In den deutschen Ballungszentren sind in den letzten Dekaden durch Immobiliengesellschaften und Eigennutzer viele Büroflächen errichtet worden. Der hohe Mittelzufluß bei den Immobilienfonds, das Aufkommen von „neuen“ Anlage-Vehikeln in Immobilien, aber auch die Corporate Real Estate Management-Strategie und die Gewerbeflächenplanung seitens der öffentlichen Hand, führen zu immer großvolumigeren Investitionen in Bürobauten oder Immobilienensemble (bspw. AIRRAIL-Projekt, Frankfurter Welle, Messestadt Riem).
Auch Projektentwickler können einzelne Projekte nicht mehr alleine „stemmen“, sondern müssen Kooperationen, strategische Partnerschaften oder Beteiligungen eingehen oder sich das Kapital durch den Gang an die Börse beschaffen.
Gleichzeitig kommt es durch die Konzentration auf das Kerngeschäft, den steigenden und der damit Kapitalbedarf, den Rückgang von branchenspezifischen Flächennutzungen verbundenen Vermarktung der ehemals im Bestand gehaltenen und jetzt nicht mehr betriebsnotwendigen Liegenschaften , zu einem Angebotsdruck von Gebäuden und
Grundstücken. Beispielhaft stehen dafür die innerstädtischen Bahnareale (wie Europaviertel Frankfurt, „Mannheim 21“, Bad Homburg Güterbahnhof Süd etc. ) der Deutschen Bahn AG,
die Vermarktung von ehemals geschlossenen Gebieten wie Industrieparks und Industrieareale (bspw. Brauereigelände , Industriepark Höchst und die Siemensareale „IsarinMünchen oder „343 West“ in Frankfurt am Main) oder die Planungen „Hafen City West“ Hamburg“ oder das Projekt „Düsseldorf Airport City“ und auch das Da sich Bürobauten mit hohen Investitionsvolumina nur langfristig rechnen geplante Flächenangebot in den deutschen Agglomerationen sehr groß ist, stellt sich die Frage wie zukunftsfähig die deutschen Metropolen im Hinblick auf wirtschaftliche und politische Veränderungen sind und welche Entwicklungsrichtung die größten Bürostandorte einschlagen werden.
Grossräumige Entwicklungstendenzen der deutschen Bürostandorte
Ziel dieser Arbeit ist es Faktoren aufzuzeigen, die für die Entwicklung der größten deutschen Bürostandorte, sowohl in der Vergangenheit als auch in der Zukunft von Bedeutung sind und anhand von Trendfortschreibungen Tendenzen in der Entwicklung der Standorte zu erkennen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1. Fragestellung, Zielsetzung und Relevanz der Arbeit
1.2. Aufbau der Arbeit
2. Theoretischer Rahmen
2.1. Die Analyse des Städtesystems
2.1.1. Die Rang-Größe-Regel
2.1.2. Das Global-City-Konzept
2.1.3. Funktionsspezialisierung
2.2. Die regionale Wirtschaftsstruktur
2.3. Agglomerationseffekte
2.4. Bürobetrieb, Büroarbeit und Bürostandort : Entwicklung und Standortverhalten von Bürobetrieben
2.4.1. Die sektorale Entwicklung der Wirtschaft
2.4.2. Die Bedeutung des sekundären Sektors für die Bürostandorte
2.4.3. Die Entwicklung der Büroarbeit
2.4.4. Zur Theorie des Standortverhaltens von Bürobetrieben
2.4.5. Die Nachfrage nach Büroflächen
2.4.5.1. Zusammenhang von wirtschaftlicher Entwicklung und der Entwicklung von Bürostandorten
2.4.5.2. Der Struktureffekt
2.4.5.3. Der Sacheffekt
3. Der Einfluss von Fusionen bzw. Übernahmen und des Staates auf die Entwicklung von Bürostandorten
3.1. Die Bedeutung von hochrangigen Unternehmensabteilungen mit Steuerungs-, Kontroll- und Entscheidungsfunktionen für den Bürostandort
3.1.1. Hauptverwaltungsinterne Standortspaltung
3.1.2. Auswirkung der Flexibilisierung auf die Unternehmensorganisation
3.2. Der Einfluss des staatlichen Apparates : Vorleistung durch öffentliche Anbieter und die Subventions-Politik des staatlichen Apparates
