzierungsbedingungen durch das Pflegepersonal-Stärkungs-Gesetz (PpSG).
- Bewertung der Ausgliederung der Pflegepersonalkosten aus dem DRG-Fallpauschalensystem.
- Untersuchung der Auswirkungen auf die klinische Leistungserbringung und das pflegerische Personalmanagement.
- Kritische Diskussion der Zielerreichung im Hinblick auf die berufspolitische Situation der Pflege.
- Ausblick auf mögliche zukünftige Entwicklungen hin zu einer separaten Pflege-DRG.
Auszug aus dem Buch
3.5 Abbildung von Pflege im DRG-System
„Die Pflege kann in DRG-Systemen grundsätzlich auf zwei Arten berücksichtigt werden:
auf der Ebene der Klassifikation;
auf der Ebene der Kostengewichtung und weiterer Kennzahlen“ (Fischer 2002: 90).
Bis zur Ausgliederung der Pflegepersonalkosten aus dem DRG-System wurde in Deutschland der zweite Ansatz verfolgt. Die fallbezogene Verrechnung des pflegerischen Aufwandes erfolgte in erster Linie über den Gemeinkostenposten Pflegepersonalkosten, welcher anhand leistungsbezogener Pflegesätze quantifiziert wurde. Diese „… berechnen sich anhand Daten aus Pflegeleistungen, z.B. aufgrund von LEP-Minuten, PPR-Minuten oder PRN-Punkten“ (Fischer 2002: 93). Der so ermittelte pflegerische Leistungsaufwand diente jedoch lediglich zur Bestimmung des Zuschlüsselungsfaktors. Eine Verwendung zur direkten Personalbemessung erfolgte nicht (vgl. Thomas et al. 2014: 11; vgl. Fischer 2002: 93).
Auf Klassifikationsebene bot das G-DRG-System zunächst keine Möglichkeit, das pflegerische Leistungsgeschehen auf direktem Wege abzubilden. Um den pflegerischen Leistungsbeitrag innerhalb der bestehenden Systematik erlöswirksam einzubringen, übernahm Pflege häufig Mitverantwortung in der Kodierung sog. pflegerelevanter Nebendiagnosen (vgl. Wieteck, Kraus 2016: 62 f.). „Pflegerelevante Nebendiagnosen sind medizinische Diagnosen mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit, auch für die Pflege bedeutsam zu erscheinen, bzw. Auswirkungen auf Pflegehandeln zu haben“ (Isfort et al. 2004: 110 f.).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Anliegen und Methode: Einleitung in die Problematik der Pflegefinanzierung und Vorstellung der Forschungsfragen.
2 Recherche: Beschreibung der methodischen Vorgehensweise bei der Literaturrecherche und Quellenvalidierung.
3 Krankenhausfinanzierung in Deutschland: Erläuterung der Grundlagen der Krankenhausfinanzierung sowie des DRG-Systems und der historischen Einbettung pflegerischer Leistungen.
4 Die neue Vergütungssystematik im Krankenhaussektor: Detaillierte Analyse des Pflegepersonalstärkungsgesetzes, der Ausgliederung der Pflegekosten und der neuen Budgetierungsregeln.
5 Diskussion: Kritische Auseinandersetzung mit der Finanzierungsreform und Ausblick auf zukünftige Systementwicklungen.
Schlüsselwörter
Krankenhausfinanzierung, DRG-System, Pflegebudget, Pflegepersonal-Stärkungs-Gesetz, PpSG, Pflegepersonalkosten, Fallpauschalen, aG-DRG, Pflegedienst, Krankenhausmanagement, Personalbemessung, Berufspolitik, Gesundheitsökonomie, Vergütungssystematik, Ausgliederung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Umgestaltung der Krankenhausfinanzierung in Deutschland durch die Ausgliederung der Pflegepersonalkosten aus dem bisherigen DRG-System.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Zentrale Themen sind das Pflegepersonal-Stärkungs-Gesetz, die Mechanismen der Pflegebudgetierung, die Abgrenzung von Pflegepersonalkosten und der Stellenwert der Pflege im Krankenhaus.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es zu klären, wie sich die Finanzierung der Pflege durch die neuen gesetzlichen Rahmenbedingungen zum 01.01.2020 verändert hat und welche Auswirkungen dies auf die pflegerische Versorgung hat.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine systematische Literaturrecherche, die Analyse rechtlicher Grundlagen, Gesetze und aktueller berufspolitischer Publikationen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Systematik der DRG-Vergütung, die Ausgliederungspflichten, die Struktur des Pflegebudgets sowie die betriebswirtschaftlichen Herausforderungen bei der Abgrenzung von Pflegepersonalkosten.
Durch welche Schlüsselwörter wird die Arbeit charakterisiert?
Wichtige Begriffe sind Pflegebudget, DRG, Pflegepersonal-Stärkungs-Gesetz, aG-DRG, Finanzierung, Personalbemessung und Krankenhausmanagement.
Warum wird die pflegerische Bewertungsrelation kontrovers diskutiert?
Da sie 2020 noch immer an medizinische DRG-Fallzahlen gebunden ist und somit keinen direkten Bezug zum tatsächlichen, individuellen Pflegebedarf des Patienten herstellt.
Welche Bedeutung hat die Zweckbindung des Pflegebudgets für Kliniken?
Sie verhindert, dass für Pflege vorgesehene Gelder in andere Bereiche wie die allgemeine Investitionsfinanzierung abfließen, was jedoch den finanziellen Spielraum der Kliniken einschränkt.
Welche Rolle spielt die Leiharbeit in der Pflege im neuen System?
Leiharbeit wird kritisch gesehen; ihre Refinanzierung ist auf Tariflohn-Niveau begrenzt, um den Anreiz zur Festanstellung zu erhöhen.
- Citation du texte
- Raffael Schmidt (Auteur), 2020, aG-DRG und Pflegebudget. Systemwechsel 2020 und die Finanzierung der Pflege im Akutkrankenhaus, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/542552