Spezialisierung und Mobilität von Akademiker/Innen


Seminararbeit, 2006

22 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Determinanten für Migrationsentscheidungen
2.1. Migrationstypologien
2.2. Makroökonomische Gründe für Migration
2.3. Mobilität des Faktors Arbeit
2.4. Ausstattung mit Humankapital

3 Migrationsentscheidung aus mikrotheoretischer Sicht
3.1. Nutzenkalkül des Human-Kapital-Modells
3.2. Investitionskalkül für das individuelle Humankapital
3.3. Heterogenität des Qualifikationsniveaus

4 Angebot und Nachfrage nach Bildung
4.1. Unterschiede in der Art von Bildung
4.2. Analyse der Migrationsländer
4.3. Probleme der Bereitstellung von Bildung

5 Lösungsansätze nach Poutvaara und Wildasin
5.1. „Graduate Tax“ – Ausbildungssteuer
5.2. Private Investments in Bildung

6 Fazit

1 Einleitung

Das Ausmaß an internationaler Wanderung hat sich in den letzten Jahren stetig beschleunigt. Gemäß einer Untersuchung der Vereinten Nationen im Jahr 2002 nahm die Zahl von internationalen Wanderern zwischen 1990 und 2000 von 154 Millionen bis 175 Millionen zu.[1]

Die Folgen für Ursprungsländer und Bestimmungsort haben zu einer größeren Aufmerksamkeit in Politik, Wissenschaft und Öffentlichkeit geführt. Die Migration aus Entwicklungsländern wird sich in den kommenden Jahrzehnten wahrscheinlich als ein Teil des Weltglobalisierungsprozesses weiter entwickeln. Insbesondere die Wanderung von Facharbeitern (der so genannte Brain-Drain) ist ein Hauptstück der Wanderungsdebatte. Dabei ist das Trendthema der Migration hoch qualifizierter Arbeitskräfte in Politik und Öffentlichkeit noch mit einigen Fehlvorstellungen verbunden. Gegner der Zuwanderung argumentieren damit, dass Zuwanderung die Arbeitslosenprobleme im Gastland nicht verringert und durch den Brain Drain[2] (Abwanderung Qualifizierter Arbeitskräfte) ebenso die Wirtschaft des Herkunftslandes dauerhaft geschädigt würde.[3] Die Befürworter einer offenen Migrationspolitik hingegen erkennen die positiven Externalitäten von Brain Gain und die Möglichkeit der Rückkehr in das Auswanderungsland. Zudem bieten sie Ansätze zur Lösung des Problems der Finanzierung von Bildung.[4] Die internationale Gemeinschaft muss bereit sein, sich den durch die zunehmende Beweglichkeit von Arbeitern erfahrenen Herausforderungen in Herkunfts- sowie dem Zielland zu stellen.

Ziel der Arbeit ist es, die Mobilität von Akademikern und deren Folgen sowie die Gründe von Migration dieser Gruppe näher zu Betrachten. Dabei werden Kosten und Nutzen von internationaler Migration Hochqualifizierter in den jeweiligen Herkunfts- und Zielländern dargestellt und differenziert betrachtet.

2 Determinanten für Migrationsentscheidungen

Ökonomisch motivierte Migrationsströme gibt es nicht erst seit der Neuzeit, sie sind so alt wie die Menschheit selbst. Klima und ernährungsbedingt sind Stämme und ganze Kulturen seit der Zeit der Jäger und Sammler ganz natürlichen Wanderungsbewegungen ausgesetzt.

Die Migrationswellen zu Beginn des 21. Jahrhunderts waren hauptsächlich monetärer Art. Sie waren vor allem durch unterschiedliche Verdienstmöglichkeiten und durch unterschiedlichen Wohlstand zwischen Herkunfts- und Zielland begründet.

Nach dem Humankapitalansatz[5] vergleicht jeder potentielle Migrant den Nutzen in seinem Herkunftsland mit dem Nutzen im potentiellen Zielland[6]. Eine Migration findet dann in das Zielland statt, welches den höchsten Nutzenzuwachs verspricht. Dabei wird der Nutzen oftmals mit Einkommen gleichgesetzt. Im Folgenden werden unterschiedliche Migrationstypologien definiert und makroökonomische Gründe für Migration erläutert. Im Anschluss werden die Mobilität des Faktors Arbeit und die Ausstattung mit Humankapital dargestellt.

2.1. Migrationstypologien

Ob sich potentielle Migranten tatsächlich zur Migration entscheiden oder verharren, hängt nicht nur von dem individuellen Wanderungswunsch (Push-Faktoren) ab. Migration wird gleichermaßen von der Migrationsnachfrage (Pull-Faktoren), d.h. von der Bereitschaft des Ziellandes, Einwanderung zuzulassen, beeinflusst. Die Push- und Pull-Faktoren können zu vier zentralen Migrationstypologien aggregiert werden:

- Demographisches Migrationspotential (Analogie: Ebbe und Flut)

Demographisch bedingte Migrationsströme sind das Ergebnis extrem langfristiger Bevölkerungsentwicklungen. Diese sind langfristig absehbar und erfolgen über lange Zeiträume hinweg mit relativ geringer Intensität. Demographische Migrationsströme sind altersspezifisch geschichtet, wobei die jüngeren Menschen dominieren. Rückwanderungen sind weniger wahrscheinlich, da das definitive Auswanderungsmotiv dominiert und die Ursachen der demographisch bedingten Wanderung kurz- bis mittelfristig nicht zu beseitigen sind.

