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Organisatorische Veränderungen seitens der Juden in der Zeit zwischen den Kriegen ( 70 n. Chr. - 132 n. Chr.)

Title: Organisatorische Veränderungen seitens der Juden in der Zeit zwischen den Kriegen ( 70 n. Chr. - 132 n. Chr.)

Term Paper (Advanced seminar) , 2004 , 34 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Birgit Lüke (Author)

World History - Early and Ancient History
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Summary Excerpt Details

Die Eroberung Jerusalems durch die Römer und die damit einhergehende Zerstörung des Tempels im Jahr 70 n.C. markierte in Judäa das Ende einer Epoche, die von der Existenz des Tempels geprägt war. Während die Römer Judäa in eine prätorische Provinz umwandelten und weitere Präventivmaßnahmen gegen neue Aufstände ergriffen, die sie auf eine ruhigere Zukunft hoffen ließen, befand sich das jüdische Volk in einem geistigen und institutionellen Krisenzustand. Die Vernichtung des Tempels hatte die jüdische Nation um ihr Identifikationszentrum und den Mittelpunkt ihres organisierten Lebens beraubt. Sie hinterließ somit ein Vakuum im Geist und im Alltag des jüdischen Volkes und hatte eine an Verzweiflung grenzende Depression zur Folge. Es gab jedoch unter der Bevölkerung Judäas einige Juden, die die Initiative zum Wiederaufbau des innerjüdischen Lebens ergriffen.
Hauptgegenstand dieser Arbeit soll es nun sein, diese Neuorganisation des jüdischen Volkes in der Zeit zwischen 70 n.C- 132 n.C. zu untersuchen. Dabei möchte ich der Frage auf den Grund gehen, inwiefern sich die Organisation seitens des jüdischen Volkes im Vergleich zu der Zeit vor dem 1. Jüdischen Krieg verändert hat. Unter dem Begriff Organisation verstehe ich nun im folgenden die Gestaltung der jüdischen Gesellschaft. Darunter fallen Aspekte der Praktizierung des Glaubens, der Selbstverwaltung und der internen Führung sowie auch der Homogenität der Gesellschaft. Um jedoch Aussagen über Veränderungen treffen zu können, möchte ich zunächst einmal kurz darlegen, wie die Juden ihr Leben vor dem 1. Jüdischen Krieg organisierten. Basierend auf diesen Kenntnissen werde ich dann die Zeit zwischen 70 n.C. und 132 n.C. auf etwaige Veränderungen hin untersuchen. Meine Ausführungen konzentrieren sich im folgenden auf die Stadt Jabne, die in der Nähe der westlichen Mittelmeerküste Judäas gelegen ist, und die Aktivitäten der dort wirkenden Juden, denn gemeinhin gilt dieser Ort als das Zentrum der jüdischen Neuorganisation. So wird die Zeit zwischen der Zerstörung des Tempels im Jahre 70 n.C. und dem Beginn des Bar Kochba- Aufstands im Jahr 132 n.C. aus jüdischer Sicht auch als „Jabne-Periode“ bezeichnet.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Quellenlage

