Die Templer - Gründung und Institutionalisierung der militia Christi


Seminararbeit, 2005

24 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

0. Vorwort

1. Einleitung

3. Aufbau, Organisation und Administration
3.1 Räumliche Aufteilung
3.2 Provinzialorganisation
3.3 Personalstruktur
3.4 Finanzierung

4. Regelwerk im Templerorden
4.1 Ordensdisziplin
4.2 Das Aufnahmezeremoniell

5. Strafgesetze und Sanktionen
5.1 Ausstoßung aus dem Orden
5.2 Verlust des Kleides
5.3 Weitere Möglichkeiten

6. Schlussbemerkung

7. Literaturverzeichnis

0. Vorwort

„Der Stoff hat alles, was ein guter Krimi braucht: Bestechung, Erpressung, Intrige, Folter und Mord.“1 Hauptakteure dieses Krimis sind, nach BEHRENDS, „Die Templer“. Sie sind „Die Elitesoldaten des Papstes“, „Die Banker des Mittelalters“, wurden denunziert und verbrachten ihren Lebensabend „In den Kerkern der Inquisition“. Eine perfekte Grundlage zur Mystifizierung der „militia Christi“. Sei es durch Erlebnisgeschichte, Romane oder durch filmische Gestaltung. Der Film „Das Blut der Templer“, erst kürzlich auf DVD erschienen, zeigt die noch immer währende Aktualität und Besonderheit der Tempelritter. Der Warnruf eines Rezensenten bei Amazon.de zur genannten DVD, spricht wahrscheinlich vielen Historikern aus der Seele. „Tut euch das nicht an!!! Die deutsche Antwort auf "Highlander", dazu etwas "Indiana Jones" und ein bißchen (sic!) Teenie-Love-Story.“2 Wie schön Geschichte doch sein kann. Als Thema für die Unterhaltungsmedien stehen die Tempelritter noch immer hoch im Kurs. Neben der vorurteilsfreien Recherche geschichtlicher Quellen zur Erstellung des Drehbuchs, gehört zu einem „guten Krimi“ aber auch eine gute Planungsstruktur, sowie gute organisatorische Fähigkeiten. Ohne diese drei Hauptmerkmale, wäre selbst das heilige Konstrukt der Tempelritter zusammengebrochen. Durch anfängliche Planungen, Aufbau, Finanzierung und Organisation des Vorhabens, ist den Tempelrittern ein offenbar besseres Handwerk gelungen, als dies in vielen Publikationen dargestellt wird. Sie sind mehr als nur Ritter gewesen. Aus der Interessensgemeinschaft entwickelte sich innerhalb kürzester Zeit eine Institution, die nicht nur Stoff für einen „guten Krimi“ hergibt, sondern organisatorisches Talent und besondere Eignungen im Bereich des „Unternehmensmanagements“ zeigt.

1. Einleitung

Die vorliegende Hausarbeit befasst sich inhaltlich mit den anfänglichen Phasen der Gründungszeit und der anschließenden Ausweitung und Institutionalisierung des Templerordens. Der zeitliche Raum erstreckt sich von 1099 bis zum Ende im Jahre 1314.

Inhaltlich setzt sich diese Arbeit mit der Fragestellung der innerinstitutionellen Struktur und Organisationsformen der Templer auseinander. Welche Funktion besaß das Haupthaus? Wie gestaltete sich die Finanzierung des Ordens? Welche hierarchischen Gefüge wies er auf? Wie wurde das Leben im Orden geregelt?

Die Geschichte des Ordens findet eine weite, wenn auch nicht immer seriöse, Verbreitung. Dennoch wird auf deren Grundstrukturen, einzelner Organe und Ämter meist weniger Rücksicht genommen. Dies spiegelt sich auch in der vorhandenen Fachliteratur wieder. Ist sie erfreulicher Weise in meist aktuellen und neueren Ausgaben erhältlich, findet sich dennoch ein sehr geringer Anteil an der Erläuterung organisatorischer Stichpunkte wieder.

In der Struktur gliedert sich die Arbeit in drei Teile. Der erste Teil gilt als grundlagenschaffende Einheit, deren Aufgabe es ist, einen kurzen Überblick über die Gründungszeit und dessen Aufstieg zu geben. Weiterhin soll er ein Verständnis über die Gründungmotivation entwickeln und die Notwendigkeit der schnellen Institutionalisierung begreiflich machen.

