Wo könnte Karl der Große nach seinem Tod im Jahr 814 bestattet worden sein? Dieser Frage soll in der vorliegenden Arbeit nachgegangen werden.
Zunächst soll die Grablege Karl des Großen beschrieben werden, sowie die Zeitabschnitte in den folgenden Jahrhunderten, in denen das Grab eine wichtige Rolle spielte, vorgestellt werden. Im nächsten Schritt werden zunächst die archäologischen Befunde dargelegt, ehe auf die schriftlichen Quellen eingegangen werden soll.
Die Frage der Sitzbestattung soll dagegen nur kurz angerissen werden, da sie zwar für einige Theorien wichtig ist, aber sie allein sehr viel Raum für Interpretationen bietet und den Rahmen der vorliegenden Arbeit überschreiten würde. Danach sollen verschiedene Lokalisierungsmöglichkeiten für die Grablege vorgestellt und im Anschluss diskutiert werden.
Karl der Große war ohne Zweifel einer der bedeutendsten Herrscher des Mittelalters. Am 28. Januar 814 starb der Kaiser in Aachen. Es ist davon auszugehen, dass er im heutigen Aachener Dom, der damaligen Marienkirche, bestattet wurde. Seit über 200 Jahren wird allerdings darüber gerätselt, an welcher Stelle er dort begraben wurde.
Zwar ist die Lage seiner Gebeine wohlbekannt, denn diese ruhen seit seiner Heiligsprechung 1215 in einem Reliquienschrein im Aachener Dom, die Frage nach dem ursprünglichen Bestattungsort ist aber trotzdem eine der wichtigsten Fragen der Aachener Geschichte und konnte von der Forschung bisher nicht geklärt werden.
Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung
II. Die Geschichte des Grabes
1. Die Grablege Karls des Großen
2. Die Graböffnung durch Otto III. und die Umbettung Karls
III. Die Quellen
1. Archäologische Befunde
2. Die schriftliche Überlieferung der Graböffnung
a) Die Chroniken des Klosters Novalese
b) Ademar von Chabannes
c) Thietmar von Merseburg
d) Hildesheimer Annalen
IV. Die Intention der Quellenautoren und die Sitzbestattung
1. Intention der Quellenautoren
2. Die Sitzbestattung
V. Lokalisierungsmöglichkeiten für die Grablege Karls des Großen
1. Das Arkosolgrab
a) Die Theorie zum Arkosolgrab
b) Kritik am Arkosolgrab
2. Die Fundamentlücke in der Chorschwelle
a) Die Theorie zur Fundamentlücke
b) Kritik am Grab in der Fundamentlücke der Chorschwelle
3. Das Throngewölbe
4. Das leere Grab im Westbau
a) Die Theorie zum Grab im Westbau
b) Kritik am leeren Grab im Westbau
5. Das Erdgrab hinter dem karolingischen Altarfundament
a) Die Theorie des Erdgrabs
b) Kritik am Erdgrab hinter dem karolingischen Altarfundament
VI. Schluss
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die historisch umstrittene Frage nach dem ursprünglichen Bestattungsort Karls des Großen im Aachener Dom. Ziel ist es, die Diskrepanz zwischen überlieferten schriftlichen Berichten, insbesondere zur Sitzbestattung, und modernen archäologischen Befunden zu analysieren, um eine fundierte Hypothese über die wahrscheinlichste Grablege aufzustellen.
- Analyse der mittelalterlichen Quellen zur Graböffnung durch Kaiser Otto III.
- Untersuchung der archäologischen Befunde im Aachener Dom seit dem 19. Jahrhundert.
- Kritische Auseinandersetzung mit der These der "Sitzbestattung" Karls des Großen.
- Bewertung verschiedener lokaler Theorien, wie des Arkosolgrabs oder des Erdgrabs hinter dem Altar.
- Synthese aus Quellenauswertung und archäologischen Evidenzen zur Verortung des Grabes.
Auszug aus dem Buch
Die Grablege Karls des Großen
Nach der Krönung seines Sohnes Ludwigs des Frommen zum Mitkaiser verbrachte Karl der Große den Rest des Herbstes 813 in Aachen. Er verließ die Stadt nur selten, um zu jagen. Im Winter erkrankte er an starkem Fieber und wurde im Januar bettlägerig. Das gewöhnliche Heilmittel des Fleischliebhabers war das Fasten, doch auch dies half nicht mehr, die Symptome zu lindern. Er nahm nur noch flüssige Nahrung zu sich und verspürte nun auch einen Schmerz in der Seite. Am siebten Tag seiner Bettlägerigkeit starb er, nachdem er zuvor zum letzten Mal die heilige Kommunion empfangen hatte. Einhard datiert dies auf den 28. Januar 814.
