Während der mündlichen Abschlußprüfung in meiner Berufsausbildung zur Krankenschwester wurde ich Zeugin einer ähnlichen Situation. Eine Mitschülerin bekam einen Gedankenblock, stammelte, errötete und zitterte am ganzen Körper. Was war geschehen? Wir hatten uns zusammen auf die Prüfung vorbereitet und sie hatte sich ein enormes Wissen angeeignet. Und dennoch konnte sie nicht mehr auf ihr Wissen zurückgreifen. Mein Interesse am Thema Prüfungsangst wurde durch die Beobachtungen, die ich als Protokollantin in zwei mündlichen Prüfungen im Rahmen meines Praktikums machen konnte, verstärkt.
Am Beispiel der Krankenpflegeschule in Heide werde ich die Ausprägung der Prüfungsangst bei KrankenpflegeschülerInnen feststellen, was dazu dienen soll, den Handlungsbedarf und Verbesserungsansätze für die LehrerInnen hinsichtlich Prüfungsvorbereitung und Prüfungssituation aufzuzeigen. Um die Ausprägung der Prüfungsangst festzustellen, habe ich mich für eine Fragebogenaktion entschieden, die auch die Ursachen der Prüfungsangst näher beleuchten soll. Interessant ist hier auch der Gedanke, wie die SchülerInnen über die Ursachen von Prüfungsangst denken und wie sie selbst die Prüfung verbessern würden. Dies werde ich in einem anschließendem Interview in Erfahrung bringen. Mir ist ebenfalls wichtig, zum Abschluß der Fragebogenaktion und des Interviews notwendige Konsequenzen, die sich daraus ergeben, in dem Kaptitel 8 „Umgang mit Prüfungsangst“ zu berücksichtigen.
Da das Thema sehr umfassend und die Seitenzahl dieser Abschlußarbeit begrenzt ist, kann ich leider verschiedene Aspekte nicht mit einbeziehen. Dazu gehören unter anderem die verschiedenen Angstkonzepte, die ausführliche Behandlung des psychoanalytischen Ansatzes im Umgang mit der Angst und die Bearbeitung der Angstneigung.
Um den Lesefluss zu verbessern, habe ich mich außerhalb der Überschriften für die Formulierung „SchülerInnen“ entschieden. Damit sind grundsätzlich die KrankenpflegeschülerInnen gemeint.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Definition und Entstehung von Angst/Prüfungsangst
2.1 Biochemischer Vorgang
2.2 Psychoanalytischer Ansatz
2.3 Behavioristischer Ansatz
2.4 Kognitionstheoretischer Ansatz
3. Arten der Angst n. Schwarzer
3.1 Existenzangst
3.2 Soziale Angst
3.3 Leistungsangst
3.3.1 Bewertungsangst
3.3.2 Prüfungsangst
3.3.2.1 Niedrigängstlicher Typ
3.3.2.2 Hochängstlicher Typ
4. Ursachen der Prüfungsangst
4.1 Aus psychoanalytischer Sicht
4.2 Aus behavioristischer Sicht
4.3 Aus kognitionstheoretischer Sicht
5. Sozialisation
5.1 Rolle der KrankenpflegeschülerInnen
5.2 Rolle der LehrerInnen
5.3 Beziehungsstrukturen in Krankenpflegeschulen
5.4 Beziehungsstrukturen in mündlichen Prüfungssituationen
6. Die mündliche Prüfung
7. Befragung von KrankenpflegeschülerInnen zur Prüfungsangst
7.1 Fragebogenaktion
7.2 Auswertung und Fazit
7.3 Interview der befragten KrankenpflegeschülerInnen
7.4 Veränderungen in der Krankenpflegeschule in Heide
8. Umgang mit Prüfungsangst
8.1 Umgang mit Prüfungsangst aus SchülerInnenperspektive
8.1.1 Angst erkennen und damit umgehen lernen
8.1.2 Optimale Prüfungsvorbereitung
8.1.3 Verhaltensänderung
8.1.4 Kognitive Bewältigungstechniken
8.1.5 Entspannungstechniken
8.2 Umgang mit Prüfungsangst aus LehrerInnenperspektive
8.2.1 Die eigene Angst erkennen
8.2.2 Angst der SchülerInnen erkennen und darauf reagieren
8.2.3 Eigenes Prüfungsverhalten reflektieren
8.2.4 Organisation, Aufbau und Ablauf von mündlichen Prüfungen
9. Zusammenfassung, Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Ausprägung von Prüfungsangst bei KrankenpflegeschülerInnen, um auf dieser Basis Handlungsbedarf und konkrete Verbesserungsmöglichkeiten für die Prüfungssituation und -vorbereitung aufzuzeigen.
- Analyse theoretischer Angstkonzepte (psychoanalytisch, behavioristisch, kognitionstheoretisch)
- Untersuchung von Sozialisations- und Beziehungsstrukturen in der Krankenpflegeausbildung
- Empirische Erfassung von Prüfungsangst mittels Fragebogen und Interview
- Ableitung praxisnaher Bewältigungsstrategien für SchülerInnen und LehrerInnen
Auszug aus dem Buch
2.1 Biochemischer Vorgang
Die Angst löst im Körper einen biochemischen Vorgang aus, der vor allem durch die Wirkung von Hormonen dominiert wird.
Im Zentralen Nervensystem (ZNS) werden durch psychische Belastungen wie z. B. Angst, zwei parallel verlaufende Reaktionsketten in Gang gesetzt, die auch als Stressreaktion bezeichnet werden.
In der ersten Reaktionskette wird der Hypothalamus aktiviert, der ein Hormon ausschüttet, das in der Hypophyse zur Freisetzung eines weiteren Hormons führt. Dies wiederum stimuliert die Ausschüttung von Glukokortikoiden in der Nebenniere.