Der anschließende zweite Teil erklärt die eigentliche Funktion des Ordens, gibt deren organisatorische Strukturen wieder und erläutert den Aufbau des Tempelritterordens näher. Er zeigt deren wesentlichen Merkmale derer auf und gewährt einen Einblick in die einzelnen Organe und Ämter des Ordens.

Abschließende Erläuterungen zu den Regelwerken und Strafgesetzen, werden im letzten Teil noch ausgebauen. Es enthält bereits ausgearbeitete und bekannte Punkte zu den Strafgesetzen, welche durch die anfängliche Darstellung der Ordensregeln ihre Ursprünge und Grundlagen erhalten. Der Anteil der Strafgesetze wurde aufgrund der bereits mündlich vorgetragenen Inhalte gekürzt und auf die wichtigsten Punkte reduziert.

2. Gründungsphase und Aufstieg

Durch die Eroberung Jerusalems, war es den gläubigen Christen im Sommer 1099 gelungen, die heiligen Stätten in ihren Besitz zu bringen. Um die Entstehung des katholischen Königreichs im Heiligen Land, ergoss sich die westliche Christenheit in Pilgerreisen. Reisen, welche oft mit dem Tod durch den türkischen Pfeil oder durch Gemetzel unter unbewaffneten Christen endeten. Moslemische Banditen und Wegelagerer säumten die Pilgerrouten und trieben ihr tödliches Unwesen. Aus dieser Situation heraus und aus Anlass dieser Vergehen gegen die Christen, entstand schließlich die „militia Christi“.

Die Entstehung des Templerordens im 12. Jahrhundert, kann nicht genau zurückdatiert werden. Angaben in der vorhandenen Literatur begrenzen den Zeitraum jedoch auf 1118 bis 1121. Unter dem Namen „Pauperes Commilitones Christi templique Salomonis“ galt der geistliche Ritterorden, unter dem Vorsitz des Gründers Hugo de Paganis, dem Schutz der christlichen Pilger und der heiligen Stätten. Dem aus der Champagne stammenden ersten Großmeister des Ordens folgten, nach seinem Tod im Jahre 1136, bis zur Zerschlagung 1312, 23 weitere Anführer.3 Als letzter historischer Großmeister des Templerordens, agierte der 1314 hingerichtete Jacques de Molay.4

Die „Armen Ritter Christi vom Tempel Salomonis“ wurden schnell als „Frates militae templi“ bekannt oder eben als „Tempelritter“ bzw. „Templer“ bezeichnet. Grund mag die Lage des damaligen Hauptquartiers sein. König Balduin II. zeigte sich wohlwollend, unterstützte den neuen Ritterorden und überließ ihnen „… eine Wohnstatt in seinem Palast in der al-Aqsa-Moschee, die auf den Grundmauern von Salomos Tempel erbaut worden war.“5 Wider das abgelegte Gelübde, „… Christus zu dienen und in Armut, Keuschheit und Gehorsam zu leben … “6, nahmen sie die Schenkung an, bauten die Anlage aus und errichteten eine Kirche. Trotz der Verlegung des Hauptsitzes von Jerusalem nach Akkon im Jahre 1187 oder abschließend nach Zypern im Jahre 1291, änderte sich der Name des Ordens nicht.

An eine etwaige Finanzierungsnot des Unternehmens, brauchten die Mitglieder des Ordens zunächst keinen Gedanken verschwenden. Sie konnten Reliquien wie zum Beispiel die Wiege Christi, dessen Wanne und das Bett Marias vorweisen und zogen hiermit Pilger an, denen der Besuch dieser Stätte durchaus eine Spende wert war.7 Trotz Umbaumaßnahmen und der Errichtung einer Kirche, zählte der Orden in den ersten Jahren nur wenige Mitglieder. LINCOLN beziffert die Anzahl nach Quellenangaben mit neun Mitgliedern8, DEMURGER bezweifelt dies allerdings, „denn der Orden hatte schon mächtige Herren wie Graf Fulko von Anjou oder Graf Hugo von der Champagne für sich gewonnen.“9 Erstgenannter sei nach DINZELBACHER jedoch nicht eingetreten als „Bruder mit lebenslänglichem Gelübde, sondern nur als Affiliierter“.10 Die Angaben sind alles andere als eindeutig und lassen Raum für Spekulationen. Wäre es allein neun Mitgliedern möglich gewesen, eine Vielzahl an Pilgern zu schützen, welche auf dem Weg nach Jerusalem waren?