2.1 Allgemein

2.2 Flavius Josephus

2.3 Die Evangelien

2.4 „Dokumente aus der Wüste Judäas“

2.5 Rabbinische Literatur

3. Forschungsstand

4. Das jüdische Volk vor dem 1. Jüdischen Krieg

4.1 Der Tempel

4.2 Die Hohepriester

4.3 Die Sekten

4.4 Der Sanhedrin

5. Die Reorganisation des Judentums nach 70 n.C.

5.1 Rabban Johanan ben Zakkai und Rabban Gamaliel II

5.2 Entstehung des „Lehrhauses“ in Jabne

5.3 Die rabbinischen Lehre

5. 4 Zusammensetzung der Versammlung in Jabne

5.4.1 Forschung

5.4.2 Argumente für Fortsetzung der pharisäischen Bewegung

5.4.3 Argumente für „Große Koalition“

5.4.4 Zwischenzusammenfassung

5.5 Administrative Funktionen des „Lehrhauses“ in Jabne

5.5.1 Ausübung der Legislative

5.5.2 Ausübung der Judikative

5.5.3 Zwischenzusammenfassung

5.6 Die personelle Führung - Die Anfänge des Patriarchats

5.6.1. Das Patriarchat

5.6.2 Rabban Johanan ben Zakkai

5.6.2.1 Kompetenzen

5.6.2.2 Anerkennung durch das gesamte jüdische Volk

5.6.2.3 Anerkennung durch die Römer

5.6.3 Rabban Gamaliel II

5.6.3.1 Kompetenzen

5.6.3.2 Anerkennung durch das gesamte jüdische Volk

5.6.3.3 Anerkennung durch die Römer

5.6.4 Zwischenzusammenfassung

6. Fazit

Zielsetzung & Themen

Diese Arbeit untersucht die Neuorganisation des jüdischen Volkes in der sogenannten „Jabne-Periode“ zwischen 70 n. Chr. (Zerstörung des Jerusalemer Tempels) und 132 n. Chr. Ziel ist es, die Transformation der jüdischen Gesellschaft und den Wandel in der internen Führung sowie der Glaubenspraxis zu analysieren und mit der Vorkriegszeit zu vergleichen.

  • Die Rolle von Rabban Johanan ben Zakkai und Rabban Gamaliel II als führende Akteure.
  • Der Wandel vom Tempelkult hin zur rabbinischen Gelehrsamkeit und Nächstenliebe.
  • Die administrative und judikative Funktion des „Lehrhauses“ von Jabne.
  • Die Konsolidierung der Führung des jüdischen Volkes nach dem Verlust des Tempels.
  • Die Dynamik der nationalen Identität im Spannungsfeld zwischen römischer Herrschaft und jüdischer Selbstverwaltung.

Auszug aus dem Buch

5.2 Entstehung des „Lehrhauses“ in Jabne

Johanan ben Zakkai gilt gemeinhin als der Initiator der jüdischen Neuorganisation, denn er war der Begründer eines jüdischen „Lehrhauses“ in der Stadt Jabne. In der Forschung wird teilweise die Ansicht vertreten, dass er die Erlaubnis der Römer, explizit die Erlaubnis Vespasians, zur Errichtung dieses „Lehrhauses“ hatte. Diese Annahme stützt sich auf das rabbinische Quellenmaterial.

Die rabbinische Literatur überliefert an verschiedensten Stellen, wie Johanan ben Zakkai sich noch während des Krieges in einem Sarg aus dem belagerten Jerusalem schmuggeln ließ und in das römische Lager flüchtete. Dort, so wird berichtet, sei er auf Vespasian getroffen und habe ihn um die Errichtung eines Lehrhauses in Jabne gebeten. Es entspricht wohl der Wahrheit, dass Johanan aus Jerusalem geflohen ist, denn auch nach Angaben des Josephus war es unter Umständen möglich aus der belagerten Stadt zu entkommen. Ob er nun tatsächlich in einem Sarg floh ist fraglich, aber für die Zielsetzung dieser Arbeit nicht weiter interessant. Die Bitte um Jabne ist jedoch zweifelsohne unhistorisch und als eine aus späterer Sicht formulierte Gründungslegende des „Lehrhauses“ in Jabne zu verstehen. Dies zeigt der Vergleich mit Josephus. Dieser schreibt im 4. Buch des Jüdischen Krieges, dass Vespasian viele Juden, die sich ihm ergeben hatten, nach Jabne schickte und sie dort als Einwohner ansiedelte. Johanan wählte Jabne also nicht zum neuen Ort seiner Lehrtätigkeit, sondern musste dort ansässig werden. Die rabbinischen Redaktoren verfolgten mit der Schilderung der von Vespasian bewilligten Bitte wohl das Ziel, im jüdischen Volk die Vorstellung zu verbreiten, dass die Akademie von Jabne schon zu Beginn ihres Bestehens von den Römern anerkannt war und somit einen offiziellen Charakter innehatte.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Zerstörung des Tempels als tiefgreifenden Einschnitt und stellt die Fragestellung nach der anschließenden Neuorganisation der jüdischen Gesellschaft in Jabne vor.

2. Quellenlage: Dieses Kapitel bewertet die verfügbaren Quellen, insbesondere Flavius Josephus, die Evangelien, Dokumente aus der Wüste Judäas sowie die rabbinische Literatur, auf ihre historische Verwertbarkeit.

3. Forschungsstand: Ein Überblick über die bestehende wissenschaftliche Fachliteratur, die die Reorganisation des Judentums nach 70 n. Chr. thematisiert und dabei die Qualität der Quellenbelege kritisch hinterfragt.

