Die vorliegende Arbeit soll sich mit der Novelle von Theodor Storm „Pole Poppenspäler“ beschäftigen. Es soll eine Interpretation die sich an der Entgegensetzung zwischen Leidenschaft und Vernunft stützen wird, dargeboten werden. Die Entscheidung für diese Idee wird im weiteren begründet, doch eines soll hier angedeutet werden. Das Anknüpfen an den Begriff Leidenschaft ermöglicht die gegenwärtige Bedeutung der im Jahre entstandenen Novelle zu ermitteln. Im Anschluss an die Interpretation kann damit eine moderne Frage gestellt werden; kann man den ökonomisch motivierten Beruf mit der Leidenschaft verbinden? Als Grundlage für diese Arbeit gilt die Interpretation von Horst Schroeder. Sie wird teilweise bestritten, doch die Struktur erscheint in der Anlehnung an den Begriff der Leidenschaft plausibel zu sein. So werden im folgenden zuerst die Grundzüge der Schroeder´schen Interpretation dargestellt. Dabei wird ein Augenmerk darauf, was er Neues zum Verständnis des Werkes beigesteuert hat, gelenkt. Es werden auch die von ihm erläuterten Symbole aufgezeigt. Um das Verständnis der Novelle zu ermöglichen, wird diese weiterhin historisch eingegrenzt. Denn nur aus der Sicht der im 19. Jahrhundert etablierten Werte können die einzelnen Entscheidungen der Gestalten verstanden werden. Dies ermöglicht dann, eine aus der zeitgenössischen Sicht zu urteilende Wertung auszusprechen. Es ist auch notwendig, einen biographischen Bezug zum Werk herzustellen. Es zeigt sich, dass konkrete Orte bzw. Situationen aus dem Leben Storms sich in der Novelle wiederfinden lassen. Es ist auch nicht unbedeutend, welche Prozesse und Entwicklung der Autor durchgemacht hat, denn hier können Indizien für die Anregung zum „Pole Poppenspäler“ gefunden werden. Dem folgt eine auf dem Begriff Leidenschaft aufbauende Interpretation. Zunähst wird die Wahl jener Idee begründet und die definitorische Bestimmung des Begriffes dargestellt. Anschließend wird der Widerspruch zwischen Leidenschaft und Vernunft anhand des Falken der Novelleden Kasperl entwickelt und an den entgegengesetzten Gestalten Joseph Tendlers und Paul Paulsens gezeigt. Abschließend wird die Frage; kann Leidenschaft mit Vernunft verbunden werden, beantwortet. Dies ist auch eine Leitfrage, die in der Wertung beachtet wird. Es stellen sich drei Perspektiven, von denen aus die Novelle beurteilt wird. Zunächst ist festzustellen, wie der Autor zum Gegensatzpaar Leidenschaft und Vernunft steht. [...]
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. „Pole Poppenspäler“ und die Kunst – Horst Schroeders Textinterpretation
3. Historische und biographische Einordnung der Novelle
4. Ein unentschiedener Kampf zwischen Leidenschaft und Vernunft – Textinterpretation
5. Zusammenfassung und Wertung
Zielsetzung und Themen
Die vorliegende Arbeit interpretiert Theodor Storms Novelle „Pole Poppenspäler“ anhand des Spannungsfeldes zwischen Leidenschaft und Vernunft, um zu klären, wie der Autor die Vereinbarkeit dieser gegensätzlichen Pole bewertet und welche Bedeutung dies für die Lebensentscheidungen der Protagonisten hat.
- Analyse der Interpretation von Horst Schroeder hinsichtlich Kunst und Leidenschaft.
- Historische Einordnung der Novelle im Kontext des 19. Jahrhunderts.
- Biographische Bezüge zwischen Theodor Storms Leben und der Novelle.
- Untersuchung des Widerspruchs zwischen Leidenschaft und Vernunft anhand der zentralen Figuren.
- Beurteilung der Aktualität des Themas im Hinblick auf moderne Lebensentwürfe.
Auszug aus dem Buch
Ein unentschiedener Kampf zwischen Leidenschaft und Vernunft ? – Textinterpretation
Bevor hier die Struktur der Novelle in eine neuartige Interpretation eingebunden wird, ist es zu klären, weshalb das auf dem Kunstverständnis aufgebautes Konzept von Schroeder abgelehnt wird. Der Versuch einer definitorischen Bestimmung der Kunst ist eine umstrittene Fragen. Doch stützt man sich auf die Definition im Duden, so steht das „schöpferische Gestalten“ als festes Element der Kunst. Doch wäre es möglich, ein Kunstwerk im Prozess des künstlerischen Gestaltens ohne einer leidenschaftlichen Hingabe zu schaffen?
