Die Arbeit beschäftigt sich neben der ausführlichen Erörterung über Bestattungsformen und -riten auf der Nekropole mit der eingehenden Analyse hinsichtlich der chronologischen, demographischen und soziologischen Auswertbarkeit der Funde und Befunde.
Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung
II. Forschungsgeschichte und Topographie
III. Das Gräberfeld – ein Überblick
IV. Bestattungsform und -ritus der nachgewiesenen Kulturstufen in Niederkaina
V. Aussagen zur Chronologie
VI. Aussagen zur Soziologie
a) Aussagen über anthropologische Aspekte im archäologischen Kontext
VII. Aussagen zur Demographie und zur Kontinuität in der Benutzung des Bestattungsplatzes
VIII. Verteilung der Gräber auf die Zeitstufen (Übersicht)
IX. Exkurs zu Chronologie, soziologischen und demographischen Aussagen nach B u c k (1988)
X. Literatur
XI. Abbildungen
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht das prähistorische Gräberfeld von Niederkaina hinsichtlich seiner wissenschaftlichen Auswertbarkeit für chronologische, soziologische und demographische Fragestellungen. Ziel ist es, auf Basis der vorhandenen Grabungspublikationen eine fundierte Analyse der Bestattungssitten, der Bevölkerungszusammensetzung sowie der Kontinuität der Nutzung dieses bedeutenden eisenzeitlichen Bestattungsplatzes in der Oberlausitz zu erstellen.
- Chronologische Einordnung der Bestattungsphasen vom Neolithikum bis zur Früheisenzeit.
- Untersuchung der Bestattungsformen und Riten unter besonderer Berücksichtigung der Kammergräber.
- Analyse der sozialen Differenzierung anhand von Beigaben und Grabaufbau.
- Demographische Betrachtung der bestatteten Population durch Auswertung von Sterbetafeln und Leichenbrandanalysen.
- Bewertung der kulturellen Kontinuität und regionalen Vernetzung innerhalb der Lausitzer Kultur.
Auszug aus dem Buch
IV. Bestattungsform und –ritus der nachgewiesenen Kulturstufen in Niederkaina
Um Aussagen über Chronologie, Soziologie und Demographie länger belegter prähistorischer Gräberfelder treffen zu können, ist es notwendig den Eigentümlichkeiten in der Bestattungs- und Beigabensitte für die jeweiligen Perioden auf den Grund zu gehen. Aus einer solchen Betrachtung gelingt es letztlich eine Differenzierung innerhalb der Grablegen vorzunehmen, die eine annähernde Vorstellung über die Zusammensetzung und über eine eventuell bestandene Kontinuität im Aufsuchen der Friedhöfe durch die bestattende Gemeinschaft geben kann. Im Folgenden werde ich mit den ältesten Gräbern beginnen. Betrachtet sollen allerdings nur die Grablegen aus jenen Perioden werden, deren Anzahl mindesten 2 Gräber pro Zeitstufe betragen, was heißt, dass ich auf die singuläre mesolithische Bestattung nicht und auf zwei frühbronzezeitliche Gräber nur kurz eingehen werde.
Zu Beginn einer voranschreitenden Belegung auf dem Schafberges stehen Bestattungen des Endneolithikums. Nach der Ausstattung und des Inventars der Gräber zu urteilen, gehört das Niederkainaer Gräberfeld in dieser letzten Phase des Neolithikums zum Formkreis der Schnurkeramik. Die geläufigste Bestattungsform während der Schnurkeramik sind Körperbestattungen in Seitenlage, wobei die Hockstellung dominiert. Die Ausrichtung der Toten auf dem Gebiet Mitteldeutschlands zeigen vornehmlich eine (Süd-) Ost / (Nord-) West-Orientierung mit Blickrichtung gen Süden. Bei weiblichen Individuen liegt der Kopf im Osten und bei männlichen im Westen. Die Anlage des Grabbaues erfolgte überwiegend ebenerdig bzw. wenig in den Boden eingetieft. Seltener wurden Bestattungen mit Tiefen bis zu 100 cm ausgemacht. Die Ausdehnung des eigentlichen Grabbaues variiert in den Flächen bis zu einer Größe von 270 cm. Häufig ließen sich Stein-, seltener Holzeinbauten nachweisen.
Zusammenfassung der Kapitel
I. Einleitung: Die Arbeit führt in die Zielsetzung ein, die Auswertbarkeit des Niederkainaer Gräberfeldes hinsichtlich Chronologie, Soziologie und Demographie unter Berücksichtigung methodischer Herausforderungen zu untersuchen.
