Film und Filmprache ein Thema der Lehrerfortbildung - eine multimediale Studie


Diplomarbeit, 2006

94 Seiten, Note: 1,4


Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

1. Einleitung
1.1 Der gegenwärtige Entwicklungsstand des E-Learning
1.1.1. Definition E-Learning
1.1.2 Erforderliche Vorraussetzungen für E-Learning
1.1.3 Die Vorteile von E-Learning
1.2 Formen des E-Learning
1.2.1 Computer-Based-Training
1.2.2 Web-Based-Training
1.2.3 Virtuelle Seminare
1.3 Das Auftreten von Schwierigkeiten in E-Learningumgebungen
1.4 Das Dilemma der Motivation

2. Kriterien zur Gestaltung virtueller Lernumgebungen
2.1 Die Grundlagenbegriffe
2.1.1 Definition Multimedia
2.1.2 Behaltensleistungen durch Multimedia
2.2 Didaktische Kriterien virtueller Lernumgebungen
2.2.1 Die Grundlagenbegriffe
2.2.1.1 Definition Instruktionsdesign:
2.2.1.2 Definition didaktisches Design
2.3 Motivation durch Anwendungsorientierung in E-Learningangeboten
2.3.1 Situiertes Lernen
2.3.2 Anregung situierten Lernens in multimedialen Lernumgebungen
2.3.3 Kriterien situierten Lernens nach Ebenda
2.4 Förderung der Selbstlernaktivitäten und des Autonomieempfindens
2.4.1 Gestaltung explorativer Lernangebote
2.4.2 Charakteristische Merkmale von explorativen Lernformen:
2.5 Motivationsförderung in E-Learningszenarien
2.5.1 Kriterien zu Autonomie und Motivationsförderung nach Keller
2.5.2 Reflexion des didaktischen Ansatzes nach Keller.
2.6. Richtlinien zur Umsetzung einer benutzerfreundlichen Kursumgebung
2.6.1 Die Bedeutung der Interaktivität in E-Learninangeboten
2.6.2 Das Bildschirmlayout
2.6.3 Die explorative Oberfläche
2.6.4 Metaphern in Benutzeroberflächen
2.6.5 Mediales Textelement
2.7 Diagramme und Bilder
2.7.1 Die Abbilder
2.7.2 Funktionen von Abbildern
2.7.2.1 Die Zeigefunktion:
2.7.2.2 Die Situierfunktion:
2.7.3 Die Animation
2.7.4 Prinzip von Hypertext
2.8. Das Lernmanagmentsystem WebCT
2.8.1 Was ist WebCT?
2.8.2 Lehrende und Kursteilnehmer als Nutzer von WebCT
2.8.2.1 Lehrende (Designer)
2.8.2.2 Teilnehmer
2.8.3 Welche Möglichkeiten bietet WebCT den Seminar Designern?

3. Konzeption und Kursaufbau
3.1 Die Bedarfsanalyse
3.1.1 Film als Thema der Lehrerfortbildung
3.1.2 Die Bedeutung des Mediums „Film“ für den schulischen Unterricht
3.1.3 Verankerung des Gegenstands „Film“ im Lehrplan
3.1.4 Medienbildung und Film als Themen der Lehrerfortbildung
3.1.5 Zielbereiche für die Lehrerfortbildung
3.1.6 Geeignete Themen für die Aus und Fortbildung
3.2 Inhaltlicher Aufbau
3.2.1 Allgemeine Zielsetzung und Lernziele
3.2.2 Inhaltliche Grobziele meiner Lernumgebung :
3.2.3. Kriterien zur Gestaltung einer virtuellen Lernumgebung zum Thema „Film“
3.2.3.1 Grundsätzliche Kriterien zur inhaltlichen Konzeption
3.2.3.2 Inhaltlicher Aufbau und Gliederung der Gesamtkonzeption

4. Das Beispielkapitel-Konzeption und inhaltlicher Aufbau
4.1 Das Inhaltsverzeichnis Kapitel I
4.2 Die Einführung
4.2.1 Die inhaltliche Ebene
4.2.1.1 Der Einführungskommentar
4.2.1.2 Der Einführungstext
4.3 Der didaktische Einstiegsimpuls
4.4 Die Einstellung
4.4.1 Der inhaltliche Rahmen
4.4.2 Der didaktische Rahmen
4.4.3 Inhaltsebene des Arbeitsblattes
4.4.4 Die Arbeitsaufgabe zum Arbeitsblatt
4.4.5 Die Videosequenz
4.4.6 Der zuschaltbare Lösungstext
4.4.7 Inhalt der Videolerneinheit
4.4.8 Die didaktische Reflexion
4.5 Die Kameraperspektive
4.5.1 Der didaktische Rahmen
4.5.2 Die Arbeitsaufgabe
4.5.3 Der inhaltliche Rahmen
4.5.4.Text zur Arbeitsaufgabe
4.5.5 Die Reflexion
4.6 Kameraschwenks und Kamerafahrten.
4.6.1 Der didaktische Aufbau
4.6.2 Die inhaltliche Vermittlung
4.6.3 Der didaktische Rahmen
4.7 Die Tonebene
4.7.1 Die inhaltliche Vermittlung
4.7.2 Didaktischer Rahmen
4.7.3 Die Arbeitsaufgabe
4.8 Die Farbe
4.8.1 Die inhaltliche Ebene
4.8.2 Die didaktische Vermittlung
4.8.3 Die Arbeitsaufgabe

