Praktische Theologie. Telefonseelsorge für Menschen in Not


Hausarbeit, 2017

11 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Seelsorge

3 Telefonseelsorge
3.1 Allgemeine Informationen
3.2 Telefonseelsorge im Saarland
3.2.1 Entstehung
3.2.2 Mitarbeiter
3.2.3 Anrufer
3.2.4 Gesprächsanlässe

4 Fazit

5 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Jeder kennt es: es gibt Phasen oder Zeitpunkte im Leben, in denen man unzufrieden oder traurig ist. Dies kann ganz unterschiedliche Ursachen haben und kommt auch oft auf die Altersgruppe an. So haben Jugendliche zum Beispiel eher Probleme mit ihrer ersten großen Liebe oder mit der Schule. Erwachsene dagegen machen sich Gedanken über finanzielle Angelegenheiten oder ihre Familie. Ganz oft sind Schicksalsschläge, wie beispielsweise der Tod eines geliebten Menschen, ein Anlass dafür, dass es einem nicht gut geht. Viele wenden sich in solchen Momenten an vertraute Personen, also Familie oder Freunde, die ihnen dann zur Seite stehen. Es gibt jedoch auch Menschen, die andere nicht mit ihren Problemen belasten wollen oder sich in manchen Situationen einfach schämen. Wiederrum gibt es einige, die einsam sind und nicht die Möglichkeit dazu haben, mit jemandem über Sorgen und Probleme zu sprechen. Aus diesem Grund gibt es Einrichtungen wie zum Beispiel die Telefonseelsorge, bei der Personen sich anonym über ihre Sorgen auslassen können. Die Telefonseelsorge im Saarland wirbt mit dem Slogan „Sorgen kann man teilen,“1 welcher unterstreicht, dass man seelische Probleme reduzieren kann, indem man Unterstützung erhält. Außerdem macht sie sich zur Aufgabe, Menschen davor zu bewahren, sich selbst Schaden zuzufügen. Denn einige, die niemanden zum Reden haben, werden depressiv und kommen aus Verzweiflung auf Suizidgedanken. Sorgen teilen, dies ist wichtig, damit man sich besser fühlen kann. Sybille, welche 10 Jahre für die Telefonseelsorge im Saarland arbeitete, bestätigt dies, denn viele bedankten sich bei ihr, dass sie zugehört hat, einfach nur für sie da war.2 Diese Aussage ähnelt einer Bibelstelle, die deutlich macht, dass auch Jesus schon als „Seelsorger“ tätig war: „Werft all eure Sorgen auf ihn, denn er kümmert sich um euch (1 Petrus 5, 7).“3

Um das genannte Thema Telefonseelsorge, und zwar speziell die Einrichtung im Saarland genauer unter die Lupe zu nehmen, wird als Erstes auf den Begriff Seelsorge eingegangen, um deutlich zu machen, was man darunter versteht. Denn dieser Begriff bildet das Fundament für die Telefonseelsorge und ist somit wichtig für das Verständnis der darauffolgenden Teile. Danach werden zunächst allgemeine Informationen zur Telefonseelsorge genannt, um anschließend explizit die Telefonseelsorge im Saarland zu erläutern. Der Aufbau setzt sich dann weiterhin so zusammen, dass zur Einführung der Einrichtung im Saarland kurz die Entstehungsgeschichte angesprochen wird, um die Entwicklung besser nachvollziehen zu können. Anschließend wird vor allem die Motivation der Mitarbeiter noch herausgearbeitet, und schließlich Informationen über die Anrufer und Gesprächsanlässe, mit denen die oftmals Ehrenamtliche zu tun haben, dargelegt.

2 Seelsorge

Seelsorge zählt zu den wichtigsten Aufgaben der Kirche. Man kann sie der Praktischen Theologie zuordnen, welche sich mit den kirchlichen Praxisfeldern auseinandersetzt. Die Bezeichnung „Seelsorge“ hat von katholischer sowie evangelischer Seite her betrachtet einen doppelten Sinngehalt: „Zum einen wir damit die Gesamtheit kirchlichen Tuns (cura animanum generalis) bezeichnet, zum anderen dasjenige pastorale Handeln, das sich speziell an Einzelne oder überschaubare Gruppen richtet (cura animanum specialis).“4

Aufgrund der Zusammensetzung des Wortes Seelsorge aus „Seele“ und „Sorge“ entsteht laut Mette eine „dualistische Vorstellung von der Trennung zwischen Leib und Seele.“5 Diese Aussage kann man jedoch nicht der Tätigkeit der Kirche zuschreiben, da sie sowohl die Seele, als auch den Leib betrifft. Die Kirche lässt eben nicht einen der beiden Aspekte außen vor, denn das Handeln bezieht sich auf den kompletten Menschen.

