Religiosität und Kirche in der Romantik. Ansätze einer kulturgeschichtlichen Epoche


Hausarbeit, 2020

11 Seiten, Note: 1


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I Einleitendes

II Die protestantische Kirche im Zeitalter der Romantik

III Der römische Katholizismus am Anfang des 19.Jahrhunderts

IV Schlusspoesie

V Bibliographie

I - Einleitendes

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

»Was wär ich ohne dich gewesen?« 1 ist der Titel der oben ausgewählten Verse, die von den Dichter Novalis2 geschrieben wurden und in der Sammlung Geistliche Lieder 1802 erschienen sind. Die Frühromantik sollte Kontur und Farbe durch Novalis Kreativität und Religiosität bekommen. Die Aufklärungszeit als gnoseologisches Terrain wird durch das Fantastische, Leidenschaftliche, Gefühlvolle, Abenteuerliche und Mythische, welche die Grenzen des Verstandes sprengen, verlassen, um Platz für das Romantische3, zu machen. Das ausgewählte Gedicht von Novalis, zeigt seine protestantisch-pietistische Ausprägung, aber auch sein Versuch, zu einer autonomen Christenthematik zu gelangen, indem er Glauben, Christus und Gott durch eine philosophisch-ontologische Lupe betrachtet, und in seiner Ars poetica auf einer besonderen Weise darstellt.

Da bei den Romantiker das Fühlen durch Begriffe wie »Unendlichkeit« , »Ewigkeit« bis hin zur »Ganzheit«, aufgefangen wird, bekommt die Religion, Kirche und Theologie wieder langsam aber sicher eine besondere Rolle zugewiesen. Welche Rolle das ist, kann man nicht so leicht beantworten, da man nicht nur Schleiermacher anvisieren sollte, welcher schnell aber richtig das Kosmologische als Definiens des Göttlichen definieren würde. Die Romantik versteht sich anders und will die Religion als Beziehung des Menschen zum Unendlichen, ansehen. Wir, Menschen sind Teil des Ganzen. Diese holistische Idee wird sowohl in der Frühromantik, Hochromantik bis hin zu der Spätromantik verfolgt.4

In der Spätromantik zeigt sich dann die wichtige Rolle der Religion, die nun nicht mehr nur als Mythos betrachtet wird, sondern als Möglichkeit der unwillkürlichen Vereinigung des Endlichen als Endlichen mit dem Ewigen, ein leuchtender Funke des Bewusstseins eines Endlichen von seinem Verhältnisse zum Ewigen”5. Die biblische Tradition kommt nun ins Vorderlicht und zeigt sich in den Versuch der Versöhnung der abgefallenen Natur des Menschen mit Gott, um eine Vereinigung mit dem Göttlichen, zu erreichen und zu entfalten.6

Durch die Romantik kommt die Psyche, als Ort des Fühlens und Denkens, zum Vorschein und man versucht durch verschiedene Konstruktionen, aus den Mesokosmos zu entfliehen, um den süßen Geschmack des Makrokosmos abzufangen7.

Anliegen dieser Arbeit ist sich mit der Frage auseinanderzusetzen, welche Bedeutung die Romantik für die Kirche gehabt und welche Ansätze diese kulturgeschichtliche Epoche umarmt hat.

In einem ersten Schritt wird eine tangentiale Annäherung an die Situation der protestantischen Kirche in der Zeit der Frühromantik gewagt, und beispielhaft Auszüge aus der Welt der Literatur und Kunst gegeben, welche an das Religiöse anknüpfen und es prägen.

In einem nächsten Schritt wird die Situation des römischen Katholizismus in Kürze und Knappe problematisiert.

Abschließend, unter der Form einer Schlusspoesie, mit der Gefahr, dass die vorliegende Arbeit an Formalien und Intersubjektivität verliert, mein dichterischer Versuch einige diskutierte Konzepte poetisch wiederzugeben.

II - Die protestantische Kirche im Zeitalter der Romantik

In der Romantik hat Religion wieder an Bedeutung gewonnen, was in der Zeit der Aufklärung eher nicht der Fall war. Für die Poeten der Zeit befand sich Gott in der Natur. Man beschnupperte jetzt mehr den je die Außenwelt8, und man wollte quasi zu Gott ankommen um ein Stück weit näher zu sich selbst zu finden. Glaube und Vertrauen auf eine höhere Macht wird als Grundbedingung und als eine Art modus vivendi, um sich selbst und die Welt besser zu verstehen und in Harmonie und Einklang mit ihr zu leben.

Viele Frühromantiker waren protestantisch geprägt9, wie schon beispielsweise Novalis, genannt wurde. Der Protestantismus ermöglichte den Menschen Freiheiten des Individuums unter den Verhältnis von menschlicher Existenz und himmlischen Vater, besser zu verstehen. Man versuch sich eine Verbundenheit bzw. Verbundensein mit einer höheren Welt zu machen.