5. Der Kursverlauf

6. Schlußbetrachtung

1. Die Einleitung

Die vorliegende Studie mit dem Titel: „Film und Filmsprache- eine multimediale Studie“, stellt den theoretischen Rahmen eines Praxisprojektes dar. Die anhand den theoretischen Vorgaben dieser Diplomarbeit parallel entstandene virtuelle Lernumgebung, wurde in Form eines Online-Kurses exemplarisch umgesetzt. Der konzeptionelle, didaktische und theoretische Aufbau dieses E-Learningangebotes, ist in der vorliegenden Studie detailliert dargestellt. Diese Diplomarbeit kann als Leitfaden zur Konzeption von E-Learningangeboten angesehen werden. Ein solcher Leitfaden für die Umsetzung multimedialer und virtueller Lernumgebungen ist für Pädagogen unerlässlich, denn Wissen, das durch Medien erworben wurde bleibt „leer“, wenn es keine Anbindung an den Erfahrungshorizont der Lernenden hat. Mit einer entsprechenden Didaktik kann der Pädagoge solchen Lernprozessen entgegenwirken. Um das didaktische Potenzial der neuen Medien nutzen zu können, ist eine fundierte fachliche Qualifikation notwendig.1 Eine ausreichende Medienkompetenz alleine reicht hier nicht aus, ergänzend sind didaktisches, anwendungsorientiertes und inhaltliches Wissen gefordert. Deshalb gehe ich in der vorliegenden Ausarbeitung der Frage nach den Kriterien zur Erstellung professionalisierter E-Learning Angebote nach.

Welche Aspekte sind für die Erstellung von E- Learningangeboten zu beachten?. Welche didaktischen Besonderheiten sind zu bedenken?

Ich habe mich für die Bearbeitung dieser Themenstellung entschieden, da es in E-Learningangeboten nicht selten an der nötigen Professionalität mangelt. Die starke inhaltliche und praxisorientierte Ausrichtung dieser Studie, soll die Anwendungsorientierung des betreffenden Sachgebietes unterstützen und zur praktischen Nachahmung motivieren. Die konkrete inhaltliche Konkretisierung auf filmanalytische Parameter, soll Lesern gleichzeitig die Möglichkeit zur Stärkung ihrer Kompetenzen im Medienbereich eröffnen. Die Stärkung der medienbezogenen Kompetenzen von Pädagogen und Nicht- Pädagogen, erachte ich als bedeutendes Ziel unseres Bildungssystems. Aus diesem Grunde wurde diese Studie als eine multimediale Studie konzipiert und kann auch multimedial genutzt werden. Da ich nicht, die Vor und Nachteile von E- Learning, auf rein theoretischer Ebene betrachten möchte, sondern auch die Vorteile dieser Lernform integrieren möchte möchte, werden Aspekte dieser Arbeit auch im Online-Seminar dargestellt. Das Online-Seminar kann als anwendungsorientierter Leitfaden zur Erstellung von virtuellen Lernumgebungen genutzt werden (Selbstlernstudie zu Erstellung von E.-Learning Kursen) Aufgrund der umfangreichen Aspekte, die bei der Erstellung von E-Leraningangeboten zu beachten sind, habe ich die vorliegende Studie in drei Teile untergliedert. Einen theoretischen Teil, einen didaktischen Teil und einen praktisch orientierten Teil2. Die didaktische Ausrichtung der bereits teilweise realisierten praktischen Arbeit, orientiert sich an der konstruktivistischen Lernphilosophie. Unterrichten wird aus dieser Sicht als Anregen, Beraten und Unterstützen aufgefasst. Die internetbasierte Lernumgebung soll den Gestaltungsaspekten des Konstruktivismus gerecht werden und gleichermaßen Lernenden einen selbstgesteuerten Wissenserwerb in aktiven, situierten und sozialen Lernprozessen ermöglichen. Selbstgesteuerter Wissenserwerb bedeutet das Lernende: Das Wann, Wo, Wie und Woraufhin des Lernens, gravierend und folgenreich selbst bestimmen können (vgl. Weinert 1982). Innerhalb dieses Kontextes richtet sich der konzeptionelle Aufbau des virtuellen Lernangebotes nach keinem vorliegenden Instruktionsmodell oder didaktischen Design, vielmehr orientiert sich meine didaktische Vorgehensweise an verschiedenen Lernformen und didaktischen Designs. Diese didaktischen Aspekte möchte ich vorab Stichpunktartig erläutern. Die Realisation der Lernumgebung ist durch folgende Aspekte geprägt:

- Das Wissen wird in authentischen Situationen vermittelt
- Lernende werden motiviert sich aktiv mit dem Lernstoff auseinanderzusetzen
- Lernstoff wird in verschiedenen Zusammenhängen und Situationen präsentiert
- Die Zusammenarbeit und der Austausch der Lernenden wird ermöglicht und individuelle Betreuung garantiert.
- Den Lernenden wird kein vorgefertigter Lernweg aufgezwungen: Lernzeit, Lerndauer und Lerntempo können von den Lernenden selbst bestimmt werden.

Konzeptionelle Schwerpunkte meiner E-Learningumgebung stellen ergänzend die Motivationsförderung, die Autonomieförderung, die Förderung des kommunikativen Austausches und die Motivation zur Gruppenarbeit und Anwendungsorientierung dar.

