Diese Arbeit beschäftigt sich mit der Thematik der Umkehrung des europäischen Integrationsprozesses im Vereinigten Königreich anhand der Theorie des Neofunktionalismus. Hauptaugenmerk soll in der Beantwortung der Frage liegen, inwieweit und ob die Theorie in der Lage ist, erklären zu können, wie ein Wandel von Integration zu Desintegration erfolgen kann.
Die zentrale Frage dieser Arbeit wird sich mit dem Neofunktionalismus und dem sogenannten "spill-back" als Gegenteil des bekannten "spill-overs" danach richten, ob die Theorie in der Lage ist, den Austrittsprozess Großbritanniens in desintegrativer Form zu erklären und andernfalls dazulegen, warum und an welchen Stellen die Theorie Schwierigkeiten hat, die Thematik zu erfassen. Die Theorie an sich wird dabei hinsichtlich ihrer umgekehrten Grundaussagen angewendet.
In den vergangenen Jahren kannten die Mitgliedstaaten der EU sowie die Europäische Union als supranationale Organisation nur eine Richtung, die der Verstetigung europäischer Integration. Spätestens seit dem eingeleiteten Austrittsprozess Großbritanniens ist erkennbar, dass ebenfalls der Wunsch nach weniger Integration besteht und (die britischen) Bürger mehr Eigenständigkeit und Unabhängigkeit von Brüssel wollen und daher für den Austritt gestimmt haben.
Inhaltsverzeichnis
EINLEITUNG
DIE ENTWICKLUNG DER EUROPÄISCHEN UNION
HAUPTTEIL
THEORETISCHE GRUNDLAGEN
FUNKTIONALISMUS
NEOFUNKTIONALISMUS
DIE EUROPÄISCHE INTEGRATION DES VEREINIGTEN KÖNIGREICHS IM ÜBERBLICK („SPILL-OVER“)
ANALYSE - DIE EUROPÄISCHE DESINTEGRATION DES VEREINIGTEN KÖNIGREICHS („SPILL-BACK“)
MIGRATION
REFORMVERHANDLUNGEN MIT DER EUROPÄISCHEN UNION
KAMPAGNEN
REFERENDUM & VORLÄUFIGER EU-UK-AUSTRITTSVERTRAG
WIRTSCHAFTLICHE FOLGEN
AUSBLICK
SCHLUSSTEIL
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit verfolgt das Ziel, den Austritt des Vereinigten Königreichs aus der Europäischen Union mithilfe der Theorie des Neofunktionalismus zu analysieren. Dabei steht die Forschungsfrage im Mittelpunkt, inwiefern die Theorie in der Lage ist, den Prozess der Integration in einen Prozess der Desintegration umzukehren und zu erklären, wobei der Fokus insbesondere auf dem Konzept des sogenannten „spill-back“ liegt.
- Anwendung neofunktionalistischer Theorien auf den Brexit-Prozess
- Analyse der Rolle von Migration und wirtschaftlichen Faktoren als Desintegrationsbeschleuniger
- Untersuchung der politischen Kampagnen und Verhandlungsprozesse
- Evaluation der Übertragbarkeit von „spill-over“-Effekten auf einen „spill-back“-Mechanismus
Auszug aus dem Buch
Neofunktionalismus
Ernst B. Haas entwickelte den Funktionalismus zum Neofunktionalismus weiter. Durch eine erfolgreiche Kooperation in einem Teilbereich entsteht eine Eigendynamik, welche in benachbarte, potenzielle weitere Beiche „überschwappt“, sodass stattgefundene Integration zwangsläufig weitere Integrationsprozesse nach sich ziehen. Durch die Wechselwirkung der Sektoren Wirtschaft und Technik kann z.B. der Agrarsektor im nächsten Schritt angegangen werden, sodass auch hier eine weitere Integration erfolgt.
