Diese Diplomarbeit gibt einen Überblick über die Veränderungen, denen der Beruf des Lehrers in der Geschichte bis ins 21. Jahrhundert unterlag und zeigt Handlungsmöglichkeiten von Seiten der Sozialarbeit/ Sozialpädagogik in der Schule auf. Ausgehend vom gesellschaftlichen Wandel werden die vielfältigen Aufgaben der heutigen Lehrerschaft erörtert und einzelne Rollenkonflikte sowie deren Auswirkungen auf die Lehrer dargestellt und anhand eines Fallbeispiels verdeutlicht. Aus diesem ersten Teil der Arbeit ergibt sich die Schlussfolgerung, dass Lehrer mit allen ihnen heute zugedachten Aufgaben stark überfordert sind. Im zweiten Teil wird deshalb die Rolle der Schulsozialarbeit als zusätzliche Ressource in der Schule erläutert und in Bezug auf ihre Funktion zur Bewältigung der Rollenkonflikte der Lehrer kritisch hinterfragt. Schließlich werden die wichtigsten Kooperationsschwierigkeiten sowie Bedingungen für eine gelingende Kooperation zwischen Lehrern und Schulsozialarbeitern dargelegt. Dabei zeigt sich, dass bisher nur unzureichende Kenntnis beider Berufsgruppen über die Arbeitsbedingungen, Handlungsmöglichkeiten und Ressourcen der anderen Gruppe besteht. Ziel dieser Arbeit ist es deshalb, einen Blick über den „Tellerrand“ des eigenen Fachgebiets zu wagen und den Leser für die Notwendigkeit einer ressourcenorientierten Zusammenarbeit in der pädagogischen Arbeit zu sensibilisieren.
Inhaltsverzeichnis
1 EINLEITUNG
1.1 RELEVANZ DES THEMAS
1.2 BEGRIFFSDEFINITIONEN
1.2.1 Lehrerrolle
1.2.2 Schulsozialarbeit
1.3 ZIEL DER ARBEIT
1.4 AUFBAU DER ARBEIT
2 DIE ROLLE DES LEHRERS IM HISTORISCHEN ÜBERBLICK
2.1 MÖNCHE UND SCHULMEISTER
2.2 SOZIALPÄDAGOGEN
2.3 REVOLUTIONISTEN
2.4 BEAMTE
2.5 NATIONALSOZIALISTEN
2.6 DEMOKRATEN
2.7 WISSENSVERMITTLER
2.8 ZUSAMMENFASSUNG
3 SOZIALER WANDEL
3.1 SOZIOÖKONOMISCHER WANDEL
3.2 SOZIOÖKOLOGISCHER WANDEL
3.3 WERTEWANDEL
3.4 ERZIEHUNGSWANDEL
3.5 WANDEL DER KINDHEIT
3.5.1 Räume
3.5.2 Aktivitäten
3.5.3 Beziehungen
3.5.4 Einschätzung des Wandels
4 DIE LEHRERROLLE HEUTE
4.1 VOM WISSENSVERMITTLER ZUM BERATER
4.2 ROLLENKONFLIKTE
4.2.1 Anpassung oder Individualisierung
4.2.2 Selektion oder Integration
4.2.3 Wissensvermittlung oder Erziehung
4.2.4 Weitere Ursachen für Konflikte
4.3 BEWÄLTIGUNG DER ROLLENKONFLIKTE
4.4 SCHLUSSFORLGERUNG
5 SCHULSOZIALARBEIT
5.1 ENTWICKLUNG SEIT BEGINN DES 20. JAHRHUNDERTS
5.2 PROJEKTFORMEN UND KOOPERATIONSMODELLE
5.3 DEFINITIONEN, ZIELE UND AUFGABEN
5.4 KRITIK
6 KOOPERATIONSPROBLEME ZWISCHEN LEHRERN UND SCHULSOZIALARBEITERN
6.1 UNTERSCHIEDE BEIDER BERUFSGRUPPEN
6.1.1 Rollen
6.1.2 Professionalisierung
6.1.3 Arbeitsstruktur
6.2 VORURTEILE UND ERWARTUNGEN VON LEHRERN
6.3 VORURTEILE UND ERWARTUNGEN VON SCHULSOZIALARBEITERN
6.4 WEITERE KOOPERATIONSHEMMNISSE
7 WEGE ZU EINER GELINGENDEN KOOPERATION
7.1 EIN GEMEINSAMES ZIEL
7.2 GEDULD
7.3 RESSOURCENORIENTIERTE ZUSAMMENARBEIT
7.4 WEITERE BEDINGUNGEN
8 AUSBLICK
9 ZUSAMMENFASSUNG
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht den historischen Wandel der Lehrerrolle und analysiert, inwieweit Schulsozialarbeit als zusätzliche Ressource zur Bewältigung gegenwärtiger Rollenkonflikte sowie zur Förderung einer ressourcenorientierten Kooperation in der Schule beitragen kann.
- Historische Entwicklung der Lehrerrolle
- Sozialer Wandel und seine Auswirkungen auf das Schulleben
- Rollenkonflikte im Lehrberuf (Wissensvermittler vs. Erzieher)
- Entwicklung und Aufgabenfelder der Schulsozialarbeit
- Herausforderungen und Wege zur gelingenden Kooperation
Auszug aus dem Buch
4.2.3 Wissensvermittlung oder Erziehung
„Als Lehrer versteht man sich in erster Linie als Fach. Als Fachvermittler. Und ich glaube, das kann auch nicht anders sein ... ja gut, die Pädagogik ... fließt mit in das Vermitteln von Wissen ein, aber ich würde mich nicht verstehen – und ich muss sagen, dagegen wehre ich mich – das zu übernehmen, was Sozialarbeiter [zur Aufgabe haben]“ (zit. nach Szczyrba 2003, S. 102).