1.1. Der gegenwärtige Entwicklungsstand von E-Learning

Mit dem Boom des "World Wide Web" hat die Nutzungsmöglichkeit des Internet als Ausbildungswerkzeug und Lernwerkzeug global für Aufsehen gesorgt und das Interesse im Bildungs- und Wissenschaftsbereich geweckt. In ganz Deutschland entstehen derzeit virtuelle Hochschulen zum Beispiel der virtuelle Campus Rheinland-Pfalz. Die Entwicklung dieser neuen Möglichkeiten vollziehen sich rasend schnell, neue Medien und Kommunikationsmöglichkeiten entstehen, die man im Bildungsbereich nutzen kann. Leistungsstärkere Computer sowie schnellere Datennetze werden die Entwicklung auch noch weiter vorantreiben. Zahlreiche Professoren an Hochschulen und Lehrer haben sich bereits der Aufgabe gestellt virtuelle Klassenzimmer aufzubauen und immer mehr Schulen werden vernetzt, um die Möglichkeiten des Electronic-Learning für alle Schüler und Studenten nutzbar zu machen.3 Neue Technologien, Märkte und ein schnellerer Wandel des Arbeitsmarktes stellen uns vor die Herausforderung, Wissen ständig zu aktualisieren. Wer hier mithalten will, kann sich nicht auf dem einmal gelernten ausruhen. Deshalb wächst der Stellenwert von Bildung in unserer Gesellschaft ständig. Auch die Qualifizierung älterer wird immer wichtiger, denn aufgrund der demografischen Entwicklung kann man auf die Weiterentwicklung des Wissenstandes älterer Menschen in absehbarer Zeit nicht mehr verzichten. Die globalen Veränderungen unserer Gesellschaften erfordern ein lebenslanges Lernen ihrer Mitglieder. Lebenslanges Lernen setzt aber die Fähigkeit zu selbstgesteuertem Lernen voraus, die Fähigkeit Weiterbildung selbstständig zu steuern und zu organisieren. Diese Veränderungen erfordern die Weiterentwicklung unseres Bildungssystems, das sich der Aufgabe der Weiterbildung als Grundbedürfnis für alle Bürger stellen sollte. „Wir müssen unser Bildungssystem insgesamt leistungsfähiger machen, indem wir es zu einer „lernenden Organisation“ umgestalten“. Dieses Zitat stammt von Edelgard Buhlmann und war Teil dessen Eröffnungsrede auf der Bildungsmesse in Hannover. In einer Zeit in der die Notwendigkeit des lebenslangen Lernens immer wieder propagiert wird, passt eine Lernform die scheinbar komplett zeit- und ortsunabhängig ist genau ins Bild. Seit einigen Jahren ist E- Learning als das Zukunftslernkonzept in aller Munde, denn immer noch haben nicht alle Menschen die gleichen Zugangsmöglichkeiten zu Weiterbildung. Wenn wir “lebenslanges Lernen“ für alle ernst nehmen wollen, müssen wir eine soziale Ausgrenzung angesichts steigender Qualifikationsanforderungen verhindern. Das Lernen in virtuellen Lernumgebungen ermöglicht Weiterbildung für alle.4 Gut ausgebildete Menschen sind das Kapital unserer Gesellschaft und das Tor zum Erhalt unseres Wohlstandes. Ein Bildungssystem, das alle Menschen fundiert aus und weiterbildet und auf zukünftige Herausforderungen vorbereitet ist in Deutschland unerlässlich. Die zentrale Frage des 21 Jahrhunderts wird die Bildung sein. Bildung in einer neuen Form und erweiterten Definition. Es wird darauf ankommen, nicht nur neue Techniken der Bildung wie etwa das E-Learning, sondern auch neue Kulturtechniken zu erlernen und zu vermitteln.5 In Diskussionen der vergangenen Jahre entstand zunehmend der Eindruck, dass E-Learning lediglich ein wirtschaftliches Produkt sei. E-Learning ist aber in erster Hinsicht ein Bildungswerkzeug. Bund und Länder haben in der Entwicklung und Implementierung von E-Learning stark investiert, meist in die Erforschung von E-Learning. Jedoch ist E-Learning in staatlichen Konzepten der Bildung noch nicht ausreichend implementiert. Weder bei der Lehrerausbildung, noch in aktuellen Curricula der Sekundarstufe 1 und 2. Unsere Gesellschaft entwickelt sich zu einer Wissensgesellschaft, in welcher Internet und Kommunikationssyteme mehr und mehr in den Alltag. integriert werden. E-Learning bietet die erweiterte Möglichkeit der Vermittlung von Fach und Medienkompetenz. Während noch vor einigen Jahren das Potential von E-Learning dem des klassischen Präsenz- Weiterbildungsmarktes gleichgesetzt wurde, haben sich diese Hoffnungen inzwischen relativiert, denn E-Learningangebote konnten aufgrund zahlreicher Probleme den Stellenwert von Präsenzweiterbildungsangeboten bisher nicht erreichen.6

Insbesondere Probleme, Ablehnung und Schwierigkeiten der Lernenden innerhalb dieser Lernform führten oftmals zur generellen Ablehnung von computerunterstüztem Lernen. Vielfach brachten E-Learner wenig Erfahrung mit selbstgesteuertem Lernen und Eigenverantwortung mit, waren verunsichert und frustriert. Um diesen negativen Erfahrungen entgegenzusteuern bedarf es einer intensiven, tutoriellen Betreuung und eines guten didaktischen und pädagogischen Konzeptes. Dies konnte jedoch in vielen E-Learning Angeboten nicht vorgewiesen werden7 Aus diesem Grunde werde ich mich in dieser Arbeit intensiv mit den theoretischen Grundlagen und Anforderungen virtuellen Lernens auseinandersetzen.

