Sozialisationstheoretischer Zugang zur Ursache rechtsextremer Einstellungen


Hausarbeit, 2002

13 Seiten, Note: 1,2


Leseprobe

Gliederung

1. Latenter Rassismus aus der Mitte

2. Klärung dreier wichtiger Begriffe
2.1 Sozialisationstheorie
2.2 Autoritäre und rechtsextreme Einstellungen

3. Adornos „Studien zum autoritären Charakter
3.1 Das Projekt
3.2 Kennzeichen autoritärer Persönlichkeiten
3.3 Zur Sozialisation der Autoritären

4. Ursachen rechtsextremer Einstellungen aus heutiger Sicht
4.1 Beziehungserfahrungen und Normenentwicklung.
4.2 Die Rolle der Jugendzeit

5. Die Besonderheit in den neuen Bundesländern
5.1 Zahlen und Umfragen
5.2 Rechtsextreme Orientierungen und Erziehung in der DDR

6. Kritik und Zusammenfassung
6.1 Schwächen des sozialisationstheorethischen Ansatzes
6.2 Zusammenfassung

7. Das Aktionsprogramm „für Toleranz und Demokratie“

Literaturverzeichnis

1. Latenter Rassismus aus der Mitte

„Keine Lust mit Dreck zu reden will Türken/ nur in Särgen seh'n/ purer Hass, purer Hass“[1], so tönt es von Seiten einer rechtsextremen Skinhead – Band. Und da der künstlerische Anspruch offensichtlich recht gering ist, muss man sich fragen, wen diese Musik denn ansprechen kann und warum. Es gilt dann auch zu erwägen, inwieweit rechtsextremistische Potentiale nur eine Sache einer rechten Subkultur[2] sind, oder ob sie, wie BKA-Präsident Zachert 1993 sagte, „aus der Mitte der Gesellschaft“[3] kämen und sich darin ein „latenter Rassismus“[4] spiegele.

Die vorgelegte Arbeit wird sich im weiteren Sinne damit befassen: Es geht um den sozialisationstheorethischen Zugang zu rechtsextremen Einstellungen. Dazu wird auf vorhandene Literatur zu den Themen Autoritarismus und Rechtsextremismus zurückgegriffen.

Zunächst werden hierbei die für wichtig erachteten Begriffe geklärt, dann individualpsychologischen Faktoren der Sozialisation zu erläutert, auf die Besonderheit in den neuen Bundesländer eingegangen um mit einer kritischen Sicht auf eine politische Maßnahme zu schließen.

2. Klärung dreier wichtiger Begriffe

2.1 Sozialisationstheorie

Unter Sozialisation ist allgemein der lebenslange Prozess der Erziehung des Subjekts in Wechselwirkung zur sozialen und institutionellen Umwelt zu verstehen. Man unterscheidet zwischen primärer (elterlicher) und sekundärer (schulischer) Sozialisation.[5] Besonders erstere stellt der sozialisationstheorethische Zugang in ihrem Einfluss auf die Persönlichkeitsstruktur ins Zentrum seiner Überlegungen. Von großer Bedeutung innerhalb dieser Arbeit sind daher vor Allem „private psychische Bedürfnisse und Defizite“[6] innerhalb der Kindheit und Jugend. Ursachen rechtsextremer Einstellungen werden dabei ausschließlich individualpsychologisch gedeutet.[7]

2.2 Autoritäre und rechtsextreme Einstellungen

Die im folgenden Kapitel erläuterte 'autoritäre Persönlichkeit', als Modell einer für den Faschismus anfälligen Charaktere, entspricht die 'rechtsextreme Persönlichkeit' von heute.[8] „Autoritär“ wird dabei mit „totalitär“ gleichgesetzt,[9] im Sinne eines Gegensatzes zu „demokratisch“.[10]

Schwieriger ist derzeit die Situation beim zweiten Begriff: Zurecht wird beklagt, die ganze Forschung leide darunter, dass es besonders für den Extremismusbegriff keine verbindliche Definition gäbe.[11] So beschreibt Isabelle Canu das Wesen des Extremismus über die Gewalt[12], Corinna Kleinert und Johann de Rijke hingegen gehen von einen Rechtsextremismus-Begriff[13] ohne diesem Element aus.[14] Die hier angewendete Definition, versteht und behandelt ihn im Sinne eines Syndroms.[15] Zur Eingrenzung des Wesens rechtsextremer Orientierungen erscheint die Eingrenzung von Gessenharter am zweckmäßigsten:

„Als rechtsextrem kann man Personen, Organisationen, Gruppen bezeichnen, die autoritäres, antipluralistisches, antiparlamentarisches, zivilisationskritisches und nationalistisches (bes. fremdgruppenvorurteilbehaftetes) Gedankengut vertreten (...) Dabei können einzelne Merkmale abgestuft sein und/ oder verschieden bewertet und gewichtet werden.“[16]

Diese Merkmale und ihr Zusammenhang mit der „individuellen Charkterstruktur“[17] einer Person wurden erstmals von Adorno, Frenkel-Brunswick, Levinson und Sanford in ihrer Arbeit über den 'autoritären Charakter' genauer erforscht.

