Das Arendtische Handeln. Vom passiven Geborenwerden in der Welt zum aktiven Wesen des Menschseins


Hausarbeit, 2014

22 Seiten, Note: 2


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitendes

1. >>Das Alpha und Omega<< des menschlichen Lebens und ihr Dasein
1.1. Das Expose der Vita activa und Condition humaine
1.2. Der private, der politische und der soziale Raum

2. Die couragierte Gleichung >>menschliches Leben = Handlung<<
2.1. Exkurs: Martin Heidegger und Hannah Arendt
2.1.1. Arendt und Heidegger: das Handeln -Antagonie oder eher nicht?
2.2. Die zwei Dimensionen des Handelns: Initiative und Pluralitat
2.3. Eine Zwischenbilanz zu den Begriff des Handelns
2.4. Das Politische und die Freiheit
2.5. Das Phanomen Macht

3. Schlusspladoyer

Einleitendes

Der Mensch ist schon ein eigenartiges Wesen. Als lebendiges Wesen verbunden und abhangend von und an der Mutter Natur haben die Menschen es geschafft sich aus der gehorchend -sublunaren Welt zu befreien um sich ins Universum zu begeben, wo sich neue Moglichkeiten und Ziele ergeben.

Der Mensch, ein eigenartiges Wesen der die Terra als Gefangnis des Selbsts ansieht und sich von der, die Ursache der Vita selbst ist ,loslost, wobei er nicht einmal seine eigentliche Stellung im Universum dekryptieren kann und sein Wesen ein Mysterium bleibt, schafft sich seine eigene Welt, eine moderne, fortgeschrittene Welt die dank den Leistungsfahigkeiten des menschlichen Verstands zustande gekommen ist. Aber angesichts dieser Tatbestande wird der Mensch selbst zu einem Besitzer der Natur oder besser gesagt zu einem demiourgos, indem er sich auf das Prinzip Omne vivum e vivo stutzt, transzendiert er in einem Ambiente wo man sich auch von der ordinary language loslassen muss um diese Stufe der Erkenntnis fur alle mal hinaufsteigen zu konnen um nicht mehr gekettet in der Hohle dieser Welt zu sein sondern selbst Licht zu werden.

Ein eigenartiges Wesen ist der Mensch deshalb weil er notwendigerweise ein atmendes lebendiges Wesen der dem Reich des Lebendigen ausgeliefert ist, ist und auf der anderen Seite ,,(...) die Nabelschnur zwischen dem Menschen und der Mutter alles Lebendigen, der Erde (...)''1 mit aller Kraft durchschneiden mochte. Angesichts dieses Problems entstehen Fragen wie : Will der Mensch angesichts dieser Gefahr sich selbst zu verlieren, seine wissenschaftliche Erkenntnis und technische Veranlagung in dieser Richtung ausfuhren? Will der Mensch selbst Erschaffer werden um Bedingungen zu geben und welche Konsequenzen entstehen dadurch? Was passiert mit dem Menschen wenn wir Maschinen schaffen die fur uns das Denken, Sprechen und Arbeiten ubernehmen? Was bleibt noch von uns dann ubrig ? Was passiert mit dem normalen Burger, der auf Arbeit angewiesen ist um zu existieren, wenn die Arbeit in einer Arbeitsgesellschaft ausfallt? Steuern wir eigentlich in die richtige Richtung hinzu oder verlieren wir uns in einer heterotopischen Hohle der heutigen Gesellschaft wo ein-gekettet wir nicht einmal mehr handeln konnen? Wie kann das politische Handeln und Denken intervenieren um die Homo Vita zu retten? Wie konnen wir tatig werden um unser Leben geniefibarer zu machen? Aber was heifit eigentlich Tatig zu sein? Was tun wir eigentlich wenn wir tatig sind? Und welche Rolle hat das Arbeiten, Herstellen und das Handeln innerhalb der Vita activa?

Fragen die Hannah Arendt, eine deutsch-judische Philosophin, politische Theoretikerin2 und Publizistin, in Vita activa oder Vom Tatigen Leben, aufgreift und zu beantwortet versucht. So betonte der deutsche Politikwissenschaftler, Kurt Sontheimer dass Arendt ,, [d]em Menschen den notwendigen Raumfur die Politik, das heifit fur das freie Handeln offenzuhalten, dies war das wesentliche Ziel ihrer politischen Theorie.''