II. Forschungsgeschichte und Topographie: Dieses Kapitel beschreibt die geographische Lage des Schafberges und fasst die Historie der archäologischen Rettungsgrabungen zwischen 1948 und 1970 zusammen.
III. Das Gräberfeld – ein Überblick: Es wird die chronologische Belegungsgeschichte des Fundplatzes vom Mesolithikum bis zur Hallstattzeit skizziert, wobei die besondere Bedeutung der Lausitzer Kultur hervorgehoben wird.
IV. Bestattungsform und -ritus der nachgewiesenen Kulturstufen in Niederkaina: Das Kapitel detailliert die Bestattungsbräuche der verschiedenen Epochen, von schnurkeramischen Körpergräbern bis zu den komplexen kammergrabartigen Strukturen der Eisenzeit.
V. Aussagen zur Chronologie: Hier wird die chronologische Abfolge basierend auf der Typologie des Keramik- und Nadelmaterials innerhalb der Nekropole diskutiert.
VI. Aussagen zur Soziologie: Das Kapitel befasst sich mit der sozialen Stratigraphie und prüft, inwiefern sich ein sozialer Status anhand von Grabausstattung und Beigabenkompositionen ablesen lässt.
a) Aussagen über anthropologische Aspekte im archäologischen Kontext: Dieser Unterpunkt präsentiert Ergebnisse der Leichenbrandanalysen und deren Korrelation mit den Grabbeigaben hinsichtlich Alter und Geschlecht.
VII. Aussagen zur Demographie und zur Kontinuität in der Benutzung des Bestattungsplatzes: Hier werden bevölkerungsstatistische Ansätze diskutiert und die Problematik einer vermeintlichen Siedlungskontinuität kritisch hinterfragt.
VIII. Verteilung der Gräber auf die Zeitstufen (Übersicht): Diese tabellarische Übersicht ordnet die Grabkomplexe den jeweiligen Zeitabschnitten zu und liefert Schätzwerte für die Populationsdichte.
IX. Exkurs zu Chronologie, soziologischen und demographischen Aussagen nach B u c k (1988): Ein abschließender theoretischer Rückgriff auf die von D.-W. Buck vorgeschlagene Gliederung der Lausitzer Kultur und deren Anwendbarkeit auf Niederkaina.
Schlüsselwörter
Niederkaina, Gräberfeld, Lausitzer Kultur, Billendorfer Stufe, Hallstattzeit, Urnenfelderzeit, Kammergräber, Bestattungsritus, Archäologie, Demographie, Chronologie, Brandbestattung, Sozialstruktur, Schafberg, Keramik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das prähistorische Gräberfeld von Niederkaina östlich von Bautzen und bewertet dessen Potential zur Beantwortung wissenschaftlicher Fragen zu Chronologie, Soziologie und Demographie der Eisenzeit.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Mittelpunkt stehen die Bestattungssitten, die soziale Differenzierung der Gemeinschaft, die demographische Zusammensetzung der Population sowie die zeitliche Einordnung und Kontinuität der Gräberfeldnutzung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, den derzeitigen Forschungsstand basierend auf existierenden Publikationen zu analysieren, um das tatsächliche Aussagewert-Potential des archäologischen Befundes von Niederkaina kritisch zu bewerten.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Autorin oder der Autor wertet den publizierten Grabungsbefund sowie den vorhandenen Fundus an Nadel- und Keramikformen aus und stützt sich dabei auf archäologische, anthropologische und statistische Berechnungsmethoden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert detailliert den Wandel der Bestattungsformen vom Endneolithikum bis zur Früheisenzeit, erläutert typologische Fundgruppen und diskutiert die soziologischen Implikationen der Grabbeigaben.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Niederkaina, Lausitzer Kultur, Kammergräber, Bestattungsritus und Eisenzeitarchäologie charakterisieren.
Welche Bedeutung haben die sogenannten Kammergräber für die soziale Analyse?
Kammergräber stellen eine der aufwendigsten Bestattungsformen dar und werden in der Arbeit als Indikator für soziale Differenzierung diskutiert, wobei auch technologische Notwendigkeiten des Bodenschutzes als Erklärungsmodell erwogen werden.
Wie bewertet der Autor die demographischen Aussagen?
Die Arbeit steht der Übertragung rein demographischer Begriffe auf Friedhofsuntersuchungen skeptisch gegenüber und betont die Notwendigkeit, statt hypothetischer Annahmen (wie einer Kindersterblichkeitsrate) auf Basis von Leichenbrandanalysen realere Daten wie Sterbetafeln zu erheben.
- Quote paper
- Silvester Tamas (Author), 2006, Das prähistorische Gräberfeld von Niederkaina, östlich von Bautzen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/55546