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Luftkrieg und Tagebuch

Titre: Luftkrieg und Tagebuch

Dossier / Travail de Séminaire , 2006 , 34 Pages , Note: 1,7

Autor:in: Malte Conradi (Auteur)

Philologie Allemande - Littérature Comparée
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Résumé Extrait Résumé des informations

Noch nicht lange hat das Thema Bombenkrieg gegen deutsche Städte in den Medien Konjunktur. 1995, als sich das Kriegsende zum 50. Mal jährte, wurden (wie Klaus Neumann dargestellt hat) die Erlebnisse der deutschen Stadtbevölkerung noch eher zaghaft und unsicher diskutiert. Noch 50 Jahre nach den Ereignissen gab es keinen Konsens des Gedenkens, kein gefestigtes Geschichtsbild. Es wurde schnell deutlich, dass die Zeit, in der der Krieg aus den fernen Ländern in die Heimat kam, keinen festen Platz im kulturellen Gedächtnis der Deutschen hatte. Und so war diese erstmalige Diskussion des Luftkriegs gegen deutsche Zivilisten ein Wagnis. Denn die Bahnen, in denen sie verlaufen würde und die Erinnerungen, die zutage treten würden, waren weitgehend unbekannt. Vielleicht aus der Erkenntnis, nicht mehr lange diese Möglichkeit zu haben, wurden in diesen Wochen viele Zeitzeugen angehört und lebendige Erinnerungen festgehalten. Für viele der Betroffenen war dies eine ungeahnte Aufwertung und erstmalige gesellschaftliche Anerkennung ihrer Erinnerungen, denn zum ersten mal seit Bestehen der Bundesrepublik (in der DDR war an eine ehrliche Debatte über dieses Thema gar nicht zu denken) wurde plötzlich über den Luftkrieg – und auch über mögliche Gründe für das lange Schweigen darüber - gesprochen.
Die Präsenz des Themas in den Medien mag ein Anlass für den Schriftsteller und Literaturwissenschaftler W.G. Sebald gewesen sein, eine von ihm schon 1982 zum ersten mal geäußerte und damals kaum wahrgenommene These wieder aufzugreifen und 1997 in einer dreiteiligen Zürcher Universitätsvorlesung weiterzuentwickeln: Die These vom Versagen der gesamten deutschen Literatur vor dem Luftkrieg gegen deutsche Städte. Die Bombennächte und –tage seien, geradezu von einem Tabu belegt, in der deutschsprachigen Literatur nie angemessen zur Sprache gekommen, so Sebald.
Nun – in den Jahren nach 1997 - schien die Zeit für eine breite Diskussion dieser These endlich gekommen. Zunächst fand sie im deutschsprachigen Feuilleton und nach Veröffentlichung der Vorlesung als Essay im Jahre 19994 auch in einigen wissenschaftlichen Untersuchungen statt.
Weitgehend missachtet oder gar ignoriert wurde in der Diskussion um die Fragen, welche literarischen Zeugnisse des Luftkriegs es gibt und wie Literatur überhaupt reagieren kann auf solch ein kollektives Trauma, das eigentlich Naheliegendste: die dokumentarische und insbesondere die Tagebuchliteratur derer, die dabei waren.

Extrait


Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Darstellbar oder nicht?

III. Warum Tagebücher?

IV.a. Die Tagebücher Missie Vassiltchikovs und Ursula von Kardorffs

IV.b. Tagebücher als Selbsttherapie

IV.c. Schuld und Verantwortung

V. Schluss

Zielsetzung und Themen der Arbeit

Die vorliegende Arbeit untersucht die literarische und dokumentarische Rezeption des Luftkriegs gegen deutsche Städte während des Zweiten Weltkriegs. Im Zentrum steht dabei die Analyse von Tagebuchliteratur als authentische Zeugnisse, die der These vom Versagen der deutschen Literatur in diesem Kontext entgegengehalten werden. Dabei wird insbesondere untersucht, inwieweit Tagebücher als selbsttherapeutische Bewältigungsstrategien dienen und welche Rolle die individuelle Wahrnehmung von Schuld und Verantwortung in den Aufzeichnungen einnimmt.

