1. Einleitung
"Globale Wanderungen der letzten Jahrhunderte sind Begleiterscheinungen von Globalisierung."
Durch die Revolutionierung des Verkehrswesens, der Telekommunikation und den Veränderungen innerhalb von Produktions- und Arbeitsmarktstrukturen hat sich der Einfluss von Industriestaaten des Nordens in Richtung Entwicklungsländer des Südens, in den letzten Jahren immer mehr erhöht. Einsichten in die "westliche Kultur" und gleichzeitiges Erkennen von Einkommens- und Lebensunterschieden verursachen neben Schub- und Sogfaktoren auch Wanderungsbewegungen.
In der Bundesrepublik Deutschland erkennt man, dass es demnach keinen Sinn macht, Einwanderung zu verleugnen. Innerhalb des aktuellen Diskurses sieht sich ein neoliberaler Wettbewerbswahn dem deutschen Standortnationalismus gegenüber. Diese Diskussion beeinflusst im Moment erheblich die Ausländer- und Asylpolitik. Die rot - grüne Regierung hat Schwierigkeiten ihren Vorschlag zum neuen Zuwanderungsgesetz konsensfähig zu machen, und dabei gleichzeitig ihren eigenen Vorstellungen treu zu bleiben. Das Integration notwendig ist, um Zuwanderer in das Sozialsystem und den Wirtschaftsstandort Deutschland einzubinden, ist unumgänglich. Auch versucht man sich stärker an internationalen Vereinbarungen, wie die der Genfer Flüchtlingskonvention und der Menschenrechtskonvention, zu orientieren. Nichtstaatliche und geschlechtsspezifische Verfolgung wird thematisiert.
Allerdings wird dieses Thema auch durch rassistische Ideologien überschattet, die durch die politische Mitte salonfähig gemacht werden. Nationale Interessen werden auf dem Rücken von Asylsuchenden ausgetragen, wenn J. Rüttgers von der CDU öffentlich äussert: "Kinder statt Inder". Auch Massenmedien und andere Politiker konstruieren Bedrohungsszenarien und ein Feindbild Zuwanderer.
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Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Globalisierung
2.1. Wachsende Wohlstandsunterschiede
2.2. Ursachen von Flucht- und Wanderungsbewegungen: Schub- und Sogfaktoren
3. Asylbewerber und Flüchtlinge: Bedrohung für den Westen oder nützliche Wechselbeziehung?
3.1. Spannungsverhältnis Zuwanderung und Sozialstaat?
3.2. Deutschland: Ethnisierung der Sozialpolitik
4. Fazit
Zielsetzung und Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den Zusammenhang zwischen dem Globalisierungsprozess und transnationalen Wanderungsbewegungen. Dabei wird insbesondere der Frage nachgegangen, wie der deutsche Sozialstaat auf Migration reagiert und ob Zuwanderung als ökonomische Chance oder als Bedrohung wahrgenommen wird.
- Einfluss der Globalisierung auf weltweite Wohlstandsunterschiede
- Analyse von Schub- und Sogfaktoren bei Flucht- und Migrationsbewegungen
- Spannungsfeld zwischen Zuwanderung und nationalen Sozialstaatssystemen
- Die Rolle der deutschen Sozialpolitik im Kontext der Migration
- Diskussion über Integration und ökonomische Teilhabe
Auszug aus dem Buch
2. Globalisierung
Der Begriff Globalisierung kann nur als Prozess verstanden werden. Dieser Prozess prägt das Weltgeschehen durch globale Faktoren und vergesellschaftet es tendenziell. Der Ausbau von Transport- und Verkehrssystemen, der Mikroelektronik und Telekommunikation, sind Faktoren, die den „Prozess, durch den Märkte und Produktionen in verschiedenen Ländern immer mehr voneinander abhängig werden - dank der Dynamik des Handels mit Gütern und Dienstleistungen und durch die Bewegungen von Kapital und Technologie“, begleiten. Globalisierung ist kein unkontrolliert ablaufender Prozess. Er beruht auf politischen Entscheidungen, die weltweit von nationalen Regierungen getragen werden.
n den westlichen Industriestaaten wird dieser Prozess durch eine erhöhte Wohlfahrt und einen gestiegenen kulturellen und wissenschaftlichen Austausch begünstigt. Trotzdem verschieben sich die Relationen zwischen der Verbreitung von waren, sowie Finanzen und der Ausdehnung von Sozialstaatlichkeit, Demokratie und Umweltschutz. Ultraliberale machen den Sozialstaat unter anderem für Massenarbeitslosigkeit, Krisen der Familien, den Geburtenrückgang und Heiratsunwilligkeit verantwortlich.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in das Thema ein und postuliert, dass globale Wanderungsbewegungen untrennbare Begleiterscheinungen der Globalisierung sind.