[...]


[1] Textbeispiel aus der 1999 erschienen und indizierten CD „Die Härte – National Deutsche Welle“, in: Bundesamt für Verfassungsschutz: Rechtsextremismus in Deutschland. Ein Lagebild zu Beobachtungsschwerpunkten des Verfassungsschutzes, Oktober 2000, S. 4.

[2] Vgl. ebd., S. 3-7.

[3] Frankfurter Rundschau: Anschläge auf Ausländer kommen „aus der Mitte der Gesellschaft“. 16. Juni 1993.

[4] Ebd. .

[5] Vgl. Klaus-Jürgen Tillmann: Sozialisationstheorien. Eine Einführung in den Zusammenhang von Gesellschaft, Institution und Subjektwerdung, Hamburg¹² 2001, S. 9-15.

[6] Armin Pfahl-Traughber: Rechtsextremismus in der Bundesrepublik, München² 2000, S. 98.

[7] Vgl. Corinna Kleinert/ Johann de Rijke: Rechtsextreme Orientierungen bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen, in: Wilfried Schubarth/ Richard Stöss (Hg.): Rechtsextremismus in der Bundesrepublik Deutschland. Eine Bilanz, Bonn 2000, S. 186.

[8] Siehe hierzu Christel Hopf u. a.: Familie und Rechtsextremismus. Familiale Sozialisation und rechtsextreme Orientierungen junger Männer, Weinheim und München 1995, S. 11-31.

[9] Max Horkheimer/ Theodor W. Adorno: Vorurteil und Charakter, in: Hessische Landeszentrale für politische Bildung (Hg.): Argumente gegen den Haß. Über Vorurteile, Fremdenfeindlichkeit und Rechtsextremismus. Band II: Textsammlung, Bonn 1993, S. 35.

[10] Jürgen R. Winkler: Rechtsextremismus. Gegenstand – Erklärungsansätze – Grundprobleme, in: Wilfried Schubarth/ Richard Stöss (Hg.): Rechtsextremismus in der Bundesrepublik Deutschland. Eine Bilanz, Bonn 2000, S. 44-49.

[11] Ebd., S. 170.

[12] Siehe Isabelle Canu: Der Streit um den Extremismusberiff, in: Eckhard Jesse/ Steffen Kailitz (Hg.): Prägekräfte des 20. Jahrhunderts. Demokratie, Extremismus, Totalitarismus, München 1997, S. 104.

[13] Zur Problematik des Begriffes bei Christoph Butterwegge: Entschuldigungen oder Erklärungen für Rechtsextremismus, Rassismus und Gewalt? Bemerkungen zur Diskussion über die Entstehungsursachen eines unbegriffenen Problems, in: Christoph Butterwegge/ Georg Lohmann (Hg.): Jugend, Rechtsextremismus und Gewalt, Opladen 2000, S. 14-17; auch bei Winkler, Bonn 2000, S. 44-49.

[14] Siehe Kleinert/ de Rijke, Bonn 2000, S. 171.

[15] Vgl. u. A. Kleinert/ de Rijke, Bonn 2000, S. 170f.; Traughber, München² 2000, S. 11 ff..

[16] Wolfgang Gessenharter: Rechtsextremismus, in: Martin Greifenhagen u.a. (Hg.): Handwörterbuch zur politischen Kultur der Bundesrepublik Deutschland, Opladen 1981, S. 399.

[17] Theodor W. Adorno: Studien zum autoritären Charakter, Frankfurt a. M. 1973, S. 1.

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Sozialisationstheoretischer Zugang zur Ursache rechtsextremer Einstellungen
Hochschule
Otto-Friedrich-Universität Bamberg  (Fachbereich Politikwissenschaften)
Note
1,2
Autor
Jahr
2002
Seiten
13
Katalognummer
V5599
ISBN (eBook)
9783638134286
ISBN (Buch)
9783638841801
Dateigröße
511 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Rechtsextremismus, Sozialisationstheorie, Autoritäre Persönlichkeit, Adorno, Hopf Christel, Bedeutung der Beziehung, Verfassungsschutz, Horkheimer, masochistischer Charakter
Arbeit zitieren
Felix Hessmann (Autor), 2002, Sozialisationstheoretischer Zugang zur Ursache rechtsextremer Einstellungen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/5599

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