Die Weltwirtschaftskrise, die mit dem grossen Börsencrash in New York am 24.10.1929 dem sogenannten „Black Thursday“ einsetzte, hatte immense Auswirkungen auf die nati-onalen Ökonomien aber auch auf den internationalen Handel.
Die Folgen für die jeweilige Volkswirtschaft resultierten aus deren Strukturen. Faktoren wie hoch der Grad der Abhängigkeit der Nachfrage vom Ausland, also vom Export gewesen ist, welche Güter bzw. welches Gut primär exportiert wurde und ob diese Güter-produktion eher landwirtschaftlich oder industriell geprägt war, spielen eine zentrale Rolle, denn sie determinieren die Stärke der Konsequenzen der Krise auf die nationale Ökonomie.
In Lateinamerika war die Wirkung der „Grossen Depression“ stark zu spüren, da die Produktion in erster Linie auf Export landwirtschaftlicher Waren ausgerichtet war und diese Preise schneller verfielen als jene für Industriegüter, was die Anfälligkeit des exportorientierten Entwicklungsmodells, mit einseitiger Ausrichtung, d.h. ohne Diversifikation, demonstriert.
Um die von Carlos Marichal in seinem Buch „ A century of debt crises in Latin Ameri-ca“ beschriebenen Auswirkungen der Weltwirtschaftskrise, also von den ökonomischen Folgen auf das politisch und gesellschaftlich- soziale System handelt vorliegende Arbeit.
Ziel ist, die strukturellen Auswirkungen der Weltwirtschaftskrise auf Wirtschaft, Politik und Gesellschaft in El Salvador zu analysieren, sowie zu klären ob die Grosse Depression als zentrale Ursache für die Entstehung der Militärdiktatur in El Salvador betrachtet werden kann.
Einleitend werde ich zunächst darstellen, wie sich die Strukturen der Wirtschaft vom En-de des 19. Jahrhunderts bis ins Jahr 1929 verändert hat und integrierend auf die Entwick-lung des politischen sowie gesellschaftlichen Systems eingehen, ohne welche die Folgen der Weltwirtschaftskrise nicht verständlich gemacht werden könnten.
Im Zentrum meiner Ausführungen stehen die unmittelbaren Auswirkungen der Weltwirtschaftskrise auf die Ökonomie sowie deren Konsequenzen auf die anderen Subsysteme in El Salvador. Dabei soll geklärt werden, wie stark die Volkswirtschaft des kleinsten Landes Zentralamerikas tatsächlich tangiert wurde und welche unmittelbaren Konsequenzen dies für Gesellschaft und Politik bedeutete.
Abschließend werde ich eine kurze Betrachtung der Langzeitfolgen der „Grossen Depression“ auf das politische System vornehmen und klären, welche Determinanten diese Ent-wicklung wie stark mitbedingt haben.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Gesellschaftliche Situation in El Salvador vor der Weltwirtschaftskrise
a. Wirtschaft
b. Politisches System und Gesellschaftsstruktur
3. Unmittelbare Folgen der Weltwirtschaftskrise in El Salvador
a. Einfluss auf Wirtschaft und Politik von 1929- 1931
b. Entwicklung von den ersten freien Präsidentschaftswahlen bis zur „Matanza“
c. Aufkommen und Konsolidierung des Martinez- Regimes
4. Langfristige Auswirkungen der Weltwirtschaftskrise in El Salvador
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit analysiert die strukturellen Auswirkungen der Weltwirtschaftskrise auf Wirtschaft, Politik und Gesellschaft in El Salvador. Dabei wird insbesondere untersucht, inwiefern die Große Depression als zentrale Ursache für die Entstehung der Militärdiktatur betrachtet werden kann.
- Analyse der sozioökonomischen Situation El Salvadors vor 1929.
- Untersuchung der direkten ökonomischen Folgen des Kaffeepreisverfalls.
- Erörterung des politischen Wandels und der Rolle des Militärs.
- Bewertung des Martinez-Regimes und der Etablierung der Militärdiktatur.
- Diskussion über das Konzept der "depression dictatorship" im salvadorianischen Kontext.
