Der Brief des Paulus an die Kolosser


Seminararbeit, 2019

7 Seiten, Note: 1


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Einleitendes

II. Kolosserbrief

III. Konklusionen

Bibliographie

I. Einleitende Annaherung

Wie jeder Brief im Neuen Testament, hat auch der Brief des Paulus an die Kolosser einen besonderen und eigenen Charakter, Bedeutsamkeit und schlieBlich eine eigene Geschichte, sodass das Anliegen des Kolosserbriefs einerseits, die Einzigartigkeit des Christentums versus andere Irrlehren betont, und andererseits uber das rechte Leben der Christen als Wahrung der Tradition predigt. Die vier Kapitel des Kolosserbriefs weisen jedoch, neben dieser Thematisierung, eine gewisse Ahnlichkeit mit den Romerbrief und besonders mit dem Epheserbrief auf, und daruber hinaus unterscheidet sich der Sprachstil und die Gedankenfuhrung des Kolosserbriefs von dem der authentischen paulinischen Briefe1. Dieses fuhrt zu Fragen der Herkunft und des Entstehungsverhaltnisses, der theologischen Themen und Schwerpunkte welche sich in den Kolosserbrief darstellen, und anderen Fragen, die zurKlarung bedurfen. Somit ist Ziel dieser Arbeit, einen kurzen inhaltlichen und einleitungswissenschaftlichen Uberblick zu gewahren um anschlieBend die Streitfragen unter die Lupe zu nehmen.

II. Kolosserbrief

Der Kolosserbrief ist bereits in der altesten Paulusbriefsammlung (P 46 , Ende 2. Jh.) enthalten sowie in den groBen Bibelhandschriften des 4. und 5. Jh. (Sinaitikus X ,Vatikanus B etc).2

Der Briefist sehr kunstvoll geschrieben worden und ist ziemlich klar abgegrenzt.

Der Briefrahmen ist klar abgegrenzt. Das Praskript ( Kol 1,1 -1,2) beinhaltet Absenderangabe (Superscriptio), Adressatenangabe (Adscriptio) und den GruB ( Salutatio). Die Superscriptio ist durch Paulus und Timotheus konturiert: ,,Paulus, ein Apostel Christi Jesu durch den Willen Gottes, und Bruder Timotheus."3 Die Adscriptio ist in Kol 1,2 gegeben: an die Heiligen in Kolossa, die glaubigen Bruder in Christus“. Der Brief ist also an die christliche Gemeinde in Kolossa gerichtet. Paulus kannte diese Gemeinde nicht personlich ( Kol 2,1). Die Salutatio erscheint in einer Kurzform: „ Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserm Vater!“4

Aufgrund der Besonderheiten die der Kolosserbrief gegenuber den eindeutig zugeschriebenen Briefen, aufweist, ist festzustellen dass der Brief nicht Paulus verfasst hat, und vielmehr, dass es sich um ein deuteropalinischen bzw. pseudepigraphes Schriftstuck handelt. Dieser Brief stammte wahrscheinlich von emem Schuler des Paulus, der andere Paulusbriefe als Vorlage benutzte ( Philemonbrief, Romerbrief).5 Die Satze in den Kolosserbrief sind sehr viel langer als in den anderen Paulusbriefe, die Empfanger werden mit der Bezeichnung „Geschwister“ angeredet (in den anderen Briefen nicht), die Gedankenfuhrung ist anders als in den authentischen Briefen und die theologische Begrifflichkeit zeigt dass diese an manchen Stellen weiterentwickelt wurden.6 Der Brief ist nach dem Tod des Paulus, um das Jahr 70, geschrieben worden. Man spekuliert dass der Brief in Ephesus, wo man die Paulusschule vermutete, entstanden ist. Die Gemeinde in Kolossa ist dem Paulus nicht personlich bekannt, er kennt diese nur vom Horen. Paulus wird als Gefangener dargestellt, der trotz seines Elends lebendiges Interesse an das Christus-Evangelium und der Kirche hat. Das Gefangenschaftsmotiv ist aus den Philemonbrief ubernohmen worden7, der de facto ein echter paulinischer Gefangenschaftsbrief ist.