2. Globalisierung: Dieses Kapitel definiert Globalisierung als politisch gestalteten Prozess und beleuchtet die ökonomischen sowie sozialen Disparitäten zwischen Industrie- und Entwicklungsländern.
2.1. Wachsende Wohlstandsunterschiede: Hier wird analysiert, wie inkompetente staatliche Strukturen und ein Mangel an Teilhabe am Weltmarkt Entwicklungsländer auf der „Verlierer-Seite“ stehen lassen.
2.2. Ursachen von Flucht- und Wanderungsbewegungen: Schub- und Sogfaktoren: Das Kapitel differenziert zwischen erzwungener Migration (push factors) und dem Streben nach besseren Lebensbedingungen (pull factors).
3. Asylbewerber und Flüchtlinge: Bedrohung für den Westen oder nützliche Wechselbeziehung?: Es wird untersucht, inwiefern Zuwanderung als Belastung für das deutsche Sozialversicherungssystem wahrgenommen wird.
3.1. Spannungsverhältnis Zuwanderung und Sozialstaat?: Das Kapitel diskutiert das Missverhältnis von Leistungsbedarf und -volumen im deutschen Sozialsystem in Zeiten wirtschaftlicher Krisen.
3.2. Deutschland: Ethnisierung der Sozialpolitik: Hier wird aufgezeigt, wie Staatsbürgerschaft und der Ausschluss von Asylsuchenden von sozialen Rechten den Rahmen für die Sozialstaatlichkeit definieren.
4. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass Zuwanderung bei gelungener Integration das Sozialsystem langfristig entlasten kann und fordert eine sozialpolitische Globalisierung.
Schlüsselwörter
Globalisierung, Wanderungsbewegungen, Sozialstaat, Deutschland, Wohlstandsunterschiede, Schubfaktoren, Sogfaktoren, Migration, Integration, Arbeitsmarkt, Staatsbürgerschaft, Wohlfahrtsstaat, Transnationale Armut, Wettbewerb, Zuwanderungsgesetz.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die Wechselwirkungen zwischen dem globalen Wirtschaftsgeschehen, insbesondere der Globalisierung, und den damit einhergehenden Wanderungsbewegungen von Menschen in Industrienationen wie Deutschland.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen umfassen Globalisierungsprozesse, Fluchtursachen, die Funktionsweise des deutschen Sozialstaats sowie die politischen und gesellschaftlichen Diskurse über Zuwanderung.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es zu klären, ob ein direkter Zusammenhang zwischen Globalisierung und Wanderungsbewegungen besteht und wie die deutsche Sozialpolitik diese Herausforderungen bewältigen kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine theoretische Literaturanalyse und wertet aktuelle wirtschafts- und sozialwissenschaftliche Debatten sowie statistische Daten aus, um die Fragestellung zu beantworten.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Ursachen von Migration (Schub- und Sogfaktoren), die Auswirkungen der Globalisierung auf den Sozialstaat und die spezielle Situation der Flüchtlings- und Zuwanderungspolitik in Deutschland.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Globalisierung, Wohlstandsgefälle, Sozialstaat, Integration, Wettbewerb und Wanderungsbewegungen charakterisiert.
Was bedeutet das „insider-outsider-Phänomen“ in diesem Kontext?
Das Konzept beschreibt die Tendenz, Migranten primär als Nutzer von Sozialleistungen zu identifizieren, was zu einer Diffamierung als „Wohlfahrtsschmarotzer“ führen kann, anstatt sie als Teil der Erwerbsbevölkerung anzuerkennen.
Welche Rolle spielt die Staatsbürgerschaft für den Sozialstaat?
Die Staatsbürgerschaft fungiert laut der Arbeit als exklusiver Rahmen, der über den Zugang zu sozialen Rechten und Leistungen im deutschen Sicherungssystem entscheidet.
Warum wird Zuwanderung als ökonomische Notwendigkeit betrachtet?
Die Autorin argumentiert, dass Zuwanderung dazu beitragen kann, die durch sinkende Geburtenraten entstehenden Lücken in der Bevölkerung und am Arbeitsmarkt zu schließen und so das Sozialsystem zu stabilisieren.
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- Melanie Glaewe (Author), 2002, Zuwanderung und Globalisierung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/5448