Der Dekalog ist oft Thema in Predigten oder Andachten. So werden häufig Auslegungen zu einzelnen Geboten getroffen und damit diese Gebote hervorgehoben. Jedoch ist mir aufgefallen, dass dabei das Gebot: „ Du sollst dir kein Bildnis machen“ oft in den Hintergrund tritt und sehr selten in der Auslegung im Gottesdienst große Bedeutung erlangt. Ich habe mir deshalb das Thema: „Du sollst dir kein Bildnis machen“ gewählt, damit ich erkennen kann, aus welchem Hintergrund dieses Gebot erlassen wurde und welche Auswirkungen das auf das Volk Israel hatte. Ebenso erachte ich für wichtig, welche Bedeutung das Bilderverbot für unser heutiges Reden, Denken und Schaffen hat und wie Christus als Ikone, Ebenbild Gottes, im Bezug zum Bilderverbot steht. Hebt Jesus vielleicht dieses Gebot auf und ist es für uns Christen deshalb heute nicht mehr von Bedeutung.
Inhaltsverzeichnis
0. Vorbesinnung
1. Exegetische Betrachtung
2. Jesus Christus, das Ebenbild Gottes
3. Persönliches Urteil – widerspricht Christus dem Bilderverbot, oder hebt er es sogar auf?
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Bedeutung des alttestamentlichen Bilderverbots im Kontext der christlichen Theologie, insbesondere in Bezug auf die Inkarnation Gottes in Jesus Christus als dessen Ebenbild. Dabei wird die Forschungsfrage verfolgt, ob die christliche Lehre der Menschwerdung Gottes einen Widerspruch zum biblischen Bilderverbot darstellt oder dieses theologisch neu kontextualisiert.
- Historisch-exegetische Analyse des Bilderverbots in den altorientalischen Kulturen und Israel.
- Untersuchung von Jesus Christus als "Ebenbild des unsichtbaren Gottes".
- Reflexion über das menschliche Bedürfnis nach bildlicher Vergegenwärtigung des Göttlichen.
- Bewertung reformatorischer Positionen zur Bildervermeidung im Kirchenraum.
- Verhältnis zwischen menschlicher Vorstellungskraft und der Unbegreiflichkeit Gottes.
Auszug aus dem Buch
3. Persönliches Urteil – widerspricht Christus dem Bilderverbot, oder hebt er es sogar auf?
Jahwe erließ am Sinai das Gebot, dass man sich kein Bildnis machen sollte. Gott wollte nicht, dass sich das Volk Israel und alle anderen Menschen falsche Bilder von ihm machen, damit sie ihn nicht falsch sehen, unterschätzen oder falsche Eigenschaften zusprechen. Das Volk schrie auf nach dem rechten Bild von Gott, sie wollten sehen, wie er wirklich ist. Gott erhörte das Schreien seines auserwählten Volkes Israel. Er sandte seinen eigenen geliebten Sohn auf die Erde, den Messias, der seine Geschöpfe erretten sollte und ihnen zeigte, wie er selbst ist und wie er gesehen werden will. Christus ist das Ebenbild Gottes, sein Abbild. Wenn wir also Christus sehen, sehen wir Jahwe selbst. Gott hat also den Ruf nach einem Bild selbst erfüllt, durch sich selbst, indem er als ein Mensch auftrat. Er kam nicht nur als irgendein Mensch, sondern er kam als Nachkomme des großen Königs Davids. So wurde auch der politische Anspruch auf Christi Königtum über Israel gerechtfertigt. Aber allein durch Gott selbst kann Jesus den Anspruch König über die gesamte Welt zu sein erheben.
Christus hat also den Anspruch, wahrer Mensch und wahrer Gott zu sein, er ist der Nachfolger Davids und ist der von Gott gesandte Messias zur Errettung der Menschen. Aber wie sieht es mit dem Bilderverbot aus? Wenn Christus das Bild Gottes ist, wir uns aber kein Bild von Gott machen sollen, ist das ja ein Widerspruch zu Gottes Gebot. Jahwe bestraft das Ignorieren seiner Gebote bei jedem Einzelnen, aber auch beim ganzen Volk. Müsste Gott nicht auch diesen Fehltritt bestrafen? Aber vielleicht ist es ja auch gar kein Fehltritt. Das Gebot geht davon aus, bzw. zielt darauf hinaus, dass sich der Mensch kein Bildnis machen soll von Gott. Deshalb ist es auch richtig, dass im Tempel in Jerusalem keine Abbildungen, Statuen, Stelen oder andere Bildnisse Jahwes aufgestellt wurden. In der jüdischen Tradition und Glaubenswelt ist also keine Darstellung nötig und auch nicht erlaubt. Aber Christus ist selbst Gott, er ist als Bild auf die Erde gekommen. Gott hat sich selbst offenbart.
