Theoretische Ansätze zu populärer Kultur


Essay, 2006

14 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhalt

1. Was ist populäre Kultur? - eine kurze Einleitung
1.1. Was ist Kultur?
1.2. Definition des Terms „Ideologie“
1.3. Definition von „populärer Kultur“

2. Postmoderne
2.1. Postmoderne Popmusik
2.2. Postmodernes Fernsehen

3. Literatur und Internetressourcen

1. Was ist populäre Kultur? - eine kurze Einleitung

Diese Ausarbeitung beschäftigt sich mit der Theorie zur populären Kultur.

Der Begriff „populäre Kultur“ wird oft definiert im Gegensatz zu anderen Kulturen wie z.B. der Hochkultur/Elite, der Volkskultur, der Massenkultur und der Subkultur.

Wenn man diesen Term also definieren möchte, sollte man dies beachten. Auch kann „populäre Kultur“ mehrere Bedeutungen haben. Das ist immer abhängig vom Kontext in dem sie benutzt wird. In seinem Buch „An introduction to cultural theory and popular culture“ versucht John Storey den Begriff „popular culture“ im Hinblick auf viele Themen zu betrachten. Er knüpft Verbindungen zum Marxismus, zum Feminismus sowie zur Postmoderne, worauf später in dieser Ausarbeitung ebenfalls eingegangen wird.

1.1. Was ist Kultur?

Um „populäre Kultur“ definieren zu können, sollte vorher bekannt sein was „Kultur“ an sich eigentlich bedeutet.

Raymond Williams, ein früher Pionier auf dem Gebiet der Kulturtheorie, brachte dazu 3 Definitionen hervor. Er bezeichnet Kultur als „ one of the two or three most complicated words in the English language “ (Storey, S. 2).

Er empfiehlt folgende 3 Erklärungen für den Begriff Kultur:

I. Kultur als ein allgemeiner Prozess intellektueller, spiritueller oder ästhetischer Entwicklung. Als Beispiel in Westeuropa sind hierfür große Philosophen, Künstler und Dichter zu nennen.
II. Kultur als eine spezielle Lebensweise, entweder von einzelnen Menschen, einer Gruppe oder einer ganzen Epoche. Wenn man von der kulturellen Entwicklung in Westeuropa spricht, hat man die Entwicklung der Literatur, Ferien, Sport und religiösen Festen im Kopf.
III. Kultur als Arbeiten und Übungen intellektueller und speziell künstlerischer Aktivitäten. Als einige Beispiele wäre hier die Poesie, Romane, Ballett und Oper zu nennen. Kultur in dieser Definition ist synonym mit dem Begriff „bedeutende Praktiken“, welchen die Strukturalisten und Post-Strukturalisten benutzen.

Der Begriff „popular culture“ wird üblicherweise durch die 2. und 3. Definition erklärt. Die 2. Definition erlaubt es, von Sachen zu sprechen wie z.B. Ferien am Meer, Weihnachtsfeier oder Jugendkultur. Das sind Beispiele für lebende Kultur oder kulturelle Praktiken. Die 3. Definition sieht Seifenopern, Popmusik oder Comics als Beispiele für populäre Kultur.

1.2. Definition des Terms „Ideologie“

Ideologie (griechisch: „Ideenlehre“) ist ein entscheidender Begriff im Studium der populären Kultur und sowohl ein wichtiger Begriff zum Verständnis von populärer Kultur.

Graeme Turne meinte dazu: „ it ist he most important conceptual category in cultural studies “ (Storey, S. 3).

Genau wie der Begriff der Kultur hat auch der Begriff der Ideologie mehrere umfassende Definitionen, die folgend erklärt werden:

I. Ideologie ist ein systematischer Körper von Ideen, welcher von einer speziellen Gruppe von Leuten aufgestellt wird. Eine Gruppe von Leuten, die eine Ideologie teilen, teilt ein gemeinsames Bündel an Vorstellungen von der Beschaffenheit der Welt. Alle Gruppen von Menschen bringen Verhaltensmuster hervor - Institutionen und Rollen -, die für sie wirklich werden, es sollte daher nicht überraschen, dass eine Gruppe von Menschen mit gemeinsamer Ideologie eine gesellschaftliche Wirklichkeit konstruiert, die zu ihren Anschauungen passt.