Der Briefkorpus ( Kol 1,3 - 4,6) beinhaltet das Proomium ( Kol 1,3-11), die Darlegung des thematischen Inhalts bzw. die Auseinandersetzung mit der >>Philosophie<< ( 1,12 -2,23), und die Paranese (Kol 3,1 - 4,1).

In der Danksagung/ Proomium, dankt der Verfasser fur den Glauben der Gemeinde. Das Evangelium wurde von Epaphras verkundet und die Gemeinde hat das wahre Evangelium richtig empfangen. Das Evangelium tragt jetzt Fruchte; Stichworter an dieser Stelle lauten: Glaube, Liebe und Hoffnung ( Kol 1,4 -1,5). Das Proomium schlieBt mit einer Furbitte, eine Furbitte die sich auf die vollige Erkenntnis des Willens Gottes durch die Gemeinde richtet und ein dem Herrn wurdiges Leben der Christen propagiert.8

Die Auseinandersetzung mit der >>Philosophie<< ( Kol 1,12-2,23) legt folgende Punkte dar: Grundlegung des Christus-Hymnus ( Kol 1,12-23), die Anwendung des Hymnus auf die Gemeinde und die heilsgeschichtliche Funktion des Apostels in Verbindung mit den Geschehen der Offenbarung ( Kol 1,24 - 2,5) und die Kritik der Irrlehre und die Warnung vor der Irrlehre ( Kol 2,6-23).

Der Christushymnus ist quasi ein Lobpreis Christi der folgende Aussagen bekraftigt: Christus ist der Schopfermittler und Versohner der Menschen mit Gott und Christus ist der Erste in Schopfung und Erlosung.9 Das Heilswerk Christi dehnt sich auf den gesamten Kosmos aus, alles besteht durch Ihm ( Kol 1,15-16) und Er ist >>vor allem<<..10

Folgend wird die Bedeutung des Christushymnus fur die Gemeinde dargestellt und die heilsgeschichtliche Funktion des Apostels in Verbindung mit den Geschehen der Offenbarung angezeigt (Kol 1,24 -2,5). An dieser Stelle vergleicht man Paulus leidende Existenz als Apostel mit das Evangelium vom Kreuz. Paulus wurde von Gott zu den Heiden gesandt. Die Leiden des Apostels sollen die Gemeinde starken. Die Kolossergemeinde soil in Liebe zusammenhalten und Einsicht in das gottliche Geheimnis haben, welches Christus ist.11

Die Darlegung der Irrlehre und die Warnung vor der Irrlehre wird in Kol 2,6-23 angesprochen.12

Die Paranese ( Kol 3,1 - 4,1) kann man wie folgt untergliedern:

-die christologische Begrundung der Paranese ( Kol 3,1-4) -Tugend- und Lasterkataloge, allgemeine Mahnungen ( Kol 3,5-17) -Haustafel ( Kol 3,18 -4,1)

Also, der Verfasser beginnt die Paranese mit einer kurzen theologischen Grundlegung indem er die Auferweckung mit Christus durch die Taufe betont und zeigt dass gleichzeitig ein Streben nach den himmlischen Dingen entsteht, denn die Offenbarung des Lebens der Christen erfolgt erst mit der Offenbarung Christi.

Die Adressaten sollen alles Irdische an sich >>toten<< um nicht den Zorn Gottes herauszufordern und sie sollen nicht vergessen dass sie neugeboren sind, also zu neuen Menschen geworden sind, und sollen somit auch entsprechend leben.13 Eine ahnliche Aussage wird auch in Galaterbrief bekraftigt: „ Hier ist nicht Jude noch Grieche, hier ist nicht Sklave noch Freier, hier ist nicht Mann noch Frau; denn ihr seid allesamt einer in Christus Jesus." ( Gal 3,28)

Die Haustafel14, welche die Paranese abschlieBt, richtet sich an die paarweise zugeordneten Gruppen Frauen/Manner, Kinder/Vater und Sklaven/Herren. Es geht sozusagen um die christliche Hausordnung bzw. um die ethischen Konsequenzen fur das Zusammenleben in der Hausgemeinschaft15