Neben der Theologie müssen die Psychologie und die Soziologie in die Theorie der Seelsorge intergiert werden, da die Seelsorge mit der psychischen und sozialen Perspektive und der übersinnlichen menschlichen Tragweite in Verbindung gerät.

Außerdem gibt es verschiedene Kerngebiete in der Seelsorge, denn sie kann sich auf bestimmte Altersgruppen, Geschlechter oder aber auch auf gesonderte Menschengruppen konzentrieren. Demzufolge ist sie in der Nähe dieser Gruppen niedergelassen, beispielsweise an Universitäten, Schulen, Gefängnissen, Krankenhäusern usw. Diese Art von Seelsorge wird auch Kategorialseelsorge genannt.

Aufgrund dessen, dass sich Seelsorge hauptsächlich in einem Gespräch verwirklicht, sind die „Fragen der Gesprächsführung und der kommunikativen Kompetenz“6 während der Ausbildung zum Seelsorger von hoher Bedeutung. Demzufolge entwickelt sich der Charakter der Theologie-Aktivität in eine andere Richtung. Man kann sich vorstellen, dass sie zwischen zwei Punkten, nämlich dem Studium der Bibel auf der einen, und dem „Studium der heute lebenden Menschen mit ihren Sorgen und Nöten“7 auf der anderen Seite, pendelt. Wenn man beide Aspekte miteinander verknüpft erhält man die Kompetenz der Theologie, welche für die Seelsorge unentbehrlich ist.

3 Telefonseelsorge

3.1 Allgemeine Informationen

Wie oben schon angesprochen, gibt es verschiedene Ausprägungen der Seelsorge, so zum Beispiel Gefängnis- und Krankenhausseelsorge. Eine ganz bestimmte Form ist die Telefonseelsorge, welche in anonymer Form erfolgt. Sie bezieht sich auf den Seelenbegriff aus der Bibel, nämlich „nephesch“. Dieser bedeutet „Leben“ oder „Lebendiger Atem“. Seelsorge meint somit „Lebens-Seelsorge“. Den Seelsorgern kann somit der Titel „Lebensanwalt“ zugesprochen werden8, die „allen Ratsuchenden die Möglichkeit [bieten], befähigte Gesprächspartner zu finden, die sie in ihrer jeweiligen Situation ernst nehmen, ihnen in Krisensituationen beistehen und ihrer Anonymität achten. Die Telefonseelsorgestellen nehmen diesen Dienst bei Tag und Nacht wahr. Die Mitarbeiterinnen versuchen, den anderen in vorurteilsfreier und unbedingter Offenheit anzunehmen.“9

Die Wurzeln der Telefonseelsorge liegen im Jahre 1889 in New York. Ein Suizidfall prägt die Grundlagen der Telefonseelsorge, wie wir sie heute kennen. Harry Warren war der Name des Mannes, der den Einfall hatte, „das Telefon als Kontaktbrücke zu Suizidgefährdeten aufzubauen.“10 Aufgrund der zu starken Bibelorientierung fand die Idee jedoch keine Annahme in der Gesellschaft.

Durch einen ähnlichen Fall in London 1953, der die Gründung der „Samaritans“ durch den Pfarrer Chad Varah zur Folge hatte, wurde das Thema wieder aufgegriffen. Sie machten sich zur Aufgabe, Suizidgefährdeten oder Menschen mit anderen Problemen zur Seite zu stehen und ihnen bei der Lösung ihrer Probleme behilflich zu sein.

Diesmal fand die Idee Zuspruch und einige Menschen nahmen den Dienst auch in Anspruch. Daher ist es nicht verwunderlich, dass bereits 1956 in Berlin die erste Stelle durch den Pfarrer und Arzt Klaus Thomas eröffnet wurde. Seine Ambition war vor allem, die Selbstmordverhütung beziehungsweise der Aufruf einer „praktischen Lebensmüdenbetreuung.“11 Im Mittelpunkt stand hierbei eine „zentral-biblische, menschlich warme und verstehende Seelsorge,“12 so Habenicht. Danach folgten Kassel und Frankfurt sowie zahlreiche andere Stellen.