Die Ideologie schreibt den Lebensstil vor. Jede Gesellschaft entfaltet eine allgemeine oder "vorherrschende" Ideologie: einen Code von allgemeinen Werten, den die meisten teilen, bewusst oder unbewusst, und innerhalb dessen verschiedene Gruppen oder individuelle Ideologien entstehen können. Die Aufgabe einer allgemeinen Ideologie ist, eine Erklärung für die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft des Systems, dem man angehört, zu geben, sei sie vollständig, glaubwürdig, brauchbar oder nicht. Ideologien enthalten immer genügend Körnchen an Wahrheit, um für die meisten Leute plausibel zu sein, wie unglaubwürdig diese Körnchen auch interpretiert oder zusammengefügt sein mögen. (Wilden, Anthony, S. 91) Die Praktiken spezieller Berufsgruppen werden auch bezeichnet als „professional ideology“. Die Ideologie der Arbeiterpartei bedeutet die Sammlung von politischen, wirtschaftlichen und sozialen Ideen, welche die Aspiranten über die Aktivitäten der Partei informiert.

II. Ideologie in dieser Definition ist synonym mit Maskierung, Verstellung oder Verbergung. Ideologie zeigt an wie einige kulturelle Texte und Praktiken, verdrehte Bilder der Realität präsentieren. Diesen Fakt nennt man auch „false consciousness“ (falsches Bewusstsein) (Storey, S. 3). Als Beispiel hierfür ist ein „schwarzer Schwuler“ in einer amerikanischen Seifenoper zu nennen. In der Serie hat er einen guten anerkannten Beruf und lebt in einer noblen Kleinstadt. Er hat es geschafft den amerikanischen Traum zu verwirklichen. Allerdings ist dieses in Wirklichkeit eher unwahrscheinlich. Beim Betrachter der Seifenoper wird das „falsche Bewusstsein“ hervorgerufen. Solch einer Verdrehung der Tatsachen arbeitet immer im Interesse des Starken gegen die Schwachen. Deshalb kann man hier auch von „capitalist ideology“ sprechen. Ideologie verbirgt die Wirklichkeit über die Überlegenheit der Starken.

"Die Gedanken der herrschenden Klasse sind in jeder Epoche die herrschenden Gedanken, d.h. die Klasse, welche die herrschende materielle Macht der Gesellschaft ist, ist zugleich ihre herrschende geistige Macht." (Marx/Engels, S.46)

Die dominierende Klasse sieht sich selbst nicht als Ausbeuter bzw. Unterdrücker. Auch die untergeordnete Gruppe sieht sich nicht als ausgebeutet. Kulturelle Texte und Praktiken sind Ausdrücke der Machtbeziehungen der wirtschaftlichen Basis der Gesellschaft. Das ist eine der fundamentalen Ansichten des Marxismus. Marx will sagen, dass sich die Art der Wirtschaftsproduktion auf den Typ der Kultur auswirkt, welchen die Gesellschaft erzeugt. Die kulturellen Produkte werden ideologisch erweitert und unterstützen ausdrücklich die Interessen der dominierenden Gruppen.

„ Die Menschen sind die Produzenten ihrer Vorstellungen, Ideen pp., aber die wirklichen, wirkenden Menschen, wie sie bedingt sind durch eine bestimmte Entwicklung ihrer Produktivkr Äfte und des denselben entsprechenden Verkehrs bis zu seinen weitesten Formationen hinauf. Das Bewusstsein kann nie etwas anderes sein als das bewusste Sein, und das Sein der Menschen ist ihr wirklicher Lebensprozess. “ - (Marx/Engels, S. 26)

III. Ideologie als ideologische Gestalten und Formen. Kulturelle Texte wie z.B.

Fernsehfiktion, Popsongs, Romane und Filme präsentieren immer ein spezielles Bild unserer Welt. Sie ergreifen somit bewusst oder unbewusst Partei.

IV. Folgende Definition von Ideologie geht zurück auf den französischen, marxistischen Philosophen Louis Althusser. Nach seiner Definition soll Ideologie nicht nur als Körper von Ideen, sondern auch als physische Übung betrachtet werden. Althusser meint damit die Art wie bestimmte Rituale und Gewohnheiten den Effekt der Bindung an die Gesellschaftsordnung haben. Mit dieser Definition kann man z.B. Ferien am Meer oder die Weihnachtsfeier als ideologische Praktiken beschreiben. Sie bieten Unterhaltung und Erholung von den üblichen Anforderungen der Gesellschaftsordnung. Doch danach kehrt man wieder (frisch erholt) zurück an seinen Platz und toleriert weiterhin die Ausbeutung.

Kurz gesagt: Ideologie arbeitet um soziale Bedingungen und soziale Beziehungen hervor zu bringen, die der Kapitalismus für seine Wirtschaft benötigt um weiterzumachen.

[...]

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Theoretische Ansätze zu populärer Kultur
Hochschule
Freie Universität Berlin  (Institut für Ethnologie)
Note
2,0
Autor
Jahr
2006
Seiten
14
Katalognummer
V54870
ISBN (eBook)
9783638499774
ISBN (Buch)
9783668105461
Dateigröße
571 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Theoretische, Ansätze, Kultur
Arbeit zitieren
Juliane Dittrich (Autor), 2006, Theoretische Ansätze zu populärer Kultur, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/54870

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