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Friedrich Dürrenmatts Poetik der Komödie: Spielen wir noch einmal, zum letzten Mal, Komödie

Title: Friedrich Dürrenmatts Poetik der Komödie: Spielen wir noch einmal, zum letzten Mal, Komödie

Thesis (M.A.) , 1997 , 83 Pages , Grade: sehr gut

Autor:in: Eveline Zurbriggen (Author)

German Studies - Modern German Literature
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Summary Excerpt Details

Friedrich Dürrenmatt erlebt unsere heutige Welt als ein Ungeheures, ein Labyrinth im wahrsten Sinne des Wortes. Sein Weg, dieses Labyrinth zu bewältigen, führt über das Schreiben. Freilich hebt das Schreiben das Ungeheuerliche nicht auf, sondern potenziert es geradezu, wie Dürrenmatt in seiner Poetik der Komödie darlegt. Doch: Wie und inwiefern setzt Dürrenmatt seine aus der Auseinandersetzung mit der Welt erwachsene Poetik der Komödie in seinen Dramen "Romulus der Grosse", "Der Besuch der alten Dame", "Die Physiker", "Der Meteor" und "Dichterdämmerung" literarisch um?

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Dürrenmatts Poetik der Komödie

2.1. Dürrenmatts Weltbild

2.2. Aufgabe und Grenzen des Schriftstellers

2.3. Die Poetik der Komödie

2.3.1. Die Notwendigkeit der Komödie

2.3.2. Komödie der Handlung

2.3.3. Dramaturgie des Zufalls

2.3.4. Paradoxie und Groteske

2.3.5. Das „Modell Scott“

2.4. Zwischen Brecht und dem absurden Theater

3. Spielen wir noch einmal, zum letzten Mal, Komödie.

3.1. Figuren zwischen Komik und Groteske

3.1.1. Namen und Kosenamen

3.1.2. Die Konzeption der Figuren

3.1.3. Figurengruppierungen

3.2. Sprache zwischen Komik und Groteske

3.2.1. Wortspiele

3.2.2. Ueber- und Untertreibungen

3.2.3. Akkumulation und Gradation

3.2.4. Anachronismen

3.2.5. Kommentare

3.2.6. Wiederholungen

3.2.7. Stilebenen und Stilbrüche

3.2.8. Dialogführung

3.3. Situationen zwischen Komik und Groteske

3.3.1. Kontraste und Paradoxien

3.3.2. Wiederholungen und Variationen

3.3.3. Parodien und Anspielungen

3.3.4. Bühnenbild und Requisiten

3.3.5. Musik

3.4. Handlung zwischen Komik und Groteske

3.4.1. Einfälle und Zufälle

3.4.2. Die schlimmstmögliche Wendung

3.4.3. Motivketten und Doppeldeutigkeit

3.4.4. Aktschlüsse, Titel und Genrebezeichnungen

3.4.5. Aristotelische und nichtaristotelische Dramaturgie

4. Komik - Groteske - Tragik: ein gespannter Bogen

5. Schlussbemerkung

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Die vorliegende Arbeit analysiert Friedrich Dürrenmatts Poetik der Komödie, indem sie untersucht, wie der Autor seine aus der Auseinandersetzung mit der modernen Welt erwachsene Theorie in seinen Dramen umsetzt. Dabei steht die Frage im Zentrum, durch welche spezifischen Mittel — wie Figuren-, Sprach-, Situations- und Handlungskomik — Dürrenmatt Distanzierung und Objektivierung erreicht, um eine groteske und paradoxe Wirklichkeit darstellbar zu machen.

  • Die literaturtheoretischen Grundlagen von Dürrenmatts Weltbild und Theaterauffassung.
  • Die zentrale Bedeutung von „Zufall“ und „schlimmstmöglicher Wendung“ als dramaturgische Prinzipien.
  • Die Funktion von Komik und Groteske als Mittel zur tragischen Wirkung.
  • Die praktische Umsetzung poetologischer Konzepte an ausgewählten Dramen wie „Die Physiker“ und „Der Besuch der alten Dame“.
  • Das Spannungsfeld zwischen traditioneller Dramaturgie und moderner Tragikomödie.

