Das amerikanische Verhältnis zum Völkerrecht steht mehr denn je zur Diskussion. Jenseits aller Polemik, die bestimmten US-Regierungen Tendenzen zum "Unilateralismus" nachsagt, kann festgestellt werden, dass sich die amerikanische Sichtweise auf das Völkerrecht ambivalenter Natur ist. Der prinzipiellen Unterstützung des Völkerrechts, das ein Pfeiler der internationalen Ordnung sein kann, steht in der amerikanischen Auffassung dessen moralische Zweckbindung und der unbedingte Vorrang der - demokratisch legitimierten - amerikanischen Verfassung gegenüber. Diese Ambivalenz, welche an der jeweiligen Anerkennung der unterschiedlichen Rechtsquellen des Völkerrechts nachweisbar ist, gründet vor allem auf den spezifischen kulturellen und institutionnellen Faktoren, die das historische Selbstverständnis der USA insgesamt prägen.
Inhaltsverzeichnis
- 1. Einleitung
- 2. Das amerikanische Völkerrechtsverständnis
- 2.1 Definition des Begriffs „Völkerrecht“
- 2.2 Die Ambivalenz als Kernproblem der amerikanischen Völkerrechtsauffassung
- 2.3 Die Haltung der USA zu einzelnen Völkerrechtsquellen
- 2.3.1 Die amerikanische Position zum Völkergewohnheitsrecht
- 2.3.2 Die amerikanische Position zum Völkervertragsrecht
- 2.3.2 Die amerikanische Position zu den allgemein anerkannten Prinzipien des Völkerrechts
- 2.3.3 Die amerikanische Position gegenüber dem von internationalen Organisationen geschaffenen Sekundärrecht
- 2.4 Bestimmungsfaktoren des ambivalenten Verhältnisses der USA zum Völkerrecht
- 2.4.1 Einflüsse von Paradigmen der IB in der amerikanischen Politikwissenschaft
- 2.4.2 Institutionelle Faktoren: Einflüsse durch das politische System der USA
- 2.4.2.1 Auswirkungen des Föderalismus
- 2.4.2.2 Außenpolitische Kompetenzen des Kongresses
- 2.4.3 Demokratietheoretische Einwände gegen völkerrechtliche Einbindung
- 2.4.4 Zwischenfazit
- 2.4.5 Die spezifische amerikanische Rechtskultur
- 2.4.6 Das amerikanische Missionsbewusstsein
- 3. Schluss
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Die vorliegende Arbeit befasst sich mit dem komplexen Verhältnis der USA zum Völkerrecht. Ziel ist es, das amerikanische Völkerrechtsverständnis im Detail zu untersuchen und die wesentlichen Bestimmungsfaktoren dieses Verhältnisses aufzudecken. Insbesondere soll analysiert werden, inwieweit die USA das Völkerrecht als bindende Norm anerkennen und ob und inwiefern eine Annäherung der amerikanischen Position zu einer stärkeren Verrechtlichung der internationalen Beziehungen möglich ist.
- Das amerikanische Verständnis des Völkerrechts
- Die Ambivalenz der USA gegenüber dem Völkerrecht
- Die Rolle der einzelnen Völkerrechtsquellen im amerikanischen Rechtssystem
- Die Einflüsse von politischen, institutionellen und rechtlichen Faktoren auf die amerikanische Völkerrechtsauffassung
- Die Bedeutung des amerikanischen Missionsbewusstseins und der US-amerikanischen Rechtskultur
Zusammenfassung der Kapitel
Die Einleitung der Arbeit beleuchtet die aktuelle Debatte um die Rolle der USA in der internationalen Ordnung und die Frage, ob die US-Außenpolitik tatsächlich einen Bruch mit dem Völkerrecht darstellt. Die Arbeit fokussiert dabei auf die Analyse des amerikanischen Verständnisses des Völkerrechts.
Das zweite Kapitel befasst sich mit dem amerikanischen Völkerrechtsverständnis. Es werden verschiedene Definitionen des Begriffs „Völkerrecht“ vorgestellt und die Ambivalenz in der amerikanischen Position gegenüber dem Völkerrecht herausgestellt. Die amerikanische Haltung zu den verschiedenen Völkerrechtsquellen, wie dem Völkergewohnheitsrecht, dem Völkervertragsrecht, den allgemein anerkannten Prinzipien des Völkerrechts und dem Sekundärrecht internationaler Organisationen, wird ausführlich analysiert.
Schlüsselwörter
Das Verhältnis der USA zum Völkerrecht, amerikanisches Völkerrechtsverständnis, Völkerrechtsquellen, Völkergewohnheitsrecht, Völkervertragsrecht, allgemein anerkannte Prinzipien des Völkerrechts, Sekundärrecht, Institutionelle Faktoren, Föderalismus, amerikanische Rechtskultur, Missionsbewusstsein.
Häufig gestellte Fragen
Warum gilt das Verhältnis der USA zum Völkerrecht als ambivalent?
Die USA unterstützen das Völkerrecht prinzipiell als Pfeiler der Ordnung, räumen jedoch der eigenen, demokratisch legitimierten Verfassung stets unbedingten Vorrang ein.
Wie stehen die USA zum Völkergewohnheitsrecht?
Die USA erkennen Völkergewohnheitsrecht oft nur dann als bindend an, wenn es mit ihren nationalen Interessen und ihrer Rechtskultur vereinbar ist.
Welchen Einfluss hat der Föderalismus auf die US-Völkerrechtspolitik?
Die Aufteilung der Kompetenzen zwischen Einzelstaaten und Bundesregierung erschwert oft die Ratifizierung und Umsetzung internationaler Verträge.
Was ist das "amerikanische Missionsbewusstsein"?
Es beschreibt das Selbstverständnis der USA, universelle Werte wie Demokratie und Freiheit weltweit zu fördern, was oft zu Spannungen mit völkerrechtlichen Bindungen führt.
Welche Rolle spielt der Kongress in der Außenpolitik?
Der Kongress besitzt weitreichende Befugnisse bei der Ratifizierung von Verträgen und kann durch seine Gesetzgebung die völkerrechtliche Einbindung der USA begrenzen.
- Citar trabajo
- Eric Sangar (Autor), 2005, Das amerikanische Verhältnis zum Völkerrecht, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/55966