Verberuflichung des Helfens: Zur Ambivalenz geistiger / sozialer Mütterlichkeit in der sozialen Arbeit


Hausarbeit, 2000

17 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Gliederung:

1. Einführung

2. Geschichtliche Phasen
2.1. Erste Phase: Mittelalter bis 1830
2.2. Zweite Phase: 1830 bis 1880
2.3. Dritte Phase: 1880 bis 1919
2.4. Vierte Phase: Weimarer Republik (1919 bis 1930) und der Beginn der NS-Zeit

Literaturliste

1.: Einführung

Da in jeder Gesellschaft soziale Probleme entstehen, die von den Selbstbetroffenen aus eigener Kraft nicht bewältigt werden können, ist die Gesellschaft auch verpflichtet Angebote zur Verhütung, Minderung und Bewältigung von Problemen und Notständen zu machen.[1]

Soziale Arbeit orientiert sich an den Bedürfnissen der BürgerInnen und der Gesellschaft.

Ihre Aufgaben liegen in der Prävention und in der Behebung von sozialen Benachteiligungen, im Angebot von adäquaten Bildungs- und Freizeitangeboten sowie in einer politischen Einflussnahme zur Veränderung von gesellschaftlichen Rahmenbedingungen.

Soziale Arbeit ist also eine professionell ausgeübte Tätigkeit der personenbezogenen Dienstleistungen.[2]

2.: Geschichtliche Phasen

Nun stellt sich die Frage, wie ist Soziale Arbeit entstanden?

In dem vorliegenden Referat habe ich mich mit der Entstehung der Sozialen Arbeit, also der Verberuflichung des Helfens, auseinandergesetzt.

Der Ursprung der sozialen Arbeit liegt im Übergang vom Feudalismus in die Moderne. Daß Menschen der Hilfe bedürfen, aber auch bereit sind, Hilfe zu spenden ist eine anthropologische Grundkategorie.

Der eigentliche Begriff der „Sozialen Arbeit“ ist erst nach 1890 entstanden und will verdeutlichen, dass Leistungen erbracht werden, und zwar aus sozialer Verantwortung heraus und vor allem in wachsendem Maße.[3]

Interessant ist, das die Erziehung zum Hausfrauensein die Frauen zur Übernahme sozialer Arbeit prädestiniert.[4]

Doch bis es zu dieser Ansicht kommt ist es noch ein langer Weg.

Überhaupt als Beruf anerkannt zu werden, war für lange Zeit das größte Problem der Sozialen Arbeit.[5]

Da der Beruf der Sozialarbeiterin schon viel älter ist habe ich die Entstehungsgeschichte der Sozialen Arbeit in vier mögliche Phasen unterteilt. Ferner habe ich versucht die gesellschaftliche Entwicklung mit der Entwicklung der Frau als Sozialarbeiterin zu vergleichen und zu koppeln:

2.1.: Erste Phase: Mittelalter bis 1830:

Außerhalb der verwandtschaftlichen Solidarbeziehungen gab es schon ab dem 14. Jh. sogenannte Armenhilfe (= Armenpflege).

Einen großen Anteil an der Armenhilfe leistete die Kirche, weil die Gläubigen der Meinung waren, durch (freiwilliges) Spenden das eigene Seelenheil retten zu können.

Bis Ende des 14. Jh. war das Betteln akzeptiert, wenn der Bettelnde nicht selbst in der Lage war, für seinen Lebensunterhalt zu sorgen. Armut wurde ja im Hochmittelalter als individueller Defekt eines Menschen betrachtet und es war legitim durch betteln die eigene individuelle Versorgung zu sichern. Arme und Bettler waren also voll integrierte Gesellschaftsmitglieder.

Armen- und Bettelvögte setzten 1370 die Nürnberger Bettelordnung durch.

Im Laufe des 15. und 16. Jh. gab es immer mehr Restriktionen und Reglementierungen. Und nach der Entstehung “der städtischen Armenordnung zur Abwehr fremder Armut” wurde eine Armenpolizei gegründet, weil die Gemeinden der Meinung waren, so verhindern zu können, zu viele Bettler in ihrer Stadt zu haben. Dies stellte aber keine Problemlösung an der Wurzel dar.

Später wurden Hospize, bzw. Fürsorgestationen als zentrale Anlaufstelle für Arme und Kranke gebildet, und auch Klöster boten Hilfe. In diesen Hospizen und Fürsorgestationen arbeiteten Frauen ehrenamtlich.

Einen rechtlichen Anspruch auf Unterstützung und Hilfe gab es jedoch für die Bettler, Armen und Kranken nicht.