Auszug aus dem Buch
a. Einfluss auf Wirtschaft und Politik von 1929-1931
Doch der Börsenkrach in New York vom 23.10.29 war nicht alleinige Ursache für den Verfall der Kaffeepreise. Schon zuvor war es zu Preisverfall durch Kaffeeüberproduktion des Weltmarktführers Brasilien gekommen. Die statischen Wirkungen der Krise waren, trotz der Tatsache, dass die Preise für agrari sche Produkte viel stärker fielen als jene für Industriegüter, nicht so gravierend wie be i spielsweise in den Industrienationen.
Trotzdem kam es durch den schwerwiegenden Konjunktureinbruch zu einem gewaltigen Schlag für die von der Kaffeewirtschaft abhängigen Gruppen und somit auch für die Ge samtwirtschaft, deren Entwicklung essentiell von der des Exportsektors bedingt war. Dies brachte fatale Folgen für den internen Wirtschaftskreislauf mit sich, da staatliche Zoll und Steuereinnahmen, Kreditgeber, Kaufleute und Pflanzer unterschiedlich hart von der Krise tangiert wurden.
Die Absatzpreise für Kaffee auf den Weltmärkten fielen von 32- 37 Centavos im Juli 1929 auf 17- 20 Centavos im Dezember 1929 , also quasi nahezu eine Halbierung des Kaffeepreises innerhalb weniger Monate.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung legt den theoretischen Rahmen dar und definiert das Ziel der Arbeit, den Zusammenhang zwischen der Weltwirtschaftskrise und der Entstehung der Militärdiktatur in El Salvador zu untersuchen.
2. Gesellschaftliche Situation in El Salvador vor der Weltwirtschaftskrise: Dieses Kapitel beschreibt die kaffeeexportorientierte Wirtschaftsstruktur und die Herrschaft der sogenannten „14 Familien“ als ökonomische und politische Oligarchie.
3. Unmittelbare Folgen der Weltwirtschaftskrise in El Salvador: Hier werden der Einbruch der Kaffeepreise, die Auswirkungen auf die Staatsfinanzen und die politische Instabilität, die in der „Matanza“ und dem Martinez-Regime gipfelte, detailliert analysiert.
4. Langfristige Auswirkungen der Weltwirtschaftskrise auf das politische System in El Salvador: Das abschließende Kapitel resümiert den dauerhaften Machtverlust ziviler Akteure zugunsten des Militärs und bewertet die Gültigkeit des Konzepts der „depression dictatorship“ für das Land.
Schlüsselwörter
Weltwirtschaftskrise, El Salvador, Kaffeeexport, Oligarchie, 14 Familien, Große Depression, Matanza, Hernandez Martinez, Militärdiktatur, Politische Transformation, Exportabhängigkeit, Sozialpolitik, Zentralamerika, Wirtschaftsboom, Krisenpotential
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit untersucht die tiefgreifenden Auswirkungen der Weltwirtschaftskrise ab 1929 auf das politische und gesellschaftliche System von El Salvador.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Im Fokus stehen die Abhängigkeit von Kaffeeexporten, die Machtstrukturen der Oligarchie, die ökonomische Krise und deren Rolle beim Aufstieg des Militärs.
Welches primäre Ziel verfolgt die Arbeit?
Das Hauptziel besteht darin zu analysieren, ob die Große Depression die entscheidende Ursache für den Übergang zur Militärdiktatur in El Salvador war.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine historische und politikwissenschaftliche Analyse auf Basis vorhandener Fachliteratur und historischer Daten.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert die unmittelbaren wirtschaftlichen Schocks von 1929-1931 und die darauf folgende politische Entwicklung inklusive des Martinez-Regimes.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Die zentralen Charakteristika sind Weltwirtschaftskrise, Kaffeeoligarchie, Matanza und die langfristige Transformation durch das Militär.
Warum war das Martinez-Regime außenpolitisch so erfolgreich?
Durch den strategischen antikommunistischen Kurs und geschickte diplomatische Propaganda gelang es dem Regime, trotz Repressionen Anerkennung zu finden.
Welche Rolle spielte das US-amerikanische Moratorium für El Salvador?
Durch die ausbleibende diplomatische Anerkennung der USA konnte das Regime Martinez ein einseitiges Schuldenmoratorium durchsetzen, was finanzielle Spielräume für staatliche Projekte schuf.
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- Diplom Volkswirt; M.A. Jan Henkel (Author), 2003, Die langfristigen Auswirkungen der Weltwirtschaftskrise auf das politische System von El Salvador, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/54749