Die religiöse Legitimation in der Königswahl nach der Goldenen Bulle


Hausarbeit, 2017

14 Seiten, Note: 2,0

Anonym


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Quellenkritik Äußere Quellenkritik

3. Der Ablauf der Königswahl unter religiös legitimierten Gesichtspunkten
3.1 Die religiöse Legitimation im Wahlvorgang
3.2 Die religiöse Legitimation im Zeremoniell des Krönungsvorgangs und der Rituale

4. Fazit

5. Quellen- und Literaturverzeichnis

1. Einleitung

In der vorliegenden Hausarbeit beschäftige ich mich mit dem Thema „Die religiöse Legitimation in der Königswahl nach der Goldenen Bulle“. Meine Arbeit greift folgende Fragestellung auf: „Wie ist eine Herrschaftsordnung religiös begründet?“. Die Hauptquelle ist die Goldene Bulle, ein Gesetzestext aus dem Jahr 1355/56. Kaiser Karl IV., der Verfasser, hatte den Gesetzestext zu Kaiserzeiten erlassen. Die Goldene Bulle, hatte die Funktion die Modalitäten einer Reichswahlordnung zu regeln. Durch die Goldene Bulle, wurde das Verhältnis des Königs zu den Kurfürsten bestimmt, da durch sie Fragen zur Wahlregelung der sieben Kurfürsten und Rangordnung geklärt wurden. Mit der Goldenen Bulle, bekam das Heilige Römische Reich gleichzeitig zum ersten Mal eine Struktur im System. Die Struktur der Goldenen Bulle spiegelte gleichzeitig die göttliche Weltordnung wieder. An dieser Stelle darf auch nicht vergessen werden, dass Religiosität im Mittelalter als Leitmotiv galt. Das Weltbild des Mittelalter-Menschen, war in aller Hinsicht religiös geprägt und somit auch die Herrschaftsordnung. Das Leitmotiv lässt sich deswegen auch in der Goldene Bulle wiederspiegeln. Aufgrund dieser Tatsache, kann man behaupten, dass sich das Thema meiner Hausarbeit wie ein „goldener Faden“ durch die Goldene Bulle zieht und somit an mehreren Stellen wiederzufinden ist. Deutlich wird dieses schon in der Einführung bzw. im Prolog der Goldenen Bulle. Im Prolog der Goldenen Bulle lässt sich ein Gebet wiedererkennen, welches die universale und kosmische Ordnung wiedergibt.

Die vorliegende Arbeit besteht aus dem Kapitel Quellenkritik (2), in der die Goldene Bulle als Quelle untersucht wird und ihr Quellenwert herausgearbeitet wird. Diese Informationen sind relevant, um einen Überblick über die Quelle zu verschaffen. Des Weiteren folgen im Hauptteil zwei zentrale Kapitel, die sich mit der Fragestellung auseinandersetzten. Kapitel 3.1 beschäftigt sich mit religiöser Legitimation im Wahlvorgang selbst. Hier findet eine punktuelle Untersuchung des Wahlverfahrens unter religiösen Gesichtspunkten statt. Darauf folgt der letzte Kapitel 3.2 in der es um die religiöse Legitimation im Zeremoniell der Krönung und den Ritualen geht. Im Fazit werde ich die Fragestellung dieser Arbeit aufgreifen und die im Hauptteil gelieferten Argumente präsentieren.

2. Quellenkritik Äußere Quellenkritik

Die Goldene Bulle von 1356, ist ein Reichsgesetzbuch, das bis 1806 Gültigkeit hatte. Sie zählt als das wichtigste Verfassungsdokument des mittelalterlichen römisch­deutschen Reiches. Der Verfasser, Karl IV., lebte von 1316 bis 1378. Im Jahr 1346 wurde er zum römisch-deutschen Kaiser ernannt. Ein Jahr später, im Jahr 1347 wurde er König von Böhmen.1

Die Goldene Bulle ist eine Urkunde und fällt unter die Gattung der Rechtsquellen im Bereich der Diplomatie. Durch das goldene Siegel (aurea bulla), was bekannt für Kaiser- und Königsurkunden war, wurde das Gesetzbuch die Goldene Bulle genannt. Zuvor nannte Kaiser Karl IV. es „unser kaiserliches Rechtbuch.“ 2 In der Goldenen Bulle wurde die lateinische Sprache festgelegt. Die Absicht der Sprache lässt sich im Folgenden gut wiederspiegeln.