- Ökonomisches Migrationspotential (Analogie: Wasserstrom in einem Fluss)

Ökonomische Migrationsströme sind das Ergebnis unterschiedlich erwarteter Einkommens- und Beschäftigungsmöglichkeiten zwischen Herkunfts- und Zielland. Sie erfolgen tropfenweise mit relativ konstanter Intensität. Ökonomisch bedingte Migrationsströme sind keine Massenwanderungen. Sie sind selektiv und umfassen zunächst junge, gut qualifizierte und ausgebildete Personen. Der Familienzuzug erfolgt, wenn überhaupt, erst später. Rückwanderungen sind möglich, sobald die Einkommenserwartungen erfüllt oder Unterschiede im Einkommens-, Konsum- oder Lebensniveau zwischen Aufnahme und Ursprungsland eingeebnet sind.

- Politisches Migrationspotential (Analogie: Bruch eines Staudammes)

Politische Migrationsströme, durch ethno-soziale Konflikte oder Kriege bedingt, erfolgen ohne große Vorwarnung. Sie schwellen rasch an und sind von hoher Intensität. Nach relativ kurzer Zeit verebben sie. Politische Migrationsströme sind Massenwanderungen. Rückwanderungen sind möglich, sofern Sicherheitsgarantien, vorzugsweise durch die internationale Gemeinschaft, geleistet werden.[7]

- Ökologisches Migrationspotential (Analogie: Atlantis-Effekt)

Ökologische Migrationsströme sind, Naturkatastrophen ausgenommen, extrem lange vorhersehbar. Man denke nur an die durch den Bau des Yangtse-Staudammes bedingte Umsiedlung. Nach langer Vorwarnzeit erfolgen sie schlagartig. Sie schwellen rasch an und sind von hoher Intensität. Nach kurzer Zeit verebben sie. Ökologische Migrationsströme sind Massenwanderungen. Sie umfassen ganze Familien, Sippen, Dörfer und ökologisch marginalisierte Gesellschaften. Die Wanderungswilligen nehmen all ihr transportables Hab und Gut mit. Rückwanderung ist praktisch unmöglich.[8]

2.2. Makroökonomische Gründe für Migration

In der Literatur herrscht weitgehend Konsens darüber, dass ökonomische Gründe wie das Einkommensdifferential, die wichtigste Determinante für Wanderungsentscheidungen ist. Aber auch Umfrageergebnisse über die Migrationsmotive bestätigen den dominierenden Einfluss von Lohnunterschieden auf die Migrationsentscheidung.

Einer Befragung potentieller Emigranten aus den mittel- und osteuropäischen Ländern zufolge, sind für mehr als 90% der Befragten Lohndifferenzen eine sehr wichtige oder die ökonomische Begründung von Migration zumindest eine wichtige Ursache für den Wunsch, zu migrieren. Dabei gilt es, zwei Faktoren zu beachten: zum einen das Niveau der Löhne und damit die Höhe des Lohnunterschieds zwischen Ost und West und zum anderen die Entwicklungsdynamik der Löhne. Denn neben dem gegenwärtigen Niveauunterschied ist auch die Einschätzung der Einkommensentwicklung und deren Entwicklungsperspektiven auf dem heimischen Arbeitsmarkt ausschlaggebend für den Migrationsentscheid.[9] Abbildung 1 stellt Entwicklungs- und Einkommensunterschiede von Herkunfts- und Zielland gegenüber. Die Zone A ist mit einem geschlossenen Wirtschaftssystem und hohen Migrationshürden gleichzusetzen. Die Einkommensunterschiede werden aufgrund einer restriktiven Migrationspolitik ausgeblendet. In Zone B steigt die Migrationspolitik trotz wirtschaftlicher und politischer Öffnung des Herkunftslandes. Auch ein Ansteigen des Entwicklungsniveaus und steigende Einkommen können die Migration nicht verhindern. Erst beim erreichen der Einkommensschwelle verlangsamt die Migration. Ein vergleichbares Entwicklungsniveau von Herkunfts- und Zielland scheint somit Vorraussetzung um ökonomischen Migrationsströmen Einhalt zu gebieten.[10]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1. Einkommensschwelle, Quelle, Thränhardt, Dietrich (2005)

Das individuelle Nutzenkalkül wird im weiteren in Kapitel 3.1. aus mikroökonomischer Sicht beschrieben.

[...]


[1] Vgl. Özden, Çaglar (2006), S.151.

[2] Vgl. Gabler (200%), S. 519.

[3] Vgl. Fromhold-Eisebith (2002), S.21.

[4] Vgl. Poutvaara (2004) sowie Wildasin (1999)

[5] Vgl. Sjaastad (1962), S.56

[6] Vgl. Poutvaara (2004), S.11.

[7] Vgl. Braun, Topan (1998), S.18f.

[8] Vgl. Braun (1998), S.18f.

[9] Vgl. Sinn (2000), S.31.

[10] Vgl. Thränhardt, Dietrich (2005), S.5.

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Spezialisierung und Mobilität von Akademiker/Innen
Hochschule
Technische Universität Berlin
Veranstaltung
Bildungsökonomie
Note
1,7
Autor
Jahr
2006
Seiten
22
Katalognummer
V54713
ISBN (eBook)
9783638498425
ISBN (Buch)
9783638663472
Dateigröße
534 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Spezialisierung, Mobilität, Akademiker/Innen, Bildungsökonomie
Arbeit zitieren
Kai Ganguin (Autor), 2006, Spezialisierung und Mobilität von Akademiker/Innen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/54713

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