Der Papstesel. Das rätselhafte monströse Wesen des Mittelalters


Hausarbeit, 2017

15 Seiten, Note: 3,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Monster im Mittelalter
2.1 Deutung von Monstren
2.2 Monstrose Bildpropaganda im Mittelalter: Der Papstesel

3. Der Papstesel aus verschiedenen Sichtweisen
3.1 Warum entstand der Papstesel?
3.2 Deutung des Papstesels von Johannes Nauclerus
3.3 Allegorische Deutung des Papstesels von Lycosthenes
3.4 Bedeutung des Papstesels fur die Pasquillen-Literatur
3.5 Waldensische Deutung des Papstesels

4. Fazit

5. Quellen- und Literaturverzeichnis .

1. Einleitung

In der vorliegenden Hausarbeit beschaftige ich mich mit dem Thema „Der Papstesel: Das ratselhafte monstrose Wesen des Mittelalters“. Meine Arbeit greift folgende Fragestellung auf: „Wie wurde der Papstesel im Mittelalter gedeutet?“.

Meine Hauptquelle stellt ein Flugblatt des so genannten Papstesels aus dem Jahre 1523 dar. Das Flugblatt ist ein Resultat aus einem original italienischen Kupferstich von dem Papstesel, dessen genaue Datierung nicht genau vorhanden ist. Laut Quellen soll der Kupferstich vor dem Jahre 1500 entstanden sein und Wenzel von Olmutz fertigte es an. Wie auch das Thema meiner Hausarbeit verdeutlicht, ist der Papstesel ein sehr ratselhaftes Monster, welches einer Untersuchung unterzogen werden muss. Seinen ratselhaften Charakter verdankt der Papstesel den unterschiedlichen Deutungen aus seiner Zeit. Der Papstesel wird in mehreren Facetten beleuchtet. Darunter gehort z.B. seine Deutung auf einen Verweischarakter bzw. seine allegorische Deutung. Daneben gibt es auch theologische Deutungen zu dem Wesen, sowie auch eine Verspottung. Der Papstesel wurde als Verspottung des Papsttums und somit als Mittel zum Zweck von Propaganda verwendet. Mehr dazu lasst sich aus dem weiteren Verlauf der Arbeit entnehmen. Es lasst sich kein breites MaB an Quellen zu dem Thema finden, jedoch ist die Lekture „Der Papstesel“ von Konrad Lange sehr ergiebig und fasst die wesentlichen Fakten zu dem ratselhaften Wesen zusammen. Durch weitere Sekundarliteratur wird ermoglicht, ein Bild uber dieses Themenfeld zu entwickeln.

Die vorliegende Arbeit besteht aus dem Kapitel Monster im Mittelalter (2), darunter die allgemeine Deutung von Monstern im Mittelalter 2.1. Um vom allgemeinen Verstandnis der Monster im Mittelalter den Blick auf ein bestimmtes Monster, dem Papstesel zu richten, ist es wichtig das allgemeine Verstandnis von Monstern nachzuvollziehen. Das nachste Kapitel 2.2 zeigt, dass monstrose Erscheinungen auch im Sinne einer Propaganda genutzt wurden und dieses im Mittelalter ein verbreitetes Mittel fur MeinungsauBerung wurde. Das nachste groBe Kapitel (3) befasst sich vorerst mit der Entstehung des Papstesels, danach mit den verschiedenen Sichtweisen auf ihn. Darunter werde ich die Deutungen von Menschen im Mittelalter naherbringen (3.2 -3.5). Im Fazit werde ich die Fragestellung dieser Arbeit aufgreifen und die im Hauptteil gelieferten Argumente prasentieren.

2. Monster im Mittelalter

2.1. Deutung von Monstren

Eine wichtige Frage in Bezug auf Wundervolker im Mittelalter ist neben ihrem Aussehen, die nach ihrer Bedeutung. Fur die Klarung dieser Frage scheint die Quellanlage eher mager auszusehen. Es kann aber davon ausgegangen werden, dass die Bedeutung der Monster einen religiosen Hintergrund hatte.1

„Zahlreiche Fabeltiere und monstrose Fabelmenschenrassen wurden von antiken Autoren beschrieben, bes. von Herodot, Ktesias (Indika), Megasthenes, Plinius major und Solinus, in verschiedenen Schriften der Alexanderdichtung Alexander d. Gr.), bes. im Brief Alexanders an Aristoteles, [...].“2