Zusammenfassung der Kapitel
0. Vorbesinnung: Der Autor reflektiert über das in Predigten oft vernachlässigte Bilderverbot und setzt sich zum Ziel, dessen Relevanz und das Verhältnis von Christus als Ebenbild Gottes zum Dekalog zu untersuchen.
1. Exegetische Betrachtung: Dieses Kapitel analysiert das Umfeld des israelitischen Bilderverbots und zeigt auf, wie in umliegenden Kulturen Gottheiten durch Statuen repräsentiert wurden, während Israel Jahwe als unsichtbar und nicht in materielle Formen einzufangen begriff.
2. Jesus Christus, das Ebenbild Gottes: Ausgehend von der Unsichtbarkeit Gottes wird dargelegt, dass Christus laut neutestamentlichem Zeugnis das Ebenbild des unsichtbaren Gottes darstellt und somit Gottes Offenbarung in menschlicher Gestalt ist.
3. Persönliches Urteil – widerspricht Christus dem Bilderverbot, oder hebt er es sogar auf?: Der Autor gelangt zu dem Schluss, dass Christus keinen Widerspruch zum Bilderverbot darstellt, da nicht der Mensch sich ein Bild von Gott macht, sondern Gott sich in der Person Christi selbst offenbart.
Schlüsselwörter
Bilderverbot, Dekalog, Jahwe, Christus, Ebenbild Gottes, Inkarnation, Exegese, Gottesbild, Theologie, Offenbarung, Bildnis, Altes Testament, Messias, Bildervererehrung, Reformierte Kirche
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit behandelt das Spannungsfeld zwischen dem biblischen Bilderverbot des Dekalogs und der christlichen Vorstellung, dass Jesus Christus das wahre Ebenbild Gottes ist.
Welche thematischen Schwerpunkte werden gesetzt?
Die Schwerpunkte liegen auf der exegetischen Analyse des Alten Testaments, der christologischen Bedeutung Jesu als Ebenbild und einer kritischen Auseinandersetzung mit der bildlichen Darstellung des Göttlichen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist zu klären, ob die Inkarnation Gottes in Jesus Christus im Widerspruch zum Bilderverbot steht oder ob darin eine göttlich initiierte Aufhebung des Verbots liegt.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es wird eine exegetisch-theologische Methode verwendet, die auf der Auswertung biblischer Texte sowie der Einbeziehung dogmatischer und kirchengeschichtlicher Fachliteratur basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Untersuchung der antiken Religionen, eine Analyse von Christus als Ebenbild und eine persönliche Schlussfolgerung des Autors zur heutigen Praxis der Bildervermeidung.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Zu den zentralen Begriffen zählen das Bilderverbot, der Dekalog, die Offenbarung Gottes in Christus, die Unsichtbarkeit Gottes und das Spannungsverhältnis zwischen Bild und Wort.
Wie bewertet der Autor die Rolle des "Fluidums" in der antiken Götterverehrung?
Das Fluidum wird als besondere göttliche Ausstrahlung beschrieben, die in heidnischen Kulten in Statuen präsent ist, was das damalige Verständnis des Gottesbesitzes in materiellen Objekten verdeutlicht.
Warum hält der Autor den Weg der Reformierten Kirche für eine "gute Möglichkeit"?
Der Autor sieht in der konsequenten Bildvermeidung, außer einem schlichten Kreuz, einen adäquaten Weg, um Gott nichts menschlich Definiertes zu unterstellen und somit dem Bilderverbot gerecht zu werden.
- Citation du texte
- Jan Schulze (Auteur), 2005, Du sollst Dir kein Bildnis machen - Christusbilder und das Bilderverbot des Dekalogs, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/55806