3.2.1. Der Einfluss der EU und die „Europäisierung“
4. Die Entwicklung der deutschen Bürostandorte
4.1. Die Entwicklung der Verdichtungsräume in der BRD
4.1.1. Verdichtungsräume und Metropolenregionen
4.1.2. Europäische Metropolenregionen
4.2. Definition der deutschen Bürostandorte
4.3. Entwicklung der Bürobautätigkeit und der Nutzerstrukturen in den deutschen Städten
4.3.1. Die wichtigsten Bürostandorte im Vergleich
4.3.2. Die Suburbanisierung von Bürobetrieben
5. Die Untersuchungsregionen
5.1. Europäische Metropolregion Hamburg
5.2. Europäische Metropolregion Rhein Ruhr
5.3. Europäische Metropolregion Rhein Main
5.4. Europäische Metropolregion München
5.5. Europäische Metropolregion Berlin-Brandenburg
6. Großräumige Entwicklungstendenzen
6.1. Das Szenario des DIW
6.2. Die Prognosen des Bundesamtes für Bauwesen und Raumordnung (BBR).
6.2.1. Die BBR Arbeitsplatzszenarien 2010/2015
6.2.2. Die Szenarien zur Raumentwicklung in Deutschland 2015/2040
6.2.3. BBR Studie 2002 „Europäische Verflechtungen deutscher Metropolräume“ : Tendenzielle Auswirkungen auf die Raumstruktur
6.3. Die Szenarien „Immobilien im neuen Jahrtausend“ von Bayerische Landesbank und empirica
6.4. Das Prognos Szenario
6.5. Die Szenarien der Deutsche Bank Research
7. Eigene Szenarien und Prognosen
8. Schlussbetrachtung
Zielsetzung und Themen
Diese Arbeit zielt darauf ab, die Faktoren zu identifizieren, die für die historische und zukünftige Entwicklung der größten deutschen Bürostandorte ausschlaggebend sind, um daraus Tendenzen für die künftige Standortentwicklung abzuleiten.
- Analyse der theoretischen Grundlagen für Bürostandorte und das Städtesystem
- Untersuchung des Einflusses von Unternehmensorganisation und staatlichen Maßnahmen auf Bürostandorte
- Darstellung der Entwicklung deutscher Metropolenregionen und ihrer spezifischen Nutzerstrukturen
- Vergleich der wichtigsten Bürostandorte unter Berücksichtigung von Suburbanisierungstendenzen
- Bewertung verschiedener Szenarien und Prognosen zur zukünftigen Raumentwicklung
Auszug aus dem Buch
2.4.3. Entwicklung der Büroarbeit
Ein Unternehmen benötigt zum erfolgreichen Bestehen im Wettbewerb einmalige und kontinuierliche Informationen von internen und externen Informationsquellen. Die Grundvoraussetzung für den Informationsverarbeitungsprozess ist die Formulierung von Wissen durch Symbole, die Auswahl geeigneter Datenträger und der Kommunikationsprozeß. Die Information ist das Rohmaterial und das Endprodukt.
Es ist wichtig für Steuerung und Koordination von Unternehmen schnell an notwendiges und unverfälschtes Wissen zu gelangen. Hier zeigt sich auch die enorme Bedeutung der räumlichen Nähe von Wirtschaftsaktivitäten (vgl. BATHELT / GLÜCKLER; GRABHER; HILPERT; HOHN; ELLGER; LO; MATUSCHEWSKI; PRED S. 20f.).
Man kann die Büroarbeiten in betriebsorientierte oder rückwärtige „back-office“ und in marktorientierte Tätigkeiten unterteilen. Die Rationalisierung im Büro findet meistens im „back-office“ statt, weil hier die Schematisierung einfacher ist, als im „front office“. Kundenkontakte sind schwer zu schematisieren (vgl. ABF AKTUELL; ELLGER; RENTZ).
Im Zuge der Dienstleistungsexpansion ist die Quantität der Büroflächen stark angestiegen. Bei der Entwicklung der Bürostandorte spielt die Zahl der Bürobeschäftigten eine zentrale Rolle. Da es im tertiären Sektor eine hohe Anzahl von Beschäftigten gibt, die nicht in einem Büro arbeiten (z.B. Einzelhandel, ambulante Pflege, Gebäudereinigung) und dagegen im primären und sekundären Sektor bedeutende Anteile von Bürobeschäftigten gibt, sind die Sektoren und Branchen nicht auf Büroanteile übertragbar.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung definiert die Fragestellung und den Aufbau der Arbeit im Kontext aktueller Investitionen und Veränderungen in deutschen Ballungszentren.