Die zweite Reaktionskette bewirkt eine Ausschüttung von Adrenalin und Noradrenalin über den Sympathikus in Sekundenschnelle.
Die zweite Reaktionskette beeinflusst kurzfristig alle Organfunktionen, die für das Überleben wichtig sind, wie die Erhöhung der Herzschlagfrequenz und der Kontraktionskraft des Herzens, die Erweiterung der Bronchien, eine höhere Durchblutung der Skelettmuskulatur und die Freisetzung von Glukose in der Leber zur Energieversorgung. Denkvorgänge werden zugunsten vorprogrammierter Reflexhandlungen blockiert, welches das Phänomen des Gedankenblocks in einer Prüfung erklärt.
In einer realen Gefahrensituation sind diese körperlichen Vorgänge jedoch notwendig und lebenswichtig (vgl. Schäffler/Schmidt 1995, S. 186).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Autorin begründet ihr Interesse am Thema aufgrund eigener Erfahrungen und stellt die Zielsetzung der Arbeit sowie das methodische Vorgehen vor.
2. Definition und Entstehung von Angst/Prüfungsangst: Es werden grundlegende Definitionen und verschiedene theoretische Ansätze zur Entstehung von Angst erläutert.
3. Arten der Angst n. Schwarzer: Das Konzept von Schwarzer wird vorgestellt, um Prüfungsangst in den Kontext von Selbstaufmerksamkeit und weiteren Angstarten einzuordnen.
4. Ursachen der Prüfungsangst: Die zuvor erläuterten Theorien werden konkret auf mögliche Ursachen von Prüfungsangst bei KrankenpflegeschülerInnen angewandt.
5. Sozialisation: Es wird untersucht, wie Rollenerwartungen und Beziehungsstrukturen zwischen Lehrenden und Lernenden die Entstehung von Ängsten beeinflussen können.
6. Die mündliche Prüfung: Dieses Kapitel beleuchtet die gesetzlichen Rahmenbedingungen und die Organisation mündlicher Prüfungen in der Krankenpflege.
7. Befragung von KrankenpflegeschülerInnen zur Prüfungsangst: Die Ergebnisse einer Fragebogenaktion und eines Interviews werden ausgewertet, um die Situation an der Krankenpflegeschule in Heide zu erfassen.
8. Umgang mit Prüfungsangst: Es werden praxisnahe Bewältigungsstrategien aus Schüler- und Lehrerperspektive sowie reflektierende Methoden zur Verbesserung der Prüfungssituation aufgezeigt.
9. Zusammenfassung, Ausblick: Die Autorin reflektiert die Ergebnisse und unterstreicht die Notwendigkeit, das Thema Prüfungsangst fest in der Ausbildung zu verankern.
Schlüsselwörter
Prüfungsangst, Krankenpflegeausbildung, mündliche Prüfung, Bewältigungsstrategien, Angstkonzepte, Sozialisation, Beziehungsstrukturen, Stressreaktion, Selbstaufmerksamkeit, Leistungsangst, Prüfungsvorbereitung, Reflexion, Pädagogische Psychologie, Gedankenblock, Transaktionsanalyse
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit dem Phänomen der Prüfungsangst bei KrankenpflegeschülerInnen, insbesondere im Hinblick auf die Situation bei mündlichen Prüfungen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die zentralen Felder umfassen psychologische Angsttheorien, die Rollen- und Beziehungsstrukturen in der Pflegeausbildung, empirische Daten zur Prüfungsangst sowie Ansätze zur Bewältigung und Prävention.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das primäre Ziel ist es, den Handlungsbedarf zur Reduzierung von Prüfungsangst zu identifizieren und konkrete Verbesserungsvorschläge für LehrerInnen und PrüferInnen abzuleiten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin kombiniert eine theoretische Literaturanalyse mit einer empirischen Datenerhebung (Fragebogenaktion und geführtes Gruppeninterview) an einer Krankenpflegeschule.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil behandelt die psychologischen Hintergründe der Angst, analysiert die sozialen Strukturen der Krankenpflegeschule, wertet die Befragungsergebnisse aus und entwickelt Maßnahmen zum Umgang mit Prüfungsangst.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Prüfungsangst, Krankenpflege, Bewältigungsstrategien, soziale Strukturen, Prüfungsvorbereitung und Kommunikation.
Warum spielt das Abhängigkeitsverhältnis zwischen Lehrenden und Lernenden eine wichtige Rolle?
Die Autorin argumentiert, dass die Rollenstruktur in Krankenpflegeschulen Ängste verstärken kann, da sie den SchülerInnen in ein kindliches Abhängigkeitsverhältnis drängt, was dem Ziel der Ausbildung zu selbstständigen, erwachsenen Pflegenden entgegensteht.
Welche konkreten Veränderungen wurden an der Krankenpflegeschule in Heide umgesetzt?
Die Schule verbesserte die Atmosphäre durch die Gestaltung der Prüfungsräume (z.B. Blumen, Kerzen), bot kleine Aufmerksamkeiten an und förderte eine intensivere Reflexion über die eigene Rolle und das Verhalten der PrüferInnen.
Wie gehen hochängstliche Typen nach Schwarzer mit Prüfungssituationen um?
Hochängstliche Typen neigen dazu, ihre Aufmerksamkeit auf die eigene Person (selbstbezogene Kognitionen) und mögliche Misserfolge zu richten, anstatt sich auf die eigentliche Prüfungsaufgabe zu konzentrieren.
- Quote paper
- Maja Schendel (Author), 2003, Prüfungsangst bei KrankenpflegeschülerInnen im Hinblick auf mündliche Prüfungen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/55899