„Im 31. und letzten Kapitel, dem Sprachenkapitel, hat der [...] sprachgewaltige Kaiser für die Spracherziehung der angehenden weltlichen Kurfürsten neben der grammatica, also Latein, und einer nicht näher spezifizierten slawischen, sicher westslawischen Sprache das Italienische, nicht aber Französische, als notwendig erachtet. [...] Von den vier weltlichen Kurfürsten hatten wenigstens zwei auch slawischsprechende Untertanen bzw. Nachbarn. Also wird man eher an die gesprochene Sprache zu denken haben und nicht an die Urkundenausfertigungen.“3

Die ersten 23 Kapitel wurden von Karl IV. am 10. Januar 1356 auf dem Nürnberger Reichstag erlassen. Die Kapitel 24 bis 31 wurden ebenfalls von Kaiser Karl IV. in der Reichsversammlung zu Metz am 25 Dezember 1356 publiziert.4 4 Im Grunde stellen Kapitel 24 bis 31 eine Erweiterung bzw. Ergänzung dar. An dieser Stelle ist ebenfalls anzumerken, dass die Goldene Bulle ein Resultat der Beratungen im Nürnberger Reichstag ist. Es wurden also zuvor schon Überlegungen dazu gemacht und später wurde die Niederschrift durch einen Schreiber vorgenommen.5 Die Absicht Karl IV., bei der Entwicklung der Goldenen Bulle war es, eine allgemein anerkannte Königswahl zu garantieren und die Rechte der Kurfürsten zu regeln, um somit das Wohl des Reiches zu sichern. Zudem regelte sie auch die Wahl der Kurfürsten. Auch die Absage des Mitspracherechts vom Papst bei der Königswahl, ist durch die Goldenen Bulle bezweckt. Das Folgenden Zitat verdeutlicht die Funktion der Goldenen Bulle nochmal.

„[...] Erstens um die Regelung der Königswahl in derartig eindeutigen und klaren Formen, daß es nie wieder zu einer Doppelwahl oder auch nur zu einer unklaren Wahl kommen konnte, d.h. nach dem Majoritätsprinzip. [...] Zweitens plante Karl die endgültige Festlegung der weltlichen Kurfürsten.“6

Durch die Goldene Bulle bekamen die Kurfürsten eine Unverletzlichkeit und Gerichtsfreiheit zugesprochen was dazu führte, dass sie autonom und ungestört in ihren Territorien herrschen konnten. Zu den Abschriften und Überlieferungszusammenhängen der Goldenen Bulle wurde ausfindig gemacht, dass es 20 Handschriften gibt, die nur die Goldene Bulle enthalten. In 17 Privilegienbüchern, elf Stadt- und städtischen Büchern, 50 Bücher zu Landfrieden und Kirchenschutz, Land und Lehnrecht lässt sich die Goldene Bulle ebenfalls wiederfinden. Es kommt noch hinzu, dass die Goldene Bulle elf Mal in Form von Humanistischen Handschriften, 19 Mal in Neuzeitlichen Handschriften, 23 Mal in Sammelhandschriften und 17 Mal in Form von Deperdita gesichert ist.7 Neben den sieben Ausfertigungen, sollen 170 Abschriften und 1370 Übersetzungen ins Deutsche vorliegen.8

Es gibt insgesamt sieben Ausfertigungen. Zu ihnen das Böhmische, Kölner, Mainzer, Pfälzisches, Trier, Frankfurter und Nürnberger Exemplar.9 Unter diesen sieben Ausfertigungen gibt es zahlreiche Abweichungen, die aber nur zu verschiedenen Lesearten führen. Sie wirken sich also nicht auf die einzelnen Rechte und Bestimmungen aus, sodass dem einen Kurfürsten mehr bzw. weniger Rechte zugesprochen wurden.10 Über die Frage, welche Ausfertigung die verbindliche ist, wurden ebenfalls Forschungen gemacht.

