Als Inhaber einer Physiotherapiepraxis und Student an einer Fachhochschule, bin ich selbst, mit einem kleinen Anteil, am Prozess der Professionalisierung beteiligt. Aus dieser Situation heraus entstand meine Motivation, der „Sache mit der Professionalisierung“ einmal auf den Grund zu gehen. Ziel dieser Bachelorarbeit ist es, anhand einer Recherche aktueller Literatur, den Stand der Professionalisierung der Physiotherapie in Deutschland, zu beschreiben. Bei dieser Studienarbeit handelt es sich um eine reine Literaturstudie, die sich nur mit Literatur ab 1999 und jünger beschäftigt. Dieser Sachverhalt begründet sich aus der Tatsache des „moving process“, in dem sich die Physiotherapie in Deutschland zur Zeit befindet. Aus all den generierten Daten und Fakten lässt sich ableiten, dass die angehende Akademisierung in der Physiotherapie und die beginnende Implementierung von Qualitätsmanagementsystemen, im Grundsatz geradezu wie geschaffen dafür sind, den Prozess der Professionalisierung der Physiotherapie in Deutschland voran zu bringen. Die derzeit bestehenden gesetzlichen Grundlagen, wie auch die Strukturen im Verbands- und Hochschulwesen und die zur Zeit Verwendung findenden Systeme, Maßnahmen und Mittel, zur Erlangung dieses Zieles, stehen sich aber a priori bei dieser Aufgabe selbst im Weg. Als grundsätzliche Forderung im Bereich der Ausbildung kann hier die Einrichtung von grundständigen Studiengängen genannt werden. Dies ist auch im Zusammenhang mit den festgelegten europäischen Zielen, durch eine „Bachelorausbildung“ akademisierte Berufspraktiker auszubilden, unabdingbar. Im Bereich des Qualitätsmanagements sollte der Focus in Zukunft darauf liegen, QM-Systeme zu entwickeln, die das Hauptaugenmerk auf die „Kerntätigkeiten“ der Physiotherapeuten legen: Dokumentation und Behandlung, sowie die Evaluation von „Outcomes“. Erste Schritte dazu, im Bereich der Grundlagenarbeit, wurden schon gemacht. Zum einen mit dem, im Frühjahr 2006 erscheinenden Handbuch für „Standardisierte Ergebnismessung in der Physiotherapie“, das von der „Physio-Akademie des ZVK“ zusammengestellt wurde. Und zum anderen, in einer Bachelorarbeit, innerhalb des Studienganges Physiotherapie & Ergotherapie der FH Osnabrück, in dieser wurde die Entwicklung eines einheitlichen Befundschemas in der Physiotherapie, auf Basis des ICF vorgestellt.