Wie auch die Anzahl der Mitglieder zu beziffern sei, es bleibt festzustellen, dass der Orden in der Öffentlichkeit zunächst eine eher untergeordnete Rolle spielte. Grund hiefür ist, neben des geringen Bekanntheitsgrades, die fehlende Anerkennung durch die Kirche. Ohne sie verfehlte das Handeln und Agieren des Ordens ihren Zweck. Diesen Zustand galt es zu ändern. Hugo de Paganis entschloss sich schließlich mit weiteren Mitgliedern des Ordens ins Abendland zu reisen und in der Champagne, Normandie, in England und Schottland, für ihr Vorhaben zu werben. Sie baten jedoch nicht nur um Anerkennung und Unterstützung, sondern ersuchten mit gleichstarkem Engagement ebenfalls um „… Landschenkungen, Geld und vor allem Mitstreiter …“.11

Die Wirkung der von 1127 bis 1129 laufende Reise blieb nicht lange aus. Durch die Lobrede des heiligen Bernhard von Clairvaux auf das neue Rittertum, in welcher er die Mission des Ordens rühmte, die positiven Eigenschaften der Templer glorifizierte und den Kampf im Namen des Herren anpries, sowie nach einer weiteren Rundreise Hugos, begann nicht nur „… ein gewaltiger Strom von Schenkungen zugunsten der Templer zu fließen …“12, zusätzlich wurde 1128 ein elementares Ziel, das der kirchlichen Anerkennung, auf dem Konzil zu Troyes, erreicht, auf welchem der Orden ebenfalls die „… vom Zisterzienserabt Bernhard von Clairvaux redigierte Ordensregel …“13 erhielt.

Ganze Städte und Gemeinden, Mühlen und private Güter konnte der Orden bald als Schenkungen verbuchen. Ohne diese wäre der rasante Aufstieg der Templer keineswegs möglich gewesen. Die Hoffnung auf Seelenheil und Ablösung der Sünden, Befürwortung des Heidenkampfes oder Dispute im eigenen Land, können als Motive der Schenkungswilligen genannt werden. Schließlich besitzt der Orden in Frankreich über 1000 Ordenshäuser, in Spanien, England und Deutschland um die 50 und im heiligen Land ca. 30.14

1139 erhielt der Templerorden durch Papst Innozenz II. schließlich seine endgültige Unabhängigkeit von allen weltlichen und geistlichen Würdenträgern, die ein Einmischen politischer und kirchlicher Natur unmöglich machten.15 Papst Innozenz II. erklärte in seiner Bulle „Omne datum optimum“, dass der „… nächste Schritt auf dem Weg der völligen Lösung des Tempels von aller übergeordneten Gewalt mit Ausnahme des Papstes vollzogen …“16 wird. Die anerkannte Kombination aus Mönch und Ritter war nunmehr geglückt. Neben der Bulle „Omne datum optimum“ wurden noch weitere Bullen und Schriften bekannt gegeben, welche die Stellung und den Status der Templer stärkten und hervorhoben. Die Bulle von Papst Innozenz II. jedoch, „… bildete die eigentliche Grundlage für die Regelung des Lebens im Orden …“.17 Die Templer waren nun „… wahre Israeliten und für die Kriege Gottes gewappnete Kämpfer…“.18 Diese vom Papst verfasste Grundlage galt ab sofort den Rittern, Kapellanen, Brüdern und Mitbrüdern des Ordens und war Begleiter auf sechs Kreuzzügen gegen Heiden und Gegner der Christen.

Die weitere Entwicklung des Ordens und dessen Tätigkeiten, lassen sich kurz und vereinfacht wie folgt darstellen.

„Im Laufe des folgenden Jahrhunderts wurden die Tempelritter zu einer einflussreichen Macht von internationalem Rang. In ganz Europa und im heiligen Land wirkten sie als Diplomaten auf höchster Ebene und als Mittler zwischen Fürsten und Monarchen. … Auf nahezu allen politischen Ebenen traten die Tempelherren als offizielle Schiedsrichter bei Streitigkeiten auf, und selbst Könige erkannten ihre Autorität an. … Die Aktivitäten der Tempelritter beschränkten sich nicht nur auf Kriege, Diplomatie und politische Intrigen. Sie verliehen auch enorme Geldsummen an verarmte Monarchen … “.19

Dem imposanten Aufstieg der Templer folgte, knapp 200 Jahre später, ein ebenso aufsehenerregender Niedergang, der in einem europaweiten Prozess und mit der Verbrennung des letzten Großmeisters Jacques de Molay sein Ende fand.

