Darstellung der Funktionsweise und Potenziale eines Comprehensive Cancer Centers


Seminararbeit, 2006
19 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungs- und Tabellenverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1 Einleitung und Aufbau der Arbeit

2 Grundlagen
2.1 Krebserkrankungen und Folgen für die Bevölkerung
2.2 Interdisziplinäre und multidisziplinäre Zusammenarbeit
2.3 Definition eines Comprehensive Cancer Centers gemäß dem National Cancer Institute

3 Comprehensive Cancer Center
3.1 Ziele, Rahmenbedingungen und Aufgaben
3.1.1 Übergeordnete Ziele und Richtlinien
3.1.2 Aufgaben
3.1.2.1 Wissenschaftliche Aufgaben
3.1.2.1.1 Aufgabengebiete und Funktionsbereiche
3.1.2.1.2 Organisationsstrukturen und Instrumente
3.1.2.2 Nicht-wissenschaftliche Aufgaben
3.2 Darstellung der Potenziale
3.2.1 Potenziale aus Sicht der Patienten
3.2.2 Potenziale aus Sicht der beteiligten Institutionen
3.3 Kritischer Vergleich zwischen Deutschland und den USA

4 Fazit und Ausblick

Anhang

Literaturverzeichnis

Abbildungs- und Tabellenverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tab. 1Gegenüberstellung Deutschland und USA

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einleitung und Aufbau der Arbeit

Krebs ist neben den Herz-Kreislauferkrankungen die zweithäufigste Todesursache in Deutschland. Obwohl sich zunehmende Erfolge sowohl in Diagnose als auch Therapie verzeichnen lassen, sinkt die Zahl der Erkrankungen nicht. Sie nimmt mit steigendem Alter der Bevölkerung weiter zu.[1] Über 50 % dieser Tumorerkrankungen sind systemisch, d.h. sie betreffen ein Organ oder mehrere Organe in gleicher Weise oder wirken auf diese.[2] Aus diesem Grund und durch die daraus folgende steigende Komplexität der Krebserkrankungen ist eine Kooperation und interdisziplinäre Zusammenarbeit der verschiedenen Fachdisziplinen notwendig geworden. Das Ziel dieser Zusammenarbeit sollte sein, eine umfassende Behandlung zu gewährleisten, um richtige Diagnose- und Therapiewege für den Patienten einschlagen zu können.

Dieser Grundgedanke der „umfassenden“ Behandlung und interdisziplinären sowie multidisziplinären Zusammenarbeit wird mit der Einführung eines Comprehensive Cancer Centers (CCCs) nach amerikanischem Vorbild verfolgt.

Zur Darstellung des Themas wird der erste Schritt der Arbeit darin bestehen, die Grundlagen zu erläutern. Hierbei wird besonders auf die Bedeutung von Krebs für die Bevölkerung sowie die damit verbundene, notwendige Interdisziplinarität und Multidisziplinarität eingegangen. Des Weiteren wird eine Definition des CCCs geliefert. In einem zweiten Schritt wird die Funktionsweise dargelegt. Besonderes Augenmerk gilt hierbei den Zielen, Richtlinien und Rahmenbedingungen, Aufgaben und denen sich daraus ergebenden Organisationsstrukturen. Darauf aufbauend lassen sich Potenziale eines solchen Centers erkennen und beschreiben. Dies geschieht sowohl aus Sicht der Patienten als auch aus Sicht der beteiligten Institutionen. Ein kritischer Vergleich der CCC in Deutschland und den USA gibt Einblick über den momentanen Stand der Entwicklung. Die erwartete Steigerung der Behandlungsqualität, die mit der Einführung des CCCs in Deutschland verfolgt wird, wird hinterfragt.

In einem Fazit werden ein Resümee gezogen und die wichtigsten Untersuchungsergebnisse aufgezeigt

2 Grundlagen

2.1 Krebserkrankungen und Folgen für die Bevölkerung

Bei Krebs handelt es sich um das unkontrollierte Wachstum von Gewebe, dass durch die Entartung („Transformation“[3] ) körpereigener Zellen verursacht wird. Diese Zellen können in anderes Gewebe eindringen und dieses zerstören. Krebs kann jede Zellart befallen. Es kann somit keine einzelne, sondern eine Vielzahl von Erkrankungen je nach Gewebe und Zellart sein.[4] Krebserkrankungen stehen in Deutschland direkt an zweiter Stelle der Todesursachenstatistik nach den Herz-Kreislauferkrankungen. Es wird davon ausgegangen, dass jährlich ca. 350.000 Bürger an Krebs erkranken, d. h. jeder dritte Bürger wird im Verlauf seines Lebens an dieser Krankheit erkranken und jeder vierte wird daran sterben.[5] Durch die vermehrt ansteigende Bedeutung von Krebs für die Bevölkerung sowohl in Deutschland als auch in Europa (siehe Anhang Abb. A 1) vollzieht sich ein Wandel in den Behandlungsmethoden.

