In meiner Arbeit werde ich das Phänomen Devotio Moderna unter dem Blickwinkel der Bruderschaft vom gemeinsamen Leben betrachten, obwohl natürlich viele Aspekte, die ich ansprechen werde, auch auf die Schwestern und die Windesheimer zutreffen (wie etwa der Frömmigkeitsstil oder ihr gemeinsamer Ursprung). Ich habe mich aber bewußt auf die Brüder beschränkt, da eine Untersuchung, die etwa auch die Windesheimer umfassen wollte, Punkte mit einschließen müßte, die den Rahmen dieser Arbeit sprengen würden (z.B. die Rolle der Devoten innerhalb der monastischen Observanzbewegung).
Was war es also, das in einer Zeit, welche viele Historiker mit Schlagwörtern wie "Verfall" oder "Niedergang" in Verbindung gebracht haben, eine solche Eigendynamik zu entwickeln imstande war? Probleme jedenfalls gab es genug im religiösen Sektor: die zunehmende Verweltlichung der Orden, Konflikte durch konkurrierende Ordens- und ordensähnliche Gemeinschaften oder der allgemeine Mitgliederschwund aufgrund des Massensterbens durch Pest und Kriege. In seinem Aufsatz über Verfall und Erneuerung des Ordenswesens im Spätmittelalter beobachtet Elm, daß die Welle der Ordensgründungen im ersten Viertel des 14. Jahrhunderts ausrollte. Außerdem hätte nicht nur die Zahl der Neugründungen abgenommen, sondern noch bezeichnender: Es hätten auch die bestehenden Orden - von wenigen Ausnahmen abgesehen - aufgehört, neue Klöster zu gründen.5
Inhaltsverzeichnis
Einführung
A. Geert Groote - wie alles anfing
B. Verbreitung und Organisation der Bewegung
C. Die Problematik der via tertia
D. Das Alltagsleben der Brüder
E. Die Grundlagen der Frömmigkeit
Schlußbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Phänomen der Devotio Moderna unter besonderer Berücksichtigung der Bruderschaft vom gemeinsamen Leben. Ziel der Forschungsarbeit ist es, das komplexe Wesen dieser religiösen Erneuerungsbewegung des Spätmittelalters zu analysieren und zu beschreiben, warum sie eine derart hohe Anziehungskraft entfalten konnte.
- Die Biografie und der Einfluss von Geert Groote
- Strukturen und regionale Ausbreitung der Brüderhäuser
- Die kirchenrechtliche Einordnung als "via tertia"
- Der asketische Alltag und die wirtschaftliche Selbstständigkeit
- Theologische Grundlagen und die praktische Frömmigkeit
Auszug aus dem Buch
A. Geert Groote - wie alles anfing
Geert Groote war unbestritten die erste Schlüsselfigur innerhalb der Devotio Moderna. Van Zijl drückt es so aus: "This revival was the immediate result of the teachings and activities of Master Gerard Groote of Deventer, ... "7 Er ist ihr Gründer und hat sie entscheidend geprägt. Ich denke, daß es sich deshalb lohnt, einen näheren Blick auf sein Leben zu werfen. Man wird viele Dinge darin finden, die das Wesen der Bewegung klarer machen. So lassen sich etliche ihrer Eigentümlichkeiten erklären, wenn man sich das Beispiel Grootes in seiner Funktion als ersten Repräsentanten der Devoten unter die Lupe nimmt.8
Geert Groote wurde 1340 als Sohn eines einflußreichen Tuchhändlers in Deventer in der Ijssel-Region geboren. Nachdem beide Eltern an der Pest gestorben waren, kam er zu seinem Onkel Johannes van Ockenbroeck, der ihn im Alter von 15 Jahren auf die Universität nach Paris schickte. Sein Neffe sollte in die Fußstapfen seines Vaters treten und im politischen9 und geschäftlichen Bereich Karriere machen. Ungewöhnlich schnell kam er zu seinen akademischen Würden.
