Wer heute mit Kindern zu tun hat - sei es beruflich in Kindergarten, Schule, in der Sozialarbeit oder sei es privat als Elternteil - der wird tagtäglich auch mit den Medienerfahrungen der Kinder konfrontiert.
Wie oft erlebt man Kinder, die untereinander Ereignisse, Erfahrungen, Erlebnisse aus Fernsehsendungen und Videospielen austauschen oder von Medienfiguren berichten, die vielen Erwachsenen völlig fremd sind bzw. fremd erscheinen.
Auch bestimmte Ausdrucksweisen, Handlungsmuster oder Kleidungsvorlieben der Kinder, scheinen für viele Erwachsene merkwürdig, befremdend oder gar absurd zu sein. Sie erscheinen ihnen schlicht unergründbar, weil der entsprechende Medienhintergrund einfach nicht bekannt ist.
So berichten Kinder von für sie ganz selbstverständlichen Medienereignissen, die aber schon einem Menschen, dessen Kindheit vielleicht auch erst zwanzig Jahre zurückliegen mag, bereits völlig unverständlich und nicht mehr nachvollziehbar erscheinen.
Bedenkt man nun die Tatsache, dass ein Großteil der heutigen Lehrerschaft ihre Kindheit weit früher, beispielsweise in den 50er Jahren verbracht hat, wird es natürlich immer schwieriger für diese Generation, die Medienerfahrungen und Medienvorlieben ihrer jetzigen Schülerinnen und Schüler zu verstehen.
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Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1. Aspekte zur Themenrelevanz
1.2. Konzeption und Fragestellung
2. Veränderungen und Entwicklungen im kindlichen Medienalltag
3. Einblicke in das aktuelle Medienangebot für Kinder und dessen Nutzung
3.1. Fernsehen
3.2. Printmedien
3.2.1.Kinderbücher
3.2.2.Zeitschriften
3.2.3.Comics
3.3. Theater
3.4. Hörfunk
3.5. Tonträger
3.6. Film
3.6.1.Kinofilm
3.6.2.Videofilm
3.7. Computermedien
3.7.1.Computer- und Videospiele
3.7.2.Lern- und Unterhaltungsprogramme
3.7.3.Internet
3.8. Zusammenfassung der Ergebnisse
4. Herausstellung einer der bedeutendsten Entwicklungen im Bereich Kindermedien: Das kommerzielle Medienverbundsystem
4.1. Medienverbundsystem und Merchandising
4.2. Die geschichtliche Entwicklung von Merchandising und Medienverbundsystem
4.3. Die derzeitige Situation der Medienverbundsysteme auf dem Medienmarkt für Kinder
4.4. Ein aktuelles Beispiel - Der Pokémon-Medienverbund
4.5. Die Bedeutsamkeit medialer Verbundsysteme für Kinder
4.6. Zusammenfassung und Ausblick
5. Positive wie negative Auswirkungen des derzeitigen Medienangebots auf Kinder – Medienpädagogische Diskussion
6. Eigene medienpädagogische Sichtweise zu den Auswirkungen des Medienangebots auf Kinder
7. Schlussbetrachtung und Ausblick
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht die aktuelle Situation der Kindermedien im Jahr 2000, wobei der Schwerpunkt auf der Analyse des kommerziellen Medienverbundsystems und dessen Auswirkungen auf Kinder liegt. Ziel ist es, die multimedialen Erfahrungswelten von Kindern zu durchleuchten und eine medienpädagogische Einordnung des vielfältigen Medienangebots vorzunehmen.
- Analyse des aktuellen Medienangebots für Kinder und dessen Nutzungsgewohnheiten.
- Untersuchung des Konzepts "kommerzieller Medienverbund" und dessen historische Entwicklung.
- Fallstudie zum Pokémon-Medienverbund als exemplarisches Beispiel für moderne Vermarktungsstrategien.
- Diskussion der positiven und negativen medienpädagogischen Auswirkungen auf Kinder.
- Entwicklung einer eigenen medienpädagogischen Haltung zum Umgang mit multimedialen Angeboten.
Auszug aus dem Buch
4.4. Ein aktuelles Beispiel - Der Pokémon-Medienverbund
Eine der größten, einflussreichsten Konsumwelten, die jemals für Kinder lanciert wurde, stellt aktuell der Medienverbund rund um die japanischen Pokémon (= Pocketmonster) dar.
Pokémon kamen bereits vor fünf Jahren in Japan, als ein Spiel für den Gameboy auf den Markt.
