Kommunikation ist ein zentraler Bestandteil unseres Lebens, ohne den jegliche soziale Interaktion undenkbar ist. Sämtliche Bereiche des Alltags werden auf unterschiedlichste Weise von Kommunikation tangiert. In zunehmendem Maße und in rasant steigendem Tempo werden wir sowohl im Berufs- als auch im Privatleben mit immer neuen und komplexer werdenden technischen Geräten und Technologien konfrontiert. Folge dieser Entwicklung ist ein stetig wachsender Kommunikationsbedarf zwischen Produzent und Anwender dieser Produkte. Bedienungsanleitungen übernehmen innerhalb dieser Technikkommunikation die bedeutende Rolle bei dem Versuch, das technische Know-how der Entwickler in für den Nutzer verständliche Informationen zu transferieren, die ihn beim Umgang mit dem technischen Gerät unterstützen.
Nicht selten wird jedoch Kritik an Anleitungen geübt, die sich insbesondere daraus begründet, dass wesentliche Informationen schwer aufzufinden und darüber hinaus auch häufig missverständlich formuliert sind. Zu dieser Problematik existiert bereits ein fundiertes Angebot an Literatur mit entsprechenden Leitlinien für eine Verbesserung dieser Situation. Dabei wird vor allem auf einzelne Aspekte der Gestaltung eingegangen, die zu einem besseren Gesamtverständnis führen sollen. Man stützt sich meist auf Erkenntnisse didaktischer Methoden und wahrnehmungspsychologischer Faktoren, wobei Untersuchungen zu einer zielgerichteten Wissenspräsentation in Form von Text und Bild hinsichtlich der Informationsaufnahme und -verarbeitung im Blickpunkt stehen.
Ausgangspunkt dieser Diplomarbeit waren nun Überlegungen, anstatt sprachliche und visuelle Bestandteile in Bedienungsanleitungen getrennt zu betrachten, diese als verknüpfte, interagierende Elemente zu begreifen, die gemeinsam handlungsorientierte Einheiten innerhalb der Anleitung bilden. Kriterium für eine Einteilung der Anleitung in diese Einheiten sind Bedienungskategorien, die sich an dem Nutzungsverhalten der Anwender technischer Geräte ausrichten. Entscheidendes Charakteristikum dieser Einheiten stellt ihre Struktur dar, welche sich aus sprachlichen und visuellen Elementen sowie Gliederungselementen zusammensetzt. Als gemeinsame Einheit bringen sie die jeweilige Kommunikationsabsicht zum Ausdruck, sodass diese Struktur als Anhaltspunkt für eine nutzerfreundliche Bedienungsanleitung fungieren kann.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Kommunikation und Technikkommunikation
