Der Text löst in mir große Verwirrung aus, da Jesus in einem Streitgespräch mit den Hohenpriestern, Schriftgelehrten und Ältesten im Tempel in Jerusalem eine der wichtigsten Fragen, die es gibt, einfach überhaupt nicht beantwortet. Sie fragten ihn, aus welcher Vollmacht er handle. Jesus stellt, wie es in seinen Streitgesprächen im Markusevangelium üblich ist, eine Gegenfrage. Er fragt sie danach, ob die Taufe des Johannes vom Himmel oder vom Menschen sei. Wenn die Schriftgelehrten, Hohenpriester und Ältesten auf diese Frage geantwortet hätten, wäre ihre eigene Frage auch beantwortet gewesen. Da sie sich aber zu keiner der beiden Antwortmöglichkeiten entschließen können, sagt Jesus einfach, dass er ihnen auch nicht sagt aus welcher Vollmacht er handelt. Irgend wie macht mich diese Antwort sehr unglücklich, da es für mich den Anschein hat, dass Jesus wie ein kleines trotziges Kind reagiert: „wenn ihr mir das nicht sagt, dann sag ich euch das andere auch nicht!“
Andererseits fasziniert es mich, dass die Gegner Jesu in diesem Streitgespräch selbst darauf kommen, aus welcher Vollmacht Jesus handeln könnte, auch wenn sie es ihm gegenüber nicht zugeben wollen. Da das Volk Johannes den Täufer als einen Propheten anerkennt, könnten sie sich eingestehen, dass Jesus aus himmlischer Vollmacht handelt, aber dann wären sie angreifbar, wegen ihres vorhergegangenen Unglaubens gegenüber Johannes. Eine schwere Situation für alle Beteiligten, wenn man von Jesus absieht.
Inhaltsverzeichnis
0) Vorbesinnung
1) Übersetzungsvergleich
2) Zusammenhang (Kontext)
3) Gliederung
4) Literarkritik
4.1. Synoptischer Vergleich
5) Formkritik
5.1. Sitz im Leben
6) Redaktionskritik
7) Traditionsgeschichte
8) Einzelexegese
9) Skopus
9.1. Damaliger Skopus
9.2. Heutiger Skopus
10) Verkündigungsansatz
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit verfolgt das Ziel, das biblische Streitgespräch in Markus 11,27-33 exegetisch zu analysieren, um die Dynamik der Vollmachtsfrage zwischen Jesus und den religiösen Führern Israels sowie die daraus resultierende Konsequenz für die Beteiligten zu ergründen.
- Strukturelle Analyse des Streitgesprächs und der rabbinischen Argumentationsweise.
- Synoptischer Vergleich der Evangelienberichte (Markus, Matthäus, Lukas).
- Untersuchung der Rolle des Johannes des Täufers als Referenzpunkt für Jesu Vollmacht.
- Die Theologie des Begriffs "Himmel" als Umschreibung für göttliche Autorität.
- Ableitung eines Verkündigungsansatzes für die heutige Praxis der Gemeindearbeit.
Auszug aus dem Buch
0. Vorbesinnung
Der Text löst in mir große Verwirrung aus, da Jesus in einem Streitgespräch mit den Hohenpriestern, Schriftgelehrten und Ältesten im Tempel in Jerusalem eine der wichtigsten Fragen, die es gibt, einfach überhaupt nicht beantwortet. Sie fragten ihn, aus welcher Vollmacht er handle. Jesus stellt, wie es in seinen Streitgesprächen im Markusevangelium üblich ist, eine Gegenfrage. Er fragt sie danach, ob die Taufe des Johannes vom Himmel oder vom Menschen sei. Wenn die Schriftgelehrten, Hohenpriester und Ältesten auf diese Frage geantwortet hätten, wäre ihre eigene Frage auch beantwortet gewesen. Da sie sich aber zu keiner der beiden Antwortmöglichkeiten entschließen können, sagt Jesus einfach, dass er ihnen auch nicht sagt aus welcher Vollmacht er handelt. Irgend wie macht mich diese Antwort sehr unglücklich, da es für mich den Anschein hat, dass Jesus wie ein kleines troziges Kind reagiert: „wenn ihr mir das nicht sagt, dann sag ich euch das andere auch nicht!“
Andererseits fasziniert es mich, dass die Gegner Jesu in diesem Streitgespräch selbst darauf kommen, aus welcher Vollmacht Jesus handeln könnte, auch wenn sie es ihm gegenüber nicht zugeben wollen. Da das Volk Johannes den Täufer als einen Propheten anerkennt, könnten sie sich eingestehen, dass Jesus aus himmlischer Vollmacht handelt, aber dann wären sie angreifbar, wegen ihres vorhergegangenen Unglaubens gegenüber Johannes. Eine schwere Situation für alle Beteiligten, wenn man von Jesus absieht.