Im letzten Drittel des 18. Jh. gab es Reformansätze im deutschen Armenwesen, die durch zwei Merkmale gekennzeichnet waren: die Arbeitsverpflichtung der Armen wurde neu konzipiert und das Prinzip der Ehrenamtlichkeit bei allen Aufgaben der Armenpflege eingeführt. Der Grundsatz, dass alle arbeitsfähigen Armen arbeiten müssen, wurde in die offene Armenpflege integriert.

Der Ursprung der eigentlichen Sozialen Arbeit liegt im 19. Jh. in der behördlichen Armenpflege, der freien Liebestätigkeit, Wohlfahrtspflege und der Frauenbewegung. Sie konzentriert sich auf die Arbeitsfelder der Säuglings-, Gesundheits-, und Betriebsfürsorge.[6]

Es gehört jetzt zum standesgemäßen Lebensstil der Frauen der oberen Gesellschaftsschicht, am besten Vorstandsmitglied in mindestens einem Verein mit sozialer Ausrichtung und Engagement zu sein. Mit dem Beginn der Industrialisierung und der einhergehenden sozialen Not, gründeten sich gewerkschaftliche und genossenschaftliche Selbsthilfevereine, die sogenannten Zünfte. Sie hatten die Aufgabe sich nach einem Betriebsunfall um dem Betroffenen zu kümmern und ihn weitgehend zu unterstützen.

Und ab dem 20. Jhd. haben sich die Frauenvereine als Wohltätigkeitsvereine fest etabliert. Auch ihre Arbeit konzentrierte sich auf den Bereich der Säuglingsfürsorge, den Betrieb der Gemeindestationen sowie Schulen zur Ausbildung von hauswirtschaftlichen Fähigkeiten.[7]

Zunehmende Teile der Bevölkerung waren beunruhigt, da die Industrialisierung nicht gesellschaftliche Harmonie, sondern Spaltung und Not hervorgebracht hatte.[8]

Auch sorgten Missernten und Seuchen für die Auflösung der Großfamilien.

Gleichzeitig wurden aber auch Rettungshäuser[9] und Findelhäuser für verwahrloste Kinder und Jugendliche, sowie für Erwachsene Hospize, Kranken- und Armenhäuser eröffnet, um notwendige Hilfe zu leisten.

Die stetig größer werdende Gruppe der Bettler teilt sich in zwei Gruppen auf:

1. echte Bettler, wie Witwen, Alte, Kranke, Waisen etc
2. Arbeitsunwillige, gesunde starke Männer.

1820 gibt es dann in Berlin die ersten Armenpfleger[10] und noch vor 1830 änderte sich die Auffassung der “Reichen”. Daher kam es zum “Widerstand” gegen die “starken Bettler” (gesunde und kräftige, aber bettelnde Männer).

Die Armut wurde nun als Schuldprinzip des Einzelnen verstanden. Man erkannte aber auch schon die Mitschuld der Gemeinde, die nichts getan hatte, um diese Armut zu verhindern.

Später, bei der Ausprägung des Kapitalismus wurden Arme dann als Faulenzer betrachtet.

Armut wurde verstärkt diszipliniert und ausgegrenzt; bürokratische Elemente im Umgang mit Armut nahmen zu. Die ersten Zuchthäuser entstehen, in denen Arbeitsunwillige zum Arbeiten angeleitet wurden.

[...]


[1] vgl. forum SOZIAL 2/98, S. 6-8

[2] vgl. forum SOZIAL 2/98, S. 6-8

[3] vgl. Geschichte der Sozialen Arbeit, S.1

[4] vgl. Soziale Arbeit als Hausarbeit, S. 19

[5] vgl. Soziale Arbeit als Hausarbeit, S. 26

[6] vgl. Fachlexikon der Sozialen Arbeit, 4. Aufl., S 837 ff.

[7] vgl. Soziale Arbeit als Hausarbeit, S. 67

[8] vgl. Mütterlichkeit als Beruf, Neue Folge Band 351, S. 9

[9] vgl. Geschichte der Sozialen Arbeit S. 84

[10] vgl. forum SOZIAL 2/98, S.6-8

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Verberuflichung des Helfens: Zur Ambivalenz geistiger / sozialer Mütterlichkeit in der sozialen Arbeit
Hochschule
Katholische Fachhochschule Mainz
Note
1,0
Autor
Jahr
2000
Seiten
17
Katalognummer
V55468
ISBN (eBook)
9783638504072
ISBN (Buch)
9783638765725
Dateigröße
582 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Verberuflichung, Helfens, Ambivalenz, Mütterlichkeit, Arbeit
Arbeit zitieren
Axel R. Langner (Autor), 2000, Verberuflichung des Helfens: Zur Ambivalenz geistiger / sozialer Mütterlichkeit in der sozialen Arbeit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/55468

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