An dieser Aussage einer Lehrerin wird noch einmal die starke Betonung der Wissensvermittlungsrolle für die heutigen Lehrer deutlich. Demgegenüber stehen inzwischen jedoch wieder andere Erwartungen von Eltern, Pädagogen, Politik und Öffentlichkeit, welche von den Lehrern immer mehr sozialpädagogische Kompetenzen fordern, die über das bloße Unterrichten hinausgehen.
Dabei kommt auch die Frage auf, ob Lehrer überhaupt nur Wissensvermittler sein können, oder inwiefern beide Rollen nicht unweigerlich miteinander verknüpft sein müssen? Ich möchte dies an folgendem Fallbeispiel deutlich machen: Eine 17jährige Schülerin kommt zu spät zum Unterricht. Auf Nachfrage des Lehrers erklärt sie, dass ihre Mutter sie nicht geweckt habe, und dass sie sowieso immer allein zu Hause sei, da ihre Mutter nach der Scheidung öfter bei dem neuen Freund schlafe. Überhaupt wäre die Mutter an ihr nicht interessiert und würde sie sogar als „Niete“ beschimpfen, da sie auf eine Hauptschule ginge. Schließlich fängt sie zu weinen an. Die Mitschüler sind unsicher und warten auf ein Zeichen des Lehrers. Dieser scheint ebenso unsicher zu sein und schaut das Mädchen betroffen und schweigend an. Das Mädchen bittet, den Raum verlassen zu dürfen. Der Lehrer willigt ein. Als das Mädchen zurückkommt, läuft der Unterricht (äußerlich) wie gewohnt. Es erfolgt auch kein weiteres Gespräch nach dem Unterricht.
Zusammenfassung der Kapitel
1 EINLEITUNG: Erläutert die Relevanz des Themas im Kontext von PISA und gesellschaftlichem Wandel sowie die Zielsetzung der Arbeit.
2 DIE ROLLE DES LEHRERS IM HISTORISCHEN ÜBERBLICK: Zeichnet die Entwicklung des Lehrerberufs von den klösterlichen Ursprüngen bis zur modernen Wissensvermittlung nach.
3 SOZIALER WANDEL: Analysiert sozioökonomische und sozioökologische Veränderungen sowie den Wandel von Werten, Erziehung und Kindheit.
4 DIE LEHRERROLLE HEUTE: Untersucht die aktuellen Anforderungen an Lehrkräfte und die damit verbundenen Rollenkonflikte.
5 SCHULSOZIALARBEIT: Bietet einen Überblick über die Entwicklung, Aufgaben und Kritikpunkte der Schulsozialarbeit.
6 KOOPERATIONSPROBLEME ZWISCHEN LEHRERN UND SCHULSOZIALARBEITERN: Analysiert Unterschiede, Vorurteile und Hemmnisse in der Zusammenarbeit beider Berufsgruppen.
7 WEGE ZU EINER GELINGENDEN KOOPERATION: Formuliert Ansätze wie ein gemeinsames Ziel, Geduld und ressourcenorientiertes Arbeiten.
8 AUSBLICK: Skizziert ein virtuelles Seminarkonzept zur gemeinsamen Ausbildung von Lehrkräften und Sozialarbeitern.
9 ZUSAMMENFASSUNG: Fasst die zentralen Ergebnisse der Arbeit zusammen.
Schlüsselwörter
Lehrerrolle, Schulsozialarbeit, Kooperation, Sozialer Wandel, Rollenkonflikt, Bildungsexpansion, Jugendhilfe, Ressourcenorientierung, Professionalisierung, Erziehung, Schulklima, Ganztagsschule, Wissensvermittlung, Beratungslehrer, Schule.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Diplomarbeit beschäftigt sich mit dem Wandel der Lehrerrolle im historischen Verlauf und untersucht, wie Sozialarbeit bzw. Sozialpädagogik als Ressource in der Schule wirksam werden kann.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Zentrale Themen sind der gesellschaftliche Wandel, die daraus resultierenden Anforderungen an Lehrer, das Berufsfeld der Schulsozialarbeit sowie die Kooperationsbeziehung zwischen Lehrkräften und Sozialpädagogen.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Ziel ist es, Vorurteile abzubauen, das gegenseitige Verständnis der Berufsgruppen zu fördern und Grundlagen für eine ressourcenorientierte Kooperation zu legen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse sowie der Auswertung von Fallbeispielen und Studien, um die Rollenkonflikte und Kooperationsprobleme theoretisch zu fundieren.
Was steht im Hauptteil im Fokus?
Der Hauptteil befasst sich detailliert mit den Rollenkonflikten (z. B. Anpassung vs. Individualisierung) und analysiert, warum eine Kooperation zwischen Schule und Jugendhilfe bisher oft schwierig ist.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Die wichtigsten Schlagworte sind Lehrerrolle, Schulsozialarbeit, Rollenkonflikt und Kooperationsprobleme.
Wie bewerten Sie die Rolle des Lehrers als "Wissensvermittler"?
Der Autor zeigt auf, dass die einseitige Fokussierung auf die Wissensvermittlung heute nicht mehr ausreicht, um den veränderten Lebenswelten von Schülern gerecht zu werden.
Warum wird die Einbindung der Schulsozialarbeit als "Balanceakt" bezeichnet?
Weil die Erwartungen an die Sozialarbeit nicht zu hoch (Überforderung) und nicht zu niedrig (Entsorgungsstation) angesetzt werden dürfen, um eine tatsächliche Entlastung und Kooperation zu erreichen.
- Quote paper
- Sandra Kretschmer (Author), 2006, Wandel der Lehrerrolle und Möglichkeiten der Schulsozialarbeit, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/54550