Gifford Pinchot und die Anfänge amerikanischer Forstwirtschaft


Hausarbeit (Hauptseminar), 2005
15 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

1. Einleitung

2. Biographie

3. Die Anfänge amerikanischen Umweltbewußtseins
3.1. Die Folgen der Siedlungspolitik
3.2. Paradigmenwechsel in der amerikanischer Land- und Umweltpolitik
3.2.1. Die Bewegung der Progressives
3.3. Pinchots Philosophie

4. Forstwirtschaft
4.1. The Use of the National Forests – eine Handlungsanleitung
4.1.1. Der Sinn hinter der Idee nationaler Waldreservate
4.1.2. Die Bedeutung der Wälder für unterschiedliche Interessengruppen
4.1.3. Die Bedeutung der Wälder für Natur und Mensch
4.1.4. Regelungen zur Nutzung der Wälder

5. Pinchots Kritiker

6. Schlussbetrachtung

7. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Nordamerika verfügt über immense Wald- und Forstbestände, die über Jahrhunderte für die meisten Industriezweige direkt und indirekt von großer Bedeutung, jedoch von besonderer Wichtigkeit für das Leben der Siedler waren. Das Bewusstsein für die Sensibilität der Wälder wurde jedoch über lange Zeit vernachlässigt, und große Waldbestände verschwand durch Brände oder zügellose Abholzungen.

Gifford Pinchot (1865 - 1946) war Zeit seines Lebens Kämpfer für Umweltschutz und bewusstes Management der natürlichen Ressourcen des Landes, insbesondere den Wäldern. In seiner Funktion als Chef der Forstwirtschaftsabteilung der Vereinigten Staaten setzte er sich an der Seite Präsident Theodor Roosevelts für eine freie, aber kontrollierte Forstwirtschaft ein. Grundlegende Strukturen und Elemente US-amerikanischer Forstwirtschaftspolitik sind ihm zuzuschreiben.

Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit der Darstellung eines Abschnitts US-amerikanischer Umweltpolitik anhand der Biographie des Forstwissenschaftlers und Politikers Gifford Pinchot.

So soll es nicht Schwerpunkt sein, die Biographie Gifford Pinchots chronologisch darzustellen; vielmehr zielen die Ausarbeitungen darauf ab, differenziert den nachhaltigen Einfluss dieser eindrucksvollen Persönlichkeit und ihres Wirkens auf die Anfänge US-amerikanischen Umweltbewusstseins und die damit einhergehende Umweltpolitik zu erörtern. Dabei soll der Bereich der Forstwirtschaft in den Vordergrund gerückt werden.

Zunächst gilt es, das Leben Gifford Pinchots zu skizzieren, um aufbauend darauf seine Verdienste um die Forstpolitik des US-amerikanischen Staates aufzuzeigen, die bis in die Gegenwart prägend wirkten. Hierzu wird kurz die damalige Situation der Siedlungspolitik und die Auswirkung derselben auf die Natur dargelegt, um daraufhin die Anfänge des Umweltbewussteins in den USA aufzuzeigen.

Danach soll im Detail auf einzelne Aspekte der von ihm initiierten Forstwirtschaftspolitik eingegangen werden. Die Darstellung der von Pinchot festgelegten Richtlinien zur korrekten Benutzung und Ausbeutung der Forste soll anhand des von ihm verfassten Traktats ‚The Use of the National Forests‘ erfolgen.

Anschließend werden Gegenpositionen und Kritiken an Pinchots Politik knapp dargelegt.

Die Arbeit schließt mit einer resümierenden Schlussbetrachtung.

