Paul Cezanne: Der Steinbruch von Bibemus - Bildanalyse und Vergleich


Hausarbeit, 2005
16 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Biographie

3. Sehpsychologische und –physiologische Aspekte, Methodik Cézannes

4. Historie und Bildgegenstand

5. Bildanalyse

6. Vergleich der Le Mont Sainte-Victoire vu de la carriere Bibemus mit La Carriere Bibemus

7. Resümee: Einfluss und Bedeutung für die Moderne – Vergleich mit anderen Werken

Abbildungsverzeichnis

Literaturverzeichnis

Internetverzeichnis

Einleitung

Die vorliegende Hausarbeit befasst sich dem Gemälde La Carriere Bibemus, was übersetzt der Steinbruch Bibemus heißt, welches in dem Jahr 1895 von Paul Cézanne geschaffen wurde. Ich werde sowohl eine knappe Biographie Paul Cézannes zusammenfassen, als auch daraufhin folgend die sehpsychologischen und –physiologischen Aspekte und die Methodik Cézannes erläutern, um einen leichteren thematischen Zugriff zu der Rezeption des Werkes zu ermöglichen. Danach werde ich die Analyse dieses Werkes darlegen, mit inbegriffen die Bestimmung des Bildgegenstandes, wo ich mich auf allgemeine Informationen zum Gemälde selbst beziehe, sowie die Bildanalyse folgen lasse. Des Weiteren komme ich am Ende dieser Hausarbeit auf einen Bildvergleich, und zwar mit dem Gemälde Le Mont Sainte-Victoire vu de la carriere BibemusBlick auf den Monte Sainte-Victoire vom Steinbruch Bibemus -, auf den Einfluss und die Innovationen, die Paul Cézanne der nachfolgenden Epoche - der Moderne – und den zahlreichen Künstlern geboten hat, zu sprechen.

2. Paul Cézanne: Sein Leben

Am 19. Januar 1839 wurde Paul Cézanne als ältester Sohn von drei Kindern in Aix-en- Provence geboren. Er besuchte ab 1852 das Collège Bourbon, wo er sich mit Emile Zola und Jean-Baptiste Baille anfreundete. Emile Zola war der erste, der in Cézanne ein Genie erkannte, er war aber auch der erste, der ihn ein „gescheitertes Genie“ nannte. Schon damals, im zarten Alter von 13 Jahren, litt Cézanne unter Wutausbrüchen und Depressionen, was den Umgang mit ihm erschwerte. Als er die Schule beendet hatte, nahm er auf Wunsch seines Vaters ein Jurastudium auf, welches er allerdings im Jahre 1862 endgültig abbrach und sich in dem Landgut Jas de Bouffan - der Vater Louis-Auguste Cézanne erwarb dieses 1859 - ein Atelier einrichtete. Ab dem Jahr 1861 folgte Cézanne erstmalig dem Ruf Zolas und ging im April nach Paris. Ab dieser Zeit begann eine stete Entwicklung, denn bis 1864 arbeitete er regelmäßig an der Académie Suisse, wo er mit Pissaro, Monet und Renoir zusammentraf. Zu diesem Zeitpunkt wurde er zum ersten Mal von der Ecole des Beaux- Arts abgelehnt und so stellte er u. a. mit Manet, Pissaro und Whistler im Salon der Zurückgewiesenen aus. Ab August 1866 war er dann wieder zuhause in Aix, wo er anfing, sich mit Freilichtmalerei zu beschäftigen. Drei Jahre später lernte er die elf Jahre jüngere Hortense Fiquet kennen, doch auch diese Beziehung brachte Cézanne nicht die erwünschte Befreiung von Einsamkeit und sexueller Not. Er hatte gehofft, durch diese Verbindung seine Scheu vor Frauen, seine panische Angst vor Berührungen sowie sein Misstrauen den Menschen gegenüber überwinden zu können (Boehm, G.: Paul Cezanne, S.16). Doch er konnte sich Zeit seines Lebens nicht von seinen Ängsten befreien, „…dem Zweifel, dem Zweifel an sich selbst.“ (Dorival, B.: Cezanne, S.88). Nach Ende des Deutsch-Französischen Krieges im Jahr 1871 ging Cézanne abermals nach Paris und legte seine dunkelfarbig-expressive Phase endgültig ab, welche durch die Zusammenarbeit mit Pisarro in Auvers-sur-Oise – wo auch 1872 sein Sohn Paul zur Welt kam - begünstigt wurde. Überhaupt hat er viel von den Impressionisten gelernt, doch trennte er sich künstlerisch wieder schnell von ihnen, da die Beseitigung klarer Umrisse und der Vorrang der Farbe vor der Zeichnung bei Cézanne und bei den impressionistischen Malern ganz augenscheinlich nicht dieselbe Bedeutung hatten.

