Die Stellung der Konvesen im Zisterzienserorden


Seminararbeit, 2003

19 Seiten, Note: 2,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Entwicklung des Konversentums
2.1. Die Problematik der Entstehungsgeschichte
2.2. Aufgaben und Pflichten
2.3. Die Konversen als wirtschaftliche Grundlage der Zisterzienser

3. Die Usus conversorum
3.1. Aufbau und Struktur
3.2. Inhaltliche Gliederung
3.3. Problematik der Regeln

4. Zusammenfassung

5. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

„ Unsere Laienbrüder sollen sich nicht beklagen, dass sie nicht so viele Psalmen singen und wachen wie die Mönche, [denn] die Mönche beklagen sich nicht, dass sie nicht so viel arbeiten wie die Laienbrüder. Wahrlich sage ich [Euch], was einer vollbringt, das ist für alle, und was alle vollbringen, das ist für die einzelnen. Es ist wie mit den Gliedern des Leibes, die nicht alle die gleiche Funktion besitzen. Daher sagt der Apostel: ‚Also sind wir viele ein Leib in Christus, aber untereinander ist einer des anderen Glied.’“[1]

Diese Metapher aus einer Predigt des Abtes Aelred von Rievlaux stellt den von ihm geleiteten zisterziensischen Konvent in Yorkshire dar. Es beschreibt zwei, in ihrer Funktion unterschiedliche Gruppen innerhalb des Konvents. Neben die Mönche traten die fratres laici, die auch als fratres conversi oder einfach als conversi bezeichnet werden. Obwohl sie nicht durch die Mönchsprofessio, sondern nur durch das Konversengelübde an das Kloster gebunden waren, wurden sie als vollwertige Ordensmitglieder erachtet. Doch wird in diesem Zitat aus dem 12. Jahrhundert sowohl die strikte hierarchische Trennung beider Gruppen betont, als auch die Selbstverständlichkeit der funktionellen Trennung.

Betrachtet man die Ordensregeln der Zisterzienser für die Konversen, so wird nach einer nur flüchtigen Betrachtung deutlich, dass sie in erster Linie als Arbeiter betrachtet wurden. Hoffmann sieht in den Konversen einen Ersatz für die Fronarbeiter, die, um die Regeln zu befolgen eben durch die Laienbrüder ersetzt wurden. Er betont auch, dass später festgelegt wurde, dass jeder Konverse einen Knecht ersetzen soll.

Da Konversen bevorzugt aus Bauern- und Handwerksfamilien stammten war auch der Grad ihrer Bildung entsprechend niedrig.[2]

Interessant stellt sich in diesem Zusammenhang dar, dass Konversen sehr wohl als Mitglieder des Klosters, als Brüder angesehen wurden, aber dennoch in der Rangfolge unter den eigentlichen Mönchen standen, obwohl sie einen großen Beitrag zum Erhalt des Konvents leisteten. Existierte somit eine Zweiklassengesellschaft innerhalb des Ordens? Zur damaligen Zeit, zu Beginn des 12. Jahrhundert, wurde das mit Sicherheit nicht so gesehen, es erschien für einfache Menschen durchaus erstrebenswert, in den Schutz des Klosters zu gelangen, was durch die hohen Zahlen der Zugänge in dieser Zeit belegt wird. Die Konversen wurden mit allem versorgt was sie zum täglichen Leben benötigten. Wegen ihrer schweren Arbeit erhielten sie mehr Nahrung als die Mönche.[3] Eine weitere Vergünstigung war, dass die Konversen mit dem Eintritt in den Orden durch die Immunität, die Papst Paschalis II. den Zisterziensern verliehen hatte, vor allen Bestimmungen weltlicher Herrscher geschützt waren.[4]

Dennoch wurden sich die Konversen ihrer Stellung im Orden in späteren Zeiten durchaus bewusst. Dies konnte zu verschiedenen Problemen führen. Um diese Probleme jedoch verstehen zu können, befasst sich diese Arbeit mit der Stellung der Konversen im frühen Zisterzienserorden und zeigt die Entstehung des Konverseninstituts[5] und die Aufgaben und Tätigkeiten der Laienbrüder. Ein besonderer Schwerpunkt liegt dabei auf den Konversenregeln, den Usus conversorum.

2. Entwicklung des Konversentums

Die Zisterzienser demonstrierten von Anfang an ihr neu aufgefasstes Verständnis der Regeln des hl. Benedikt. Dieses Verständnis ging weit über die Strukturen bisheriger Klosterverbände wie von Cluny hinaus. Es wurde ein qualitativ neues Organisationsprinzip von gleichberechtigte Klöster geschaffen, der erste Orden im heutigen Sinn.