Das o.g. Zitat verdeutlicht, dass schon in der romischen Antike Cicero, Varro, Plinius der Altere, Herodot etc. uber Wissen von „Monstern“ und „Missgeburten“ verfugten. Dieses Wissen wurde von spateren Historikern ubernommen und an das Mittelalter weitergegeben. Als Beispiel erklarte Augustinus in (Civ. dei. 16,8), dass die monstrosen Menschenrassen in entlegenen Erdteilen, hochstwahrscheinlich am Rande der Ebstorfer Weltkarte wiederzufinden seien und dieses auch durch die Bibel bestatigt werden kann.3 Es gibt mehrere Deutungen zu Monstern im Mittelalter. Zu denen gehort auch die Deutung des Isidor von Sevilla. Er war ein Gelehrter und zugleich Schriftsteller, dessen Schriften im Mittelalter zu den meist gelesenen gehorten. Durch die Enzyklopadie „Etymologiae“ des Isidor von Sevilla erfahren wir Erfahrungswertes uber Monster im Mittelalter und ihre Bedeutung. Die Enzyklopadie des Isidor von Sevilla ist ein wichtiges Nachschlagewerk, da er das Wissen seiner Zeit bzw. der Spatantike und des Fruhmittelalters in seiner Enzyklopadie verfugbar macht.

Das Folgende Zitat aus der „Etymologiae“ des Isidor von Sevilla verdeutlicht, dass Monster dafur stehen etwas vorherzusagen, was in der Zukunft passieren wird. Beispielsweise konnen sie eine Ermahnung symbolisieren bzw. verweist Gott, durch Schaden an Neugeborenen, auf das Kommende. Hieraus ergibt sich, dass Augustinus glaubte, dass die Schopfung der Monster in Gottes Willen lag.

Zudem sah er die Wundervolker als Beweis fur die Kraft Gottes.

„[...]Monster (monstra) und Vorzeichen (prodigia), werden deswegen so genannt, weil sie Kunftiges zu tragen (portare), zu zeigen (ostendere und monstrare) und vorauszusagen (praedicare) scheinen. [...] Monstra (Monster) aber sind von der Ermahnung (monitus) her benannt, weil sie etwas Bedeutendes zeigen (demonstrare) bzw. weil sie sofort zeigen (monstrare), was erscheint (apparere).“4

Im Lexikon des Mittelalters werden vier verschiedene Arten von Monstern voneinander getrennt. Darunter fallen erstens zum Beispiel die Mischwesen aus verschiedenen Tierarten, sowie zweitens Tiere die in der Natur vorkommen, jedoch durch ihre Eigenschaften zu Fabelwesen wurden. Daneben glaubte man drittens an die Existenz von Mischwesen aus Mensch und Tier. Diese Monster hatten beispielsweise einen menschlichen Kopf und einen animalischen Korper. Als vierte Gruppe wird eine Gruppe von Menschenrassen genannt, die nicht in der Natur existieren und monstrose Missbildungen haben wie zum Beispiel die unterschiedliche Anordnung von Korperteilen. Sie machen auch den Eindruck eines Phantasiewesens.5

2.2. Monstrose Bildpropaganda im Mittelalter: Der Papstesel

Basierend auf den Glauben an Monstern und Missgeburten im Mittelalter wurde zur Reformationszeit ein neues Forschungsfeld eingeblendet. Monstrose Darstellungen und Abbildungen dienten zu Zwecken karikaturistischer und propagandistischer Absichten. Werner Wunderlich und Ulrich Muller bringen uns dieses Themenfeld im folgenden Zitat naher.

„Seit den Bauernkriegen und der Reformation hatte sich aus den monstrosen Darstellungen auch die Stilrichtung der Karikatur entwickelt, mit der die politischen und konfessionellen Protagonisten und Antagonisten durch groteske Korperverzerrungen oder tierische Attribute monstrose Gestalt annahmen, um derart als Scheusal verhohnt werden zu konnen.“6

Ein beruhmtes Beispiel dafur lieferten Martin Luther und Philipp Melanchton im Jahre 1523. Sie veroffentlichten Flugblatter mit dem „Papstesel“.