In der vorliegender Arbeit soll Arendts Handlungsbegriff untersucht werden ausgehend von ihren Hauptwerk ,, Vita activa oder Vom Tatigen Leben”. Der Schwerpunkt liegt dabei auf das Vorhaben Arendts die Vita activa nicht aus Standpunkt der Vita contemplativa her zu bestimmen, sondern ihr einen ,,Ehrenplatz” zu gewahrleisten und somit das Handeln als die kronende Grundtatigkeit innerhalb der Vita activa zu bestimmen und als eine ,,Lebensform” zu definieren denn der Mensch offenbart sich jeweils wer er ist in Handeln und Sprechen. Weil menschliches Leben letztendlich Handlung fur Arendt ist wird somit das ,,Handeln” naher untersucht.

Der erste Kapitel ist ein Annaherungsversuch um das Arendtische Konzept der Vita activa besser zu verstehen und um Schlusselbegriffe wie ,Condition humaine', ,Pluralitat' und ,Freiheit' in den Kontext des Handelns durchblicken zu konnen. Aufierdem werden auch das private und offentliche Raum behandelt und das Negativum der Gesellschaft fur eine bessere Verstandnis wo sich das Handeln de facto abspielen sollte.

Der zweite Kapitel widmet sich ganz und gar des Handlungsbegriff Arendts. Weil die Tradition die drei Tatigkeiten des Menschen namlich das Arbeiten, das Herstellen und das Handeln im Hinblick auf die Mortalitat behandelt hat und Arendt die Bezugnahme auf die Mortalitat als falsch empfindet, und sich fur die Bezugnahme auf die Geburt, Natalitat entscheidet wird somit die vorliegende Arbeit ihren Augenmerk auf die These richten dass das aktive Wesen des Menschseins durch die Geburt, Natalitat ,,generiert” wird. Ein kleiner Exkurs zu Heidegger um Gemeinsamkeiten,Ahnlichkeiten und Unterschiede zwischen Arendts Phanomenologie und Heideggers zu finden ist auch in diesen Kapitel geboten.

Das abschliefiende Kapitel ist eine Art Konstatierung was uberhaupt Arendt mit ,,Vita activa oder Vom tatigen leben” bezweckt und welche Losungsmoglichkeiten geboten werden um aus den Aporien der gegenwartigen Gesellschaft raus-zukommen und um den Sieg des Animals laborans mit den Sieg des Zoon politikons zu revidieren zu konnen. Wie? Ganz einfach durch Handeln weil sie nicht nur eine gerichtete Betatigung durch welches sich der menschliche Wille aktiviert sondern es ist vielmehr als das und nicht zu vergessen dass ,,[d]ie Weltwird nicht von Ideen verandert, sondern von Ereignissen.“3.

1. >>Das Alpha und Omega<< des menschlichen Lebens und ihr Dasein

Mit ihrer Totalitarismusforschung der ,,Elemente totaler Herrschaft” loste Arendt turbulente Kontroversen indem sie das nationalstaatliche Totalitarismus des 19. Jahrhunderts mit den Werdegang des Antisemitismus verglich und das Ahnlichkeitsgerust der Wurzeln von Faschismus und Stalinismus ans Licht gebracht hat.4 Weiter wird ihre Berichterstattung fur die Zeitschrift The New Yorker, uber den Eichmann-Prozess missinterpretiert durch den Ausdruck von der ,, Banalitat des Bosen” welches sie in diesen Zusammenhang benutzt hat.5

Vita activa oder Vom Tatigen Leben” sollte man auf keinen Fall als eine ,,scharfe” Trennung von dessen was sie bis zu der Verwirklichung dieses philosophisches Hauptwerkes, geleistet hat, ansehen sondern als eine Art Befangenheit um die ,,Konstellationen” des Menschen in der damals ( wie noch heute) geformter Arbeits- und Massengesellschaft wo die politisch-freie Handlungsdimension ,, niedergeschmettert” wurde als eine Art Unwichtigkeit betrachtet und welche nicht der Prozesshaftigkeit dieser neuen ,,fordistischen” Gesellschaft in der wir leben, entspreche.