3. Aufbau und Organisation

3.1 räumliche Aufteilung

Der Aufbau und die Organisation des Ordens beginnt bereits mit der Aufteilung des Raumes. So wird zwischen dem Raum des Orients und dem des Okzidents unterschieden. Der Orient, auch Morgenland genannt, ist das Gegenstück zum Okzident, dem so genannten Abendland. Zum Morgenland zählten zur damaligen Zeit unter anderem die arabischen Länder und die meisten islamischen Kulturen. Geographisch betrachtet, ging in diesen Ländern, da sie im Osten lagen, die Sonne auf. Daher auch die Ableitung des Wortes Orient aus dem lateinischen: oriens = aufgehend, d.h. Aufgang der Sonne. Im geographischen Westen gelegenen Okzident bzw. Abendland dagegen, ging die Sonne unter (occidere, lat. "untergehen, niedergehen").

Der Orient galt als Handlungs- bzw. Zielraum. Hier wurden die eigentlichen Aufgaben, Tätigkeiten und Ziele des Templerordens verfolgt: Der Kampf gegen die Feinde der Christen. Dem Unterstützungsraum Okzident, wurde eine wirtschaftliche Funktion zugeschrieben. Materieller Reichtum galt als Voraussetzung für das Erreichen des Zieles. Die Templer passten sich der jeweiligen wirtschaftlichen Situation der Ordensniederlassung an und brachten somit bedeutsame und nützliche Güter hervor. Schafzucht wurde beispielsweise im englischen Raum betrieben.20 Die unterschiedlichen Funktionen lagen, vereinfacht betrachtet, demnach „zwischen dem Okzident als ökonomischer Basis und dem Orient als Einsatzort …“.21

3.2 Provinzialorganisation

Eine Trennung des Raumes setzte sich auch in den unterschiedlichen Standorten und Funktionen der Ordensniederlassungen fort. Nach dem im Okzident der Ordensbesitz erweitert wurde, kam es zum Ausbau einer lokalen Provinzialorganisation.

[...]


1 Jens-Peter Behrend: Die Templer, in: Sphinx - Geheimnisse der Geschichte. München 2004, 48.

2 http://www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/B00067GJG6/qid%3D1129144311/028-4735391-1089333 Zugriff: 12.10.2005

3 nach: Peter Dinzelbacher: Die Templer - Ein geheimnisumwitterter Orden? Freiburg im Breisgau 2002, 16.

4 Vgl.: Nicolaus Heutger: Die Templer. Hannover 1995, 26.

5 Alain Demurger: Die Ritter des Herrn. München 2003, 42.

6 Peter Dinzelbacher: Die Templer - Ein geheimnisumwitterter Orden? Freiburg im Breisgau 2002, 17.

7 Vgl.: ebd., 18.

8 Vgl.: Henry Lincoln, u.a.: Der heilige Gral und seine Erben. Bergisch Gladbach 1984, 48.

9 Alain Demurger: Die Ritter des Herrn. München 2003, 42.

10 Peter Dinzelbacher: Die Templer - Ein geheimnisumwitterter Orden? Freiburg im Breisgau 2002, 19.

11 ebd., 19.

12 Alain Demurger: Die Ritter des Herrn. München 2003, 42.

13 Nicolaus Heutger: Die Templer. Hannover 1995, 24.

14 Vgl.: Andreas Beck: Der Untergang der Templer. Freiburg im Breisgau 1992, 207.

15 Vgl.: ebd. 205.

16 ebd.

17 ebd. 206.

18 Peter Dinzelbacher: Die Templer - Ein geheimnisumwitterter Orden? Freiburg im Breisgau 2002, 32.

19 Henry Lincoln, u.a.: Der heilige Gral und seine Erben. Bergisch Gladbach 1984, 52f.

20 nach: Peter Dinzelbacher: Die Templer - Ein geheimnisumwitterter Orden? Freiburg im Breisgau 2002, 46f.

21 ebd. 32.

Ende der Leseprobe aus 24 Seiten

Details

Titel
Die Templer - Gründung und Institutionalisierung der militia Christi
Hochschule
Carl von Ossietzky Universität Oldenburg  (Institut für Geschichte)
Veranstaltung
Die Templer
Note
1,3
Autor
Jahr
2005
Seiten
24
Katalognummer
V56120
ISBN (eBook)
9783638508988
Dateigröße
427 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Templer, Gründung, Institutionalisierung, Christi, Templer
Arbeit zitieren
Daniel Schilling (Autor), 2005, Die Templer - Gründung und Institutionalisierung der militia Christi, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/56120

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