Zusammenfassung der Kapitel
Einführung: Die Einleitung definiert die Devotio Moderna als bedeutende religiöse Erneuerungsbewegung und begründet die Fokussierung auf die Bruderschaft vom gemeinsamen Leben.
A. Geert Groote - wie alles anfing: Dieses Kapitel zeichnet den Lebensweg des Gründers Geert Groote nach, von seiner akademischen Karriere bis zu seinem persönlichen Bekehrungserlebnis und seinem missionarischen Wirken.
B. Verbreitung und Organisation der Bewegung: Hier wird die rasante Ausbreitung der Bewegung durch Einzelpersonen und informelle Netzwerke, beispielhaft am Haus Münster, sowie die Gründung der Kolloquien dargestellt.
C. Die Problematik der via tertia: Dieses Kapitel erläutert den kirchenrechtlichen Status der Brüder, die sich als "status medius" zwischen Laien- und Ordensstand behaupten mussten.
D. Das Alltagsleben der Brüder: Der Fokus liegt hier auf dem Tagesablauf, der Arbeit (insbesondere der Buchherstellung) und dem sozialen Engagement der Brüder.
E. Die Grundlagen der Frömmigkeit: Hier werden die theologischen Schwerpunkte der Bewegung analysiert, insbesondere die Zentrierung auf das Vorbild Christi und die tägliche asketische Lebensführung.
Schlußbetrachtung: Das Fazit fasst die Erfolgsfaktoren der Bewegung zusammen, insbesondere die Kompromisslosigkeit des Glaubens und die Transparenz ihres städtischen Lebensstils.
Schlüsselwörter
Devotio Moderna, Geert Groote, Brüder vom gemeinsamen Leben, Frömmigkeit, Mittelalter, Ordenswesen, via tertia, status medius, Windesheimer Kongregation, Nachfolge Christi, Imitatio Christi, christliche Erneuerung, Askese, Spätmittelalter, religiöse Bewegung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit analysiert die religiöse Bewegung der Devotio Moderna, mit einem spezifischen Fokus auf die Bruderschaft vom gemeinsamen Leben als prägende Institution.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die zentralen Felder sind die Biografie des Gründers, die Organisationsstruktur, die kirchenrechtliche Einordnung, der tägliche Lebensstil und die theologischen Frömmigkeitsideale.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die spezifischen Wesensmerkmale der Bewegung zu identifizieren, die ihre historische Anziehungskraft und Dynamik im Spätmittelalter erklärbar machen.
Welche methodische Vorgehensweise liegt zugrunde?
Der Autor nutzt eine historisch-analytische Methode, indem er wesentliche Teilaspekte der Bewegung strukturiert untersucht, um ein Gesamtbild zu rekonstruieren.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung von Geert Groote, der organisatorischen Verbreitung, der kirchenrechtlichen Herausforderung, dem Alltagsleben und dem theologischen Fundament.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Analyse?
Schlüsselbegriffe wie "via tertia" (dritter Weg), "status medius", "Nachfolge Christi" und die Abgrenzung zum traditionellen Ordenswesen sind zentral für das Verständnis.
Was bedeutet die Bezeichnung "status medius" für die Brüder?
Sie beschreibt eine rechtliche und lebensweltliche Mittelstellung zwischen der ungebundenen Laienexistenz und dem strikt verpflichtenden Ordensleben.
Warum war das Fehlen einer offiziellen Approbation für die Bruderschaft bedeutsam?
Es zwang die Brüder zu ständiger Vorsicht und einer scharfen Abgrenzung gegen Häresieverdacht, was wiederum ihren spezifischen Lebensstil und ihre Bescheidenheit verstärkte.
Wie unterscheidet sich die Frömmigkeit der Devoten von anderen mystischen Strömungen?
Im Gegensatz zu hochspekulativen oder mystischen Strömungen betonen die Devoten eine praktische Nachfolge Christi und die strikte Einhaltung ethischer Lebensführung im Alltag.
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- Thomas Eger (Author), 2001, Die Devotio Moderna und die Brüder vom Gemeinsamen Leben, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/56315