Inhaltsverzeichnis
EINLEITUNG
KAPITEL I
1 METHODIK
1.1 STUDIENTYP
1.2 VERFAHREN
1.3 GENERIERUNG DER LITERATUR
KAPITEL II
2 BEGRIFFSERKLÄRUNGEN
2.1 ARBEIT UND BERUF
2.2 PROFESSION
2.3 PROFESSIONALISIERUNG
2.4 PROFESSIONALITÄT
2.5 QUALITÄTSMANAGEMENT
2.5.1 Qualitätsmanagement in der Geschichte
2.5.2 Definitionen aus dem Bereich „Qualitätsmanagement“
KAPITEL III
3 DIE PHYSIOTHERAPIE IM DEUTSCHEN UND EUROPÄISCHEN BILDUNGS- UND GESUNDHEITSWESEN
3.1 VERÄNDERUNGEN IM DEUTSCHEN GESUNDHEITSWESEN
3.2 DEFINITION: „PHYSIOTHERAPIE“
3.3 GESCHICHTE DER PHYSIOTHERAPIE
3.4 ENTWICKLUNG DER PHYSIOTHERAPIE IN DEUTSCHLAND
3.5 STATUS QUO PHYSIOTHERAPIE IN DEUTSCHLAND
3.5.1 Berufsverbände
3.5.2 Berufsausbildung
3.5.3 Studium
4 QUALITÄTSMANAGEMENT IN DER PHYSIOTHERAPIE
4.1 QUALITÄTSMANAGEMENTSYSTEME
4.1.1 DIN EN ISO 9000er-FAMILIE
4.1.2 TOTAL QUALITY MANAGEMENT
4.1.3 EUROPEAN FOUNDATION OF QUALITY MANAGEMENT
4.2 DERZEITIGE ANGEBOTE VON QUALITÄTSMANAGEMENT PROGRAMMEN IM BEREICH DER PHYSIOTHERAPIE DURCH DIE BERUFSVERBÄNDE
4.2.1 IFK - Bundesverband selbständiger PhysiotherapeutInnen e. V.
4.2.2 VDB - Physiotherapieverband e.V.
4.2.3 VPT - Verband Physikalische Therapie e. V.
4.2.4 ZVK - Deutscher Verband für Physiotherapie e. V.
KAPITEL IV
5 DISKUSSION
5.1 DARSTELLUNG DER ERKENNTNISSE
5.2 BEWERTUNG DER ERKENNTNISSE
6 KONKLUSION
7 SCHLUSSFOLGERUNG
7.1.1 Für den Bereich Ausbildung
7.1.2 Für den Bereich Qualitätsmanagement
8 AUSBLICK
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht, ob die aktuellen Bestrebungen im Bereich der physiotherapeutischen Ausbildung und der Implementierung von Qualitätsmanagementsystemen in Deutschland ausreichen, um eine vollumfängliche Professionalisierung des Berufsstandes zu erreichen.
- Analyse soziologischer Begrifflichkeiten zu Arbeit, Beruf und Profession
- Historische und aktuelle Entwicklung der Physiotherapie in Deutschland
- Einfluss des Bologna-Prozesses auf die physiotherapeutische Studienlandschaft
- Vergleichende Darstellung der Ansätze zur Qualitätssicherung durch Berufsverbände
- Kritische Diskussion der strukturellen Hindernisse bei der Professionalisierung
Auszug aus dem Buch
Exkurs: Semiprofession
Wendet man die vorstehend genannten Merkmale einer Profession auf alle Berufe an, so wird deutlich, dass nur wenige Berufe diese Kriterien erfüllen können. So wurde ein neues soziales Gebilde geschaffen, die sogenannten „Semiprofessionen“. Deren Situation hat bereits Etzioni im Jahre 1969 aufgegriffen [vgl.: Etzioni, 1969] und auch Dewe et al. beziehen sich darauf.
Dewe et al. zufolge können „soziale Gebilde“ wie Semiprofessionen vornehmlich in den Handlungsfeldern „Pflegen“, „Erziehen“, „Helfen“ ausgemacht werden. Im Zusammenhang mit gesellschaftlichen Vorstellungen über die geschlechtsspezifischen Fähigkeiten wird das „Helfen“ als typisch weibliche Fähigkeit betrachtet [vgl.: Beck-Gernsheim, 1981] und damit der helfende Beruf zur 'Semiprofession' erklärt. Diese Berufe können „nur teilweise oder unvollkommen qua sozialer Mechanismen eine eigene Fachkompetenz gegenüber dem Laienpublikum, wie auch gegenüber der ganzen Gesellschaft, für sich beanspruchen und/oder durchsetzen“ [Dewe et al., 1986].
Etzioni hat Semiprofessionen so charakterisiert: „Their training is shorter, their status is less established, there is less of especialized body knowledge and they have less autonomy from supervision or societal control than the professions“ [Etzioni, 1969].
Semiprofessionen sind um die sogenannten Vollprofessionen herum angesiedelt, wie beispielsweise die Beziehung von Arzt zu Physiotherapeuten zeigt. Semiprofessionen verfügen über:
keine festen Zugangsregeln, um Berufzugehörigkeit festzulegen;
Zusammenfassung der Kapitel
1 METHODIK: Dieses Kapitel erläutert die planmäßige Vorgehensweise als Literaturstudie, die sich auf aktuelle Quellen konzentriert, um den Professionalisierungsstand zu beschreiben.