2.1 Einführung in die Kommunikationstheorie
2.1.1 Definition: Kommunikation
2.1.2 Kommunikation in der Informationstheorie
2.1.3 Die menschliche Kommunikation
2.2 Technikkommunikation
2.2.1 Überblick
2.2.2 Technische Dokumentation
2.2.2.1 Form und Inhalt
2.2.2.2 Dokumentationsarten
2.2.2.3 Inhaltliche Struktur der Bedienungsanleitung
3 Semiotik – Zeichentheoretische Überlegungen
3.1 Einführung
3.1.1 Zeichen sind allgegenwärtig
3.1.2 Was sind Zeichen?
3.1.2.1 Das Semiotische Dreieck
3.1.2.2 Die zwei Seiten des Zeichens
3.2 Exkurs: Zeichenklassifikationen
3.2.1 Verbale, nonverbale und paraverbale Zeichen
3.2.2 Die Dreiteilung der Zeichen
3.2.2.1 Indexikalische Zeichen (Symptome)
3.2.2.2 Ikone
3.2.2.3 Symbole
4 Zeichen in Anleitungen – Drei Grundelemente
4.1 Gliederungsaspekte
4.1.1 Nummerierungen und Aufzählungen
4.1.2 Überschriften
4.1.2.1 Thematische Überschriften
4.1.2.2 Nicht-thematische Überschriften
4.1.2.3 Wirkung von Überschriften
4.1.3 Kapitelkennzeichnung
4.1.4 Mischformen
4.2 Visuelle Elemente
4.2.1 Einordnung der visuellen Zeichenarten
4.2.2 Visuelle Elemente in Bedienungsanleitungen
4.2.2.1 Kurzanleitungen und Installationsposter
4.2.2.2 Gerätebeschreibung
4.2.2.3 Instruktionsabbildungen
4.2.2.4 Beschreibende und erläuternde Abbildungen
4.2.2.5 Mischformen
4.2.3 Vorteile visueller Elemente
4.2.3.1 Bilder als Säule beim Aufbau mentaler Modelle
4.2.3.2 Verarbeiten und Verstehen von Bildern
4.2.3.3 Funktionen von Bildern
4.2.3.4 Beeinflussung der Bildrezeption
4.3 Sprachliche Elemente
4.3.1 Sprechakttheorie
4.3.1.1 Aufbau eines Sprechaktes
4.3.1.2 Sprechaktklassifikation
4.3.2 Repräsentative Sprechakte
4.3.3 Direktive Sprechakte
5 Resümee
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit verfolgt das Ziel, den strukturellen Charakter der sogenannten ‚Einheiten technischer Kommunikation‘ zu untersuchen, die sich aus den drei Grundelementen Gliederung, Grafik und Text zusammensetzen. Dabei wird die Forschungsfrage gestellt, inwieweit diese Struktur konsistent ist, wie die einzelnen Elemente interagieren und inwiefern sie zur Vermittlung der Kommunikationsabsicht beitragen, um als Orientierung für eine nutzerfreundliche Gestaltung von Bedienungsanleitungen zu dienen.
- Analyse der Interaktion zwischen visuellen und sprachlichen Elementen in Bedienungsanleitungen.
- Entwicklung und Definition des Konzepts der ‚Einheiten technischer Kommunikation‘.
- Untersuchung der Struktur und Kategorisierung von Gliederungs-, visuellen und sprachlichen Elementen.
- Evaluierung der Wirkungsweise und Funktionen von Darstellungs- und Steuerungscodes.
- Anwendung semiotischer Theorien auf die Gestaltung technischer Dokumentation.
Auszug aus dem Buch
3.2.2.1 Indexikalische Zeichen (Symptome)
Indexikalische Zeichen konnten bereits als jene Zeichen definiert werden, die in einem Folge-Verhältnis zu ihren Referenten stehen und die mithilfe kausaler Schlüsse interpretiert werden können. Lachen kann ein Symptom meiner Freude sein, raschelnde Blätter deuten auf Wind hin, Schneefall auf Kälte etc. Es handelt sich bei den indexikalischen Zeichen um eine sehr einfache Form der Zeichen, wie auch ein Blick in die Tierwelt zeigt. Auch Tiere können diese Art Zeichen erkennen und für sich interpretieren. Bewegen sich beispielsweise Grashalme an einer bestimmten Stelle, während es in der Umgebung ruhig ist, so kann dies Indiz für ein sich näherndes feindliches Tier sein oder es kann dem Räuber signalisieren, dass sich ein potentielles Beutetier im Umkreis aufhält.
Diese Beispiele lassen aber zugleich die Frage zu, ob es sich bei den Symptomen überhaupt um Zeichen handeln kann, wenn man in Betracht zieht, dass diese Zeichen ohne jede Intention einhergehen. Die Löwin beabsichtigt sicherlich nicht, ihrer Beute einen Hinweis darauf zu geben, dass sie gleich angreifen wird. Bei leblosen Dingen wie Rauch oder bei Pflanzen von Intention zu sprechen, schließt sich ohnehin von vornherein aus. Keller (1995) kommt in seiner Zeichenauffassung zu dem Schluss, dass Symptome, anders als Ikone und Symbole, eben weil sie nicht intentional verwendet werden keinen „Sender“ und demzufolge auch keinen Adressaten besitzen. Er kritisiert in diesem Zusammenhang auch die repräsentationistische Zeichentheorie, denn seiner Meinung nach stehen Symptome nicht für etwas anderes, sondern sie sind nur die Folge von etwas.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung stellt die Bedeutung von Kommunikation im Alltag und innerhalb technischer Geräte dar und definiert das zentrale Forschungsinteresse an ‚Einheiten technischer Kommunikation‘.
