In meiner Hausarbeit im Rahmen des Proseminars "Interkulturelle Kommunikation in der Arbeitswelt" habe ich versucht, herauszufinden, inwiefern sogenannte ,,Reiseliteratur" über Frankreich dazu dienen kann, deutsche Mitarbeiter angemessen auf einen Arbeitsaufenthalt in Frankreich vorzubereiten. ,,Angemessen" würde bedeuten, daß die Hauptunterschiede zwischen der deutschen und der französischen Kultur, die besonders in der Berufswelt von entscheidender Bedeutung sein können, in der Reiseliteratur nicht nur angesprochen, sondern differenziert dargestellt werden. Sicherlich sind diese Unterschiede nicht so gravierend und so auffällig wie beispielsweise die Unterschiede zwischen Deutschland und den asiatischen Kulturen, doch gerade die Feinheiten in den Denk- und Verhaltensweisen sind es, die darüber entscheiden, ob die Verständigung zwischen Deutschen und Franzosen klappt oder nicht. Nicht die Unterschiede an sich, sondern das fehlende Bewußtsein für mögliche Verschiedenheiten, kann hierbei zu Mißverständnissen führen.
Bei meiner Untersuchung bin ich in zwei Schritten vorgegangen. Zunächst habe ich versucht, die wesentlichen kulturellen Unterschiede zwischen Deutschland und Frankreich auf der Grundlage von Sekundärliteratur herauszuarbeiten. Selbstverständlich sind die Denk- und Verhaltensweisen, die jeweils einer der beiden Kulturen zugeordnet wurden, nicht übertragbar auf alle Mitglieder der jeweiligen Kultur, es ging hierbei lediglich um die Feststellung von Tendenzen. Dabei bin ich auf die hierfür relevanten kulturellen Dimensionen des Anthropologen Edward T. Hall, Zeit und Kontext, eingegangen.
Der zweite Schritt bestand darin, daß ich vor diesen Hintergrund entsprechende Reiseliteratur über Frankreich untersucht habe. Es ging dabei nicht darum, die Bücher an sich in Frage zu stellen. Ziel war es vielmehr, herauszufinden, inwieweit der Inhalt dieser Literatur mit der zuvor erarbeiteten theoretischen Grundlage übereinstimmt, und inwieweit diese demnach geeignet ist, einem Mitarbeiter aus der deutschen Kultur den Einstieg in die französische Lebensweise und Arbeitswelt zu erleichtern.
Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung
II. Hauptteil
II. 1. Sprache
II. 1.1. Die Bedeutung und Funktion der Sprache in Deutschland und Frankreich
II. 1.2. Der Umgang mit Informationen
II. 1.3. Die Funktion der Sprache im Geschäftsleben
II. 2. Zeit
II. 2.1. Die Einstellung zur Zeit
II. 2.2. Der Umgang mit der Zeit
II. 2.3. Die Bedeutung der Zeit im Berufsleben
III. Schlusswort
IV. Literatur
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht, inwieweit ausgewählte Reiseliteratur über Frankreich deutsche Mitarbeiter auf einen Arbeitsaufenthalt im Nachbarland vorbereiten kann. Das Ziel ist es, die Eignung dieser Literatur als fundierte Orientierungshilfe hinsichtlich kultureller Unterschiede in Kommunikation und Arbeitsweise zu evaluieren.
- Bedeutung und Stellenwert der französischen Sprache
- Unterschiede in Kommunikationsstilen (Low-Context vs. High-Context)
- Kulturelle Konzepte von Zeit und Arbeitsrhythmus
- Bedeutung persönlicher Beziehungen im französischen Geschäftsleben
- Kritische Analyse von Reiseliteratur als interkulturelles Vorbereitungsinstrument
Auszug aus dem Buch
II. 1.2. Der Umgang mit Informationen
Dem Anthropologen Edward T. Hall zufolge können Kulturen tendenziell zwei Kommunikationsstilen zugeordnet werden. Es handelt sich dabei um den low-context- und den high-context-Stil.
Bei dem ersten werden Informationen vorwiegend explizit, d. h. auf direkte Art und Weise vermittelt. Typisch für den Kommunikationsstil des low context ist eine starke Fixierung auf detaillierte Informationen und ein besonders hoher Bedarf an Erklärungen. Oftmals wird die mündliche Kommunikation durch schriftliche Dokumentationen wie z.B. Protokolle, Aktennotizen oder Gebrauchsanweisungen verstärkt.
Bei dem high-context-Stil werden Informationen hauptsächlich implizit, d. h. durch Andeutungen weitergegeben. Auffällig ist hierbei die starke Orientierung an Gesamtzusammenhängen sowie der häufige Einsatz von Mimik und Gestik.
