Die Ursprünge des protestantischen Fundamentalismus in den USA


Hausarbeit (Hauptseminar), 2006
15 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

0. Vorbemerkung

1. Einleitung

2. Zum Umfeld der Entstehung des Fundamentalismus in den USA
2.1. Soziologischer Hintergrund
2.2. Wissenschaftliche Neuansätze
2.3. Die Evangelikale Tradition

3. Die theologischen Wurzeln des Fundamentalismus

4. Die Institutionalisierung der fundamentalistischen Bewegung

5. Zusammenfassung

Bibliographie

Abkürzungsverzeichnis

Die in dieser Arbeit verwendeten Abkürzungen richten sich nach:

Schwertner, Siegfried N., Internationales Abkürzungsverzeichnis für Theologie und Grenzgebiete. Zeitschriften, Serien, Lexika, Quellenwerke mit bibliographischen Angaben (IATG2), Berlin/New York: De Gruyter 21992.

Wider den „Modernismus“ - Die Ursprünge des Protestantischen Fundamentalismus in den USA

0. Vorbemerkung

Ein Beitrag zu einem so vielschichtigen und kontrovers abgehandeltem Thema wie „Fundamentalismus“ steht allererst einmal vor dem Problem, klären zu müssen, worüber eigentlich diskutiert werden sollte. Eine vollständige Systematisierung aller Aspekte und Ausprägungen, die unsere Alltagssprache unter diesem Schlagwort subsumiert, würde - so dies überhaupt möglich ist – den Rahmen dieser Arbeit bei weitem sprengen.

Wir wollen diesem Essay daher das im Seminar erarbeitete Verständnis des Begriffs zugrunde legen. Bei „Fundamentalismus“ handelt es sich demnach grundsätzlich um eine Protestbewegung innerhalb einer Religion bzw. Konfession (in unserem Falle: des nordamerikanischen Protestantismus), die sich in einem spezifischen soziokulturellen Umfeld (in unserem Falle: USA des ausgehenden 19. Jahrhunderts) entwickelt.

1. Einleitung

Im deutschen kirchlichen und theologischen Sprachgebrauch wurde der Terminus „Fundamentalismus“ erst nach dem Zweiten Weltkrieg allgemein geläufig, und zwar meist als eine etwas vage Beschreibung für „streng konservative, an der Bibel orientierte, von pietistischer Tradition bestimmte Frömmigkeit“[1]. Im angelsächsischen Bereich hingegen, dem der Begriff entstammt, war er schon in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts in Gebrauch, nicht aber im Sinne von „evangelikal“ oder gar religiös-konservativ im Allgemeinen. Quer durch alle Konfessionen bezeichnet er hier zumindest mit Schwerpunkt Gruppen, für die die Lehre von der Verbalinspiration und absoluten Irrtumslosigkeit der Schrift charakteristisch ist. Bei „Fundamentalismus“ handelt es sich in diesem Zusammenhang ursprünglich um die Selbstbezeichnung einer Gruppe, deren zwischen 1910 und 1915[2] herausgegebene Schriftenreihe den Titel The Fundamentals: A Testimonium to the Truth trug.[3] Der Begriff als solcher fällt zum ersten Mal 1920 in der baptistischen Zeitschrift Watchman Examiner , in der der Herausgeber Curtis Lee Laws im Vorfeld der kommenden Northern Baptist Convention eine eigene Konferenz derjenigen vorschlug, die sich für die fundamentalen Glaubenswahrheiten einsetzen wollen, „Fundamentalists“ eben.[4]

Wichtig ist in diesem Zusammenhang, dass Fundamentalismus eine spezifische Ausprägung der Religionsgeschichte der Moderne bezeichnet. Als „moderner Antimodernismus“[5] entsteht er als eine offensive und modernitätsfeindliche Abwehrhaltung unabhängig voneinander in verschiedenen Konfessionen, deren Wahrheit (i.S.v. Authentizität) er durch Relativismus, Pluralismus, Historismus und Autoritätsvernichtung bedroht sieht.