Bei der Schaffung beziehungsweise bei der Eingliederung des Konversentums in den Orden schritten die Zisterzienser weiter voran als andere, denn obwohl Laienbrüder den Mönchen gleichgestellt waren was spirituelle und materielle Werte betraf, stellte das Ablegen der Konversenprofess einen nicht rückgängig zu machenden Schritt dar. Dies bedeutete, dass wer einmal Konverse war niemals in den Rang eines Mönches aufsteigen konnte.

In der dem Orden zugrunde liegenden Regula Benedicti ist ein zentrales Merkmal die Handarbeit der Mönche. Demzufolge war auch die gesamte Tagesordnung der Konversen auf eben diesen Grundsatz ausgerichtet und alles was sie davon ablenken könnte wurde von ihnen ferngehalten. (s.u.)

2.1. Die Problematik der Entstehungsgeschichte

Die Probleme der Herleitung des Konversentums beginnen im elften Jahrhundert. Zwar bestand bereits vor dem elften Jahrhundert eine Organisation religiöser Laienhelfer, das sich im Laufe der Zeit von einem reinen Arbeitsverhältnis zu einer starken Nachahmung der monastischen Lebensweise hin entwickelte, und das offensichtlich auch starken Zuspruch von Seiten der Mönche erhielt. Aber Konversen der neuen, in diesem Fall zisterziensischen Ordnung sind vor dem 11. Jahrhundert nicht feststellbar.[6]

Deswegen wird hier zunächst versucht, die Entwicklung der Konversen im Mittelalter bis hin zu ihrer großen Bedeutung für den Orden im 12. Jahrhundert in groben Zügen zu skizzieren.

Der Name der Einrichtung ist nichts Neues. Bereits im 6. und 7. Jahrhundert traten frühe Erscheinungsformen auf. Ursprünglich war der Begriff conversio (Umkehr) sehr weit gefasst und bezog sich auf religiös-asketisches Leben und die damit einhergehende Kehre, die Abwendung von der Welt. Später pflegte man ins Kloster Eintretende, die noch keine Profess abgelegt hatten, als conversus zu bezeichnen, bzw. man unterschied den im Erwachsenenalter eingetretenen Mönch von dem als oblatus (nutritus) ins Kloster Gekommenen. Zum Teil wurde aber auch ein illiterater Laienmönch vom literaten Klerikermönch durch den Begriff conversus differenziert. In der Cluniazenserreform tauchte diese Begriffsunterscheidung zum ersten Mal auf und bezeichnete einen Mönch, der niedere Altardienste versah. Man unterschied in diesen Klöstern zwischen „monachi literati“, und „illiterati vel idiotae vel conversi“.[7] Es wurden damals gelehrte Männer benötigt um unter anderem die Erfordernisse des Priesteramtes zu erfüllen. Diejenigen die die Voraussetzungen nicht erfüllen konnten, wurden illiterati und idiotae genannt, und wurden als Mönche niederen Ranges eingestuft.[8]

Im 9. und 10, Jahrhundert wandelte sich der Begriff allmählich und es entstand am Rande der Klöster ein sogenanntes „Halbkonversentum“. Dieser Begriff bezeichnet Mönche, die, im Gegensatz zu anderen Mönchen im Vollverzicht, nur im Teilverzicht leben.

Im 11. Jahrhundert wandelt sich dieser Gedanke ein weiteres Mal, in dieser Form wurde das Armutsideal noch stärker betont. Wie die Mönche mussten nun auch die Nachahmer auf weltlichen Besitz verzichten.[9] Im Zisterzienserorden erblühte dieser neue Typ des Konversen, der auf Nachahmung des monastischen Lebens basierte, zu seiner großen Verbreitung und Bedeutung.

Robert von Molesme und die nachfolgenden Äbte von Cîteaux strebten mit der Gründung von Cîteaux und des späteren Ordens eine genauere und exaktere Befolgung der regula benedicto an als es in Klöstern wie Cluny der Fall war.

Die in Cluny vernachlässigte Handarbeit fand in Citeaux wieder stärkere Beachtung. Da aber die Versorgung gerade kleinerer Konvente nicht allein durch die Arbeit der Mönche gewährleistet werden konnte, griff man auf die Konversen oder Laienbrüder zurück, eine Religiose, die die Länder des Klosters bewirtschaftete, um den Konvent mit allem Lebensnotwendigen zu versorgen.

Dies war keineswegs eine neue Erfindung der Reformer von Cîteaux, sondern sie übernahmen eine bereits bestehende Einrichtung (s.o.) und ergänzten diese sinnvoll. Im Exordium parvum sind die Gründe für das Konverseninstitut aufgelistet, unter anderem die Sicherung des zönobitischen Einsamkeitsideals.