Nach Hall können die deutsche und die französische Art zu kommunizieren demnach jeweils einem der beiden Kommunikationsstile zugeordnet werden. Der eher indirekte und informelle Kommunikationsstil der Franzosen entspricht diesem Ansatz nach dem Stil des high context.
Zusammenfassung der Kapitel
I. Einleitung: Vorstellung der Fragestellung, inwiefern Reiseliteratur als angemessene Vorbereitung für einen Arbeitsaufenthalt in Frankreich dienen kann.
II. Hauptteil: Detaillierte Analyse der kulturellen Dimensionen Sprache und Zeit sowie deren jeweilige Ausprägung und Bedeutung im französischen Geschäftsleben.
II. 1. Sprache: Untersuchung der engen Verknüpfung von Sprache, nationaler Identität und Kommunikationsstilen im Vergleich zwischen Deutschland und Frankreich.
II. 1.1. Die Bedeutung und Funktion der Sprache in Deutschland und Frankreich: Erläuterung des hohen Stellenwerts des Französischen als Träger kultureller Identität und Macht.
II. 1.2. Der Umgang mit Informationen: Anwendung der Theorie von E. T. Hall zur Differenzierung zwischen low-context- und high-context-Kommunikationsstilen.
II. 1.3. Die Funktion der Sprache im Geschäftsleben: Analyse der Bedeutung von Beziehungsaufbau und Höflichkeitsformen als Voraussetzung für geschäftliche Erfolge.
II. 2. Zeit: Erörterung der unterschiedlichen Konzepte von Zeit und deren Einfluss auf Lebens- und Arbeitsweisen.
II. 2.1. Die Einstellung zur Zeit: Gegenüberstellung von deutscher Zeitplanung und dem französischen Fokus auf das savoir vivre.
II. 2.2. Der Umgang mit der Zeit: Einordnung in monochrone und polychrone Zeitkonzepte nach E. T. Hall.
II. 2.3. Die Bedeutung der Zeit im Geschäftsleben: Untersuchung von Tagesrhythmen, Pünktlichkeit und langfristiger Planung in beiden Kulturen.
III. Schlusswort: Fazit zur Eignung der untersuchten Literatur, die Aspekte Sprache und Information gut abdeckt, beim Thema Zeit jedoch Defizite aufweist.
IV. Literatur: Auflistung der verwendeten Sekundärliteratur zur kulturellen Kommunikation und Länderanalyse.
Schlüsselwörter
Interkulturelle Kommunikation, Frankreich, Deutschland, Reiseliteratur, Arbeitsaufenthalt, Sprache, Nationalidentität, High-Context, Low-Context, Zeitverständnis, Pünktlichkeit, Savoir vivre, Geschäftsleben, Beziehungsaufbau, Unternehmenskultur.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert, ob populäre Reiseliteratur über Frankreich geeignet ist, deutsche Arbeitnehmer auf berufliche Tätigkeiten im französischen Umfeld vorzubereiten.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf den kulturellen Unterschieden in der Sprache, der Informationsvermittlung sowie dem jeweiligen Zeitverständnis in Deutschland und Frankreich.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es zu prüfen, ob die untersuchte Literatur die Feinheiten der interkulturellen Kommunikation hinreichend differenziert darstellt, um Missverständnisse in der Arbeitswelt zu vermeiden.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine vergleichende Analyse von Sekundärliteratur unter Anwendung der theoretischen Modelle des Anthropologen Edward T. Hall durchgeführt.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Untersuchung der Sprache als Identitätsmerkmal, des Kommunikationsstils und der kulturellen Wahrnehmung von Zeit im beruflichen Alltag.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind interkulturelle Kommunikation, High-Context, Low-Context, Savoir vivre und Arbeitsaufenthalt.
Warum wird im Bereich Sprache zwischen Deutschland und Frankreich unterschieden?
Die Arbeit arbeitet heraus, dass Französisch als Teil der nationalen Identität stärker gewichtet wird, während Sprache für Deutsche oft primär als Instrument der Wissensvermittlung dient.
Welche Schlussfolgerung zieht die Autorin zum Thema "Zeit"?
Die Autorin stellt fest, dass das Thema Zeit in der untersuchten Literatur nur oberflächlich behandelt wird, was die Gefahr von Klischeebildungen birgt.
Welches Fazit zieht die Arbeit zur Eignung der Reiseliteratur?
Die Literatur von Evelyn Passet und Ulrich Wickert wird als hilfreich bewertet, allerdings vorrangig bezüglich sprachlicher Aspekte; beim Thema Zeit besteht ein deutliches Informationsdefizit.
- Quote paper
- Diplomübersetzerin Helena Schneider (Author), 2001, Vorbereitung auf einen Arbeitsaufenthalt in Frankreich durch ,,Reiseliteratur"?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/56452