Flugschriften und Flugblatter im Spatmittelalter hatten den Zweck jegliche Ereignisse und Informationen, in Bezug auf Religion, Politik, Wissenschaft und Wirtschaft, fur ein ausgedehntes Leserpublikum zuganglich zu machen. AuBerdem gehoren Flugschriften und Flugblatter zu den altesten Druckerzeugnissen. Die Flugblatter mit dem „Papstesel“ von Luther und Melanchton trugen eine antiromische bzw. antipapstliche Aussage. Sie dienten dazu, die antiromische Haltung der Reformatoren zu vermitteln und somit Wiederstand aufzurufen.7 Sie deklarierten dieses seltsame Wesen als gottliches Zeichen fur den Untergang des Papst- und Monchtums.

Konrad Lange beschreibt in seinem Werk „der Papstesel“ den Kupferstich des Papstesels von Wenzel von Olmutz. Der Kupferstich soll noch vor 1500 entstanden sein ca. in der zweiten Halfte des Jahres 1498. Konrad Lange macht deutlich, dass der Kupferstich von Olmutz nicht die alteste bildliche Darstellung des Papstesels sein kann. Die bohmischen Bruder waren sozusagen die Kurie, die das Urbild aus Italien mitgebracht haben und an den Empfanger Luther und Melanchton ubergeben haben. Olmutz musse sich laut Innschriften an einem italienischen Original bedient haben.8 Tatsachlich ging das italienische Original verloren und Olmutz zeichnete das Wesen nochmal nach. Der Kupferstich hatte einen MaBstab von 124 cm x 104 cm. In den deutschen Quellen lasst sich das romische Monstrum erst ab 1523 nachweisen.9

Nach Konrad Lange, ein seltsames Ungeheuer mit einem Seitenprofil nach links, welches den Mittelpunkt der Abbildung einnimmt. Auffallend sind die linke Hand, der Bauch, die Scham und Brust des Wesens, welche einem weiblichen Korper gleichen. Die ubrigen Glieder gleichen verschiedenen Tiergliedern. Darunter zum Beispiel die rechte Hand, die einem Elefantenrussel gleicht und der Kopf, der einem Eselskopf gleicht. Vom Hinterkopf aus geht eine lange Mahne herab. Der linke FuB sieht aus wie eine Adlerkralle und der rechte wie ein OchsenfuB. Zudem hat das Ungeheuer einen beschuppten Korper bis auf die Glieder, die einem weibliche Korper gleichen (linke Hand, Bauch, Brust und Scham).

[...]


1 Vgl. Simek, Rudolf: Monster im Mittelalter. Die phantastische Welt der Wundervolker und Fabelwesen, 2015, S. 146.

2 Bautier, Robert-Henri (Hg.): Art.: „Fabelwesen“, Lexikon des Mittelalters. Erzkanzler Hiddensee Bd. IV., 1989, S. 209.

3 Vgl. Ebd.

4 Moller, Lenelotte (Ub.): Vom Menschen und von Monstem (Buch XI.). In: Die Enzyklodadie des Isidor von Sevilla, 2008, S. 441.

5 Bautier, Robert-Henri (Hg.): Art.: „Fabelwesen“, Lexikon des Mittelalters. Erzkanzler Hiddensee Bd. IV., 1989, S. 209-210.

6 Muller, Ullrich / Wunderlich, Werner (Hg.): Damonen, Monster, Fabelwesen. Eine kleine Einfuhrung in Mythen und Typen phantastischer Geschopfe, 1999, S. 27.

7 Vgl. Ueding, Gert: Historisches Worterbuch der Rethorik, Bd. 3: Eup-Hor, 1996, S. 375-378.

8 Vgl. Lange, Konrad: Der Papstesel. Ein Beitrag zur Kultur- und Kunstgeschichte des Reformationszeitalters, 1891, S. 26.

9 Vgl. Ebd. S. 73-74.

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Der Papstesel. Das rätselhafte monströse Wesen des Mittelalters
Hochschule
Technische Universität Carolo-Wilhelmina zu Braunschweig
Note
3,0
Autor
Jahr
2017
Seiten
15
Katalognummer
V542688
ISBN (eBook)
9783346168931
ISBN (Buch)
9783346168948
Sprache
Deutsch
Schlagworte
mittelalters, papstesel, wesen
Arbeit zitieren
Hüveyda Eken-Polat (Autor:in), 2017, Der Papstesel. Das rätselhafte monströse Wesen des Mittelalters, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/542688

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