  • Die These vom Versagen der Literatur gegenüber dem Luftkrieg (W.G. Sebald)
  • Tagebücher als dokumentarische Zeugnisse und selbsttherapeutische Instrumente
  • Vergleich der Aufzeichnungen von Missie Vassiltchikov und Ursula von Kardorff
  • Die Darstellung von Schuld, Verantwortung und dem Erleben des Bombenkriegs
  • Die Problematik der Authentizität und der Selbstzensur in privaten Kriegsdokumenten

Auszug aus dem Buch

IV.b. Tagebücher als Selbst-Therapie

Vielleicht muss man nicht soweit gehen, wie Arno Schmidt, der behauptete, es sei „eines der zu bekämpfendsten Vorurteile, dass das Tagebuch besonders ehrlich sei“ und sogar von der „Verlogenheit“ des Tagebuchs spricht. Man muss auch nicht die psychoanalytisch geschulten Betrachtungsweisen, wie z.B. die von Manfred Jurgensen, der Tagebücher zur reinen Fiktion erklärt, teilen. Auf der anderen Seite stehen die Richter des Münchner Landgerichts, die 2003 urteilten, Autobiographien und Tagebücher seien generell Sachbücher und nicht der Belletristik zuzuordnen, denn sie seien dazu konzipiert, „tatsächlich geschehenes wiederzugeben“. Ein Urteil, das wohl kein Literaturwissenschaftler mehr teilen würde. Und gerade Tagebücher, die unter den Bedingungen des Luftkriegs entstanden sind, müssen wohl zumindest ebenso sehr als Arbeit des Autors an sich selbst wie als Ereignisberichte des äußeren Geschehens mit dem Autor in der Chronistenrolle gesehen werden.

Susanne zur Nieden hat in ihren Untersuchungen festgestellt, dass bei vielen Frauen (denn natürlich waren es in erster Linie Frauen, die den Bombenkrieg gegen die Städte erlebt haben) eine große Tagebuch-Schreibaktivität ausbricht in dem Moment, in dem die Feldpost-Verbindung zu ihren Männern, Söhnen, Vätern abbricht oder schwierig wird. (Ein Weg, den auch ein berühmtes literarisches Paar wählte, als es durch den Krieg getrennt wurde: Jean Paul Sartre und Simone de Beauvoir.) Ursula von Kardorff beginnt ihr Tagebuch erst 1942, als ihr deutlich wird, dass der Krieg nicht mehr zu gewinnen sein wird und als sie immer mehr leidet unter den täglichen Grausamkeiten in ihrer Umgebung.

Zusammenfassung der Kapitel

I. Einleitung: Das Kapitel führt in die mediale und literarische Debatte über den Bombenkrieg gegen deutsche Städte ein und thematisiert die These W.G. Sebalds zum Versagen der deutschen Literatur.

II. Darstellbar oder nicht?: Hier wird die kritische Auseinandersetzung mit der literarischen Qualität von Luftkriegs-Texten beleuchtet und die Frage diskutiert, ob das kollektive Trauma einer ästhetischen Darstellung zugänglich ist.

III. Warum Tagebücher?: Dieses Kapitel untersucht die dokumentarische Kraft realer Aufzeichnungen gegenüber fiktionalen Werken und deren Bedeutung für das Verständnis der Zeitgeschichte.

IV.a. Die Tagebücher Missie Vassiltchikovs und Ursula von Kardorffs: Anhand dieser beiden Fallbeispiele werden die unterschiedlichen Perspektiven und die Entstehungsbedingungen von Kriegstagebüchern analysiert.

IV.b. Tagebücher als Selbsttherapie: Dieser Abschnitt behandelt die Funktion des Schreibens als Mittel zur psychischen Bewältigung von Extremsituationen und Trauma.