Eine Richtlinie der Romantik aus kirchengeschichtlicher Perspektive wird klar und deutlich durch die Schrift „Über die Religion. Reden an die Gebildeten unter Ihren Verächtern" gegeben, Schrift welche Friedrich Schleiermacher 1799 veröffentlicht hat und den Protestantismus des 19. und 20. Jahrhunderts nachhaltig geprägt hat. In fünf Teilen, als Reden präsentiert, zeigt Schleiermacher den Sinn und Zweck der Religion, ihre Bedeutung bzw. was sie in ihrer Reinform sei u.a.m. Religion habe ein eigenes Terrain, sie ist weder der Moral oder Metaphysik verpflichtet (die Trennung ist ziemlich neu und gewagt) und hat als Ziel, das Anschauen des Universums. Christentum hat für ihm, neben den anderen Religionen, eine herausgehende Bedeutung. Erlösung und Versöhnung stehen hier im Mittelpunkt. Jesus Christus ist der Mittler und Erlöser der Menschen.10 11

„Die Christenheit oder Europa” ist eine Auseinandersetzung Novalis mit den Protestantismus und Luther und skizziert folgende Aspekte:

,,Die als poetisches Bild beschworene mittelalterliche Einheit unter dem Schirm einer vereinigenden Kirche zerfalle durch die ,, Vertrocknung des heiligen Sinns“ mit der Reformation und mit dem Beginn der Aufklärung. Die Autorisierung der Bibel zur alleinigen Grundlage des Glaubens durch Luther lässt aus der Religion Philologie werden, trennt den Gelehrten vom Geistlichen. Die Kritik an der Reformation wurde zur Kritik an Tendenzen der Aufklärung. Dennoch betrachtete Novalis die Reformation als „für ganz Europa bedeutend“, mündete sie seiner Meinung nach doch in eine neue Denkungsart. ”n Der Versuch die Religion mit Vernunft zu versöhnen, in das theologische Milieu, welche ja die Tendenz der Aufklärungszeit gewesen ist, hat etwas Artifizielles kreiert. Man kann nicht zwei verschiedene Sachen miteinander vermischen und hoffen, dass es quasi klappt. Das in etwa war der Gedanke Novalis und anderer Frühromantiker.

Diese neue Religiosität entfaltet sich zwar durch einen inneren Vorgang, aber auch die Außenwelt ist dadurch geprägt. Der äußere Impuls wird durch Musik (Bach, Beethoven, Franz Liszt, Wagner u.a.m.) gegeben. Auch in der Malerei ist die

Romantik vertreten und religiöse Motive werden erschafft.12 Ein wunderschönes Motiv, welches den Menschen in der unendlichen Welt darstellt, ist das Gemälde von Caspar David Friedrich »Der Wanderer über dem Nebelmeer», oder als Naturdarstellungen »Der Morgen« von Philipp Otto Runge.

III - Der römische Katholizismus am Anfang des 19. Jahrhunderts

,,Zw Beginn des 19. Jahrhunderts unterhielt man sich darüber, ob Papsttum und katholische Kirche überhaupt noch eine Zukunft hätten. Pius VI. (1775-99) starb als Gefangener der französischen Revolutionsregierung in Valence an der Rhone, einsam und verlassen.”13 Durch Napoleons Herrschaft aber, wurde die römisch-katholische Kirche aus ihrer kritischen Situation, die sie in der Zeit der französischen Revolution gehabt hat, rehabilitiert. Die Wiederbelebung des Katholizismus geschah unter Papst Pius VII.14

Auf dem Wiener Kongress wird die Wiederherstellung des Kirchenstaates entschieden. Zurück auf den Machtstuhl, verfolgt der Papst die politische Richtung und Tendenz der Zeit. Es folgen Wiedereröffnungen zahlreicher Klöster, alle Staatsämter kommen in den Händen des Klerus. Alle folgenden Päpste bewegten sich auf diese Rekatholisierungslinie.

Am 7. August 1814 wurde durch die Bulle „Sollicitudo omnium ecclesiarum” die Gesellschaft Jesu, wiedererstellt.

„Die Regierungen der romanischen Staaten waren nach 1815 fast sämtlich reaktionär. Spanien erneuerte das Konkordat von 1753 und stellte Inquisition und Klöster wieder her; das Königreich Neapel schloß 1818 ein Konkordat ab, das der Kirche eine glänzende Stellung gab; das Königreich Sardinien ( Piemont) setzte die Kirche wieder in ihre alten Rechte ein und übergab den Jesuiten die Leitung der Schule."''