Das Prinzip des Spiels ist, als Pokémon-Trainer möglichst viele der 151 Pokémon Kreaturen in der virtuellen Wildnis des Gameboys einzufangen und sie dem eigenen Team einzuverleiben.
Je mehr Pokémon jemand besitzt und je besser er diese trainiert, desto erfolgreicher wird er oder sie im Kampf gegen andere Trainer sein.
Jedes Pokémon verfügt über individuelle Kampftechniken und kann sich, seinem Charakter entsprechend, unterschiedlich entwickeln und verwandeln.
Wichtig ist außerdem zu wissen, dass im Land der Pokémon niemand stirbt. Allenfalls bewusstlos können die Kreaturen werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Beleuchtung der Relevanz des Themas "Medienkindheit" und Darlegung der zentralen Fragestellung bezüglich der Situation der Kindermedien.
2. Veränderungen und Entwicklungen im kindlichen Medienalltag: Beschreibung des Wandels hin zu einer hohen Medienverfügbarkeit in deutschen Haushalten und veränderter Medienpräferenzen.
3. Einblicke in das aktuelle Medienangebot für Kinder und dessen Nutzung: Detaillierte Bestandsaufnahme der verschiedenen Mediengruppen wie Fernsehen, Print, Hörfunk, Film und insbesondere Computermedien.
4. Herausstellung einer der bedeutendsten Entwicklungen im Bereich Kindermedien: Das kommerzielle Medienverbundsystem: Analyse der kommerziellen Vernetzung von Medieninhalten, Merchandising und deren psychologischen Wirkungsmechanismen am Beispiel von Pokémon.
5. Positive wie negative Auswirkungen des derzeitigen Medienangebots auf Kinder – Medienpädagogische Diskussion: Abwägung der Chancen und Risiken, wie z.B. Kompetenzzuwachs durch Interaktivität versus Überforderung und Kommerzialisierung.
6. Eigene medienpädagogische Sichtweise zu den Auswirkungen des Medienangebots auf Kinder: Eigene Stellungnahme zur Notwendigkeit eines souveränen Medienumgangs und der Rolle der Eltern bei der Begleitung der Mediensozialisation.
7. Schlussbetrachtung und Ausblick: Zusammenfassende Bewertung der Entwicklung von Kindermedien im Jahr 2000 mit einem Blick auf die Zukunft unter dem Motto "Mit der Lizenz zum Erfolg".
Schlüsselwörter
Kindermedien, Medienverbundsystem, Merchandising, Medienkompetenz, Pokémon, Kindheit, Medienpädagogik, Computer, Fernsehen, Konsum, Vermarktung, Internet, Spielzeugindustrie, Mediensozialisation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die aktuelle Situation der Kindermedien im Jahr 2000 und beleuchtet deren Rolle für Kinder und Produzenten.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Zentrum stehen die Mediennutzung von Kindern, die Kommerzialisierung der Kinderkultur und das Phänomen der medienübergreifenden Vermarktung (Medienverbund).
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, ein umfassendes Bild über das aktuelle Medienangebot zu geben und eine eigene medienpädagogische Position zur "Mediatisierung der Kindheit" zu entwickeln.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine medienpädagogische Hausarbeit, die auf einer Literaturanalyse, der Auswertung von Studien (wie der KIM-Studie) und der Diskussion theoretischer Konzepte basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die einzelnen Mediengruppen von Fernsehen über Print bis hin zu Internet sowie das zentrale Konzept des kommerziellen Medienverbunds.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den zentralen Begriffen gehören Medienverbundsystem, Merchandising, Medienkompetenz, Kommerzialisierung und die spezifische Bedeutung von Medien in der heutigen Kindheit.
Warum ist der "Pokémon-Medienverbund" ein so wichtiges Beispiel für den Autor?
Pokémon wird als exemplarisches, aktuelles Phänomen genutzt, um zu zeigen, wie eine "Konsumwelt" funktioniert, die Kinder durch verschiedene Medienkanäle und Merchandising-Produkte emotional an eine Marke bindet.
Welche Haltung nimmt der Autor zur Rolle der Eltern ein?
Der Autor plädiert dafür, dass Eltern die Medienvorlieben der Kinder akzeptieren und als aktive Nutzer ernst nehmen sollten, anstatt Medien pauschal zu verteufeln.
- Quote paper
- Ulrich Kellner (Author), 2000, Kindermedien 2000 - Mit der Lizenz zum Erfolg, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/5480