1.1.1 Definition E-Learning

In der Literatur kursiert eine Vielzahl von Definitionen des Begriffes E-Learning. Diese unterscheiden sich in Ihrer Aussage zum Teil erheblich. Es gibt somit keine einheitliche, wissenschaftliche Definition des Begriffes E-Learning. Ein Grund dafür, weshalb keine einheitliche Definition existiert ist z. B. die Tatsache, dass es sich bei E-Learning noch um einen relativ jungen Begriff handelt. Außerdem stammt der Begriff aus der Praxis, in welcher er für sich stark unterscheidende Dienstleistungen und Informationssysteme verwendet wird. Ein weiterer Grund ist die ständige Weiterentwicklung von Konzepten und Technologien des E-Learnings, welche sich zum aktuellen Zeitpunkt noch mit einer hohen Geschwindigkeit vollzieht.8 Das unterschiedliche Begriffsverständnis von E- Learning findet man auch in der Literatur wieder. Einige Autoren definieren E-Learning als computerunterstüztes, netzgestüztes Lernen oder auch als informelles elektronisch gestützte Lernen. Im engeren Sinne kann es als der Einsatz von Lernmedien und Lernplattformen verstanden werden, im weiteren Sinne als IT-basiertes Lernen mit dem Medium Internet.9 Minas dagegen stellt eine Vielzahl von Definitionen gegenüber und leitet aus den in allen bzw. den meisten Definitionen verwendeten Aspekten eine eigene Definition des Begriffes E-Learning ab. Diese Definition lautet: ”E-Learning sind Systeme, die zeit- und ortsunabhängig Lerninhalte mittels digitaler Medien an Gruppen und Individuen vermitteln.“10 Im Gegensatz zu der Mehrzahl der publizierten Definitionen verwendet Minas nicht den Begriff netzwerkbasierte Technologie sondern den Begriff digitale Medien. Diese Erweiterung des E-Learning Begriffes auf weitere Medien wird auch von anderen Autoren geteilt. Man kann E-Learning somit als Synonym für eine Vielzahl von medienbasierten Lern- und Lehrformen bezeichnen.11 Allen Begriffsbestimmungen gemein ist der Einsatz von elektronischen Medien in der Lehre z. B. computerbasierte Trainingsprogramme, Internet oder Videos. Lernende steuern und organisieren bei dieser Form der Wissensvermittlung ihre Lernprozesse selbst. Daher trifft auch die Beschreibung „selbstgesteuertes Lernen“ zu, die Benikowski/Kutz verwenden.12 Damit selbstgesteuertes Lernen mit elektronischen Medien positive Erfolge zeigt, müssen allerdings vielfältige Voraussetzungen sowohl beim Lernenden als auch in der Lernumgebung gegeben sein.

1.1.2 Erforderliche Vorraussetzungen für E-Learning

Für ein effektives und erfolgreiches E-Learning ist eine Vielzahl von Voraussetzungen nötig. Sind diese nicht gegeben, kann es im Extremfall sogar vorkommen, dass die Hälfte der Teilnehmer einer E-Learning-Maßnahme den Kurs abbricht. Grund ist oft eine Überforderung, da die E-Lerner die erforderliche intrinsische Motivation nicht aufbringen konnten.13 Einen erheblichen Anteil am Gelingen von E-Learning ist die Selbstlernkompetenz des Lernenden. Er muss Eigeninitiative entfalten und sich aktiv den Lernmaterialien zuwenden, da kein Lehrer die Bearbeitung des Lernstoffs initiiert und kontrolliert. Die Lernvermittlung muss der Lernende selbst steuern, indem er Form und Intensität individuell wählt. Die Lernumgebung muss ebenfalls vom Lernenden eigenständig gestaltet und organisiert werden. Er bestimmt für sich persönlich, wann und wo er lernt. Der Lernende muss zudem eine positive Einstellung zum Computer und dem Einsatz neuer Software mitbringen, sowie eine gewisse Medienkompetenz. Er soll dabei nicht nur den Computer fachgerecht bedienen, sondern auch geeignete Medien kritisch beurteilen und auswählen können. Was für alle traditionellen Lernformen bezüglich der Motivation gilt, ist auch beim Lernen mit elektronischen Medien nicht zu vernachlässigen: Nur wenn der E-Learner für sich einen persönlichen Nutzen im erfolgreichen Abschluss einer „e“- Trainingsmaßnahme sieht, wird er das nötige Durchhaltevermögen auch in schwierigen Phasen entwickeln.

Die Anforderungen, die an einen E-Lerner gestellt werden, beinhalten u. a.:

- Eigeninitiative und Fähigkeit zur Selbstmotivation
- Eigenverantwortung in Bezug auf Lernverlauf und Lernerfolg
- Selbstverantwortliches Planen und Organisieren des Lernens ¾ Auswahl passender Lernwege und -Strategien ¾ Selbstdisziplin
- Fähigkeit zum Setzen von Lernzielen

Nicht vergessen werden dürfen die notwendigen Investitionen in die technische Lerninfrastruktur (Hard- und Software) für ein funktionierendes Lernen mit elektronischen Medien. Ausstattung muss alle Komponenten und Eigenschaften, die das reibungslose Ablaufen von elektronischen Lernmedien gewährleisten( wie bspw. ausreichende Speicherkapazität und Rechnerleistung oder eine Soundkarte zum Abspielen von Audiodateien und Videosequenzen ) enthalten14