Dieser Effekt steht im Mittelpunkt der Theorie und wird „spill-over“-Effekt genannt (Vgl. Plenk, 2015, pp. 21–39). Die Theorieart ist im sozialwissenschaftlich, empirisch-analytischen Bereich einzuordnen und enthält sozialkonstruktivistische und neoliberal institutionalistische Anteile. Die zentrale Fragestellung des Neofunktionalismus lautet somit: „Warum kooperieren Staaten und wieso entsteht Integration (Vgl. Plenk, 2015, p. 39)?“
Integration läuft im Neofunktionalismus, anders als im Funktionalismus, auch nicht unbedingt automatisch ab, da wie am Bespiel der Politik des leeren Stuhls nach Charles de Gaulle, immer Vorbehalte und Gegenspieler existieren können. Endziel der Theorie ist immer eine supranationale, möglicherweise aber auch eine regionale Föderation. Die Staaten und die Gesellschaft werden möglicherweise durch die internationale politische Gemeinschaft oktroyiert (Vgl. Plenk, 2015, p. 39).
Zusammenfassung der Kapitel
THEORETISCHE GRUNDLAGEN: Dieses Kapitel erläutert die theoretischen Fundamente des Funktionalismus nach David Mitrany und dessen Weiterentwicklung zum Neofunktionalismus durch Ernst B. Haas.
DIE EUROPÄISCHE INTEGRATION DES VEREINIGTEN KÖNIGREICHS IM ÜBERBLICK („SPILL-OVER“): Hier wird der historische Beitrittsprozess und die Entwicklung des Verhältnisses zwischen Großbritannien und der EU bis zur Zeit des Brexits skizziert.
ANALYSE - DIE EUROPÄISCHE DESINTEGRATION DES VEREINIGTEN KÖNIGREICHS („SPILL-BACK“): Dieses Kernstück analysiert konkrete desintegrative Ereignisse, darunter Migrationsfragen, die Verhandlungen von David Cameron sowie die Kampagnen vor dem Referendum.
WIRTSCHAFTLICHE FOLGEN: Dieses Kapitel beleuchtet die ökonomischen Auswirkungen des Brexits, insbesondere den drohenden Verlust des Zugangs zum EU-Binnenmarkt und die damit verbundenen Wohlfahrtsverluste.
AUSBLICK: Hier werden potenzielle zukünftige Szenarien für die Entwicklung des Vereinigten Königreichs und der Europäischen Union nach dem Referendum skizziert.
Schlüsselwörter
Neofunktionalismus, Brexit, Europäische Union, Desintegration, Spill-over, Spill-back, Migration, Integration, Vereinigtes Königreich, Wirtschaft, Referendum, Politik, Supranationalität, Austritt, Wohlfahrtsverlust
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht den Austritt Großbritanniens aus der EU unter Anwendung der politikwissenschaftlichen Theorie des Neofunktionalismus.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder umfassen die Theoriebildung zur Integration, die historische Einordnung des Verhältnisses UK-EU sowie die Analyse konkreter politischer und wirtschaftlicher Desintegrationsfaktoren.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, zu klären, ob der Neofunktionalismus durch eine Umkehrung seiner Grundannahmen (vom „spill-over“ zum „spill-back“) den Brexit-Prozess erklären kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoriegeleitete Analyse, bei der neofunktionalistische Konzepte auf aktuelle politische Ereignisse des Brexit angewandt werden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlagen, den historischen Überblick der Integration und eine detaillierte Analyse der Desintegrationsfaktoren wie Migration und wirtschaftliche Folgen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Neofunktionalismus, Desintegration, Spill-back und Brexit geprägt.
Warum war der Begriff „spill-back“ für die Analyse so wichtig?
Der „spill-back“ dient als theoretisches Pendant zum „spill-over“, um Prozesse der Entflechtung und den Rückzug politischer Loyalitäten vom supranationalen zurück zum nationalen Raum zu beschreiben.
Inwiefern beeinflussten die Migrationsströme den Austrittsprozess laut der Analyse?
Die Arbeit zeigt auf, dass der Zuzug von EU-Bürgern, gepaart mit Ängsten vor Überfremdung und der wirtschaftlichen Lage nach 2008, den Nährboden für die desintegrativen Forderungen bildete.
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- Anonym (Autor), 2019, Integration und Desintegration des Vereinigten Königreichs am Beispiel des Brexits, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/542615