Im Jahr 1874 findet in Paris die erste große Impressionistenausstellung statt, an der auch Cezanne mit drei Arbeiten teilnimmt: Das Haus des Gehängten (von 1872/73) Moderne Olympia (von 1873/74) und die Landschaft bei Auvers (von 1872-74). Die Ausstellung der Impressionisten erregt großes Aufsehen und musste sich großem Spott aussetzen (Dorival, B.: Cezanne, S.45). Wenn man die Bilder aus dieser Impressionistischen Phase mit dem Frühwerk vergleicht, sprechen sie den Betrachter in ganz anderer, neuer Weise an. Weiterhin bleibt der sachliche und gegenwärtige Eindruck erhalten, während die bildnerischen Mittel sich verändert haben. Die grobe Spachteltechnik und der Helldunkelkontrast werden von hellen Farben und einer kleinteiligeren Malweise abgelöst (Dorival, B.: Cezanne, S.49). Nach fast zehn Jahren Geheimhaltung der Beziehung zu Hortense, erfuhr Cézannes Vater doch von dieser Liaison und seinem Enkel Paul. Daraufhin kürzte er seinem Sohn die monatliche Unterstützung um die Hälfte, so dass Cézanne sich gezwungen sah, seinen Jugendfreund Emile Zola um finanzielle Hilfe zu bitten. Nachdem dieser dann allerdings sein Buch L´Ouvre im Jahr 1886 veröffentlicht hatte, in dem es um einen gescheiterten Künstler geht, kam es zum Bruch mit Cézanne (Boehm, G.: Paul Cezanne, S. 14 ), der Hortense inzwischen geheiratet hatte, obwohl er diese schon lange nicht mehr liebte. Aber er wollte für seinen Sohn Paul, den er vergötterte, eine rechtliche Grundlage schaffen.

1890, im Alter von 51 Jahren, erkrankte Cézanne an Diabetes, was den, ohnehin diffizilen, Umgang mit ihm noch schwieriger machte. Auch wenn zwischen 1863 und 1895 nur sehr wenige Bilder von Cézanne öffentlich zu sehen waren, wurde er von seinen Künstlerkollegen sehr bewundert. Anlässlich der ersten Einzelausstellung Cézannes in der Galerie von Ambroise Vollard 1895, wurde der Künstler zum ersten Mal von der Öffentlichkeit und der Presse wahrgenommen. „Der Skandal hielt sich mit dem Erfolg die Waage…War Cézanne vor dieser Veranstaltung so gut wie unbekannt, so war er jetzt nicht gerade berühmt, aber immerhin von den einen verehrt, von den anderen verlacht…Und dies war der Beginn des Ruhms.“ (Dorival, B.: Cezanne, S.105). Nach dieser Ausstellung äußerte Pisarro, der schon zuvor einen sehr engen Kontakt zu Cézanne pflegte, seine Bewunderung über seine Bilder, indem er gleichzeitig erwähnte, dass seine Begeisterung nichts im Vergleich mit der Renoirs wäre, zudem auch Degas und Monet als Bewunderer Cézannes aufzählte. Jeder der erwähnten Künstler besaß mehrere Bilder von Cézanne. Es ist also kein Wunder, dass sich seine Kunst auf das ganze 20. Jahrhundert ausgewirkt hat. Ab 1900 ist Cézanne in Paris nicht mehr unbekannt, aber den höchsten Bekanntheitsgrad erreicht er erst nach seinem Tod durch eine große Gedächtnisausstellung. Durch diese Ausstellung gelang dem Künstler auch der internationale Durchbruch. Am 22. Oktober 1906, stirbt Cézanne an einer schweren Lungenentzündung in seiner Heimatstadt Aix-en-Provence. Er hat die Akademie mit der gleichen Leidenschaft verachtet wie er die Meister liebte, der seine Nachfolger und die Anfänge der Moderne mit wenigen Worten abtat und sich gegen Ende, in einem Wort unter Vertrauten, den einzigen Maler nannte (Dorival, B.: Cezanne, S.107).