Auszug aus dem Buch

2.3.5. Das „Modell Scott“

Dürrenmatt hat in den „Dramaturgischen Ueberlegungen zu den ‘Wiedertäufern’“ am Modell des grossen Forschers Scott einige seiner zentralen Theoreme prägnant zusammengefasst. Da Dürrenmatts dramaturgische Grundüberzeugungen und das, was ihn etwa von Shakespeare, Brecht oder Beckett trennt, meines Erachtens nirgends derart treffend formuliert wird, soll das „Modell Scott“ als Schlusspunkt der theoretischen Betrachtung der Poetik der Komödie und als Uebergang zum nächsten Kapitel trotz seines Umfangs ungekürzt zitiert werden:

„Shakespeare hätte das Schicksal des unglücklichen Robert Falcon Scott doch wohl in der Weise dramatisiert, dass der tragische Untergang des grossen Forschers durchaus dessen Charakter entsprungen wäre, Ehrgeiz hätte Scott blind gegen die Gefahren der unwirtlichen Regionen gemacht, in die er sich wagte, Eifersucht und Verrat unter den anderen Expeditionsteilnehmern hätten das Uebrige hinzugetan, die Katastrophe in Eis und Nacht herbeizuführen, bei Brecht wäre die Expedition aus wirtschaftlichen Gründen und Klassendenken gescheitert, die englische Erziehung hätte Scott gehindert, sich Polarhunden anzuvertrauen, er hätte zwangsläufig standesgemäss Ponys gewählt, der höhere Preis wiederum dieser Tiere hätte ihn genötigt, an der Ausrüstung zu sparen; bei Beckett wäre der Vorgang auf das Ende reduziert, Endspiel, letzte Konfrontation, schon in einen Eisblock verwandelt, sässe Scott anderen Eisblöcken gegenüber, vor sich hinredend, ohne Antwort von seinen Kameraden zu erhalten, ohne Gewissheit, von ihnen noch gehört zu werden.

Doch wäre auch eine Dramatik denkbar, die Scott beim Einkaufen der für die Expedition benötigten Lebensmittel aus Versehen in einen Kühlraum einschlösse und in ihm erfrieren liesse. Scott, gefangen in den endlosen Gletschern der Antarktis, entfernt durch unüberwindliche Distanzen von jeder Hilfe, Scott, wie gestrandet auf einem anderen Planeten, stirbt tragisch, Scott, eingeschlossen in den Kühlraum durch ein läppisches Missgeschick, mitten in einer Grossstadt, nur wenige Meter von einer belebten Strasse entfernt, zuerst beinahe höflich an die Kühlraumtüre klopfend, rufend, wartend, sich eine Zigarette anzündend, es kann ja nur wenige Minuten dauern, dann an die Türe polternd, darauf schreiend und hämmernd, immer wieder, während sich die Kälte eisiger um ihn legt, Scott, herumgehend, um sich Wärme zu verschaffen, hüpfend, stampfend, turnend, radschlagend, endlich verzweifelt Tiefgefrorenes gegen die Türe schmetternd, Scott, wieder innehaltend, im Kreise herumzirkelnd auf kleinstem Raum, schlotternd, zähneklappernd, zornig und ohnmächtig, dieser Scott nimmt ein noch schrecklicheres Ende, und deshalb ist Falcon Robert Scott im Kühlraum erfrierend ein anderer als Falcon Robert Scott erfrierend in der Antarktis, wir spüren es, dialektisch gesehen ein anderer, aus einer tragischen Gestalt ist eine komische Gestalt geworden, komisch nicht wie einer, der stottert, oder wie einer, der vom Geiz oder von der Eifersucht überwältigt worden ist, eine Gestalt, komisch allein durch ihr Geschick: Die schlimmstmögliche Wendung, die eine Geschichte nehmen kann, ist die Wendung in die Komödie.“

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung führt in das Werk Dürrenmatts ein und definiert das Ziel der Untersuchung: die Umsetzung seiner Poetik der Komödie in ausgewählten Dramen.