Ihre ganze Aufmerksamkeit konzentriert Arendt somit in ,, Vita activa oder Vom Tatigen Leben” auf das Politische und die menschliche Weltverbundenheit, Weltverbundenheit was auch das Heideggersche ,, In-der-Welt-sein” ausdruckt, neu zu konstituieren indem sie sich fragt ,, Was tun wir, wenn wir tatig sind?” und indem sie die Arbeit, Herstellen und das Handeln als die Grundtatigkeiten die innerhalb der Vita activa sich befinden, behandelt. Das Handeln naturlich als die kronende Tatigkeit, als die oberste Tatigkeit innerhalb der Vita activa und als die jene Offenbarung der Person die sich in Handeln und Sprechen zeigt, als etwas Besonderes welches sich durch Freiheit und Pluralitat realisiert.

Weil fur Arendt nur das Handeln der Schlussel aus der labyrinthisch-konformistischen gegenwartigen ,,Ambiance” ist und sein kann, und weil die vorliegende Untersuchung das Arendtische ,,Handeln” anvisiert, ist es maBgebend fur eine entsprechende Diagnose der Sichtweise und Tragweite dieser Haupttatigkeit in Arendtischen Sinne, einige ,,Haltestationen” in denen Hannah Arendt die menschliche Bedingtheit ( conditio humana), den Begriff der Vita activa neu deutet und die drei Spharen ( das Private, das Offentliche und die Gesellschaft) behandelt, zweckmaBig zu beleuchten.

1.1. Das Expose der Vita activa und Condition humaine

Im ersten Kapitel, ,, Die menschliche Bedingtheit”, fuhrt Arendt den Begriff der ,, Vita activa” ein welches die drei menschliche Grundtatigkeiten zusammenfasst, namlich die Arbeit, das Herstellen und das Handeln.

Die Etymologie und Gebrauch des Begriffs der Vita activa6 verweist auf eine vielfaltige Benutzungsweise die bis zu den Anfangen der antiken abendlandischen Philosophie reicht. In das antike Griechenland hatte die Vita activa noch eine politische Bedeutung jedoch wurde sie mit der Zeit aufgrund philosophischer und politischer Zwecke uminterpretiert.

,, Mit dem Verschwinden des antiken Stadt-Staates- Augustin war vielleicht der letzte, der zum mindesten noch wuftte, welchen Rang das Politische einmal gehabt hat- verlor der Begriff der Vita activa seine eigentlich politische Bedeutung und begann, alle Arten einer aktiven Beschaftigung mit den Dingen der Welt zu bezeichnen.”7

Das Ende der Polis ist auch das Ende der Vita activa als die ,,Verflechtung” in das Politische und man fangt an sie auf eine aktive Beschaftigung mit den Dingen der Welt zu reduzieren und genau diese Reduktion fuhrt dazu dass auch das Handeln herabgestuft wird auf das Niveaueinersimplen Beschaftigungs-Tatigkeit.

Das Mittelalter macht nichts anderes als den Begriff der Vita activa zu degradieren und die Kontemplation bzw. die Vita contemplativa8 zu uberbetonen.9

Auch wenn Aristoteles der Kontemplation einen hoheren Wert gegeben hat zeigt er dass das Handeln im eigentlichen Sinne die politische Tatigkeit ,, par excelence” sei. Die Arbeit und Herstellen entsprechen nicht der Freiheit oder anders gesagt sie waren eines freien Mannes nicht wurdig, weil sie von den existentiellen Notwendigkeiten und Wunschen der Menschen erzwungen seien. Aristoteles eliminiert nach und nach viele Bereiche wo der Mensch auf welche Weise auch immer konditioniert direkt oder indirekt arbeitet oder herstellt.