4. Das jüdische Volk vor dem 1. Jüdischen Krieg: Dieses Kapitel beschreibt das religiöse und gesellschaftliche Leben vor der Zerstörung des Tempels, inklusive der zentralen Bedeutung des Tempelkultes, der Priester und der verschiedenen Sekten.

5. Die Reorganisation des Judentums nach 70 n.C.: Das Hauptkapitel analysiert den Aufbau der Institutionen in Jabne, den Wandel der rabbinischen Lehre, administrative Funktionen sowie die Rolle der Führungspersönlichkeiten Johanan ben Zakkai und Gamaliel II.

6. Fazit: Das Fazit fasst die wesentlichen Ergebnisse zusammen: den Wandel des Glaubensfundaments, das Ende der Sekten zugunsten nationaler Einheit und die neue jüdische Führung unter dem Patriarchat.

Schlüsselwörter

Jabne, Tempelzerstörung, Johanan ben Zakkai, Rabban Gamaliel II, rabbinisches Judentum, Pharisäer, Sanhedrin, Patriarchat, jüdische Selbstverwaltung, Tempelkult, Torahstudium, Geschichte Judäas, Flavius Josephus, Nasi, jüdische Nation.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit primär?

Die Arbeit untersucht, wie das jüdische Volk nach der Zerstörung des Jerusalemer Tempels im Jahr 70 n. Chr. seine gesellschaftliche und religiöse Struktur reorganisierte.

Welche zentralen Themenfelder behandelt die Studie?

Im Zentrum stehen die Stadt Jabne als neues Zentrum jüdischer Gelehrsamkeit, der Aufstieg der rabbinischen Bewegung sowie der Wandel der internen Führungsstrukturen.

Was ist die zentrale Forschungsfrage?

Die Arbeit geht der Frage nach, inwiefern sich die Organisation der jüdischen Gesellschaft nach der Katastrophe des Jahres 70 n. Chr. im Vergleich zur Vorkriegszeit verändert hat.

Welche wissenschaftliche Methode wird angewendet?

Es erfolgt eine quellenkritische Analyse, bei der antike Geschichtswerke wie die von Flavius Josephus sowie rabbinische Literatur und Dokumente aus der Wüste Judäas miteinander verglichen und bewertet werden.

Was ist der inhaltliche Schwerpunkt des Hauptteils?

Der Hauptteil befasst sich detailliert mit der Etablierung des „Lehrhauses“ in Jabne, der administrativen und judikativen Arbeit der dortigen Versammlung sowie der Anerkennung der neuen Führung durch das Volk und die römischen Machthaber.

Was charakterisiert die Arbeit inhaltlich?

Die Arbeit zeichnet sich durch die Untersuchung aus, wie aus einer durch Sekten gespaltenen Gesellschaft eine geeintere Bewegung unter rabbinischer Führung entstand, die ohne den physischen Tempel fortbestehen konnte.

Wurde Rabban Johanan ben Zakkai von den Römern offiziell als Führer anerkannt?

Die Arbeit kommt zu dem Schluss, dass es keine historische Grundlage für die oft kolportierte offizielle Erlaubnis Vespasians zur Errichtung des Lehrhauses gibt; die Römer tolerierten ihn zwar, sahen ihn aber nicht als offiziellen Sprecher der jüdischen Nation an.

Wie unterscheidet sich die Rolle von Rabban Gamaliel II von der seines Vorgängers?

Rabban Gamaliel II genoss eine weitaus stärkere Anerkennung durch das jüdische Volk und die römische Verwaltung, wodurch er als eine Art früher „Patriarch“ (Nasi) agierte und geistliche sowie politische Führung in einer Person vereinte.

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Details

Title
Organisatorische Veränderungen seitens der Juden in der Zeit zwischen den Kriegen ( 70 n. Chr. - 132 n. Chr.)
College
University of Münster  (Seminar für Alte Geschichte)
Course
HS II: Römische Herrschaft über Judäa
Grade
1,0
Author
Birgit Lüke (Author)
Publication Year
2004
Pages
34
Catalog Number
V55816
ISBN (eBook)
9783638506755
ISBN (Book)
9783656794042
Language
German
Tags
Organisatorische Veränderungen Juden Zeit Kriegen Römische Herrschaft Judäa
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Birgit Lüke (Author), 2004, Organisatorische Veränderungen seitens der Juden in der Zeit zwischen den Kriegen ( 70 n. Chr. - 132 n. Chr.), Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/55816
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