Langsam aber sicher wächst die Autorität und Selbstvertrauen der katholischen Kirche und ihre Kulturfeindlichkeit gegen die Romantiker steigert sich.

Das vordringen in allen möglichen Ländern, Frankreich, Belgien, England, Schweiz, Deutschland bis hin zu Süd- und Mittelamerika geschah sehr strategisch und durchdacht.

IV - Schlusspoesie

Apell

Wir leben unter Wörter,

die wissenschaftlich

den primären Sinn einiger Sachen verdecken,

die aus der Unvergänglichkeit hinabgestiegen sind.

Wie in einen Traum

fertigen wir Illusionen an,

vor einem Tempel, was den Menschen als Konstrukteur

eines experimentellen Uhrwerks kleidet,

wodurch die gebündelt-analytische Kraft

der künstlichen Zeit in der wir leben

den Scheinmenschen erzeugt,

auf einem Ufer ohne Richtung,

[...]


1 Novalis: Schriften. Die Werke Friedrich von Hardenbergs. Band 1, Stuttgart 1990, S. 159

2 Sein eigentlicher Name war Georg Philipp Friedrich von Hardenberg

3 Die Etymologie des Wortes kommt von »lingua romana« und meinte die »romanische Sprache«, als Volkssprache der romanischen Länder. Stufenweise sprach man dann über das Wort »Roman«, bis hin zum Wort »Romantisch» und »Romantik«, welches dann eine andere Intension bekam, obwohl die Extension, in der Theorie gleich blieb. Ab Ende des 18. Jahrhunderts bis weit in das 19. Jahrhundert hat sich die Romantik als kulturgeschichtliche Epoche dann schließlich ausgedehnt, und neue Konnotationen bekommen.

4 Eine genaue Zeitalterabgrenzung ist schwierig zu machen, aber als ein Versuch könne man die Frühromantik als die Zeit zwischen 1790 und 1804, die Hochromanik als die Zeit zwischen 1804 und 1815 und die Spätromanik als die Zeit zwischen 1815 und 1848, vorstellen.

5 S o 1 g er, Nachgel: Schriften. Leipzig, 1826, S.116

6 Friedemann, Käte: Die Religion der Romantik, in: Philosophisches Jahrbuch der Deutschen Philosophiegesellschaft, April, 2002 (www.philosophisches-jahrbuch.de / Letztes Abrufdatum: 02.04.2020)

7 Das geschieht von der Literatur, Musik, bildende Kunst bis hin zur Philosophie, Theologie und Wissenschaft.

8 Siehe dazu beispielsweise Eichendorffs Gedicht Mondnacht (1835) welches die Natur thematisiert und die Seele dort einbaut: ,, Und meine Seele spannte Weit ihre Flügel aus, Flog durch die stillen Lande, Als flöge sie nach Haus. ’’

9 Schwarz, Klaus: Reformation und Romantiken: Reformation und Romantik. November, 2017, (www.gretchen-frage.info/texte/reformation-und-romantik / Letztes Abrufdatum: 04.04.2020)

10 Christentum sei und bleibe für immer die Religion der Religionen Vgl. Friedrich D. E. Schleiermacher, Über die Religion. Reden an die Gebildeten unter ihren Verächtern (1799), in: Ders. Kritische Gesamtausgabe, Bd. 1/2: Schriften aus der Berliner Zeit 1769-1799, hg. v. Günter Meckenstock, Verlag Walter de Gruyter, Berlin/New York, S. 325

11 Schwarz, Klaus: Reformation und Romantiken: Reformation und Romantik. November, 2017 ( www.gretchen-frage.info/texte/reformation-und-romantik / Letztes Abrufdatum: 04.04.2020)

12 Sei als Beispiel Friedrich Overbeck genannt Vgl. Heussi, Karl: Kompendium der Kirchengeschichte. Tübingen, 1991, S.433

13 Franzen, August: Kleine Kirchengeschichte. Freiburg, 2006, S.341

14 Vgl. Heussi, Karl: Kompendium der Kirchengeschichte. Tübingen, 1991, S.434

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Details

Titel
Religiosität und Kirche in der Romantik. Ansätze einer kulturgeschichtlichen Epoche
Hochschule
Universitatea Lucian Blaga din Sibiu  (Evangelische Theologie)
Note
1
Autor
Jahr
2020
Seiten
11
Katalognummer
V542687
ISBN (eBook)
9783346180148
ISBN (Buch)
9783346180155
Sprache
Deutsch
Schlagworte
ansätze, epoche, kirche, religiosität, romantik
Arbeit zitieren
Mihai Daniel Udrea (Autor), 2020, Religiosität und Kirche in der Romantik. Ansätze einer kulturgeschichtlichen Epoche, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/542687

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