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Spuren der Vergangenheit? Schlüsselwörter der LTI im heutigen Sprachgebrauch. Zur Rolle der Lexeme Fanatismus/fanatisch in den Medien

Title: Spuren der Vergangenheit? Schlüsselwörter der LTI im heutigen Sprachgebrauch. Zur Rolle der Lexeme Fanatismus/fanatisch in den Medien

Term Paper (Advanced seminar) , 2005 , 33 Pages , Grade: 1,5

Autor:in: Sylvia Ullrich (Author)

German Studies - Linguistics
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Deutschland im Jahr 2005. Die Berliner Republik ist angekommen im dritten Jahrtausend. Begriffe wie Hartz IV, Eigenverantwortung, private Altersvorsorge und Ähnliche mehr dominieren den politischen Diskurs sowie den Alltag des Einzelnen und zeichnen ein Bild ihrer Zeit - nicht zuletzt womöglich auch über die Gegenwart hinaus. So werden diese im Sprachgebrauch hoch frequentierten sprachlichen Ausdrücke mit einiger Wahrscheinlichkeit auch künftigen Generationen wertvolle Hinweise auf Wesenszüge und Eigenheiten ihrer Entstehungszeit liefern. Gerade diese - wenngleich häufig implizit wirkende -Aussagekraft ist es, die diese Begriffe zu einem höchst informativen und spannenden Bereich der linguistischen Forschung machen. Erreichen sie einen bestimmten Status hinsichtlich ihrer Häufigkeit und relativen Bedeutung für das gesamtsprachliche Lexikon, spricht die Linguistik von Schlüsselwörtern. Doch nicht nur (potenzielle) Schlüsselwörter des gegenwärtigen Sprachgebrauchs erweisen sich als äußerst aufschlussreich. Auch der Umgang einer Sprachgemeinschaft mit Schlüsselwörtern vergangener Generationen und Epochen bietet Stoff für umfangreiche linguistische Auseinandersetzungen. Für den Bereich der germanistischen Linguistik erscheint, wie so oft, - neben sprachlichen Entwicklungen in der DDR - die Zeit des Nationalsozialismus von besonderer Eignung und Relevanz für derartige Betrachtungen zu sein. Sechzig Jahre nach Beendigung des Zweiten Weltkrieges - der Eindruck der offiziellen Gedenkfeiern scheint noch allgegenwärtig - bietet sich dem aufmerksamen Betrachter mitunter ein zwiespältiges Bild; die Medaille der noch jungen Demokratie scheint zwei Seiten zu haben. Bezieht die Vorderseite ihren Glanz aus der radikal vollzogenen Abkehr von nationalsozialistischem Sprach-und Gedankengut - nicht wenige Politikerkarrieren scheiterten jüngst allein an Vergleichen mit dem Nationalsozialismus -, so offenbart die zweite, eher im Verborgenen liegende Seite einen weit weniger strengen und konsequenten Umgang mit der deutschen Vergangenheit.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung – Gegenstand, Zielsetzung, Methoden

2. Herkunft und Entwicklung des Lexems Fanatismus – ein Überblick

3. Klemperers Auseinandersetzung mit den Lexemen Fanatismus/ fanatisch

3.1 Theoretische Grundlagen: Zur Rolle von Schlüsselwörtern in der Sprache

3.1.1 Zum Begriff des Schlüsselworts

3.1.2 Schlüsselwörter vs. Schlagwörter – eine Abgrenzung.

3.1.3 Exkurs: Schlüssel- und Schlagwörter im Bundestagswahlkampf 2005

3.2 Schlüsselwörter der LTI

3.3 Fanatismus/ fanatisch als Schlüsselwort und -wert der LTI

4. Die Lexeme Fanatismus/ fanatisch im heutigen Sprachgebrauch

4.1 Einführende Betrachtungen – Klemperers Ahnung einer LQI

4.2 Fanatismus im religiösen Kontext

4.3 Fanatismus im politischen und gesellschaftlichen Kontext

4.4 Fanatische Fans? – ein Sonderfall

5. Fazit/ Ausblick

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die aktuelle Verwendung der Lexeme "Fanatismus" und "fanatisch" in den deutschen Medien. Ziel ist es, unter Rückgriff auf Victor Klemperers Sprachkritik der "Lingua Tertii Imperii" (LTI) zu analysieren, ob sich in heutigen Presseerzeugnissen eine Rückbesinnung auf historisch belastete Begriffsverwendungen feststellen lässt oder ob es sich um eine neue Unbeschwertheit im Umgang mit dem sprachlichen Erbe handelt.