1.1.3 Die Vorteile von E-Learning

Trotz dieser umfangreichen Voraussetzungen, die für das Lernen mit elektronischen Medien gegeben sein müssen, bietet diese Lernform auch unübersehbare Vorteile. In Abschnitt 1.2.1 wurde erläutert, dass E-Learning sich zur Vermittlung von Lerninhalten digitaler Medien bedient. Aufgrund dieser Tatsache besitzt es einige nutzbringende Eigenschaften, welche es von anderen Lehr- und Lernformen unterscheiden. Diese Eigenschaften sollen in diesem Abschnitt näher betrachtet werden. Die Verwendung der digitalen Medien ermöglicht eine höhere Flexibilität als herkömmliche Formen des Lernens. So kann der Lernende mittels WBT (Web Based Training) prinzipiell an Online- Seminaren in der gesamten Welt teilnehmen ohne dafür seinen Wohnort verlassen zu müssen. E-Learning ermöglicht somit eine wesentlich höhere örtliche Flexibilität als andere Lernformen.15 Neben der örtlichen Unabhängigkeit bringt E-Learning auch eine größere zeitliche Flexibilität mit sich. Zwar kann eine extern vorgegebene Zeit für einen Lernprozess (z. B. durch ein vorgegebenes Prüfungsdatum) nicht verlängert werden, E- Learning ermöglicht es jedoch die Zeit innerhalb eines so bestimmten Zeitraumes flexibel zu gestalten. So ist es etwa beim E-Learning nicht nötig, dass Tutor und Lernende zeitlich synchron arbeiten. Ein Tutor kann beispielsweise einen Kurs vorbereiten und online stellen. Dieser kann dann von den Lernenden zu einem beliebigen, späteren Zeitpunkt abgerufen werden.16 Diese zeitliche und örtliche Flexibilität ermöglicht vor allem in der Erwachsenenbildung neuen Personenkreisen die Teilnahme an Lehrveranstaltungen. So können beispielsweise auch Alleinerziehende und Schichtarbeiter an solchen Veranstaltungen teilnehmen, da sie die Lerninhalte von einem beliebigen Ort bzw. zu beliebiger Zeit abrufen können.17 Auch die Gestaltung des Lernens ist beim E-Learning flexibel anpassbar. So bietet heutige Lernsoftware dem Lernenden die Möglichkeit den Lernweg individuell an die eigenen Bedürfnisse anzupassen. Durch E-Learning wird das Lernen also unabhängig von Ort und Zeit. Zwar ist dieser Vorteil nicht ganz neu, schließlich kann der Lernende auch mit Hilfe eines Buches entscheiden, wann und wo er lernen will. E-Learning am Arbeitsplatz bietet darüber hinaus jedoch die Möglichkeit, das erworbene Wissen direkt anzuwenden. Durch diese Praxisnähe wird problemorientiertes Lernen erreicht.18 Der E-Lerner wird bei der Lösung berufspraktischer Probleme unterstützt. Dabei sind oft Praxisbeispiele in den Lernstoff integriert, was die Problemorientierung noch verstärkt. Auch vorteilhaft bei der Nutzung von E-Learning ist die flexible Anpassung und Gestaltung des Lernens. So bietet heutige Lernsoftware dem Lernenden die Möglichkeit den Lernweg individuell an die eigenen Bedürfnisse anzupassen. Der Lernende kann selbst wählen, in welcher Reihenfolge er den Lernstoff vermittelt haben möchte. Außerdem kann er über die Präsentationsform der Informationen (Text, Grafiken, Video, etc.) gemäß seinen Vorlieben entscheiden. Ein weiteres Kriterium in dem sich Lernende oft unterscheiden ist das Lerntempo. Auch hier bieten sich dem Anwender von E-Learning Möglichkeiten der individuellen Anpassung. So kann er beispielsweise selbst bestimmen, ob er ein bestimmtes Thema nochmals wiederholen möchte, bevor er mit dem nächsten Thema beginnt. Außerdem kann er über Hyperlinks zu vorhergehenden Themen zurückspringen, um sich das dort Vermittelte ggf. nochmals in Erinnerung zu rufen.19 Neben einer solchen Individualisierung besitzt E-Learning auch das Potential zur Kollektivierung von Lernprozessen. Ein vernetztes E-Learning-System kann dabei z. B. als Infrastruktur zum Austausch von gewonnenen Erkenntnissen sowie geeigneten Lernwegen zur Erschließung eines Themas dienen. Die Ergebnisse eines Lerners werden also über das Netzwerk auch anderen Lernern oder Tutoren zugänglich gemacht. Diese können die Ergebnisse dann reflektieren, selbst weiterverwenden und dem Lernenden ggf. weitere Denkanstöße geben. In den weiter oben bereits angesprochenen Umfragen wurde die im E-Learning erforderliche selbständige Wissensaneignung ebenfalls als Vorteil des E-Learning gesehen. Die Anwender schätzen die ihnen dadurch gewährten Freiräume. Außerdem ermöglicht E- Learning prinzipiell mehr Leuten die Teilnahme an Fortbildung als z. B. Präsenzveranstaltungen. Ein weiterer Punkt sind die beim E-Learning nicht mehr anfallenden Reisekosten, da E- Learning wie oben beschrieben die ortsunabhängige Vermittlung von Lerninhalten ermöglicht.20

1.2 Formen des E-Learning

Der Oberbegriff E-Learning als Gesamtheit aller elektronisch unterstützten Lernformen kann zunächst weiter differenziert werden in online- oder netzbasiertes Lernen und offline oder netzunabhängiges Lernen. Unterscheidungsmerkmal ist hier also eine Verbindung zum Internet oder Intranet.21 Zudem ist es möglich, nach der Anzahl der Teilnehmer zu differenzieren: E- Learning kann von einem einzelnen Teilnehmer oder in Zusammenarbeit mit anderen Lernenden (kooperatives Lernen) durchgeführt werden.