2 BEGRIFFSERKLÄRUNGEN: Hier werden soziologische Grundlagen wie Arbeit, Beruf, Profession und Qualitätsmanagement definiert, um den theoretischen Rahmen für die Analyse zu spannen.
3 DIE PHYSIOTHERAPIE IM DEUTSCHEN UND EUROPÄISCHEN BILDUNGS- UND GESUNDHEITSWESEN: Dieses Kapitel beleuchtet den historischen Werdegang, die aktuelle Situation der Ausbildung sowie die Integration der Physiotherapie in internationale Bildungsstrukturen.
4 QUALITÄTSMANAGEMENT IN DER PHYSIOTHERAPIE: Der Abschnitt stellt verschiedene Qualitätsmanagementsysteme vor und gibt einen Überblick über die durch die Berufsverbände angebotenen Programme.
5 DISKUSSION: Hier werden die Ergebnisse der Arbeit analysiert und in den Kontext der Professionalisierungstheorie gesetzt, wobei die Widerstände seitens Ärzteschaft und Politik betrachtet werden.
6 KONKLUSION: Dieses Kapitel fasst die wesentlichen Erkenntnisse der Literaturstudie zusammen und spiegelt den Weg von der historischen Berufsfindung bis hin zum aktuellen Status quo wider.
7 SCHLUSSFOLGERUNG: Der Autor leitet aus den Erkenntnissen konkrete Forderungen für die Bereiche Ausbildung und Qualitätsmanagement ab.
8 AUSBLICK: Das letzte Kapitel schließt mit einer motivierenden Zukunftsperspektive für die Physiotherapeuten auf dem Weg zur vollen Professionalisierung.
Schlüsselwörter
Physiotherapie, Professionalisierung, Profession, Semiprofession, Ausbildung, Akademisierung, Qualitätsmanagement, TQM, EFQM, Berufsverbände, Bologna-Prozess, Gesundheitswesen, Handlungsautonomie, Berufsethos, Gesundheit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht den Professionalisierungsprozess der Physiotherapie in Deutschland unter Berücksichtigung aktueller Ausbildungs- und Qualitätsmanagementansätze.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Die zentralen Felder umfassen die Soziologie der Berufe, die historische Entwicklung der Physiotherapie, das aktuelle deutsche Bildungssystem im Vergleich zu Europa sowie die Relevanz und Implementierung von Qualitätsmanagementsystemen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die zentrale Frage lautet: Sind die derzeitigen Bestrebungen im Bereich Ausbildung und Qualitätsmanagement geeignet, eine Professionalisierung der Physiotherapie in Deutschland zu erlangen?
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor führt eine Literaturstudie durch, welche aktuelle Fachliteratur, Berichte der Berufsverbände und Internetquellen systematisch auswertet.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden theoretische Begriffsdefinitionen, die historische Entwicklung, der Status quo der Ausbildung und des Verbandswesens sowie verschiedene Qualitätsmanagementsysteme detailliert analysiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Schlagworte sind Professionalisierung, Akademisierung, Physiotherapie, Qualitätsmanagement und Berufsverbände.
Welche Rolle spielen die deutschen Berufsverbände bei der Professionalisierung?
Berufsverbände sind essenziell für die Handlungsautonomie und Interessenvertretung; die Arbeit zeigt jedoch, dass die Zersplitterung in vier Verbände die Durchsetzung gemeinsamer Ziele erschwert.
Warum wird die Physiotherapie als Semiprofession bezeichnet?
Der Text begründet dies damit, dass Physiotherapeuten wichtige gesellschaftliche Werte wie Gesundheit vertreten, aber im Vergleich zu Vollprofessionen eine kürzere, technokratische Ausbildung und geringere Autonomie aufweisen.
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- B. Sc. Michael Rudolph (Author), 2006, Professionalisierung der Physiotherapie in Deutschland, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/55020