Zu Beginn wurde mit der Frage nach der christlichen Ausrichtung der Stellen verschieden umgegangen. In Berlin zum Beispiel gab es nicht konfessionelle Stellen, wohingegen anderswo die Bindung an eine Konfession bevorzugt wurde. Auch die Bezeichnung Telefonseelsorge fand Kritiker, welche die Meinung vertraten, sie schrecke die Anrufer aufgrund des Begriffs „Seelsorge“ ab. Letztlich blieb jedoch der Titel „Telefonseelsorge“ erhalten,13 wobei konfessionelle Zusammenführungen zu umgehen versucht waren.

Heute ist die Telefonseelsorge ein bundesweiter Verband, dem 8.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter angehören. Die Evangelische und Katholische Kirche sind sozusagen die Säulen der Telefonseelsorge. Seit 1997 werden jegliche Kosten der Telefonate von der Deutschen Telekom übernommen.14

3.2 Telefonseelsorge im Saarland

3.2.1 Entstehung

Die Wiege der Telefonseelsorge Saarbrücken ist auf das Jahr 1973 zurückzuführen. Zu den vier Hauptamtlichen zählten Friedrich Petrowski und Dieter Kuhnen, beide Pfarrer, Gerhard Wurster sowie Gertrud Heim. Damals waren Regionaldekan Prof. Goergen und Generalvikar Hofmann Ansprechpartner auf katholischer Seite. Durch den Regionaldekan sowie Kirchenrat Eisenbeiß wurden die vier in den Dienst der Telefonseelsorge vertraut gemacht.

Zunächst musste einmal ein Fundament geschaffen werden, um die Kooperation der Kirchen zu gewährleisten. Daher kam 1973 ein „Kooperationsvertrag […] zustande, der die Zusammenarbeit zwischen den 3 evangelischen Kirchenkreisen an der Saar: Ottweiler, Saarbrücken, Völklingen und dem Bistum Trier regelte.“15 1974 startete dann die Ausbildung von 28 Männern und Frauen unter der Leitung der oben genannten Personen. Zu Beginn der Telefonseelsorge konnte man sie samstags von 20.00 Uhr bis 24.00 Uhr erreicht werden. Stichtag für die Gesprächsdienstleistung rund um die Uhr war der 10. März 1975.

3.2.2 Mitarbeiter

Damit das Unternehmen bestehen kann, braucht es natürlich auch Menschen, die sich dafür engagieren. Die Mitarbeiter spielen also eine extrem wichtige, wenn nicht sogar die wichtigste Rolle in der Telefonseelsorge.

2009 gab es bei der Telefonseelsorge im Saarland 82 Mitarbeiter von 28 bis 75 Jahren. Von diesen waren 66 Weibliche und 16 Männliche ehrenamtlich beschäftigt. Bei einem Dienst rund um die Uhr das ganze Jahr über, kommt ein Ehrenamtlicher auf ca. 10 bis 15 Stunden Dienst am Telefon pro Monat. Außer den Ehrenamtlichen gibt es auch noch Hauptamtliche, die in der Telefonseelsorge tätig sind. Im Jahr 2009 waren das insgesamt sechs, zu denen der Ev. Leiter und Pfarrer Volker Bier, die Kath. Leiterin und Dipl. Psychologin Heidrun Mohren-Dörrenbächer, die Ev. Dipl. Psychologin Friederike Walle und auf katholischer Seite die Psychologen Bernhard Löhle und Christoph Fleck sowie die Sekretärin Ute Roth zählen.16 Diese Hauptamtlichen sind auch noch sechs Jahre später, also 2015, in der Telefonseelsorge des Saarlandes angestellt.

Mit der Arbeit am Telefon ist das Soll eines Mitarbeiters aber noch nicht erfüllt. Neben diesem Dienst müssen sie zunächst eine Ausbildung durchlaufen und danach an Supervisionen und Fortbildungen teilnehmen.