Die Laienbrüder hatten, unter Verzicht auf weltliche Güter, große Bedeutung für die wirtschaftliche Hochblüte des Ordens.[10] Sie fungierten unter anderem auch als notwendiges Verbindungsglied zwischen dem Kloster und der Welt.

2.2. Aufgaben und Pflichten

Man kann leider kein genaues Jahr angeben, in dem die Konversen in Citeaux eingeführt wurden, aber wahrscheinlich in der Amtszeit des dritten Abtes, Stephan Harding.

Konversen waren in erster Linie Arbeiter. Alles was sie von der Erfüllung ihrer Pflicht hätte ablenken können, wurde beschränkt, reglementiert oder von ihnen ferngehalten. Ihre vorgeschriebenen Gebetsübungen waren kürzer als die der Mönche, auch das Schweigegebot wurde für sie gelockert.[11] (s.u.) Die Konversen unterlagen einem anderen Tagesablauf als die Mönche. Sowohl beim Gebet als auch zur täglichen Mahlzeit und in der Nacht, wenn die Konversen und Mönche schliefen, wurde eine strikte räumliche Trennung aufrechterhalten. Zwar nahmen an Sonn- und Feiertagen alle Konversen, auch die auf den Grangien arbeitenden, am gemeinsamen Gottesdienst teil, aber sie hatten einen eigenen Flügel (Konversenflügel) in dem sie schliefen, der durch die sog. Konversengasse von den anderen Gebäuden getrennt war.

[...]


[1] Aelred of Rievlaux, Sermo 8, In Natali Sancti Benedicti, 11, ed. in: Raciti Gaetano, Alredi Rievallensis opera omnia, Sermones I-XLVI (CCCM, 2a), Turnout 1989, S. 67: Non ergo querantur fratres nostri laici quod non tantum psallunt et vigilant quantum monachi. Non querentur monachi quod non tantum laborant quantum frates laici. Verissimi enim dico quod quidquid unus facit, hoc est omnium, et quidquid omnes faciunt, hoc est singulorum. Sicut enim unius corporis membra non omnia eundem actum habent, ita dicente Apostolo, ‘multi unum corpus in Christo, singuli autem alter alterius membra [Röm. 12,5] .

[2] Hoffmann, Eberhard, Das Konverseninstitut des Cistercienserordens in seinem Ursprung und seiner Organisation, Freiburg (Schweiz) 1905, S. 49

[3] Winter, Franz, Die Cistercienser des nordöstlichen Deutschlands, Ein Beitrag zur Kirchen- und Kulturgeschichte des deutschen Mittelalters, Band 3, Gotha 1871, S. 186 – 196 siehe auch Rösener, Konversen, S. 195

[4] Hoffmann, S. 68

[5] Im folgenden wird der Begriff des ‚Konverseninstituts’ durch den des ‚Konversentums’ ersetzt, da Hallingers Idee fest gefügter ‚Institute’, wie auch seine Vorstellung von der Entstehung des hochmittelalterlichen Laienbrüderwesens aus der ausschließlich evangelisch motivierten Anlehnung der familia, sind inzwischen u.a. durch Dubois und Teske widerlegt worden ist. Siehe dazu Hallinger, P. Kassius, Woher kommen die Laienbrüder, in: Analecta Sacri Ordinis Cisterciensis 12, 1956. Siehe dazu auch: Toepfer, Michael, Die Konversen der Zisterzienser, Untersuchungen über ihren Beitrag zur mittelalterlichen Blüte des Ordens, Berlin 1983, S. 62 f.

[6] zur Herleitung des Konversentums: Hallinger, S. 37 f.

[7] Hoffmann, S. 14

[8] Hoffmann, S. 22

[9] Hallinger, S. 62 ff.

[10] zur Entstehung des Konverseninstituts: Hallinger, Laienbrüder, S. 61 - 75

[11] Hoffmann, S. 49 f.

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Die Stellung der Konvesen im Zisterzienserorden
Hochschule
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg  (Institut für Geschichte)
Veranstaltung
Die Zisterzienser - Ein Reformorden des Hochmittelalters
Note
2,3
Autor
Jahr
2003
Seiten
19
Katalognummer
V56526
ISBN (eBook)
9783638511841
ISBN (Buch)
9783640330508
Dateigröße
499 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Stellung, Konvesen, Zisterzienserorden, Zisterzienser, Reformorden, Hochmittelalters
Arbeit zitieren
Thilo Patzke (Autor), 2003, Die Stellung der Konvesen im Zisterzienserorden, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/56526

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