„In der Forschung ist mehrfach die Frage behandelt worden, welche Ausfertigung als das verbindliche Reichsexemplar anzusehen sei. Zunächst vermutete man es in dem Frankfurter oder auch in dem Mainzer Exemplar. Später bezeichnete Harnack das Böhmische Exemplar „als das wahre Original der Goldenen Bulle“; ihm schloß sich Lindner an, [...].“11

Es wird davon ausgegangen, dass das Böhmische Exemplar, als das Original der Goldenen Bulle anzunehmen ist. Zeumer dagegen, machte die Feststellung, dass alle Ausfertigungen den gleichen rechtlichen Wert tragen. Hierbei scheint Zeumer Recht zu haben, da schon in Sonderfällen vor 1356, zwei oder sogar mehrere Urkunden ausgefertigt wurden, die dieselbe Rechtskraft hatten.12

3. Der Ablauf einer Königswahl unter religiös legitimierten Gesichtspunkten

3.1 Die religiöse Legitimation im Wahlvorgang

Im Folgenden Abschnitt werde ich punktuell die Stellen, im Wahlvorgang nach der Goldenen Bulle herausarbeiten, an denen die religiöse Legitimation sichtbar wird.

Der Gesetzestext der Goldene Bulle beginnt mit einem Vorspruch, einem so genannten Prolog. Schon der Prolog zeigt ein Unterschied, im Gegensatz zu den von uns, in der Gegenwart bekannten Prologen. Der Prolog besitzt nämlich die Form eines Gebetes.

[...]


1 Vgl. Deutsche Geschichte in Dokumenten und Bildern: http://germanhistorydocs.ghi-dc.org/pdf/deu/Doc%2015_The_Golden%20Bull_German_Final.pdf

2 Fritz, Wolfgang D.: Die Goldene Bulle Kaiser Karls IV. vom Jahre 1356, S. 15.

3 Ulrike Hohensee et. al. (Hg.): „Sprache der Macht - Sprache als Macht. Urkundensprachen im Reich des 13. Und 14. Jahrhunderts“ in: Die Goldene Bulle. Politik - Wahrnehmung - Rezeption, Bd. 1,2009, S. 535-536.

4 Vgl. Erler, Adalbert / Kaufmann, Ekkehard (Hg.): Art.: „Die Goldene Bulle“, Handwörterbuch zur deutschen Rechtsgeschichte (HRG) Bd. 1, 1971, 1739-1746.

5 Fritz, Wolfgang D.: Die Goldene Bulle Kaiser Karls IV. vom Jahre 1356, S. 11.

6 Hergemöller, Bernd-Ulrich: Die Entstehung der „Goldenen Bulle“ Karls VI. (Städteforschung A/13, Reihe A, Darst. Bd. 13), 1983, S. 162.

7 Vgl. Ulrike Hohensee et. al. (Hg.): „Anhang nach Überlieferungszusammenhang geordnete Abschriften der Goldenen Bulle“ in: Die Goldene Bulle. Politik - Wahrnehmung - Rezeption, Bd. 2, 2009, S. 979.

8 Vgl. Landesarchiv Baden-Württemberg: https://www.landesarchiv-bw.de/web/60291

9 Fritz, Wolfgang D.: Die Goldene Bulle Kaiser Karls IV. vom Jahre 1356, S. 13.

10 Fritz, Wolfgang D.: Die Goldene Bulle Kaiser Karls IV. vom Jahre 1356, S. 11.

11 Ebd.

12 Ebd.

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Die religiöse Legitimation in der Königswahl nach der Goldenen Bulle
Hochschule
Technische Universität Carolo-Wilhelmina zu Braunschweig
Note
2,0
Jahr
2017
Seiten
14
Katalognummer
V542684
ISBN (eBook)
9783346154606
ISBN (Buch)
9783346154613
Sprache
Deutsch
Schlagworte
bulle, goldenen, königswahl, legitimation
Arbeit zitieren
Anonym, 2017, Die religiöse Legitimation in der Königswahl nach der Goldenen Bulle, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/542684

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