Die Mitarbeiter müssen gewisse Rahmenbedingungen erfüllen, um den Dienst am Telefon ausüben zu dürfen. Zunächst muss man psychisch belastbar sein und somit auch eine gewisse psychische Stabilität mitbringen, da man stets mit „tiefen und furchtbaren Gesprächen“17 konfrontiert wird, wie es Moritz aus der Telefonseelsorge Saar nennt. Außerdem müssen sie bereit sein, den Anrufer ohne Vorurteile hinzunehmen, da dies eine Voraussetzung für den Telefondienst ist, wie es auch schon oben in der Definition erwähnt wurde. Des Weiteren wird eine Empfindlichkeit für eigene und die Gefühle anderer benötigt. Um diesen und einigen anderen Aufgaben gerecht zu werden, gibt es für jeden als Vorbereitung eine Ausbildung, in der der Schwerpunkt auf die Arbeit an der eigenen Person gelegt wird: Man soll „sensibler werden für eigenes und fremdes Erleben und Verhalten“, eine „Wahrnehmung entwickeln für die Grenzen der eigenen Person“ und die „Aspekte der eigenen Motivation für den Dienst klären,“18 zählt Bernreiter auf.

[...]


1 Telefonseelsorge: Organisation, http://telefonseelsorge.de/?q=node/7 [eingesehen am: 25.03.17].

2 Bistum Trier und die Evangelischen Kirchenkreise an der Saar (Hg.): Jahresbericht 2015. Im Blickpunkt: Nachtdienst, Saarbrücken 2015, S. 6. [eingesehen unter: http://www.evangelische-kirche-saar.de/pnsys/upload/upload/21/1902/Korrektur_3_Bericht_Telefonseelsorge_2015.pdf letzter Zugriff am: 25.03.17].

3 Die Bibel. Altes und Neues Testament. Einheitsübersetzung, hg. im Auftrag der Bischöfe Deutschlands u.a., Stuttgart 1980.

4 Norbert Mette: Einführung in die katholische Praktische Theologie, Darmstadt 2005, S. 89.

5 Ebd., S.89.

6 Norbert Mette: Einführung in die katholische Praktische Theologie, Darmstadt 2005, S. 91.

7 Ebd., S.91.

8 Stanislaus Klemm: 25 Antworten, in: 25 Jahre Telefonseelsorge im Saarland. 1975-2000 (2000), S. 24.

9 Ebd., S.13.

10 Ebd., S.13.

11 Ingo Habenicht: Die Anfänge der Telefonseelsorge und ihre Institutionalisierung, in: Handbuch der Telefonseelsorge, hg. v. Jörg Wieners, Göttingen 1995, S. 12.

12 Ebd., S.12.

13 Der Name ist seit 1999 markenrechtlich geschützt. Inhaber der Marke sind die Evangelische Konferenz für Telefonseelsorge und offene Tür e.V. und die katholische Bundesarbeitsgemeinschaft für Beratung e.V. (vgl. http://telefonseelsorge.de/?q=node/7 [eingesehen am: 25.03.17]).

14 Telefonseelsorge: Organisation, http://telefonseelsorge.de/?q=node/7 [eingesehen am: 25.03.17].

15 Kuhnen, Dieter: Die Anfänge der Telefonseelsorge Saarbrücken, in: 10 Jahre Tag und Nacht für Sie zu sprechen: Telefonseelsorge Saarbrücken. Telefon 11101 (1985), S. 5ff.

16 Evangelisch-katholische Telefonseelsorge und Beratungsstelle Saar (Hg.): Aus Worten können Wege werden: Jahresbericht 2009, Saarbrücken 2009, S. 3.

17 Bistum Trier und die Evangelischen Kirchenkreise an der Saar (Hg.): Jahresbericht 2015. Im Blickpunkt: Nachtdienst, Saarbrücken 2015, S. 4f. [eingesehen unter: http://www.evangelische-kirche-saar.de/pnsys/upload/upload/21/1902/Korrektur_3_Bericht_Telefonseelsorge_2015.pdf letzter Zugriff am: 25.03.17].

18 Christian Bernreiter: Persönlichkeitsentwicklung und Supervision, Duschl 2001, S. 50.

Ende der Leseprobe aus 11 Seiten

Details

Titel
Praktische Theologie. Telefonseelsorge für Menschen in Not
Hochschule
Universität des Saarlandes
Veranstaltung
Proseminar Praktische Theologie
Note
1,3
Autor
Jahr
2017
Seiten
11
Katalognummer
V544176
ISBN (eBook)
9783346155504
ISBN (Buch)
9783346155511
Sprache
Deutsch
Schlagworte
menschen, praktische, telefonseelsorge, theologie
Arbeit zitieren
Nina Hans (Autor:in), 2017, Praktische Theologie. Telefonseelsorge für Menschen in Not, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/544176

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