In der vorliegenden Arbeit soll der Mensch vor dem Hintergrund des Begriffs der Natur, des Instinktes wie auch des Geistes betrachtet werden. Aufgrund der Vielschichtigkeit der zentralen Begriffe Natur und Geist und der Vielzahl an unterschiedlichen Konzeptionen erfolgt die Auseinandersetzung durch ausgewählte Autoren. Berücksichtigt werden muss, dass die Begriffe nur mit solchen Definitionen unterlegt werden, die für diese Arbeit als Werkzeuge tauglich sind. Ein besonderes Augenmerk liegt auf den Ausarbeitungen der Philosophen Max Scheler und Nicolai Hartmann. Die weitreichende Frage danach, ob die allgegenwärtige Modernisierung der Welt den Menschen von seiner Natur entfernt, dient als zentrales Motiv und stellt die Möglichkeit für die unterschiedlichsten Denkansätze dar.
Was den Menschen auszeichnet, ist seine Stellung in der Welt: Als ein von seiner Umwelt abhängiges Wesen gehört er zu ihr und verfügt gleichzeitig über die Fähigkeit, sich im Hinblick auf die Schaffung einer eigenen Lebenswelt von ihr zu distanzieren. Allerdings büßt der Mensch durch die Industrialisierung sowie die generelle Modernisierung der Welt seine Verbundenheit mit der Natur ein. Eine mögliche Folge dieser Einbuße besteht darin, dass er unfähig wird, das für ihn Wesentliche in der Welt auszumachen. Ein immer schmaler werdender Grat zwischen der Natur und der tatsächlichen Lebenswelt des Menschen wirft Fragen auf, welche die Natur sowie die eigentliche Stellung des Menschen in der Welt betreffen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Natur und Instinkt
3. Der Geist
3.1 Der Geist nach Max Scheler
3.2 Der Geist nach Nicolai Hartmann
4. Das Verhältnis zwischen Natur und Geist
4.1 Die Stellung des Menschen nach Max Scheler
4.2 Mögliche Problemstellung
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Wesen des Menschen im Spannungsfeld zwischen Natur, Instinkt und Geist. Ziel ist es, auf Basis philosophischer Konzeptionen zu klären, inwiefern die zunehmende Modernisierung und Technisierung der Lebenswelt den Menschen von seiner natürlichen Verbundenheit entfremdet und welche Rolle der Instinkt dabei als wesentlicher Bestandteil menschlicher Daseinsgestaltung spielt.
- Philosophische Begriffsbestimmung von Natur und Instinkt
- Analyse des Geistesbegriffs bei Max Scheler und Nicolai Hartmann
- Untersuchung des Verhältnisses zwischen Natur und Geist
- Die Stellung des Menschen im Kosmos
- Problemstellung der modernen Reizüberflutung und Entfremdung
Auszug aus dem Buch
2. Natur und Instinkt
Natur wird im philosophischen Sinne grundlegend als „der Inbegriff aller von selbst, ohne unser Zutun entstehenden, nur den Naturgesetzen unterworfenen Wirklichkeit, im Unterschied zum Menschenwerk, zu den Schöpfungen des menschlichen Geistes und der Kultur“ begriffen. Das Wort Natur ist aus dem lateinischen Wort natura abgeleitet, dessen Inhalt im Wesentlichen dem frühgriechischen Wort physis entspricht. Letzterem liegt der Begriff des „Werdens, Wachsens, Blühens oder Aufsehens als auch die Beschaffenheit oder das Wesen eines Dinges“ zugrunde. Betrachtet man die Anfänge der Naturphilosophie, stößt man unweigerlich auf die Vorsokratiker: Heraklit stellt die „Veränderlichkeit der Natur“ in den Vordergrund und knüpft damit an die ionische Naturphilosophie an, für welche das „Entstehen und Vergehen, der Formenwechsel und die Vielfalt der Natur ein zentrales Thema“ war. Ein Merkmal dieser Philosophie ist es, den „Wandel der Welt“ durch ein einheitliches Prinzip zu begreifen:
Heraklit bezeichnet dieses Prinzip mit dem griechischen Ausdruck logos, der näherungsweise mit dem deutschen Wort Sinn oder Gesetz übersetzt werden kann. Nur ein göttliches Wesen kann den logos begreifen und heißt auch selbst logos.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik der Entfremdung des modernen Menschen von seiner Natur ein und benennt Max Scheler sowie Nicolai Hartmann als zentrale Bezugsautoren.