IV.c. Schuld und Verantwortung: Die Autorin diskutiert die moralische Positionierung der Zeitzeugen in Bezug auf den Bombenkrieg und ihre eigene Rolle im Kontext der nationalsozialistischen Verbrechen.

V. Schluss: Das Fazit fasst zusammen, dass Tagebücher trotz ihrer Unzuverlässigkeit wertvolle Einblicke bieten und eine bisher vernachlässigte literarische Quelle zur Aufarbeitung des Luftkriegs darstellen.

Schlüsselwörter

Luftkrieg, Tagebuchliteratur, Bombenkrieg, Erinnerung, W.G. Sebald, Missie Vassiltchikov, Ursula von Kardorff, Selbsttherapie, Schuld, Verantwortung, Trauma, NS-Zeit, Heimatfront, Dokumentation, Kriegserlebnis

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht die Rezeption des Luftkriegs gegen deutsche Städte in der Literatur und insbesondere in privaten Tagebuchaufzeichnungen der Kriegsjahre.

Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?

Im Zentrum stehen die Darstellbarkeit des Kriegstraumas, die Funktion von Tagebüchern als Selbsttherapie sowie die moralische Einordnung von Schuld und Verantwortung durch die Zeitzeugen.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Ziel ist es aufzuzeigen, dass Tagebuchliteratur entgegen der Kritik von W.G. Sebald eine essenzielle und authentische Quelle für das Verständnis des Lebens an der "Heimatfront" darstellt.

Welche wissenschaftliche Methode wurde gewählt?

Die Arbeit basiert auf der literaturwissenschaftlichen Analyse von Primärquellen – speziell den Tagebüchern von Missie Vassiltchikov und Ursula von Kardorff – im Kontext aktueller geschichts- und literaturwissenschaftlicher Debatten.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der Darstellbarkeit des Luftkriegs, die Funktion der Tagebücher als Bewältigungsstrategie sowie eine vergleichende Untersuchung zweier prominenter Zeitzeuginnen.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren das Werk?

Zentrale Begriffe sind Luftkrieg, Tagebuchliteratur, Trauma, Schuld, Verantwortung und das Konzept der "Heimatfront".

Welche Rolle spielt die Selbstzensur in den untersuchten Tagebüchern?

Die Arbeit verdeutlicht, dass die Autoren aus Angst vor Denunziation oft verschlüsselt oder verkürzt schrieben, was die Authentizität und den therapeutischen Prozess der Aufzeichnungen beeinflusste.

Warum wird der Kontrast zwischen "Partys" und "Luftangriffen" so betont?

Dieser Kontrast illustriert die surreale Lebenswirklichkeit der Protagonistinnen, die durch Feiern und Vergnügungen versuchten, dem ständigen Druck der Bombenangriffe und der Angst vor der Gestapo zu entfliehen.

Wie unterscheidet sich die Sichtweise von Missie Vassiltchikov von der Ursula von Kardorffs?

Als Ausländerin unterlag Missie Vassiltchikov weniger dem moralischen Dilemma der "deutschen Schuld", während Ursula von Kardorff stärker in Identitätskonflikten zwischen Patriotismus und Abscheu vor dem Hitler-Regime gefangen war.

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Résumé des informations

Titre
Luftkrieg und Tagebuch
Université
Free University of Berlin  (Peter Szondi Institut für Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft)
Cours
Hauptseminar Berlin-Bilder der 30er und 40er Jahre
Note
1,7
Auteur
Malte Conradi (Auteur)
Année de publication
2006
Pages
34
N° de catalogue
V55299
ISBN (ebook)
9783638502948
ISBN (Livre)
9783656808268
Langue
allemand
mots-clé
Luftkrieg Tagebuch Hauptseminar Berlin-Bilder Jahre
Sécurité des produits
GRIN Publishing GmbH
Citation du texte
Malte Conradi (Auteur), 2006, Luftkrieg und Tagebuch, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/55299
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Extrait de  34  pages
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