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Neoinstitutionalismus als Konfliktstrategie - Möglichkeiten und Grenzen von Institutionalisierungsverfahren der politischen Konfliktregelung

Title: Neoinstitutionalismus als Konfliktstrategie - Möglichkeiten und Grenzen von Institutionalisierungsverfahren der politischen Konfliktregelung

Scientific Essay , 2002 , 38 Pages

Autor:in: Alexander Siedschlag (Author)

Politics - Political Theory and the History of Ideas Journal
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Eine neoinstitutionalistische Perspektive kann zuallererst helfen, Konflikt wirklich als Aspekt von Politik zu begreifen und folglich mit seiner Regelung tatsächlich im politischen Prozeß anzusetzen (und Konfliktregelung nicht nur als ein Verhandlungsspiel, als Frage von Positionsveränderungen oder stabileren Interaktionsstrukturen bzw. der strukturellen Absicherung der Iteration von Einzelhandlungen zu ökonomisch effektiven, alle Seiten bevorteilenden Handlungsketten zu betreiben). Der hauptsächliche Wirkmechanismus von Konfliktregelung durch Institutionalisierung ist Konflikttransformation: die Veränderung der pejorativen Konfliktprozesse in weniger desintegrative Formen der Beziehungsregelung. Grundlegend für ihren Erfolg ist es, die besondere Qualität politischer Institutionalisierung zu berücksichtigen: Politische Institutionalisierung bedeutet die Umsetzung einer jeweils bestimmten Regelungsordnung mit bestimmten Leitideen und Prinzipien. Sie ist im Grundsatz gerade interaktionszentrierter Institutionalisierungsmodus, keine "Evolution der Kooperation" (Robert Axelrod). Leitideen, Prinzipen und politische Normen als solche kann man nicht intentional institutionalisieren; sie bilden vielmehr die Voraussetzung für Institutionalisierung.
[...]

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Institutionalisierung als Konflikttransformation

2. Allgemeine Dimensionen und Bedingungsfaktoren meliorativer Konflikttransformation

3. Vier Theoriemodelle und ihre Praxisverfahren

4. Institutionalisierung und Konfliktverlauf in politischen Praxisfällen

5. Zusammenfassung

Zielsetzung und Themen

Die Arbeit verfolgt das Ziel, den Neoinstitutionalismus als Konzept einer spezifischen Konfliktstrategie zu untersuchen und zu klären, unter welchen Voraussetzungen Institutionalisierung zu einer meliorativen Konflikttransformation beitragen kann, statt lediglich Konfliktverwaltung zu betreiben.

  • Analyse des Neoinstitutionalismus als politische Konfliktstrategie
  • Herleitung von vier Theoriemodellen politischer Institutionalisierung
  • Untersuchung von Praxisfällen der Konfliktregelung in Europa (OSZE, EU-Beitrittsprozesse)
  • Identifikation von Erfolgsbedingungen und Risiken institutioneller Ansätze

Auszug aus dem Buch

1. Institutionalisierung als Konflikttransformation

In zunehmendem Maße erstrecken sich die Neoinstitutionalismus-Debatten auch auf Fragen politischer Praxisprogramme der Konfliktregelung (ausführlich Siedschlag 2000). Konflikt ist für den Neoinstitutionalismus zwar von Anfang an ein bestimmendes Thema gewesen, jedoch eher in der Theorie, wie zum Beispiel in der Diskussion im Fach Internationale Politik über die Bestimmungsfaktoren und Erklärungsmodi von Kooperation zwischen rationalen Egoisten (Baldwin 1993; Kegley 1995; Ruggie 1993), in der Positiven Institutionentheorie und ihren Erklärungsmodellen zu politischer Konfliktregelung über strukturinduzierte Gleichgewichte (Shepsle 1989; Shepsle/Bonchek 1997), in der Policy-Foschung als Pfadabhängigkeiten aktueller politischer Verfahren und Entscheidungen der Konfliktbearbeitung von vorausgegangenen (Thelen/Steinmo/Longstreth 1992) oder in der konventionellen Institutional-Design-Forschung als Formenlehre effizienter Arrangements politischer Austauschbeziehungen (Goodin 1996). Ein demgegenüber neuer Trend ist Institutionalismus als das Konzept einer spezifischen, theoretisch begründbaren Konfliktstrategie.

In zahlreichen Beiträgen zu Fragen politischer Institutionalisierung bildet dieses Konzept von Neoinstitutionalismus als Konfliktstrategie mittlerweile einen durchgehenden Bezugspunkt, auch wenn es nirgends durchgehend ausgearbeitet wird: von Bemühungen um gesamtregionale "Institutionenpolitik" (König/Rieger/Schmitt 1997) und "democratic governance" für ein Gesamteuropa (March/Olsen 1995) bis zum Problembereich demokratischer Stabilisierung in Mittel- und Osteuropa (Cassel 1997; Elster/Offe/Preuss 1998; Heper/Kazancigil/Rockman 1997; Merkel/Sandschneider/Segert 1996; Plasser/Ulram/Waldrauch 1997).