2. Natur und Instinkt: Hier werden die philosophischen Grundlagen von Natur und Instinkt dargelegt, wobei deren Bedeutung als Basis für das menschliche Dasein hervorgehoben wird.
3. Der Geist: Dieses Kapitel definiert den Begriff des Geistes und kontrastiert dabei die Ansätze von Max Scheler und Nicolai Hartmann.
3.1 Der Geist nach Max Scheler: Scheler bestimmt den Geist als ein neues Prinzip, das den Menschen befähigt, über seine umweltgebundene Natur hinaus zur Weltoffenheit zu gelangen.
3.2 Der Geist nach Nicolai Hartmann: Hartmann grenzt den Geist vom Bewusstsein ab und charakterisiert ihn als ein nicht-psychologisches, endliches Ringen um Verwirklichung.
4. Das Verhältnis zwischen Natur und Geist: Dieser Teil untersucht die wechselseitige Beziehung und die Schwierigkeiten der Definition von Natur und Geist im Kontext menschlichen Handelns.
4.1 Die Stellung des Menschen nach Max Scheler: Scheler erläutert hier die Sonderstellung des Menschen, der trotz seiner geistigen Fähigkeiten als Teil der Natur begriffen bleibt.
4.2 Mögliche Problemstellung: Dieses Kapitel thematisiert die Reizüberflutung durch moderne Lebensweisen und den damit drohenden Verlust der Verbindung zum eigenen Instinkt.
5. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und unterstreicht die Notwendigkeit, den Instinkt als notwendigen Bestandteil der Selbstreflexion und Verbundenheit mit der Natur anzuerkennen.
Schlüsselwörter
Natur, Geist, Instinkt, Philosophie, Max Scheler, Nicolai Hartmann, Mensch, Modernisierung, Reizüberflutung, Weltentfremdung, Selbstbewusstsein, Lebenswelt, Vernunft, Dasein, Anthropologie
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die philosophische Bestimmung des Menschen im Spannungsfeld zwischen seiner natürlichen, instinktgebundenen Seite und seinem geistigen Vermögen in der modernen Welt.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themenfelder sind die philosophischen Konzepte von Natur, Geist und Instinkt sowie die Frage nach der Stellung des Menschen im Kosmos unter Berücksichtigung moderner Zivilisationsprozesse.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist die Klärung der Frage, ob und wie die moderne Welt den Menschen von seiner Natur entfernt und warum der Instinkt dennoch ein essenzielles Element des menschlichen Wohlbefindens bleibt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine systematische philosophische Textanalyse durchgeführt, die sich auf zentrale Werke von Max Scheler, Nicolai Hartmann und anderen Denkern der Philosophiegeschichte stützt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Definition der Begriffe Natur, Instinkt und Geist, die Erörterung des Verhältnisses dieser Aspekte zueinander sowie die Analyse der spezifischen menschlichen Stellung durch Max Scheler.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird primär durch Begriffe wie Natur, Geist, Instinkt, Anthropologie, Entfremdung und Reizüberflutung charakterisiert.
Warum spielt die Unterscheidung von Mensch und Tier bei Scheler eine so wichtige Rolle?
Für Scheler ist diese Unterscheidung fundamental, um den Geist als ein eigenständiges Prinzip zu bestimmen, welches den Menschen befähigt, sich von der bloßen Umweltgebundenheit zur Weltoffenheit zu erheben.
Welche Rolle spielt die "Reizüberflutung" in der Argumentation der Autorin?
Die Reizüberflutung dient als exemplarisches Problem der Moderne, um aufzuzeigen, wie der Verlust der Verbundenheit zur Natur und zum eigenen Instinkt zu einer psychischen und physischen Entfremdung des Menschen führen kann.
- Citation du texte
- Julia Kleemayr (Auteur), 2020, Der Mensch zwischen Natur, Instinkt und Geist. Die Stellung des Menschen in der Welt, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/556114