Zusammenfassung der Kapitel
0) Vorbesinnung: Eine persönliche Reflexion des Autors über die emotional aufwühlende Situation des Schweigens Jesu gegenüber seinen Gegnern.
1) Übersetzungsvergleich: Analyse verschiedener Bibelübersetzungen, um feine Nuancen in der Wortwahl zu identifizieren.
2) Zusammenhang (Kontext): Einordnung der Perikope als erstes Streitgespräch Jesu in Jerusalem nach der Tempelreinigung.
3) Gliederung: Detaillierte Aufschlüsselung der Verse 27 bis 33 in logische argumentative Abschnitte.
4) Literarkritik: Untersuchung der Textstruktur und Vergleich mit den parallelen Stellen bei Matthäus und Lukas.
5) Formkritik: Einordnung als rabbinisches Schulgespräch und Bestimmung des Sitzes im Leben.
6) Redaktionskritik: Analyse der Arbeit des Markus als Redaktor, der den Text zur Vorbereitung des Leidensweges zusammensetzte.
7) Traditionsgeschichte: Untersuchung der Bedeutung und der verschiedenen Auffassungen des Begriffs "Himmel" in den Versen.
8) Einzelexegese: Vers-für-Vers-Analyse, die die vorherigen kritischen Erkenntnisse in eine konkrete Auslegung überführt.
9) Skopus: Zusammenfassung der theologischen Intention des Textes sowohl für die damalige Situation als auch für den heutigen Leser.
10) Verkündigungsansatz: Vorschlag für eine praktische Umsetzung des Textes in der Bibelarbeit mit Teenagern.
Schlüsselwörter
Markusevangelium, Markus 11,27-33, Vollmacht, Streitgespräch, Hohepriester, Schriftgelehrte, Johannes der Täufer, Exegese, Redaktionskritik, Formkritik, Tempelreinigung, Gottesherrschaft, Menschenfurcht, Synoptiker, Bibelarbeit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht das Streitgespräch zwischen Jesus und der jüdischen Führungsschicht im Tempel von Jerusalem gemäß Markus 11,27-33.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die Themen umfassen die Vollmacht Jesu, das Verhalten der religiösen Autoritäten, die Rolle des Johannes des Täufers und die literarische Komposition des Evangeliums durch den Evangelisten Markus.
Welches primäre Ziel verfolgt die Arbeit?
Ziel ist es, durch eine exegetische Analyse zu verstehen, warum Jesus die Vollmachtsfrage seiner Gegner nicht beantwortet und welche theologische Bedeutung dieser Akt der Verweigerung hat.
Welche wissenschaftlichen Methoden kommen zum Einsatz?
Der Autor verwendet klassische exegetische Methoden, darunter Literarkritik, Formkritik, Redaktionskritik und Traditionsgeschichte, ergänzt durch einen synoptischen Vergleich.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die methodische Durchleuchtung des Textes, die Analyse der Gliederung, die Untersuchung der Synoptiker-Parallelen und eine detaillierte Auslegung der einzelnen Verse.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Vollmachtsfrage, Markus 11, Streitgespräch, Menschenfurcht und die Autorität Jesu.
Warum reagiert Jesus nach Meinung des Autors mit einer Gegenfrage?
Jesus nutzt eine rabbinische Streitkultur, um den Gegnern ihre eigene Unaufrichtigkeit aufzuzeigen; wer den Täufer Johannes nicht anerkennen will, hat kein Recht, nach der Vollmacht Jesu zu fragen.
Welche Konsequenz hat das Schweigen Jesu für die Delegation?
Das Schweigen ist ein Ausdruck göttlichen Gerichts, das den Gegnern ihre geistliche Autorität entzieht, da sie aus Menschenfurcht unfähig sind, die Wahrheit auszusprechen.
- Quote paper
- Jan Schulze (Author), 2005, Exegese zu Markus 11, 27-33 - Die Frage nach Jesu Vollmacht, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/55807