2.2 Interdisziplinäre und multidisziplinäre Zusammenarbeit

Eine Kombination verschiedener Behandlungsverfahren sowie eine fächerübergreifende Zusammenarbeit können die Heilungschancen verbessern.[6] Ein Arzt alleine ist jedoch nicht in der Lage, die Komplexität der verschiedenen Krebserkrankungen hinreichend beurteilen zu können, um somit die bestmöglichste Behandlungsmethode zu gewährleisten. Daher lässt sich ein Trend zur interdisziplinären und multidisziplinären Zusammenarbeit erkennen. Unter Interdisziplinarität versteht man die Kooperation und Zusammenarbeit verschiedener Disziplinen.[7] Multidisziplinarität bedeutet, dass nebeneinander zur Erreichung einer Sache von verschiedenen Fächern etwas beigetragen wird.[8] Aufgrund der Probleme in der Onkologie, die durch den fehlenden interdisziplinären Ansatz und die unzureichende Umsetzung der Basiswissenschaft in die klinische Praxis entstehen, hat der Gesetzgeber reagiert.[9] So wurden Modelle zur interdisziplinären Zusammenarbeit angeregt. Mit Einführung des § 140 a ff. SGB V ist der Weg zur integrierten Versorgung geebnet. Sie bildet eine Schnittstelle zwischen der ambulanten und stationären Versorgung, dessen Ziel es ist, eine interdisziplinäre Behandlung zu gewährleisten. Ein weiteres Beispiel zur interdisziplinären Zusammenarbeit stellen die schon seit langem in Deutschland etablierten Tumorzentren dar. In ihnen findet sich die notwendige Fach- und Sachkompetenz für die Diagnose und Therapie von Krebspatienten. Die Interdisziplinarität und Multidisziplinärität solcher Tumorzentren erfolgt hier aber dezentral und sequentiell und trägt somit zum Scheitern der geplanten umfassenden Zusammenarbeit bei.[10]

Eine Verbesserung der momentanen Situation erhoffen sich deutsche Tumorzentren mit Einführung des amerikanischen Modells des CCCs.

2.3 Definition eines Comprehensive Cancer Centers gemäß dem National Cancer Institute

Krebs stellt in den USA die führende Todesursache dar (siehe Anhang Abb. A 1).[11] Aus diesem Grund wurde dort im Auftrag des National Cancer Institutes (NCI) mit der Entwicklung und Umsetzung eines „Cancer Center Programs“[12] begonnen.

Das NCI ist eine von acht Behörden, aus denen sich der öffentliche Gesundheitsdienst und das amerikanische Gesundheitsministerium zusammensetzen. Es bildet die Hauptbehörde der amerikanischen Bundesregierung für Forschung und Ausbildung im Bereich der Krebstherapie.[13] Mit seinem „Cancer Center Program“ verfolgt das NCI das Ziel, durch Zusammenarbeit von Praxis und Forschung die Krebserkrankung zu reduzieren.[14] Die Aufgabe des NCI liegt in der Bildung, Festlegung von Rahmenbedingungen, finanzielle Förderung und Zertifizierung von CCCs.

„A comprehensive cancer center has reasonable depth and breadth of research activities in each of 3 major areas: basic, clinical and prevention, control, behavioural and population based research and exhibits a strong body of interactive research that bridges these scientific areas.“[15]

Man unterscheidet 2 Organisationsformen eines CCCs. Zum einen gibt es die Form eines „Freestanding-Comprehensive-Cancer-Center“ und zum anderen die eines „Matrix-Comprehensive-Cancer-Center“.

„Freestanding-Comprehensive-Cancer-Center“ sind in sich abgeschlossene Einrichtungen. Sie bilden somit keinen Teil einer größeren Organisation und sind unabhängig. Die Verwaltung kontrolliert sämtliche Räumlichkeiten, Personalfragen und das Budget. „Matrix-Comprehensive-Cancer-Center“ hingegen bilden einen offiziellen Teil einer Universität. Der Begriff Matrix wird verwendet, da das Center abhängig von der Organisationsstruktur der Universität und mit dieser verflochten ist.[16]

Zum besseren Verständnis wird im nächsten Abschnitt genauer auf die Funktionsweise und Rahmenbedingungen eingegangen.