1.2.1 Computer-Based-Trainings

Hauptanwendungsfall des offline-Lernens ist das Computer- Based-Training (CBT), das die älteste Form des E-Learning darstellt.22 Es entwickelte sich aus mechanischen Lernmaschinen. Wurden zunächst Disketten zur Lernvermittlung eingesetzt, so ist heute der Einsatz von CD-ROM- oder DVD- basierten Lernprogrammen üblich. Eine Merkmalsausprägung der CBT-Programme ist, dass sie eigenständige Anwendungen sind.23 Nach dem Starten der Lernsoftware erhält der Lernende Informationen über die Bedienung des Programms und die Programmoberfläche. Anschließend kann er sich entweder mit den einzelnen Lerneinheiten der Reihenfolge nach befassen oder direkt eine ausgewählte Einheit bearbeiten. Die einzelnen Einheiten setzen sich zusammen aus einer Präsentation des Lerninhalts, Übungsaufgaben zum neu erworbenen Wissen und einem detaillierten Feedback des Programms. Der Lernende kann sich so zunächst Wissen aneignen und dieses anschließend in einer Anwendungssituation einsetzen. Zum Abschluss weist das Programm auf eventuelle inhaltliche Lücken hin und zeigt, in welchem Abschnitt des CBT diese behoben werden können. Beim CBT handelt es sich um selbstbestimmtes, d.h. zeit- und ortsunabhängiges Lernen, wodurch es stark dem Arbeiten mit einem Lehrbuch ähnelt. Jedoch enthält es interaktive Komponenten, der Möglichkeit Eingaben zu machen und Auswahlen zu treffen. Der Lernende kann so individuell auf den Ablauf des Lernprozesses Einfluss ausüben. CBT wird hauptsächlich zur Vermittlung von Faktenwissen angewandt, wobei durch den modularisierten Aufbau eine just-in-time Wissensvermittlung ermöglicht wird

1.2.2 Web-Based-Training

Die breite Verfügbarkeit von Internet und die technische Ausstattung mit schnellen Rechnern macht eine Nutzung des WWW auch als betriebliches, universitäres oder schulisches Lernmedium möglich.24 So waren im Jahr 2003 bereits 52 Prozent der Bundesbürger über 14 Jahren online.25 Online- Lernen oder netzbasiertes Lernen, wie das Web-Based-Training (WBT) auch genannt wird, ist eine Form der elektronischen Wissensvermittlung, die auf computerbasiertem Training basiert.26 Es unterscheidet sich jedoch vom CBT sowohl in technischer als auch in methodisch-didaktischer Hinsicht.27 Technisch unterscheiden sich diese beiden Formen des E- Learning darin, dass Web-Based-Trainings nicht wie Computer- Based-Trainings eigenständige Anwendungen sind, die die Lernenden mit Hilfe von CD-ROM oder DVD zeit- und ortsunabhängig bearbeiten können. Beim netzbasierten Lernen benötigt der E-Lerner stets einen Internetzugang, da die Anwendungen zentral bei einem Bildungsanbieter auf einem Web-Server liegen und nach Anmeldung abgerufen werden können. WBT wird auch netzgebundenes Lernen genannt, da der Lernende während des gesamten Bearbeitungsprozesses in Kontakt mit dem Web-Server steht. Ein großer Vorteil des netzbasierten Lernens gegenüber compueterbasiertem Lernen ist die Möglichkeit, Informationen aus dem Internet in die E- Learning Seminare zu integrieren.28 Damit sind die vielfältigsten Inhalte beruflicher Qualifizierung oder Weiterbildung die im Internet frei verfügbar sind, für jeden Lernenden zugänglich. Das hat doppelten Nutzen: Zum einen werden dadurch auch benachteiligte Zielgruppen erreicht, die bisher an konventionellen Qualifizierungsmaßnahmen wie Präsenzschulungen kaum teilnehmen konnten (wie z. B. Alleinerziehende, Eltern mit Doppelbelastungen, Mitarbeiter in Wechselschicht oder Außendienstmitarbeiter).29 Zum Anderen ist durch das Inter- oder Intranet eine Aktualität möglich, die von keinem klassischen Lernmedium erreicht wird, da bspw. Im Gegensatz zu herkömmlichen Medien der zeitliche Aufwand für Änderungen und Produktion entfällt. In methodisch-didaktischer Hinsicht unterscheidet sich WBT durch die Option, dass mehrere Lernende in Lerngruppen zusammenarbeiten können und tutoriell betreut werden können.30 Beim CBT sind die E-Lerner jeweils auf sich allein gestellt, wohingegen beim netzbasierten Lernen die Wissensvermittlung so gestaltet werden kann, dass zwei oder mehr Lernende gleichzeitig gemeinsam dasselbe Lernprogramm bearbeiten. Dabei sind sie völlig voneinander ortsunabhängig und können auf der ganzen Welt verteilt sein. Dieses so genannte kooperative Lernen ermöglicht Synergieeffekte beim Lernenden: Der Lernende lernt nicht mehr nur den zu vermittelnden Lernstoff an sich, sondern profitiert auch vom Wissen des Lernpartners. Das Internet kann zudem als Nachschlagewerkzeug genutzt werden, indem unter den FAQs (Frequently Asked Questions) Definitionen, Erklärungen oder weiterführende Informationen aufgerufen werden können. So kann der E-Lerner schnell und einfach einen Überblick über neue Themengebiete erhalten. Chats stellen einen wesentlichen Teil der Online-Kurse dar. Über Chats können die Teilnehmer synchron über die Tastatur in einem virtuellen Raum miteinander „sprechen“, so ist nicht nur eine direkte Diskussion von Fragestellungen möglich, sondern es entstehen dadurch zusätzliche gruppendynamische Effekte. Zudem können durch Videokonferenzen Kommunikationseffekte entstehen die einer face to face Kommunikation ziemlich nahe kommen. Oftmals wird das Fehlen einer face to face Kommunikation als Hauptkritik der Lernberatung über das Internet angeführt. Durch das Einführen von Videokonferenzen, wie sie heute durch eine große Auswahl von Programmen einfach zu realisieren ist dieser Nachteil etwas zu kompensieren.

