Der Einfluss der comedia del arte auf Gryphius und Moliere


Seminararbeit, 2001
12 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Commedia dell’arte

Die Schauspielform Commedia dell’arte entstand Mitte des 16. Jahrhunderts und war bis Ende des 18. Jahrhunderts in ganz Europa zu finden. Bei der Commedia dell’arte handelt es sich vorwiegend um eine Art des Lustspiels, aber ab und zu sind auch durchaus Züge des Ernsten und der Schäferdichtung zu erkennen. Andere Bezeichnungen für die Commedia dell‘arte sind: Commedia all’improvviso und Commedia a sogetto.

Der Begriff „arte“ stellt eine Spezifizierung dar und besagt, dass es sich bei den darstellenden Personen um Berufsschauspieler handelt. „Improvviso“ verweist auf den Stehgreifcharakter und „sogetto“ bedeutet, dass es eine flüchtig skizzierte Vorlage gibt. Diese Vorlagen stammen aus Novellen und Volksbüchern und wurden so bearbeitet, dass sie bühnentauglich wurden.

Wie schon kurz angedeutet gibt es keine feste Handlung und keinen vorgegebenen Text, sondern nur einen ungefähren „canavaccio“, ein Handlungsschema, dass immer wieder variiert wird. Eine wichtige Rolle spielen dabei die „lazzi“. Hierbei handelt es sich um komische Einlagen, die in Kunststücken der Geschicklichkeit und des stummen Spiels bestehen. Diese „lazzi“ verfestigen sich und kommen immer dann ins Spiel, wenn die Improvisation ins Stocken zu geraten droht.

Man kann also sagen, dass sie Commedia dell’arte sowohl von Wort- und Situationskomik, als auch von akrobatischen Elementen getragen wird.[1]

Die Handlung der Commedia dell’arte

Wie oben schon erwähnt gibt es bei der Commedia dell’arte ein Handlungsschema, dass aus dem Stegreif durch Improvisation ausgeschmückt wird. Das Hauptthema der Commedia dell’arte ist die Liebe und die Intrigen die sich als Folge herausbilden.

Die Alten, die oft den Dienerinnen nachstellen, legen den Liebenden oft Steine in den Weg und wollen so die Beziehungen (zer)stören. Diese Hindernisse werden allerdings durch Intrigen der Diener abgewendet. Als weiterer Störfaktor tritt der Capitano zwischen die beiden. Auch bei den Liebesbeziehungen der Dienerschaft sind stets Nebenbuhler zu finden. Dies sind die Grundmotive der Commedia dell’arte, die dann aus dem Stegreif ausgeschmückt werden.[2]

Die Gestalten der Commedia dell‘arte

Bei den Gestalten der Commedia dell’arte handelt es sich um feststehende Typen, denen die Commedia dell‘arte auch ihre Kontinuität verdankt. Für diese Typen ist im Laufe der Zeit der Begriff „Maske“ üblich geworden, denn außer den Frauen und den Liebespaaren tragen alle Figuren Masken bzw. ähnliche Kennzeichen, wie z.B. einen Schnabel anstatt einen Nase.

Das Personal der Commedia dell’arte lässt sich in vier Gruppen unterteilen: die Väter, die Liebespaare, der Capitano und die Dienerschaft.

Zanni

Bei den „zanni“ handelt es sich um dumme, bäuerische Dienertypen mit schwarzen Halbmasken. Neben ihrem einfältigen Wesen zeichnen sie sich aber auch durch Schläue aus, dies wird immer dann deutlich, wenn sie durch Intrigen ihrerseits die Boshaftigkeiten ihrer Vorgesetzten ans Licht kommen lassen.

Die Diener stammen aus Bergamo und sprechen auch den Dialekt dieser Region. Am bekanntesten sind Brighella, Arlecchino, Pulcinella oder Colombina.[3]

Vecchi

Die „vecchi“ sind die Alten bzw. die Väter, die in der Commedia dell’arte vor allem von zwei Typen verkörpert werden. Nämlich von Pantalone und dem Dottore. Pantalone ist ein venezianischer Kaufmann, der spät verliebt ist und mit seinem Vermögen sehr geizig umgeht. Durch ihn wird der kommerzielle Egoismus der Gesellschaft bloßgestellt. Er trägt ebenfalls eine Halbmaske, sowie eine rote Hose ( ital. pantaloni) und eine rote Jacke.

Der zweite der beiden „vecchi“, der Dottore, stammt aus Bologna. Meist verkörpert er einen Rechtsgelehrten, seltener einen Arzt oder Philosophen. Er trägt die schwarze Gelehrtentracht und redet in makkaronischer Sprache bzw. Dichtung ( ital. maccharone,der Tölpel).[4] Dieser Sprachstil richtet sich gegen die Überheblichkeit der Humanisten. Er besteht aus einem verballhornten Latein mit vulgärsprachlichen Elementen. Die Wörter enthalten also ungefähre lateinische Endungen. Außerdem sind Fremdsprachenphantasien, sowie lautmalende Neologismen lateinischer Herkunft zu finden.[5]

[...]


[1] Rainer Hess, Gustav Siebenmann, Mireille Frauenrath, Tilbert Stegmann, Literaturwissenschaftliches Wörterbuch für Romanisten. Francke Verlag, Tübingen 1989, S.64

[2] Walter Hinck, Das deutsche Lustspiel des 17. Und 18.Jahrhunderts und die italienische Komödie. Carl Ernst Poeschel Verlag 1965, S. 7

[3] Wörterbuch für Romanisten, S.65

[4] Ebd. S.65

[5] Ebd. S.225f

Ende der Leseprobe aus 12 Seiten

Details

Titel
Der Einfluss der comedia del arte auf Gryphius und Moliere
Hochschule
Universität Augsburg  (Fachbereich Germanistik)
Note
2,0
Autor
Jahr
2001
Seiten
12
Katalognummer
V5498
ISBN (eBook)
9783638133555
Dateigröße
480 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Einfluss, Gryphius, Moliere
Arbeit zitieren
Beate Sewald (Autor), 2001, Der Einfluss der comedia del arte auf Gryphius und Moliere, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/5498

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