  • Analyse der theoretischen Konzepte von Schlüsselwörtern und Schlagwörtern.
  • Untersuchung der historischen Bedeutungsumwertung von "Fanatismus" im Nationalsozialismus.
  • Empirische Untersuchung der Lexeme in aktuellen Medienberichten (politische und religiöse Kontexte).
  • Differenzierte Betrachtung der Wortfamilie "Fan" als Sonderfall.
  • Bewertung der sprachlichen Kontinuität und semantischen Verschiebung in der Gegenwart.

Auszug aus dem Buch

3.1.2 Schlüsselwörter vs. Schlagwörter – eine Abgrenzung

Ein dem Konzept des Schlüsselworts mitunter sehr nahestehender Begriff ist der des Schlagworts. Wie Herberg einführend feststellt, ist das „Konzept ‚Schlüsselwort’ [...] weiter als Konzepte wie ‚Schlagwort’, ‚Fahnenwort’, ‚Stigmawort’, die jeweils eine bestimmte Funktion von Wörtern in der Kommunikation hervorheben“ (Herberg 1997, 335). Da die Begriffe ‚Schlüsselwort’ und ‚Schlagwort’ folglich nicht in jedem Fall synonym zu verstehen sind, scheint eine gegenüberstellende Bedeutungsklärung der zwei Konzepte an dieser Stelle sinnvoll und angebracht.

Ähnlich wie bereits für das Schlüsselwort dargelegt, ist ein Wort „nie als solches ein Schlagwort, sondern wird dazu immer erst durch den Gebrauch in bestimmten Situationen und Texten“ (Strauß u. a. 1989, 32). Auch hinsichtlich der Verwendung lassen sich wesentliche Parallelen der zwei Begriffe ausmachen. Verfolgt nämlich der Sprecher, etwa der politische Akteur, mit der Verwendung von Schlüsselwörtern in der Regel ganz gezielt die Absicht, den Zeitgeist und somit die Zustimmung relevanter Bevölkerungsgruppen zu treffen, so gilt dies häufig ohne Weiteres auch für den Gebrauch von Schlagworten. Allenfalls die noch stärker emotional, wenn nicht gar manipulativ ausgerichtete Verwendung von politischen Schlagwörtern mag diesbezüglich als tendenzielle semantische Nuance erscheinen.

Als vergleichsweise aussagekräftiges und verlässliches Unterscheidungskriterium kommt möglicherweise aber die Frage nach der semantischen Konstanz von Schlüssel- und Schlagwörtern in Betracht. Bei der Entstehung von Schlagwörtern nämlich geht es häufig weniger darum, im Sprachgebrauch bereits bestehende Begriffe inhaltlich neu zu besetzen, als vielmehr darum, sie überhaupt zu besetzen. Strauß/ Haß/ Harrach bezeichnen sie demzufolge sehr treffend auch als „Kampfwörter und umkämpfte Wörter zugleich“ (Strauß u. a. 1989, 34). Wem es gelinge, die „umkämpften Wörter“ für sich in Anspruch zu nehmen, „der setze sich in den Besitz der Macht“ (ebd.).

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung – Gegenstand, Zielsetzung, Methoden: Die Einleitung legt das Fundament der Untersuchung, indem sie das Interesse an der medialen Verwendung historisch aufgeladener Begriffe im Jahr 2005 begründet.

2. Herkunft und Entwicklung des Lexems Fanatismus – ein Überblick: Dieses Kapitel zeichnet die etymologische und semantische Geschichte des Begriffs vom lateinischen Ursprung bis zur pejorativen Konnotation nach.