3. Sehpsychologische und –physiologische Aspekte, Methodik Cézannes

Um die nachfolgende Bildanalyse zu verstehen, halte ich es für unumgänglich zuallererst eine Deutung und ein Verständnis für die Rezeption der Werke Cézanne zu eröffnen. „Man behandle die Natur gemäß Zylinder, Kugel und Kegel und bringe das Ganze in die richtige Perspektive, so dass jede Seite eines Objektes, einer Fläche, nach einem zentralen Punkt führt. Die mit dem Horizont parallel verlaufenden Linien geben die seitliche Ausdehnung, das heißt einen Ausschnitt der Natur...Die zu diesem Horizont senkrecht stehenden Linien geben die Tiefe. Nun liegt aber die Natur für uns Menschen mehr in der Tiefe, als in der Fläche.“ (Breidbach, A.: Anschauungsraum bei Cézanne, S.29). Mit diesen Worten äußerte sich Cézanne in einem Brief an Emile Bernard über die Grundauffassung seiner Arbeitsmethode. Diese enthält alle gängigen Begriffe des Kunstwissenschaftlichen Vokabulars, jedoch sind diese im Zusammenhang schwer fassbar.

Zu Anfang geht es um sehphysiologische Aspekte, besser gesagt, um einen physiologisch-virtuellen Informationsgewinn des Betrachters. Dieser erfasst zuerst nach den Regeln der Bewegung und der Parallaxe – Grundlage des räumlichen Sehens - die Körper im Raum. Daraufhin setzt ein stereoskopisch-psychischer Prozess ein, der die Verknüpfungen und Erinnerungen einzelner Bilder mit ständig veränderlichen Daten aktueller Erlebnisse verarbeitet und verbindet. Diese Bilder werden - obwohl sie indifferent sind – dann verbunden und lassen so im Bewusstsein des Protagonisten einen physiologisch-virtuellen Raum entstehen, mit „…datenbesetzten und gekrümmten Farbflächen nach Regeln einer lebendigen Physiologie…“ (Breidbach, A.: Anschauungsraum bei Cézanne, S.25). Cézanne soll demnach nach gewissen künstlerisch-grammatikalischen Regeln, mit mehreren Stufen einer durch die Stereoskopie vorgegebenen Verknüpfungstechnik der Flächen zum Raum gearbeitet haben. Somit setzt sich der Raum über das Sehen von Abstandsfiguren zusammen, über „…gestalthaft gemachte Komponenten einer sich bruchhaft aus physischen, physiologischen und emotional-seelischen Raumvektoren…“ (Breidbach, A.: Anschauungsraum bei Cézanne, S.26). Mit dieser Methodik schafft Cézanne eine Metapher, die sowohl dem Bildraum der Natur, als auch der eigenen Person verpflichtet ist, eben eine eigene Wirklichkeit, eine Parallele zur Realität.

[...]

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Paul Cezanne: Der Steinbruch von Bibemus - Bildanalyse und Vergleich
Hochschule
Ruhr-Universität Bochum  (Kunstgeschichtliches Institut )
Veranstaltung
Grundposition der Moderne: Cezanne, Gauguin, Van Gogh
Note
2,0
Autor
Jahr
2005
Seiten
16
Katalognummer
V54804
ISBN (eBook)
9783638499194
ISBN (Buch)
9783638773379
Dateigröße
1031 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Cezanne, Bildanalyse, Moderne, Kunstgeschichte, Steinbruch Bibemus, Impressionismus, Realismus, Romantik, Malerei
Arbeit zitieren
Jacek Brzozowski (Autor), 2005, Paul Cezanne: Der Steinbruch von Bibemus - Bildanalyse und Vergleich, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/54804

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