2 Kommunikation und Technikkommunikation: Dieses Kapitel erörtert kommunikationstheoretische Grundlagen, führt den Begriff der Technikkommunikation ein und ordnet Bedienungsanleitungen in den Kontext technischer Dokumentation ein.
3 Semiotik – Zeichentheoretische Überlegungen: Hier werden die Grundlagen der Zeichentheorie erläutert, wobei insbesondere die Beziehung zwischen Zeichen, Bezeichnetem und Zeichenbenutzer sowie die Klassifikation von Zeichen (Symptome, Ikone, Symbole) im Fokus stehen.
4 Zeichen in Anleitungen – Drei Grundelemente: Der Hauptteil analysiert die drei Grundelemente Gliederung, Grafik und Text in Bedienungsanleitungen und untersucht deren Zusammenwirken als homogene Einheiten innerhalb technischer Dokumentation.
5 Resümee: Das Resümee fasst die Ergebnisse zusammen und bestätigt, dass die ‚Einheiten technischer Kommunikation‘ als zentrale Konstrukte für die nutzerorientierte Gestaltung von Bedienungsanleitungen dienen können.
Schlüsselwörter
Kommunikation, Technikkommunikation, Bedienungsanleitung, Semiotik, Zeichen, Einheiten technischer Kommunikation, Gliederung, Visuelle Elemente, Sprachliche Elemente, Mentale Modelle, Instruktionsabbildungen, Sprechakttheorie, Technische Dokumentation, Gestaltung, Benutzerorientierung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, wie Bedienungsanleitungen als komplexe Kommunikationsmittel gestaltet sind und wie visuelle sowie sprachliche Elemente darin interagieren, um dem Nutzer Informationen effizient zu vermitteln.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die zentralen Themen umfassen Kommunikationstheorien, zeichentheoretische Grundlagen (Semiotik) und deren spezifische Anwendung auf die Struktur und Gestaltung von Bedienungsanleitungen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?
Das Hauptziel ist es, das Konzept der ‚Einheiten technischer Kommunikation‘ als strukturierte und interagierende Gesamtheit aus Gliederung, Grafik und Text zu definieren und deren Eignung für eine nutzerfreundliche Anleitungsgestaltung zu prüfen.
Welche wissenschaftliche Methode wird in dieser Arbeit verwendet?
Die Arbeit basiert auf eigenen Untersuchungen zahlreicher Bedienungsanleitungen, deren Ergebnisse systematisch analysiert und unter Berücksichtigung zeichentheoretischer und kommunikationswissenschaftlicher Ansätze kategorisiert wurden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung von Gliederungsaspekten, visuellen Elementen und sprachlichen Elementen als die drei maßgeblichen Grundbausteine einer Bedienungsanleitung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Die wichtigsten Begriffe sind Technikkommunikation, Bedienungsanleitung, Semiotik, Zeichen, Einheiten technischer Kommunikation sowie mentale Modelle und Sprechakte.
Warum spielt das Konzept der ‚Einheiten technischer Kommunikation‘ eine so wichtige Rolle?
Es dient dazu, Anleitungen nicht als bloße Aneinanderreihung von Textteilen, sondern als funktionale, nutzerzentrierte Einheiten zu verstehen, die den gesamten Kommunikationsprozess zwischen Produzent und Anwender steuern.
Welche Bedeutung haben die ‚Steuerungscodes‘ in der Arbeit?
Steuerungscodes, ob visuell oder sprachlich, sind entscheidend, um die Aufmerksamkeit des Lesers gezielt auf relevante Informationen zu lenken und so die Rezeption der instruktionalen Inhalte zu optimieren.
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- Frank Nestler (Author), 2006, Visuelle und sprachliche Aspekte in Technikkommunikation, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/55241