Die drei Lebensweisen, die nach dieser Eliminierung ubrig bleiben, haben miteinander gemein, daft sie sich alle im Bereich des Schonen abspielen, das heiftt in der Gesellschaft von Dingen, die nicht notwendig gebraucht werden, ja nicht einmal zu irgend etwas Bestimmtem nutze sind.''10

Die drei Lebensweisen die aristotelisch-nikomachische Ethik aufstellt sind das Bios hedone, Bios politicos und das Bios theoreticos.11 12

Es wird klar dass Arendt die traditionelle Sichtweise der Vita activa aus der Sicht der Vita contemplativa als nicht gerecht ansieht und dass ihre eigene Verwendung des Begriffs der Vita activa in Widerspruch zur Tradition steht weil sie letztendlich die Hierarchische Ordnung dieser Unterschiede bezweifele. Arendt revidiert diese Sichtweise durch eine andere weil Fakt ist, so laut Arendt, dass die Vita activa eine wichtige Rolle spielt, sie sei der Vita contemplativa weder unterlegen noch uberlegen.

Fur Arendt lasst sich die Vita activa durch die drei Grundtatigkeiten ,,exzellent” erklaren. Sie seziert jede einzelne Tatigkeit in ihrer Einzelteilen und die menschliche Bestimmung, ihre entsprechende Grundbedingung/Angewiesenheit, ihren entsprechenden Skopus/Zweck, ihren entsprechenden Ort, das Verhaltnis zur Natur, die Verlaufsform, ihre Hilfsmittel und das eigentliche Sinn und Ziel von jeder Tatigkeit ermittelt. Somit hat jede dieser Tatigkeiten ihre eigene wichtige Stellung innerhalb der Vita activa.

Unter diesen Aspekte vergesse man nicht die ,, Condition humaine”13 was soviel wie menschliche Bedingtheit bezeichnet.

,, Alle drei Grundtatigkeiten und die ihnen entsprechenden Bedingungen sind nun nochmals in der allgemeinsten Bedingtheit menschlichen Lebens verankert, daft es namlich durch Geburt zur Welt kommt und durch Tod aus ihr wieder verschwindet.''14

Die allgemeinste Bedingtheit menschlichen Lebens ist die Geburt und der Tod: Mortalitat und Natalitat. Ein ,,Gegenmittel” zur Mortalitat ist die Arbeit und Herstellen und was sie zur Natalitat koppelt ist das Handeln.

Die Menschen sind bedingte Wesen weil alles womit sie in Beruhrung kommen, verwandeln sie in einerArt oder anderen, in eine Bedingung ihrer Existenz- menschliche Existenz-Bedingung.15

,, Die Welt, in der die Vita activa sich bewegt, besteht im wesentlichen aus Dingen, die Gebilde von Menschenhand sind; und diese Dinge, die ohne den Menschen nie entstanden waren, sind wiederum Bedingungen menschlicher Existenz''16

Die Menschen leben nicht nur unter den Gesetzen der deterministischen Natur sondern auch unter den Bedingungen die sie selbst geschaffen haben.17

Vorlaufig kann man also in Bezug auf die Condition Humaine als die menschliche Bedingtheit im Ganzen verstanden, folgende Stichworter in Kopf behalten als das Definitorische in Zusammenhang mit der menschlichen Bedingtheit und menschlichen Dasein: Mortalitat und Natalitat, Welt und Dinge, Pluralitat18 und Verschiedenheit.19

1.2. Der private, der politische und der soziale Raum

Der oiKoq/oikos war in antiken Griechenland der Bereich des Privaten. Das lateinische ,,privatus” zeigt auch die Konnotation die Arendt umarmt, namlich ,, fur sich bestehend”, ,,beraubt” Auf der eine Seite warnt Arendt dass dieser Bereich eine Art Isolierung markiert, eine Grenze zwischen dir und der Welt setzt.20 Es fehlt ganz einfach die Kommunikation mit anderen Menschen, die Interaktion, die Moglichkeit etwas zu leisten etc. Es ist der Bereich des reinen biologischen Lebens.

Auf der anderen Seite ist das Private naturlich auch ein Zufluchtsort fur die Menschen. Ihre wichtige Funktion ist also : Intimitat gewahrleisten.

Das Offentliche ist der Bereich des politischen Handelns. Mit das Entstehen der Polis, unterschied der Grieche zwischen zwei Arten des Lebens: das Private und das Offentliche.