3 Comprehensive Cancer Center

3.1 Ziele, Rahmenbedingungen und Aufgaben

3.1.1 Übergeordnete Ziele und Richtlinien

Das primäre Ziel eines CCC ist das „umfassende“ Heilen und Bekämpfen des Krebses, wobei die Prävention eine ebenso große Rolle spielt. Der Patient sollte in den Mittelpunkt der Betrachtung rücken.[17] Die Verbesserung der Behandlungsqualität geschieht durch die Interaktion und Verzahnung von Grundlagenforschung, klinischer Forschung, bevölkerungsbezogener Forschung und der Versorgung am Krankenbett.

Das CCC bündelt die Ressourcen und schlägt eine Brücke zwischen Grundlagenforschung und klinischer Anwendung.[18] Um dem Primärziel zu entsprechen, stellt das NCI an die potentiellen CCCs eng definiert Anforderungen. Damit ein CCC in Amerika die Kennzeichnung „NCI-designated Cancer Center“[19] erhalten kann, muss es bestimmte Aufgabengebiete abdecken und einen von Experten begutachteten Prozess durchlaufen.[20] Dieser Prozess muss verifizieren, dass sich Einrichtungen, die sich um die Kennzeichnung bewerben, bestimmte Rahmenbedingungen erfüllen. In Anlehnung an die NCI-Vorgaben sollten langfristige, multidisziplinäre Krebsprogramme in biomedizinischer Basisforschung und klinischer Forschung existieren. Des Weiteren müssen Trainingsangebote, sowie Fort-, Aus- und Weiterbildung für alle relevanten Mitarbeitergruppen durchgeführt werden. Interdisziplinäre Konzepte für Diagnostik, Therapie und Nachsorge aller Tumoren müssen gegeben sein. Ein Tumorboard, indem die Problempatienten im interdisziplinären Konsil besprochen werden, sollte institutionalisiert werden. Unter einem Konsil versteht man das Zusammenwirken und die Beratung verschiedener Ärzte über einen Krankheitsfall. Ein CCC sollte weiterhin an bevölkerungsbezogenen Programmen mitwirken und Studien in diese Richtung anstrengen. Gemäß den Richtlinien des NCI gehören zur Organisationsstruktur ein eigenständiger Direktor, ein direkt zugeordnetes Budget, sowie Räume und die notwendige Personalhoheit.[21]

Sind die Kriterien erfüllt und ist das Auswahlverfahren erfolgreich durchlaufen, darf sich das CCC „NCI-designated Cancer Center“ nennen.[22] An diesen Titel sind finanzielle Förderungen gebunden, die vom NCI geleistet werden.

Weiterhin ist das CCC durch die Zertifizierung ein Teil des Cancer Center Programs geworden.

[...]


[1] Vgl. Universitätsklinikum Freiburg (Comprehensive Cancer Center Freiburg), S.1.

[2] Vgl. Diehl, V. (Nationales Zentrum), S. 4.

[3] Vgl. Hirsch-Kauffmann, M., Schweiger, M. (1987), S. 341.

[4] Vgl. Krebs-Kompass (Was ist Krebs).

[5] Vgl. ADT (1999).

[6] Vgl. Neubauer, A., Middeke, M. (2005), S. 378.

[7] Vgl. NCI (2004), S. 2.

[8] Vgl. Wendt, W.R. (Transdisziplinarität und ihre Bedeutung).

[9] Vgl. Büchler, M. W. (2005).

[10] Vgl. Mross (2002), S. 72.

[11] Vgl. Neubauer, A., Middeke, M. (2005), S. 378.

[12] NCI (Description of Cancer Centers Program).

[13] Vgl. o.V. (Oncolytics Biotech Inc. beginnt Ausschreibungsverfahren).

[14] Vgl. NCI (Description of Cancer Center Program).

[15] Bamberg, M. (2004), S. 52.

[16] Vgl. Simone, J. (2002).

[17] Vgl. Rautenstrauch, J. (2004), S. 20.

[18] Vgl. Würthenberger, U. (2004), S. 20.

[19] NCI (Description of Cancer Center Program).

[20] Vgl. Simone, J. (2002).

[21] Vgl. Diehl, V. (Nationales Zentrum), S. 6, sowie NCI (2004), S. 2 ff.

[22] Vgl. NCI (2004), S. 3 ff.

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Darstellung der Funktionsweise und Potenziale eines Comprehensive Cancer Centers
Hochschule
Westfälische Wilhelms-Universität Münster
Note
1,7
Autor
Jahr
2006
Seiten
19
Katalognummer
V55287
ISBN (eBook)
9783638502856
ISBN (Buch)
9783638837873
Dateigröße
544 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Darstellung, Funktionsweise, Potenziale, Comprehensive, Cancer, Centers
Arbeit zitieren
Ansgar Schniederjan (Autor), 2006, Darstellung der Funktionsweise und Potenziale eines Comprehensive Cancer Centers, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/55287

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