So ist zwar die am Schlüsselwort Kunst aufgebaute Interpretation plausibel und auch dem Zeitgeist des 19. Jahrhunderts entsprechend, doch sie scheint zu eng gefasst zu sein und bedarf eines abstrakteren Hintergrundes, das die Problematik auch für die Gegenwart gültig machen würde. Schroeder baut in seiner Interpretation eine Opposition zwischen der Wertewelt der Künstler und der des Bürgertums, dabei sieht er es aber nicht ein, dass am Anfang des 19. Jahrhunderts das Handwerk ebenfalls als eigene Kunst – artes mechanicae galt. Im Hinblick dessen wäre es gültiger, an das Merkmal der räumlichen Ungebundenheit der Künstler, statt an ihre allgemeinen typische Lebensweise anzuknüpfen, denn Handwerker verstanden sich im Hinblick dessen auch als Künstler.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung stellt die Fragestellung nach der Entgegensetzung von Leidenschaft und Vernunft in Storms Werk vor und umreißt die methodische Vorgehensweise sowie die theoretische Grundlage der Arbeit.
2. „Pole Poppenspäler“ und die Kunst – Horst Schroeders Textinterpretation: Dieses Kapitel setzt sich kritisch mit der modernsten Textanalyse von Horst Schroeder auseinander, die das Werk primär über die Kategorie der Kunst definiert.
3. Historische und biographische Einordnung der Novelle: Hier wird die Gattung der Novelle definiert sowie die Entstehungsgeschichte und die biographischen Parallelen der Novelle zu Theodor Storm beleuchtet.
4. Ein unentschiedener Kampf zwischen Leidenschaft und Vernunft – Textinterpretation: Das Kapitel bietet eine zentrale Interpretation, in der Leidenschaft als treibende Kraft und Vernunft als ordnendes Element im Leben der Figuren gegenübergestellt werden.
5. Zusammenfassung und Wertung: Abschließend wird Storms Entscheidung im Spannungsfeld der Gegensätze resümiert und die Bedeutung des Werks für die Zeitgenossen sowie seine Aktualität diskutiert.
Schlüsselwörter
Theodor Storm, Pole Poppenspäler, Novelle, Leidenschaft, Vernunft, Textinterpretation, Horst Schroeder, Bürgertum, Kunstverständnis, Realismus, Kasperl, Joseph Tendler, Paul Paulsen, Lebenswelt, Dualität.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Novelle „Pole Poppenspäler“ von Theodor Storm vor dem Hintergrund der existenziellen Spannung zwischen der emotionalen Leidenschaft und der rationalen Vernunft.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Im Zentrum stehen die Bewertung des Künstlertums versus das bürgerliche Leben, die Rolle der Leidenschaft als kreativer Prozess und die Notwendigkeit von Vernunft zur Lebensbewältigung.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Arbeit untersucht, wie Storm das Spannungsfeld zwischen Leidenschaft und Vernunft auflöst und ob nach seiner Auffassung beide Aspekte im Leben eines Menschen vereinbar sind.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin kombiniert eine literaturwissenschaftliche Textinterpretation mit einer kritischen Auseinandersetzung existierender Forschungsliteratur und zieht biographische sowie historische Kontexte zur Analyse heran.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Struktur der Novelle, stellt die Interpretation von Horst Schroeder in Frage, ordnet das Werk historisch ein und interpretiert den „Kasperl“ als Symbol für den Widerstreit der Wertewelten.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Leidenschaft, Vernunft, Bürgertum, Kunstverständnis, Realismus und die spezifischen Charaktere Tendler und Paulsen charakterisiert.
Welche Bedeutung kommt der Figur des Kasperls zu?
Der Kasperl fungiert als „Falken“ der Novelle und dient als Inbegriff für den Kampf zwischen der verzaubernden Leidenschaft und der rationalen Realitätsorientierung.
Wie lautet das Fazit der Autorin zur Verbindung von Leidenschaft und Vernunft?
Die Autorin kommt zu dem Schluss, dass Leidenschaft ohne vernünftige Basis destruktiv wirkt, eine rein vernunftgesteuerte Existenz jedoch die leidenschaftliche Komponente des Lebens – als Quelle von Kunst und Freude – nicht vollständig ersetzen kann.
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- M. A. Joanna Kodzik (Author), 2005, Theodor Storms 'Pole Poppenspäler' als eine Entscheidung zwischen Leidenschaft und Vernunft. , Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/56549