2. Theoretischer Rahmen: Dieses Kapitel erläutert die Grundlagen der Städtesystemanalyse, Agglomerationseffekte sowie die sektorale Entwicklung und das Standortverhalten von Bürobetrieben.
3. Der Einfluss von Fusionen bzw. Übernahmen und des Staates auf die Entwicklung von Bürostandorten: Hier werden die Auswirkungen von Unternehmensentscheidungen und staatlicher Politik auf Bürostandorte und die funktionale Arbeitsteilung zwischen Regionen analysiert.
4. Die Entwicklung der deutschen Bürostandorte: Dieses Kapitel untersucht die historische Entwicklung von Verdichtungsräumen, definiert deutsche Bürostandorte und analysiert Nutzerstrukturen sowie Suburbanisierungsprozesse.
5. Die Untersuchungsregionen: Hier werden spezifische Metropolenregionen wie Hamburg, Rhein-Ruhr, Rhein-Main, München und Berlin-Brandenburg hinsichtlich ihrer Beschäftigungsstrukturen detailliert betrachtet.
6. Großräumige Entwicklungstendenzen: Dieses Kapitel stellt verschiedene Szenarien und Prognosen, u.a. vom DIW, BBR und der Deutschen Bank Research, gegenüber, um zukünftige Entwicklungspfade zu skizzieren.
7. Eigene Szenarien und Prognosen: In diesem Teil entwickelt der Autor eigene Prognosemodelle basierend auf Rang-Größe-Ketten und Trendfortschreibungen der Bürobeschäftigtenzahlen.
8. Schlussbetrachtung: Die Arbeit schließt mit einer zusammenfassenden Bewertung der Zukunftsaussichten für die untersuchten deutschen Regionen und Bürostandorte ab.
Schlüsselwörter
Bürostandort, Metropolenregion, Stadtentwicklung, Dienstleistungssektor, Agglomeration, Unternehmenszentrale, Strukturwandel, Büroflächennachfrage, Standortverhalten, Global City, Wirtschaftsstruktur, Büroarbeit, Arbeitsmarkt, Suburbanisierung, Standortpolitik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die großräumigen Entwicklungstendenzen der deutschen Bürostandorte unter Berücksichtigung wirtschaftlicher, struktureller und politischer Einflussfaktoren.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Analyse von Städtesystemen, Agglomerationseffekte, der Einfluss von Unternehmensorganisationen (Fusionen/Übernahmen), staatliche Standortpolitik sowie die Entwicklung spezifischer deutscher Metropolenregionen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, Faktoren aufzuzeigen, die für die Entwicklung der größten deutschen Bürostandorte in Vergangenheit und Zukunft von Bedeutung sind, um daraus Tendenzen für die weitere Standortentwicklung abzuleiten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse sowie der Auswertung von Primär- und Sekundärquellen (Statistiken von BBR, Arbeitsämtern, etc.) und erstellt eigene Prognosen mithilfe von Rang-Größe-Ketten.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit den theoretischen Rahmenbedingungen, dem Einfluss von Unternehmensentscheidungen und dem Staat, der detaillierten Betrachtung der wichtigsten Metropolenregionen sowie einer vergleichenden Analyse von Prognoseszenarien.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Bürostandort, Metropolenregion, Dienstleistungssektor, Agglomeration und Strukturwandel geprägt.
Welchen Einfluss haben Fusionen auf Bürostandorte?
Fusionen führen oft zur Konzentration von Steuerungsfunktionen im Hauptstandort und zur Aufgabe oder Schwächung von Standorten der übernommenen Unternehmen, da administrative Funktionen zentralisiert werden.
Wie spielt die staatliche Politik eine Rolle?
Staatliche Politik beeinflusst durch Infrastrukturinvestitionen, Subventionen und Ansiedlungspolitik massiv die Wettbewerbsfähigkeit von Regionen und kann gezielt Clusterbildung in bestimmten Standorten fördern.
Welche Bedeutung hat das "Rhein-Main-Gebiet" in der Arbeit?
Das Rhein-Main-Gebiet wird aufgrund seiner polyzentrischen Struktur und seiner Rolle als wichtiger Finanzplatz intensiv als eine der zentralen Metropolenregionen analysiert.
- Quote paper
- René Koch (Author), 2004, Grossräumige Entwicklungstendenzen der deutschen Bürostandorte, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/54332