,, Jeder Burger gehorte nun an zwei Seinsordnungen zu (...)”21

Die antiken Griechen haben also zwei, klar voneinander getrennte, Lebensbereiche, unterschieden: das private Bereich und das offentliche Bereich.

Das private Bereich entsprach den Zusammenleben in Familie und Haus ( oikia, Okonomie) und bestimmt ist er von Notwendigkeiten und er ist das Reich der Arbeit und des Herstellens. Hier galt Ungleichheit und Unfreiheit, Gewalt und Zwang.

Der offentliche Bereich kennzeichnet sich durch das Handeln und Reden, als politische Tatigkeiten. Angelegenheiten werden hier durch die Kraft der Argumente geregelt und nicht durch Zwang und Gewalt. Stichwort lautet hier Freiheit. Also als ein Raum des Gemeinsamen, der sich vom Privaten absetzt und wo Offentlichkeit durch Welt identifiziert werden kann. Offentlichkeit ist grob gesagt gleich ,, Welt” aber nicht die Welt als die Natur im Ganzen verstanden sondern vielmehr als das was der Soziologe Ferdinand Tonnies ,, Gemeinschaft” meint.22

Was sie als einen Negativum ansieht ist der dritte Raum, namlich die Gesellschaft. Das Gesellschaftliche entstand als das Private in das Licht des offentlich-politischen Bereichs trat. Die Gesellschaft als ein neuer, dritter Raum wo eine strikte Trennung zwischen privaten und offentlichen Angelegenheiten verschwinden.

In dieser Rebellion des Herzens gegen die eigene gesellschaftliche Existenz wurde das moderne Individuum geboren mit seien dauernd wechselnden Stimmungen und Launen, in der radikalen Subjektivitat seines Gefuhlslebens, verstrickt in endlose innere Konfliktsituationen, die alle aus der doppelten Unfahigkeit stammen, sich in der Gesellschaft zu Hause zu fuhlen und aufierhalb der Gesellschaft zu leben. ”23

Das bisher Private tritt in das Ambiente der Gesellschaft. Ein neuer, moderner Individuum wird geschafft. Die Intimitat des Privaten ist durch das Gesellschaftliche bedroht. Die Konfliktsituationen in der der Mensch reinfallt tauchen genau wegen dieses Eingreifen in das Ambiente des Privaten auf. Der Aufstieg des Gesellschaftlichen generiert auch eine Disfunktionalitat der Familie und somit auch dem Niedergang der Familie u.a. Probleme tauchen auf. Konformismus an dieser Stelle als das Einketten der Person an den gesellschaftlichen Normen, Entscheidungen usw. Das hat auch Rousseau erkannt und stand fur den Nonkonformismus bzw. Individualismus durch welcher der Franzose Freiheit erlangen wollte.Das Individuum kann und muss eigene selbstandige Entscheidungen treffen. Er muss frei sein. Frei um zu entscheiden was fur ihm das beste ist und das konnen auch die Burger machen bzw. alle Burger durch ein ,,Gemeinwillle”.24

Konformismus versus Pluralitat” so lautet das Motto jetzt. In der Gesellschaft gibt es kein Regieren oder Herrschen sondern es herrscht vielmehr eine Konvention. Die Gesellschaft besteht weil die Menschen aneinander gebunden sind durch gleiche okonomische Interessen, Kultur usw. Wenn es ein Herrscher in der Gesellschaft gibt, ist das die Okonomie. Schon Rousseau explizierte dass die Landwirtschaft als das erste okonomisches Phanomen, den freien Menschen der in einen Naturzustand lebte, aus diesen Umfeld in das der Gesellschaft ,,geschleppt'' wurde und eine andere Tatsache ist dass die Menschen nicht mehr das Sagen haben sondern das System, die ,, wilde'' Burokratie.

Das Handeln wird in der Gesellschaft verdrangt durch das Sich Verhalten. Die Politik sieht nicht mehr den Menschen in der Gesellschaft sondern die Gesellschaft als Menschen an. Die Mission der Politik lautet fur das Wohlergehen der Gesellschaft zu sorgen, die okonomischen Prozesse zu beobachten und zu sorgen das sie reibungslos ablaufen und nicht zuletzt fur die Sicherheit und Ordnung in der Gesellschaft.