Zusammenfassung der Kapitel

1. Institutionalisierung als Konflikttransformation: Dieses Kapitel führt in die Debatte des Neoinstitutionalismus ein und grenzt das Konzept der Institutionalisierung als bewusste Konfliktstrategie von rein theoretischen Betrachtungen ab.

2. Allgemeine Dimensionen und Bedingungsfaktoren meliorativer Konflikttransformation: Hier werden die theoretischen Voraussetzungen und Wirkmechanismen erläutert, die notwendig sind, damit Institutionalisierung erfolgreich zur konstruktiven Transformation von Konflikten beitragen kann.

3. Vier Theoriemodelle und ihre Praxisverfahren: In diesem Teil werden vier verschiedene Modelle politischer Institutionalisierung hergeleitet, die jeweils unterschiedliche Ansätze und Verfahren zur Bearbeitung von Konflikten verfolgen.

4. Institutionalisierung und Konfliktverlauf in politischen Praxisfällen: Das Kapitel analysiert anhand von realen Beispielen, wie die theoretischen Modelle in der politischen Praxis, insbesondere im europäischen Kontext, wirken und welche intendierten sowie kontraintuitiven Effekte sie hervorrufen.

5. Zusammenfassung: Die abschließenden Ausführungen resümieren die methodischen Vorteile des Ansatzes und stellen die zentralen Bedingungen für eine erfolgreiche Anwendung von Institutionalisierung als Konfliktstrategie zusammen.

Schlüsselwörter

Neoinstitutionalismus, Konflikttransformation, Konfliktregelung, Politische Institutionen, Institutional Design, Konfliktstrategie, Demokratisierung, Kooperation, Pfadabhängigkeit, Europäische Integration, Konfliktpotential, Institutionalisierung, Reflexive Institutionalisierung, Politikpraxis, Konfliktmanagement.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht, wie der Neoinstitutionalismus als politische Konfliktstrategie genutzt werden kann, um politische Konflikte nicht nur zu verwalten, sondern sie durch Institutionalisierungsprozesse transformativ zu beeinflussen.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Zentrale Themen sind die theoretische Fundierung des Institutionalismus in der Konfliktforschung, die Unterscheidung verschiedener institutionalistischer Modelle sowie deren empirische Anwendung in europäischen Integrations- und Konfliktkontexten.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das primäre Ziel ist es, zu klären, unter welchen Bedingungen Institutionalisierung eine meliorative (verbessernde) Konflikttransformation bewirkt und welche Risiken sowie Nebenwirkungen dabei auftreten können.

Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?

Die Arbeit nutzt einen theoretisch-analytischen Ansatz, indem sie bestehende Debatten des Neoinstitutionalismus systematisiert, daraus vier spezifische Theoriemodelle herleitet und diese mit empirischen Praxisfällen abgleicht.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Im Hauptteil werden zunächst die allgemeinen Dimensionen und Erfolgsbedingungen der Konflikttransformation erörtert, gefolgt von einer detaillierten Vorstellung vier theoretischer Modelle und deren Prüfung anhand politischer Praxisfälle wie der OSZE oder EU-Erweiterungsprozessen.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Kernbegriffe sind Neoinstitutionalismus, Konflikttransformation, Institutionalisierung, politische Strategie, Konfliktregelung, institutionelles Design und europäische Integration.

Wie bewertet der Autor die Rolle der OSZE?

Der Autor sieht in der OSZE eine prädestinierte Arena für die Vermittlung konstitutiver Normen, warnt jedoch davor, diese durch eine zu starke formale Institutionalisierung in ihrem Charakter als lockere, konferenzhafte Kooperationsarena zu beschädigen.

Welche Rolle spielt die "Passung" von Institutionen?

Die Passung zwischen Konfliktformationen und Regelungsmechanismen wird als zentrales Element angesehen; eine unpassende institutionelle Rahmung kann dazu führen, dass Konflikte pejorativ (verschlechternd) transformiert werden statt sie zu lösen.

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Details

Title
Neoinstitutionalismus als Konfliktstrategie - Möglichkeiten und Grenzen von Institutionalisierungsverfahren der politischen Konfliktregelung
College
Humboldt-University of Berlin  (Institut für Politikwissenschaft)
Author
Alexander Siedschlag (Author)
Publication Year
2002
Pages
38
Catalog Number
V5527
ISBN (eBook)
9783638133739
Language
German
Tags
Konflikt Neoinstitutionalismus
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Alexander Siedschlag (Author), 2002, Neoinstitutionalismus als Konfliktstrategie - Möglichkeiten und Grenzen von Institutionalisierungsverfahren der politischen Konfliktregelung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/5527
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