3. Klemperers Auseinandersetzung mit den Lexemen Fanatismus/ fanatisch: Hier werden theoretische Grundlagen zu Schlüsselwörtern gelegt und Klemperers Analyse des "Fanatismus" als zentralem Wert der LTI detailliert erörtert.

4. Die Lexeme Fanatismus/ fanatisch im heutigen Sprachgebrauch: Der Hauptteil analysiert, wie Medien das historisch belastete Vokabular heute in religiösen und politischen Kontexten sowie in Bezug auf "Fans" verwenden.

5. Fazit/ Ausblick: Das Fazit fasst zusammen, dass keine Renaissance nationalsozialistischer Sprachmuster erkennbar ist, warnt aber vor einer neuen, unbedarften Ambivalenz im Umgang mit solchen Begriffen.

Schlüsselwörter

Fanatismus, fanatisch, Victor Klemperer, LTI, Schlüsselwörter, Schlagwörter, Sprachkritik, Medienberichterstattung, semantischer Wandel, Konnotation, Nationalsozialismus, Lingua Tertii Imperii, Fan, politische Sprache, Sprachgebrauch.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht, wie heute, sechzig Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs, mit historisch belasteten Schlüsselwörtern – konkret "Fanatismus/fanatisch" – in den deutschen Medien umgegangen wird.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zentrale Themen sind die Sprachkritik im Kontext der LTI (Lingua Tertii Imperii), die theoretische Abgrenzung von Schlüssel- und Schlagwörtern sowie die Analyse des aktuellen Sprachgebrauchs in politischen und religiösen Medienberichten.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist festzustellen, ob die heutige Verwendung dieser Begriffe auf eine gefährliche Rückbesinnung auf nationalsozialistische Denkmuster hindeutet oder lediglich eine unreflektierte sprachliche Ambivalenz darstellt.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Autorin stützt sich auf eine linguistische Analyse ausgewählter Textkorpora aus Printmedien unter Einbeziehung von Klemperers sprachwissenschaftlichem Werk und aktuellen Wortschatzanalysen.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung (Schlüsselwortkonzepte), die historische Bedeutung der LTI und eine empirische Analyse der Begriffe in verschiedenen modernen Kontexten (Religion, Politik, Fankultur).

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird maßgeblich durch die Begriffe Fanatismus, Schlüsselwort, LTI, semantischer Wandel und Sprachkritik geprägt.

Warum ist die Unterscheidung zwischen "Schlüsselwort" und "Schlagwort" für die Arbeit so wichtig?

Die Unterscheidung ist zentral, da Schlüsselwörter laut Analyse meist einen stärkeren semantischen Wandel über Zeiträume erfahren, während Schlagwörter eher als Kampfmittel in aktuellen politischen Auseinandersetzungen dienen.

Welche Schlussfolgerung zieht die Autorin bezüglich der Begriffe in der modernen Medienpraxis?

Die Autorin kommt zu dem Schluss, dass keine direkte Renaissance der NS-Sprache vorliegt, warnt jedoch vor einer "neuen Unbeschwertheit", die dazu führt, dass die Konnotation belasteter Begriffe für den Rezipienten oft erst auf den zweiten Blick erkennbar wird.

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Details

Title
Spuren der Vergangenheit? Schlüsselwörter der LTI im heutigen Sprachgebrauch. Zur Rolle der Lexeme Fanatismus/fanatisch in den Medien
College
University of Potsdam  (Institut für Germanistik)
Course
Hauptseminar Grenzen von Sprachlichkeit
Grade
1,5
Author
Sylvia Ullrich (Author)
Publication Year
2005
Pages
33
Catalog Number
V56089
ISBN (eBook)
9783638508773
ISBN (Book)
9783656807469
Language
German
Tags
Spuren Vergangenheit Schlüsselwörter Sprachgebrauch Rolle Lexeme Fanatismus/fanatisch Medien Hauptseminar Grenzen Sprachlichkeit
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Sylvia Ullrich (Author), 2005, Spuren der Vergangenheit? Schlüsselwörter der LTI im heutigen Sprachgebrauch. Zur Rolle der Lexeme Fanatismus/fanatisch in den Medien, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/56089
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