Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit der Frage, wie der "Papstesel" im Mittelalter gedeutet wurde.
Basierend auf den Glauben an Monstern und Missgeburten im Mittelalter wurde zur Reformationszeit ein neues Forschungsfeld eingeblendet. Monströse Darstellungen und Abbildungen dienten zu Zwecken karikaturistischer und propagandistischer Absichten. Ein berühmtes Beispiel dafür lieferten Martin Luther und Philipp Melanchton im Jahre 1523. Sie veröffentlichten Flugblätter mit dem "Papstesel". Flugschriften und Flugblätter im Spätmittelalter hatten den Zweck jegliche Ereignisse und Informationen, in Bezug auf Religion, Politik, Wissenschaft und Wirtschaft, für ein ausgedehntes Leserpublikum zugänglich zu machen. Außerdem gehören Flugschriften und Flugblätter zu den ältesten Druckerzeugnissen. Die Flugblätter mit dem "Papstesel" von Luther und Melanchton trugen eine antirömische bzw. antipäpstliche Aussage.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Monster im Mittelalter
2.1 Deutung von Monstren
2.2 Monströse Bildpropaganda im Mittelalter: Der Papstesel
3. Der Papstesel aus verschiedenen Sichtweisen
3.1 Warum entstand der Papstesel?
3.2 Deutung des Papstesels von Johannes Nauclerus
3.3 Allegorische Deutung des Papstesels von Lycosthenes
3.4 Bedeutung des Papstesels für die Pasquillen-Literatur
3.5 Waldensische Deutung des Papstesels
4. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das rätselhafte Wesen des "Papstesels" und analysiert die verschiedenen zeitgenössischen Deutungsansätze im Mittelalter und der Reformationszeit. Die zentrale Forschungsfrage lautet, wie dieses monströse Wesen in den verschiedenen historischen und konfessionellen Kontexten interpretiert und als Medium der Propaganda genutzt wurde.
- Allgemeine Interpretation von Monstren im Mittelalter
- Die Funktion des Papstesels als Instrument der Bildpropaganda
- Historische und theologische Deutungsmuster von Gelehrten
- Die Rolle des Papstesels in der Pasquillen-Literatur
- Die waldensische Rezeption und biblische Apokalyptik
Auszug aus dem Buch
3.2. Deutung des Papstesels von Johannes Nauclerus
Die Intention bei der Entstehung dieses Monsters sei nach dem gelehrten, deutschen Historiker Johannes Nauclerus, auf den Zorn Gottes gegenüber dem Papst zurückzuführen. Gott wolle mit dem Erscheinen des Papstesels, den Zorn auf den Papst verdeutlichen, da das Wesen sich vor der Engelsburg in Rom am Tiber befindet und laut der Quellenlage tot im Tiber aufgefunden wurde. Martin Luther und Phillip Melanchton, haben mit der Absicht vorreformatorischer Gedanken das Flugblatt vom Papstesel vervielfältigt und haben für ihre Verbreitung gesorgt. Allein der Hintergrund deutet auf die Festung des damaligen Papstes Alexander VI. hin. Vor allem die Fahne mit den zwei gekreuzten Schlüsseln über der Festung deutet ganz fest auf die päpstliche Flagge hin. Allen war damals die Flagge des Papstes bekannt. Nach Johannes Nauclerus stellen die Wundererscheinungen aus den Jahren ein Sündensymbol dar und deuten auf die bevorstehende Epidemie nach der Tiberüberschwemmung. bzw. auf die Pest hin, da dieses Bewusstsein bzw. der feste Glaube an Monster als Vorzeichen für jegliche Ereignisse bei jedem Mittelalter Menschen herrschte. Zudem deutet Nauclerus die monströsen Erscheinungen der Jahre auf die Seuche (Syphilis) und die Elephantiasis (elefantenartig).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Thematik des "Papstesels" ein und stellt die zentrale Forschungsfrage nach dessen Deutungsmöglichkeiten im Mittelalter.
2. Monster im Mittelalter: Dieses Kapitel erläutert das zeitgenössische Verständnis von Monstren und führt in die Nutzung monströser Darstellungen als Bildpropaganda ein.
3. Der Papstesel aus verschiedenen Sichtweisen: Hier werden spezifische Interpretationen des Wesens durch Gelehrte, in der Pasquillen-Literatur sowie durch die Waldenser detailliert analysiert.
4. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und stellt fest, dass der Papstesel aufgrund seiner vielschichtigen und kontroversen Deutungen als ein rätselhaftes Phänomen zu betrachten ist.
Schlüsselwörter
Papstesel, Mittelalter, Monster, Propaganda, Reformation, Alexander VI., Johannes Nauclerus, Lycosthenes, Pasquillen-Literatur, Waldenser, Apokalypse, Bildpropaganda, Sündensymbol, Wundererscheinungen, Theologie
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt das rätselhafte Wesen des "Papstesels" und erforscht, wie dieses Monster im Mittelalter und zur Zeit der Reformation wahrgenommen und gedeutet wurde.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zu den Schwerpunkten zählen die mittelalterliche Monsterdeutung, die politische Bildpropaganda, die religiöse Symbolik sowie die Interpretation durch verschiedene historische Strömungen wie die Waldenser.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, die Frage zu beantworten, wie der Papstesel in der damaligen Zeit gedeutet wurde und welche unterschiedlichen Interessen hinter seiner medialen Verbreitung standen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine Literaturanalyse sowie die Untersuchung von zeitgenössischen Flugblättern und Kupferstichen zur Rekonstruktion der historischen Deutungsdiskurse.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden zunächst der allgemeine Kontext von Monstren und die Entstehung der Papstesel-Flugblätter beleuchtet, gefolgt von einer detaillierten Analyse verschiedener Sichtweisen (Nauclerus, Lycosthenes, Waldenser, Pasquillen).
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Untersuchung?
Wichtige Begriffe sind Monster, Papstesel, Reformation, Alexander VI., Propaganda und Apokalypse.
Warum wurde der Papstesel als Mittel zur Propaganda eingesetzt?
Er diente dazu, den Papst Alexander VI. als weltlichen Herrscher zu diskreditieren und die Unzufriedenheit über dessen Handeln durch ein visuelles Schreckbild auszudrücken.
Welche Rolle spielten die Waldenser bei der Deutung des Papstesels?
Die Waldenser interpretierten das Wesen primär theologisch und biblisch, indem sie es als Zeichen für die babylonische Hure der Apokalypse und als Ankündigung des Antichristen sahen.
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- Hüveyda Eken-Polat (Author), 2017, Der Papstesel. Das rätselhafte monströse Wesen des Mittelalters, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/542688