Letztlich betont Arendt dass die Arbeit, als Tatigkeit einer starken Transformation in das Gesellschaftliche leidet und dass aus dieser Transformation die Arbeit sich auf alle menschlichen Tatigkeiten ausdehnt. Das Motto lautet jetzt ,, Leben um zu arbeiten!” und nicht ,, Arbeiten um zu leben!”.

[...]


1 VA 9

2 “Ich will Politik sehen mit, gewissermafien, von der Philosophie ungetrubten Augen.” ( Arendt, Hannah: Was bleibt? Es bleibt die Muttersprache In Reif, A: Gesprache mit Hannah Arendt, Munchen 1976, S 10)

3 VA 347

4 Vgl. Vowinckel, Arendt, Stuttgart, 2012, S 23-24

5 In ,, Eichmann in Jerusalem: A Report on the Banality of Evil” (1963) zeigt Arendt vielmehr dass sie unter der Banalitat des Bosen das Komplex versteht was man existentialistisch mit ,, Weltlosigkeit” und in Allgemeinen mit einer Unfahigkeit selbst zu denken, mit einer Mediokritat die Eichmann in einen Instrumentarium seines Gesetzgebers verwandelte. Kein Damon oder Ungeheuer, sondern ein normaler Mensch, der seine Pflichten nachgeht und nicht nur Befehlen gehorcht, sondern dem Gesetz gehorcht, das war Eichmann und das nennt Arendt die Banalitat des Bosen, was letztendlich eine reale Gefahr, Bedrohung sein kann.

6 Der Begriff der ,,Vita activa” wird allgemein als ein tatiges Leben, besser als Teil monchischer Lebensfuhrung bezeichnet ( lat. vita- Leben; lat. activa/ activus- aktiv). Vita activa als die tatige Lebensform wird von der ,, schauenden Lebensform”, namlich die Vita contemplativa, getrennt und an die Seite gestellt.,, Die Kontemplation ist insofern hoher als die tatige Lebensform einzustufen, als sie selbstandig (autark) ist, d.h. keiner auberen Situationen oder anderen Menschen bedarf, und sie es mit dem Besten (dem Unwandelbaren, dem Gottlichen) zu tun hat.'' ( Rehfus, Wulff D.: Handworterbuch Philosophie, Gottingen, 2003)

7 VA 24

8 Von lat. Contemplatio, >Betrachtung<: Im philosophischen Bereich bedeutet es die geistige Schau. ,, Ihre Gegenstande sind die Bereiche des Unwandelbaren wie die Zahlen, die Umschwunge der Himmelskorper, das Gottliche.” Die Kontemplation als die eigentlich wissenschaftliche Art der Lebensfuhrung, als die eigentliche Quelle des geistigen Genusses. ( Rehfus, WulffD., Handworterbuch Philosophie, Gottingen, 2003)

9 Sei wohl bemerkt dass Arendt nicht nur das Christentum fur die Tatsache des ,,Niedergangs” der Vita activa und die Uberbetonung der Vita contemplativa, verantwortlich macht. Schon bei Platon ist die Kontemplation hierarchisch an die Spitze der ,, Pyramide”. ( VA24- 25) Fur Aristoteles ist die Ruhe der Seele auch wichtiger als die Unruhe des Korpers. Thomas von Aquin betont auch dass die Vita contemplativa ,,substanzieller” ist als die Vita activa. ,, So betont Thomas die Stille der Seele und empfiehlt die Vita activa, weil sie den Menschen erschopfe und dadurch die inneren Leidenschaften beruhige, was die Vorbereitung fur die Kontemplation dient ( Ebenda II, 2, 182,3)” ( VA 419) Und die Liste der Denker die die Kontemplation bevorzugt haben endet nicht hier. Konklusion lautArendt ware also dass die Vita activa sei sowohl griechischer-philosophischer als auch in christlicher Tradition vom Standpunkt der Vita contemplativa her bestimmt gewesen.