1.2.3 Virtuelle Seminare

Virtuelle Seminare kombinieren die Vorteile des mediengestützten Lernens mit den Vorteilen von Präsenzveranstaltungen.31 Wie bei CBT und WBT auch, ist es möglich größere Zielgruppen über ein Lernmedium zu erreichen und die Schulung sowohl zeitnah als auch relativ preiswert zu gestalten. Gleichzeitig besteht die Möglichkeit der direkten Kommunikation zwischen Lehrendem und E-Lerner. Der Dozent kann Verständnisfragen stellen und die Teilnehmer können ihrerseits Ungeklärtes durch Rückfragen an den Trainer beseitigen. Der Ablauf eines virtuellen Seminars beginnt mit der guten Vorbereitung des Lerninhalts und des digitalen Anschauungsmaterials wie z. B. Bilder, Folien, Videosequenzen durch den Lehrer, der das virtuelle Seminar zusammenstellt. Er kann sich dabei am Wissensstand der Teilnehmer orientieren und das Seminar dementsprechend gestalten.32

1.3 Das Auftreten von Schwierigkeiten in E-Learningumgebungen

Das Lernen mit elektronischen Medien ist an und für sich jedoch noch kein Garant für einen positiven Lernerfolg. Wie bereits weiter oben erwähnt, sollten für ein erfolgreiches E-Learning zahlreiche Voraussetzungen erfüllt sein. E-Learning fordert sehr viel von den Lernenden, aber auch von den Lehrern und im Falle der„E“-gestützten Weiterbildung kann es zu teils erheblichen Schwierigkeiten kommen. Grundsätzliche Probleme entstehen beim E-Learning vor allem immer dann, wenn der Lernende Berührungsängste mit dem technischen Lernwerkzeug oder den neuen Lernmedien hat. Der Computer am Arbeitsplatz ist sicherlich nicht mehr wegzudenken, aber es bleibt offen, ob er dort nicht nur als ein Mittel zum Zweck angesehen wird. Es ist für viele Menschen ein großer Schritt, sich so mit dem Computer anzufreunden, um ihn auch über die täglichen Arbeitsaufgaben hinaus effektiv zur Weiterbildung zu nutzen.33

Erfahrungsgemäß klappt nicht immer alles auf Anhieb, insbesondere bei technisch aufwendigen Varianten wie z.B. der Videokonferenz. Lernende sollten deshalb nicht dem Gefühl des Alleingelassenwerdens ausgesetzt sein.34 Das Lernen mittels des Computers stellt andere Anforderungen an den Lernenden, als herkömmliche Lernformen. So ist neben der Kompetenz zur Bedienung der Programme außerdem eine besondere Sprach- und Lesekompetenz erforderlich. Im Präsenzunterricht können die Aussagen eines Tutors noch durch Mimik und Betonung unterstützt werden. Außerdem hat der Tutor durch den direkten Kontakt die Möglichkeit zu bemerken, warum eine bestimmte Erklärung nicht verstanden wurde. Daraufhin kann er diese in abgewandelter Form wiederholen. Solche Möglichkeiten gibt es beim E-Learning leider nicht. Hier muss der Lerninhalt überwiegend aus dem geschriebenen Wort erschlossen werden.35 In welcher Form die Lerninhalte am besten aufgenommen werden können, hängt vom Lerntypen des jeweiligen Lernenden ab. Im E-Learning werden die unterschiedlichen Lerntypen (auditiv, visuell, haptisch, abstrakt-verbal) gemäß der oben stehenden Erläuterung unterschiedlich gut unterstützt. Somit hängt auch der Erfolg eines Lernprozesses mit E-Learning stark von dem individuellen Lernstil des Lernenden ab. Neben der Bedien-, Sprach- und Lesekompetenz erfordert E- Learning vorallem Selbstdisziplin. Das Hohe Maß an Selbständigkeit beim E-Learning birgt nicht nur in zeitlicher Hinsicht die Gefahr der Überforderung des Lernenden. So fällt es Lernenden gerade zu Beginn der Erschließung eines Themas oft schwer sich für einen geeigneten Lernweg zu entscheiden oder zu ermitteln welche Informationen wichtig und welche weniger wichtig sind. Außerdem besteht das Risiko, dass der Lernende sich mit eventuellen Verständnisfragen alleingelassen fühlt.36 Die beschriebenen Probleme hängen vielfach mit der ungewohnten Lernkultur des E-Learning zusammen. So sind die meisten Leute aufgrund ihrer Schulzeit vor allem an die traditionelle Schülerrolle gewöhnt. Die für selbständiges Lernen erforderliche Selbslernkompetenz ist deshalb bei vielen noch nicht ausreichend entwickelt. Oftmals treten auch technische Probleme bei der Nutzung von E-Learning auf. Trotz oder gerade aufgrund der häufigen technischen Probleme findet in der Praxis eine Betrachtung des E-Learning vor allem unter technischen Gesichtspunkten statt. So versuchen die Hersteller von E-Learning-Software mit Ihren Programmen die technischen Möglichkeiten immer weiter auszureizen. Didaktisch sinnvollen Methoden und den tatsächlichen Bedürfnissen der Lernenden wird dabei kaum Beachtung geschenkt.37

Die Folge ist Software, welche zwar technologisch auf dem neusten Stand ist, jedoch pädagogisch eher antiquierte Konzepte verfolgt. Die mangelhafte pädagogische Aufbereitung ist auch der Grund dafür, warum die Qualität von E-Learning-Software in Umfragen teilweise als nicht ausreichend bezeichnet wird.