Der Briefschlufi bzw. das Postscriptum beinhaltet folgendes:

die SchluBparanese ( Gal 4,2-6)

Sendung des Tychikus, GruBe und GruBauftrage ( Gal 4,7 -17)

SchluBgruB ( Gal 4,18)

Die Schlussparanese mahnt zum Beharren im Gebet und Furbitte fur den Apostel: ,, Seid beharrlich im Gebet und wacht in ihm mit Danksagung!Betet zugleich auch fur uns, dass Gott uns eine Tur fur das Wort auftue und wir das Geheimnis Christi sagen konnen, um dessentwillen ich auch in Fesseln bin,damit ich es offenbar mache, wie ich es sagen muss.Verhaltet euch weise gegenuber denen, die draufien sind, und kauft die Zeit aus.Eure Rede sei allezeit freundlich und mit Salz gewurzt, dass ihr wisst, wie ihr einem jeden antworten sollt." ( Kol 4,2-6)

GruBe und letzte Anweisungen schlieBen den Brief ab: ,, Mein Grufi mit meiner, des Paulus, Hand. Gedenkt meiner Fesseln! Die Gnade sei mit euch!" ( Gal 4,18)

III. Konklusionen

Der Brief des Paulus an die Kolosser macht klar und deutlich, dass Christus in uns ist, dass er die Hoffnung der Herrlichkeit sei und nicht zuletzt, dass diese Herrlichkeit fur uns gilt, durch die praktische Realisierung der Einheit der Gemeinde mit Christus. Christus in uns und mit uns als Haupt verbunden, ist heute der Hoffnungsmuster, und nicht zu vergessen, dass diese Hoffnung in der Zukunft realisiert werden wird. Wir werden erfullt und Er wird Haupt uber alles sein und alles erfullen lassen.

Der Kolosserbrief ist lediglich fragmentarisch in Papyrus 46 bezeugt16 und lasst nach den Sprachstil, syntaktischer Konstruktion und Lange der Satze aufeinen anderen Verfasser, als Paulus, deuten. Weil der Brief auch andere Merkmale aufzeigt, welche in vorherigen Abschnitt, gezeigt wurden, ist der Kolosserbriefein deuteropalinischen und pseudepigraphes Schriftstuck.17

Die literarische Integritat des Kolosserbriefs ist unbestritten.

[...]


1 Vgl. Reuter, Rainer, Einleitung in das Neue Testament, Buren, 2019, S. 294 -295

2 Vgl. Standhartinger, Angela, Kolosserbrief, in: Wibilex-Das wissenschaftliche Bibelportal der Deutschen Bibelgesellschaft, Januar 2010, S.4

3 Vgl.Kol1,1

4 Vgl. Kol.1,2b

5 Vgl. Reuter, Rainer, Einleitung in das Neue Testament, Buren, 2019, S. 294-295

6 Ebd. S.294-296

7 Vgl. Phil 1,7; Phil 13,17

8 ,, Darum lassen wir auch von dem Tag an, an dem wir's gehort haben, nicht ab,fur euch zu beten undzu bitten, dass ihr erfullt werdet mit der Erkenntnis seines Willens in aller geistlichen Weisheit und Einsicht, dass ihr des Herrn wurdig lebt, ihm in allen Stucken gefallt und Frucht bringt in jedem guten Werk und wachst in der Erkenntnis Gottes

9 und gestarkt werdet mit aller Kraft durch seine herrliche Macht zu aller Geduld und Langmut.” Kol 1,9-11 9,, Er ist das Ebenbild des unsichtbaren Gottes,der Erstgeborene vor aller Schopfung." Kol 1,15

10 ,, Es ist deutlich in zwei Abschnitte unterteilt und preist Christus zunachst als den praexistenten Schopfungsmittler, durch den der ganze Kosmos und seine Bewohner erschaffen sind und in dem sie ihren Bestand haben. Im zweiten Teil des Stuckes steht demgegenuber das von Gott durch Christus vollbrachte Versohnungswerk im Mittelpunkt." (Reuter, Rainer, Einleitung in das Neue Testament, Buren, 2019, S. 300)

11 Hier wird die These aufgegeben dass der Paulus >>in seinem Fleisch<< auffullt, was an Leiden des Christus noch fehlt ( Kol 1,24). Nicht nur die Gemeinde in Kolossa und ihre Nachbargemeinde ( Kol 2,1) sei Ziel der apostolischen Verkundigung, sondern die ganze Welt.