2. Dürrenmatts Poetik der Komödie: Dieses Kapitel erläutert Dürrenmatts Weltbild und seine theoretischen Grundannahmen, insbesondere die Notwendigkeit der Komödie in einer chaotischen Welt und die Dramaturgie des Zufalls.

3. Spielen wir noch einmal, zum letzten Mal, Komödie.: Der Hauptteil analysiert detailliert die praktischen Mittel der Komik in Dürrenmatts Dramen, unterteilt in Figuren-, Sprach-, Situations- und Handlungskomik.

4. Komik - Groteske - Tragik: ein gespannter Bogen: Eine kritische Synthese, die das Wechselverhältnis von Komik, Groteske und Tragik bei Dürrenmatt auf den Punkt bringt.

5. Schlussbemerkung: Ein zusammenfassendes Resümee, das unterstreicht, dass Dürrenmatt keine fertigen Lösungen liefert, sondern den Rezipienten durch Fragen zur Auseinandersetzung mit der Welt provoziert.

Schlüsselwörter

Friedrich Dürrenmatt, Poetik der Komödie, Tragikomödie, Groteske, Paradoxie, Zufall, schlimmstmögliche Wendung, Dramaturgie, Komik, Theaterkonzeption, Identifikation, Distanzierung, Literaturwissenschaft, Menschenbild, Bühnenbild.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der vorliegenden Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht, wie der Schriftsteller Friedrich Dürrenmatt seine theoretische Poetik der Komödie konkret in seinem dramatischen Werk umgesetzt hat.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Im Zentrum stehen Dürrenmatts Weltbild, seine Ablehnung der klassischen Tragödie für die Moderne sowie seine innovativen dramaturgischen Methoden zur Gestaltung einer als chaotisch empfundenen Welt.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?

Ziel ist es zu ergründen, mit welchen spezifischen Mitteln Dürrenmatt in seinen Stücken Distanz und Objektivierung erzeugt, um die Absurdität und Groteske der Gegenwart theaterwirksam darzustellen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Untersuchung erfolgt durch eine systematische Analyse von Dürrenmatts literaturtheoretischen Schriften und deren Anwendung in den Dramen „Romulus der Grosse“, „Der Besuch der alten Dame“, „Die Physiker“, „Der Meteor“ und „Dichterdämmerung“.

Was wird im umfangreichen Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Betrachtung von Figuren-, Sprach-, Situations- und Handlungskomik, um aufzuzeigen, wie Dürrenmatt durch diese Werkzeuge den Zuschauer zur Reflexion zwingt.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?

Neben dem „Zufall“ und der „schlimmstmöglichen Wendung“ sind vor allem „Paradoxie“ und „Groteske“ als zentrale Begriffe zu nennen, mit denen Dürrenmatt das Verhältnis zwischen Komischem und Tragischem beschreibt.

Wie wird das „Modell Scott“ in der Arbeit interpretiert?

Es dient als wesentliches Theorem für Dürrenmatts Dramaturgie: Anhand des unglücklichen Polarforschers illustriert Dürrenmatt, wie durch läppische Zufälle aus einer potenziell tragischen eine komische Situation wird.

Welche Rolle spielt das Bühnenbild in Dürrenmatts Theater?

Das Bühnenbild und Requisiten dienen als bedeutungstragende Elemente, die oft im Kontrast zum Geschehen stehen und zur grotesken Entlarvung der Situation oder zur Verdeutlichung von moralischen Zuständen eingesetzt werden.

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Details

Title
Friedrich Dürrenmatts Poetik der Komödie: Spielen wir noch einmal, zum letzten Mal, Komödie
College
University of Hagen  (Neuere deutsche Literaturwissenschaft II)
Grade
sehr gut
Author
Eveline Zurbriggen (Author)
Publication Year
1997
Pages
83
Catalog Number
V54
ISBN (eBook)
9783638100366
ISBN (Book)
9783638678216
Language
German
Tags
Dürrenmatt Poetik Komödie
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Eveline Zurbriggen (Author), 1997, Friedrich Dürrenmatts Poetik der Komödie: Spielen wir noch einmal, zum letzten Mal, Komödie, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/54
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