1.4 Das Dilemma der Motivation

Ein ebenfalls häufig im Laufe von E-Learning Projekten auftretendes Problem ist die mangelnde Motivation der Benutzer. Das mit viel Aufwand aufgesetzte E-Learning-System wird nur selten oder sogar gar nicht von den Teilnehmern genutzt.38 Die mangelnde Akzeptanz und Nutzung beschränkt sich meist nicht nur auf die Lernenden sondern zeigt sich auch beim Bildungspersonal. Die Gründe hierfür sind vielfältig und wurden teilweise schon in den vorhergehenden Abschnitten angedeutet. Eine nicht zu unterschätzende Ursache der Demotivation ist sicherlich die moderne Technik für E-Learning. Die Bedienung dieser Technik stellt insbesondere für die etwas ältere Teilnehmer noch keine Selbstverständlichkeit dar. Vielfach kommt es deshalb sowohl bei den potentiellen Lernern als auch beim Bildungspersonal zu Versagensängsten. Das Resultat ist entweder ein vollkommener Boykott oder die ständige Kritik des neuen Lernmediums.39 Eine solche negative Einstellung von bestimmten Teilnehmern kann sich leicht auch auf andere Teilnehmer übertragen. Im vorherigen Abschnitt wurde bereits angesprochen, dass E-Learning ein hohes Maß an Eigeninitiative erfordert. Dem Lernenden müssen demnach Anreize geboten werden, damit er sich selbst zum Lernen motiviert. In diesem Zusammenhang kommt aber auch der Gestaltung des Lernstoffes eine besondere Bedeutung zu. Der Stoff und seine Präsentation alleine müssen den Lernenden fesseln. Denn ein Tutor hat weniger Möglichkeiten z.B. durch seine Begeisterung für externe Motivation bei den Lernenden zu sorgen.40 E-Learning ohne Betreuung der Lernenden wird nicht die erhofften Erfolge bringen, da laut Untersuchungen nur fünf Prozent der Menschen über eine hohe Eigenmotivation und eine grundsätzliche

[...]


1 vgl. Pietraß, Manuela (2005), S.1

2 Praxisteil: Unter http://ecampus.uni-kl.de (Login: nat.kunz Passwort: joelchen1002), einsehbar

3 vgl. www. rfg.fr.bw.schule.de

4 vgl. Ulf-Daniel Ehlers/Wolfgang Gertleis (2003), S.15

5 vgl. Ulf-Daniel Ehlers/Wolfgang Gertleis (2003), S.21f.f

6 vgl. Ulf-Daniel Ehlers/Wolfgang Gertleis (2003), S.447 f.f

7 vgl. Ulf-Daniel Ehlers/Wolfgang Gertleis (2003), S.300

8 Vgl. Minas, E. (2002), S. 23

9 Vgl. Mohr, H. / Scheu, F. (2003), S. 153

10 Vgl. Minas, E. (2002), S. 27

11 Vgl. Fischer, M., u. a. (2003), S. 3; Littig, P. (2002), S. 9

12 Vgl. Benikowski, B. / Kutz, S. (2003), S. 56

13 Vgl. Payome, T. (2002), S. 46

14 Vgl. Ackermann, K. (2003), S. 77 f

15 Vgl. Fischer, M., u. a. (2003), S. 10

16 Vgl. Minas, E. (2002)

17 Fischer, M., u. a. (2003), S. 10

18 Vgl. Lang, N. (2002), S. 32 ff

19 Vgl. Fischer, M., u. a. (2003), S. 11

20 Vgl. Harhoff, Küpper, Markart (2002); Littig, P. (2002), S. 26

21 Vgl. Jäger, W. (2001), S. 374

22 Vgl. Dittler, U. (2002), S. 27

23 Vgl. Dittler, U. (2002), S. 30

24 Vgl. Dittler, U. (2002), S. 163

25 Vgl. Sauter, (2004), S. 8

26 Vgl. Jäger, W. (2001), S. 374

27 Vgl. Dittler, U. (2002), S. 163

28 Vgl. Reglin, T. (2003), S. 40

29 Vgl. Lowack, W.-R. (2002), S. 163

30 Vgl. Dittler, U. (2002), S. 164

31 Vgl. hierzu und zum Folgenden Dittler, U. (2002), S. 217

32 Vgl. Reglin, T. (2003), S. 39 f u. Vgl. Boxberg, O. (2003), S. 72

33 Vgl. Ackermann.K.(2003), S.77

34 Vgl .Ulf-Daniel Ehlers/Wolfgang Gertleis (2003), S.314

35 Vgl. Fischer (2003) S.7f

36 Fischer,M u.a (2003),S.12, Littig P.(2002). S.54f

37 Vgl. Littig, P. (2002), S. 59

38 Vgl. Littig, P. (2002), S. 44f.

39 Vgl. Fischer, M., u. a. (2003), S. 8f.

40 Vgl. Eichler, S. (2003)

Ende der Leseprobe aus 94 Seiten

Details

Titel
Film und Filmprache ein Thema der Lehrerfortbildung - eine multimediale Studie
Hochschule
Universität Koblenz-Landau
Note
1,4
Autor
Jahr
2006
Seiten
94
Katalognummer
V55125
ISBN (eBook)
9783638501620
Dateigröße
658 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Die Arbeit splittet sich in theorethische Aspekte der Filmanalyse sowie den theoretischen Grundlagen des E-Learning.
Schlagworte
Film, Filmprache, Thema, Lehrerfortbildung, Studie
Arbeit zitieren
Natascha Kunz (Autor), 2006, Film und Filmprache ein Thema der Lehrerfortbildung - eine multimediale Studie, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/55125

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