12 Die Gemeinde ist bedroht von Irrlehrern. ,, Diese vertreten eine Philosophie, in welcher die Weltelemente, daneben aber auch ein Engelkult (2,18), zentrale Rollen spielen. Zugrunde lag anscheinend die Vorstellung, dafi die Weltelemente, welche in einem standigen Kampf gegeneinander stehen, den Menschen in seiner heillosen Situation festhalten und ihm den Aufstieg in die obere, geistige Welt verwehren. Die Seele kann nur dann dem unheilvollen materiellen Bereich entrinnen, wenn sie den Beistand jener Engelswesen gewinnt, die den Raum zwischen derunteren undder oberen Welt in Besitzgenommen haben. Vielleicht wurde Christus von den Irrlehrern als eines dieser himmlischen Engelswesen verstanden. Jedenfalls durfte die kolossische Haresie eine Spielart der damals verbreiteten pythagoreischen Lehrsysteme gewesen sein, die wiederum Vorstufen fur den Gnostizismus darstellen." ( Roloff, Jurgen, Einfuhrung in das Neue Testament, Stuttgart,2003,S.199)

13 ,, Da ist nicht mehr Grieche oder Jude, Beschnittener oder Unbeschnittener, Nichtgrieche, Skythe, Sklave, Freier, sondern alles undin allen Christus." Kol 3,11

14,, Ihr Frauen, ordnet euch euren Mannern unter, wie sich's gebuhrt in dem Herrn.Ihr Manner, liebt eure Frauen und seid nicht bitter gegen sie.Ihr Kinder, seid gehorsam den Eltern in allen Dingen; denn das ist wohlgefallig in dem Herrn. ,, Ihr Vater, erbittert eure Kinder nicht, damit sie nicht scheu werden.Ihr Sklaven, seid gehorsam in allen Dingen euren irdischen Herren, nicht mit Dienst vor Augen, um den Menschen zu gefallen, sondern in Einfalt des Herzens undin der Furcht des Herrn.Alles, was ihrtut, das tut von Herzen als dem HerrnundnichtdenMenschen,denn ihr wisst, dass ihr von dem Herrn als Lohn das Erbe empfangen werdet. Ihr dient dem Herrn Christus!" ( Kol 3-24)

15 Vgl. Vgl. Reuter, Rainer, Einleitung in das Neue Testament, Buren, 2019,S.299

16 Ebd. S. 294

17 Ein anderer Beweis, ware die Tatsache dass auBer der Romerbrief, der an einer nicht von ihm gegrundeten Gemeinde, es keine andere Briefe gibt, wo die Gemeinde nicht durch Paulus entstanden ware. Nach der Angabe des Briefes ist die Gemeinde in Kolossa von Epaphras gegrundet worden. Andere Indizien: Es gibt kaum gegliederte Satze, die Satze sind sehr lang, Gedankefuhrung sehr assoziativ, Lieblingsworter bzw. Typische Worter von Paulus fehlen, die prasentische Eschatologie des Briefes versus futurische Eschatologie in Romerbrief u.a.m

Ende der Leseprobe aus 7 Seiten

Details

Titel
Der Brief des Paulus an die Kolosser
Hochschule
Universitatea Lucian Blaga din Sibiu  (Evangelische Theologie)
Veranstaltung
NT Einleitung
Note
1
Autor
Jahr
2019
Seiten
7
Katalognummer
V542680
ISBN (eBook)
9783346165077
Sprache
Deutsch
Schlagworte
brief, kolosser, paulus
Arbeit zitieren
Mihai Daniel Udrea (Autor), 2019, Der Brief des Paulus an die Kolosser, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/542680

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