10 VA23

11 Das Bios hedone entspricht der Sinnlichkeit und Lust. Das Bios politicos entspricht den Ruhm und Ehre bzw. Das Erzeugen schoner Taten in der Polis. Das Bios theoreticos entspricht den Erforschen und Schauen dessen was nie vergeht, sich in einem Bereich immerwahrender Schonheit aufzuhalten und dem Eingriffsterblicher Menschen entzogen ist oder anders gesagt ist es die Betrachtende Tatigkeit, die reine Schau, die Vernunft. Das Bios theoreticos ist die hochste Lebensform, den Gottern gleich, sozusagen ist sie die Lebensweise des griechischen Philosophen.

12 Nur die dritte dieser Lebensweisen, die Vita contemplativa, bleibt in das mittelalterische Verstandnis noch ubrig.

13 Vgl. VA27

14 VA 17

15 VA 18

16 Ebd.

17 An dieser Stelle als ,, unter Menschen weilen” ( inter homines esse). Vgl. VA17

18 Naturlich musse man auch das ,, Ver-schieden-sein” der Menschen anvisieren als ein wichtiger Aspekt welcher die Individualitat des Einzelnen aufzeigt und die Moglichkeit der Menschen in ihren Lebens-Moglichkeitsrahmen, das Besondere markiert.

19 Als Vorlaufig zusammenfassend weil Arendt des-weiteren auch andere Sachen anspricht. Wie wir es auch immer interpretieren wurden, was immer die Menschen taten oder nicht taten, sie bleiben stets bedingte Wesen, so laut Arendt. Bedingungen werden klar und deutlich auch innerhalb jeder einzelnen Grundtatigkeit aufgezeigt und behandelt. Aber was fur die vorliegende Untersuchung wichtig ist, ist dass Arendt zwischen ,,Bedingtsein” der Menschen und die Natur der Menschen unterscheidet. Was die Natur des Menschen, in letzte Instanz ist, sei unbeantwortbar, weil die Menschen nicht ,,uber ihren eigenen Schatten springen” konnen, sie konnen keinen anderen Standpunkt aufierhalb der Menschenwelt einnehmen. ,,SofernesaberwirklichsoetwaswieeinWesendesMenschengebensollte,soistzweifellos,dafinureinGotteserkennenunddefinieren konnte, weil nur ein Gott vielleicht imstande ist, uber ein Wer in dem gleichen Sinne Aussagen zu machen wie uber ein Was.” ( VA11) Vgl. zur genauen Sichtweise Arendts bezuglich dieser Problematik des ,, Was der Mensch ist?” und ,, Wer der Mensch ist?” Kapitel 2' in der vorliegenden Arbeit

20 VA 73

21 VA 35

22 Das Offentliche als gemeinsame Welt verstanden wo diese Welt ja ein Gebilde von Menschenhand geschaffen ist. Die Welt als eine hergestellte Welt von Menschen selbst. Die Diskussion uber das Offentliche fuhrt Arendt viel weiter hinaus als die vorliegende Arbeit erlautert, aber fur den Zweck vielmehr das Handeln zu ,,erleuchten” ist es genugend. Beispielsweise spricht sie uber zwei engverbundene Phanomene die das Wort ,, offentlich” anvisieren die aber nicht identisch sind. Erstens alles was vor der Allgemeinheit erscheint ist fur jedermann sichtbar und horbar und zweitens es bezeichnet den Raum des Gemeinsamen, der sich vom Privaten abgrenzt. ( Vgl. VA 62-63)

23 VA 49

24 Siehe dazu Rousseau, Jean-Jaque, Du Contract Social ou Principes du Droit Politique, 1762

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Das Arendtische Handeln. Vom passiven Geborenwerden in der Welt zum aktiven Wesen des Menschseins
Hochschule
Universität Augsburg  (Philosophie)
Note
2
Autor
Jahr
2014
Seiten
22
Katalognummer
V542700
ISBN (eBook)
9783346165091
ISBN (Buch)
9783346165107
Sprache
Deutsch
Schlagworte
arendtische, geborenwerden, handeln, menschseins, welt, wesen
Arbeit zitieren
Mihai Daniel Udrea (Autor), 2014, Das Arendtische Handeln. Vom passiven Geborenwerden in der Welt zum aktiven Wesen des Menschseins, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/542700

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