2. Gifford Pinchot – ein Leben für die Umwelt

Gifford Pinchot ist in jeglicher Hinsicht eine außergewöhnliche Person. Sein Einsatz für Natur und Gleichberechtigung der Menschen zieht sich stringent durch seine Vita. Manche behaupten, er habe etwas von einem Extremisten. Dies wird wohl durch die Hartnäckigkeit hervorgerufen, mit der er für seine Prinzipien und seine Überzeugung einsteht. Er hat genaue und gerechte moralische Wertvorstellungen für Gesellschafts- und Naturpolitik, für die er Zeit seines Lebens nachdrücklich kämpft. Seine grundlegende Vorstellung für geordnetes und gutes Zusammenleben im Einklang mit der Umwelt ist auf das Verantwortungsbewusstsein der Menschen gegenüber dem Anderen sowie gegenüber der Natur gegründet.

Gifford Pichot verschreibt sich schon früh der Forstwissenschaft. Er besucht die renommierte Yale Universität und studiert Forstwirtschaft in Deutschland und Frankreich. Durch die vielfältigen Kenntnisse, die er in dieser Zeit erwirbt, entwickelt er eine besondere Technik des bewußten und geregelten Umgangs mit Wald und Forst[1]. Im Jahr 1898 ernennt man ihn zum Chef der Forstwirtschaftsabteilung der Regierung der Vereinigten Staaten, die später zum Forest Service wird. Er untersteht nun direkt dem Präsidenten, was den großen Einfluss verdeutlicht, den dieses Amt mit sich bringt[2]. Im Jahre 1905 werden Forstangelegenheiten aus dem Innenministerium ausgegliedert und dem Landwirtschaftsministerium untergeordnet. In der Zeit unter Pinchot werden weitläufige Waldgebiete zu Nationalwäldern zusammengeschlossen und speziellem Management unterstellt, welches in Kapitel 4. näher beschrieben wird. Die Jurisdiktion seiner Abteilung erstreckte sich über 160 Mio. Acre Waldgebiet[3].

Die sogenannte Ballinger-Pinchot-Affäre führt 1910 letztendlich zur Entlassung Pinchots aus dem Forest Service durch Präsident William H. Taft.

Auch allgemeinpolitisch ist Gifford Pinchot mehr als engagiert. Zweimal bekleidet er das Gouverneursamt im Staat Pennsylvania in den Jahren 1922-26 und 1930-34. Seine Amtsperioden sind durch progressive Reformpolitik in den Bereichen öffentliche Versorgung, Infrastruktur, Frauenrechte, Prohibition, Arbeitnehmerabsicherungen, u.a. sowie administrative Umstrukturierungen gekennzeichnet. Er hinterlässt eine stringent strukturierte, effiziente Regierung mit hoher Wirtschaftlichkeit. Darüber hinaus zeichnet sich sein Stab durch den ihm eigenen Enthusiasmus, einem esprit de corps aus[4]. Eines seiner großen politischen Ziele bleibt allerdings unerfüllt; trotz dreimaligen Anlaufs bleibt seine Kandidatur für den U.S.-amerikanischen Senat erfolglos.

Seinen wissenschaftlichen Beitrag hinterlässt er in Form von mehreren Veröffentlichungen über Umweltschutz und Forstwirtschaft, von denen in dieser Arbeit dem vom Landwirtschaftsministerium herausgegebenen Traktat ‚The Use of the National Forests‘ von 1907 besondere Aufmerksamkeit gewidmet wird.

Bis zu seinem Lebensende 1946 verfolgt Pinchot beratend sowie aktiv die Geschehnisse in der Politik, besonders des Naturschutzes. Im Rückblick ist ohne Zweifel zu sagen, daß er eine Schlüsselrolle in der Entwicklung der Grundlagen öffentlichen Umweltschutz- und diesbezüglichen Verantwortungsbewusstseins spielte. Seinen Wohnsitz Grey Towers in Milford vermacht Pinchot dem Forest Service. Er dient heute als Museum und Schulungszentrum für Förster und Forstwissenschaftler[5].