Anschließend wurde der Körper Karls des Großen gewaschen und in die Marienkirche gebracht. Einhard spricht hier nun von einer Unsicherheit, wo man Karl genau bestatten sollte, da er während seines Lebens nie Angaben zu einem bevorzugten Begräbnisort gemacht habe. Schließlich einigte man sich darauf, ihn als Stifter der Marienkirche auch in derselben zu bestatten und zwar in einem Grab in der Erde. Er wurde noch am gleichen Tag in der Kirche begraben und ein Steinbogen mit einem Bild Karls und einer Inschrift über seinem Grab errichtet. Allerdings nennt Einhard keinen konkreten Platz, an dem Karl der Große in der Kirche seine letzte Ruhe fand. Auch andere Quellen, die kurz von seinem Tod berichten, nennen keinen genauen Ort der Bestattung.
Zusammenfassung der Kapitel
I. Einleitung: Die Einleitung umreißt die historische Relevanz des Bestattungsortes Karls des Großen und stellt die Forschungsfrage nach der genauen Lage seines Grabes im Aachener Dom.
II. Die Geschichte des Grabes: Dieser Abschnitt behandelt die zeitgenössischen Berichte über Karls Tod und Bestattung sowie die spätere Graböffnung durch Kaiser Otto III. im Jahr 1000.
III. Die Quellen: Hier werden archäologische Grabungsbefunde den verschiedenen schriftlichen Überlieferungen (u.a. Einhard, Ademar von Chabannes, Thietmar von Merseburg) gegenübergestellt.
IV. Die Intention der Quellenautoren und die Sitzbestattung: Das Kapitel analysiert die Motive der Chronisten und untersucht kritisch die in mehreren Quellen erwähnte, ungewöhnliche Form der Sitzbestattung.
V. Lokalisierungsmöglichkeiten für die Grablege Karls des Großen: Dies ist der Hauptteil der Arbeit, in dem fünf verschiedene Theorien zum Grabstandort (Arkosolgrab, Fundamentlücke, Throngewölbe, Westbau, Erdgrab hinter Altar) einzeln diskutiert und bewertet werden.
VI. Schluss: Der Schluss fasst die Ergebnisse zusammen und kommt zu dem Ergebnis, dass ein Erdgrab hinter dem karolingischen Altarfundament die wahrscheinlichste Hypothese darstellt.
Schlüsselwörter
Karl der Große, Aachener Dom, Marienkirche, Grablege, Graböffnung, Otto III., Einhard, Sitzbestattung, Reliquien, Archäologische Befunde, Mittelalter, Bestattungsort, Arkosolgrab, Pfalzkapelle, Überlieferung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der ungeklärten Frage, wo sich das ursprüngliche Grab Karls des Großen im Aachener Dom befindet.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die Arbeit verknüpft historische Quellenauswertungen mit archäologischen Grabungsergebnissen, um Theorien über den Bestattungsort kritisch zu hinterfragen.
Welches Ziel verfolgt die Arbeit?
Das Ziel ist es, die plausibelste Lokalisierung des Karlsgrabes zu identifizieren, indem widersprüchliche Berichte und archäologische Fakten in Einklang gebracht werden.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden angewandt?
Die Methode umfasst die Analyse zeitgenössischer Chroniken, den Vergleich mit kirchenrechtlichen Bestimmungen der Karolingerzeit und die Auswertung archäologischer Berichte des 20. und 21. Jahrhunderts.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Diskussion von fünf verschiedenen Lokalisierungshypothesen, wobei jede These durch eine Darlegung der Theorie und eine anschließende wissenschaftliche Kritik geprüft wird.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind die Sitzbestattung, die Graböffnung durch Otto III., das karolingische Altarfundament sowie die kritische Auseinandersetzung mit der Zuverlässigkeit mittelalterlicher Quellen.
Warum wird die "Sitzbestattung" in der Arbeit so intensiv diskutiert?
Die Sitzbestattung ist in den schriftlichen Quellen mehrfach bezeugt, gilt jedoch für das Mittelalter als extrem unüblich, weshalb sie die Forschung vor große Rätsel stellt.
Welches Ergebnis erzielt die Arbeit hinsichtlich des Grabortes?
Auf Basis der vorliegenden Quellen und archäologischen Indizien wird das Erdgrab hinter dem karolingischen Altarfundament als die am wahrscheinlichsten korrekte Bestattungsstätte bewertet.
- Citation du texte
- Michael Hellstern (Auteur), 2011, Das Grab Karls des Großen. Geschichte und Lokalisierungsmöglichkeiten, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/542909