Martin Marty umfasst den Begriff „Moderne“ in der Einleitung seiner sechsbändigen Studie The Fundamentalism Project anhand folgender wesentlicher Merkmale: säkular geprägte Rationalität, religiöse Toleranz bis hin zu Relativismus und Individualismus.[6] Der Fundamentalismus also lehnt sich auf gegen die Moderne und ihre Postulate der Autonomie und Eigenverantwortung des Individuums, die diese den überkommenen Autoritäten (absolutistische Herrschaft, Wahrheitsmonopol der Religion etc.) (feindlich) gegenüberstellt. Im Speziellen wenden sich fundamentalistische Kritiker paradigmatisch gegen die Liberale Theologie und Exegese, als diese beginnen, das sichere Fundament (Sg.!) der Heiligen Schrift zu erschüttern[7] – wobei es als Ironie der Geschichte erscheinen mag, dass diese angefeindeten Entwicklungen ihren Siegeszug nur wenige Jahrzehnte zuvor vom deutschen Protestantismus aus antraten.

2. Zum Umfeld der Entstehung des Fundamentalismus in den USA

Bei Fundamentalismus handelt es sich also nicht um eine historisch eindeutig abzugrenzende Gruppe oder Größe, sondern ursprünglich um ein verbreitetes Phänomen innerhalb der konservativen Richtungen des neueren Protestantismus überhaupt. Die Vorstellung der Verbalinspiration und der in ihr begründeten Irrtumslosigkeit der Bibel ist an sich ja nichts Neues, sondern einst selbstverständlicher Bestand katholischer, lutherischer und auch reformierter Lehrtradition.

Was aber machte die USA so prädestiniert für dieses neuartige Phänomen religiösen Protests? Radikal-traditionalistische Gesellschaftstheorien als Reaktion auf rapide soziokulturelle Umbrüche stellen eine Entwicklung dar, die im einen oder anderen Ausmaß in allen Weltreligionen zu finden ist.[8] Innerhalb des Christentums lassen sich diesbezüglich Unterschiede zwischen mehrheitlich katholisch, lutherisch und reformiert geprägten Gesellschaften feststellen. Während die katholischen Länder überwiegend rechtsradikale Bewegungen antichristlicher oder klerikaler Schattierung hervorgebracht haben, finden wir in den lutherischen Ländern mehrheitlich säkulare rechtsradikale Bewegungen.[9] Fundamentalistische Massenbewegungen hingegen finden wir vornehmlich in Ländern, die vom asketischen Protestantismus der reformierten Tradition geprägt sind.[10]

Prägende Bestimmungen sind im letzteren Fall sicherlich die institutionelle Autonomie der Religion gegenüber dem Staat, der religiöse Pluralismus (im Fall der USA), das Fehlen hierokratischer Herrschaft und die individuelle Abhängigkeit des Geistlichen von seiner Klientel, ein Zusammentreffen das so in katholisch oder lutherisch geprägten Gesellschaften kaum gegeben ist. Anders in den USA, wo sich diese Merkmale in einer langen historischen Entwicklung von der Kolonialzeit bis zum Ersten Weltkrieg herauskristallisiert haben und die lokalen Kirchen sich so zur Formulierung empfundener Ungerechtigkeit und zur Organisation von Protestbewegungen prädestiniert haben.

[...]


[1] TRE Bd.11, 732.

[2] Nach anderen Quellen: 1910-1912.

[3] EZW-Information 102, 3.

[4] Vgl. Marty, Herausforderung, 77.

[5] RGG4 Bd.3, 415.

[6] Vgl. Marty/Appleby, Fundamentalism, vii.

[7] Vgl. Marsden, Fundamentalism, 3f.

[8] Vgl. Pfürtner, Fundamentalismus, 47f.

[9] Vgl. EZW-Information 102, 4f. Riesebrodt liefert dort eine übersichtliche Typologie fundamentalistischer Bewegungen.

[10] Vgl. Riesebrodt, Fundametalismus, 40f.

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Die Ursprünge des protestantischen Fundamentalismus in den USA
Hochschule
Universität Salzburg  (Theologie Interkulturell und Studium der Religionen)
Veranstaltung
Seminar: Fundamentalismus
Note
1,0
Autor
Jahr
2006
Seiten
15
Katalognummer
V55727
ISBN (eBook)
9783638506076
Dateigröße
507 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Ursprünge, Fundamentalismus, Seminar
Arbeit zitieren
Johannes Fraiss (Autor), 2006, Die Ursprünge des protestantischen Fundamentalismus in den USA, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/55727

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