3. Die Anfänge amerikanischen Umweltbewusstseins

3.1. Die Folgen der Siedlungspolitik

Ende des 19. Jahrhunderts keimen Zweifel an der Politik der Landvergabe auf. Die sehr liberalen Gesetze zum Landerwerb, die die Entwicklung des Landes vorantreiben sollen, fallen zu Lasten der Umwelt. So gesteht der Free Timber Act von 1878 den Siedlern das Recht zu, auf öffentlichen Waldgebieten Abholzungen für den Bau von Häusern und Städten vorzunehmen[6]. Der darauf folgende Timber and Stone Act desselben Jahres erlaubt es den Farmern, rohstoffhaltige Gebiete (vornehmlich diejenigen mit Mineralien, Steinen und Holz) eines bestimmten Umfangs zu beanspruchen. Hinter diesen Gesetzen steht die Idee des Fortschritts. So soll alles Land, welches reichhaltig an Rohstoffen ist, für Nutzung und Handel zugänglich gemacht werden. Doch öffnen diese Gesetze, wie auch schon andere Landvergaberegelungen in der Vergangenheit gezeigt haben, Tür und Tor für Betrug bei dem Erwerb dieses begehrten und wertvollen Landes, und im Zuge dessen auch für Monopolbildung[7]. Beispielsweise werben große Holzfirmen Personen an, jene Gebiete zu beanspruchen, um sie daraufhin gegen eine Ablöse zu erwerben und in ihre eigenen Gebiete einzugliedern[8]. Darüber hinaus sind sie unter dem Aspekt des Naturschutzes höchst fragwürdig. In den Jahren 1880-1940 beispielsweise verschwinden ca. 40% der Waldgebiete in den südlichen Staaten, was einen Unterschied von 300 Acres zu 178 Acres ausmacht[9]. Dies wirkt sich direkt auf Flora und Fauna aus, und somit auch auf diejenigen, die durch Jagen im Forst ihren Lebensunterhalt bestreiten[10]. Gleichermaßen entzieht das Eindringen und Aufkaufen weiter Landstriche durch Großindustrielle den dort lebenden Siedlern die Lebensgrundlage[11], wodurch ein Ungleichgewicht zwischen Besitzenden und Besitzlosen entsteht.

[...]


[1] vgl. Merchant, Carolyn , The Columbia Guide to American Environmental History, New York 2002,

[2] vgl. Richardson, Elmo R., The Politics of conservation: Crusades and Controversies 1897 – 1913, Berkeley und Los Angeles 1962, S.25

[3] vgl. Richardson, Elmo r., a.a.O.,

[4] vgl. Pennsylvania´s Environmental Heritage Homepage, http://www.dep.state.pa.us/dep/PA_Env-Her/pinchot_bio.htm (06.07.2005)

[5] vgl. Pennsylvania´s Environmental Heritage Homepage

[6] vgl. Merchant, Carolyn, a.a.O.,

[7] vgl. Steinberg, Ted, Down to Earth. Nature´s Role in American History, New York 2002,

[8] vgl. Merchant, Carolyn, a.a.O.,

[9] Ein Acre ist gerundet 4047 qm, demnach handelt es sich hier um Flächenmaße von 1214,1 qkm zu 720,37 qkm

[10] vgl. Steinberg, Ted, a.a.O., S. 110 f.

[11] vgl. Steinberg, Ted, a.a.O.,

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Details

Titel
Gifford Pinchot und die Anfänge amerikanischer Forstwirtschaft
Hochschule
Universität zu Köln  (Angloamerikanische Abteilung des Historischen Seminars)
Veranstaltung
Nature's Advocates
Note
1,7
Autor
Jahr
2005
Seiten
15
Katalognummer
V56396
ISBN (eBook)
9783638510752
ISBN (Buch)
9783656249979
Dateigröße
561 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Darstellung eines Abschnitts US-amerikanischer Umweltpolitik um die Jh.-wende 18/19 Jh. anhand der Biographie des Forstwissenschaftlers und Politikers Gifford Pinchot.
Schlagworte
Gifford, Pinchot, Anfänge, Forstwirtschaft, Nature, Advocates
Arbeit zitieren
Liza Torres (Autor), 2005, Gifford Pinchot und die Anfänge amerikanischer Forstwirtschaft, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/56396

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