Ursachen des postmodernen Terrorismus


Seminararbeit, 2003

24 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Religion als kulturspezifisches Merkmal

2 Religiöses Leben der arabisch-muslimische Welt
2.1 Wie sich Alltag im Islam definiert
2.2 Der kulturelle Einfluss des Westens

3 Entwicklung der Gewaltbereitschaft auf
religiöser Grundlage
3.1 Die historische Grundlage des „Djihad“
3.2 Die Rolle des Islam im Terrorismus - am Beispiel der
„fatwa“ von 1998 und ihren Folgen

4 Ob und in wie weit lässt sich Terrorismus aus der
Religion ableiten?

5 Literaturverzeichnis

1 Religion als kulturspezifisches Merkmal

Der Duden nennt sie schlicht die „1) Gesamtheit der im weitesten Sinne geistigen u. gestaltenden Leistungen einer Gemeinschaft; 2) Bildung, verfeinerte Lebensweise“[1].

Doch kann man so allgemein ausdrücken, was so facettenreich ist? Kultur reicht von Sprache, Bildung, Aufklärung über Musik, Kunst und Religion bis zu jener ganz besonderen Lebenseinstellung, geprägt von Normen und Wertvorstellungen, die so vielseitig sein kann, wie die Nationen dieser Welt.

Durch die Epochen der Zeit haben sich bestimmte kulturelle Aspekte in bestimmten Regionen bzw. Nationen besonders herausgebildet. So kann man sagen, dass in den Ländern des Nahen und Mittleren Osten vor allem die Religion, vorrangig die des Islam, als Ausdruck der Kultur der prägende Aspekt ist.

Der Islam beeinflusst das alltägliche Leben durch bestimmte Riten, geregelte Tagesabläufe und Wertvorstellungen. Für viele Muslime ist ihr Glaube die Basis ihres Seins und seine Grundsätze, so fremdartig sie Westeuropäern erscheinen mögen, sind Gesetz.

Es ist nicht immer ganz leicht nachvollziehbar, dass fremde Kulturen Handlungen legitimieren, der die eigene Kultur ablehnend gegenübersteht. Bevor man jedoch vorschnell Werturteile fällt, sollte man sich mit fremden Kulturen eingehender befasst haben. Daher sind der Islam, seine Geschichte, Traditionen und Auswirkungen, Gegenstand der Betrachtungen dieser Seminararbeit.

Nach den Anschlägen des 11. Septembers 2001 wurde oft vorschnell die Gleichung „Islamist = Terrorist“ aufgestellt. So pauschal kann das nicht gelten. In der Tat liegen terroristischen Handlungen oft ideologische, nicht selten von Religion geprägte Denkansätze zu Grunde. Doch reicht das als Erklärung aus? Ist religiöser Fanatismus die Antwort auf das Warum oder ist Religion für die Terroristen selbst lediglich ein schwacher Versuch der Legitimation?

Inwiefern beeinflusst die Religion des Islam und damit verbunden die arabische Kultur den Terrorismus unserer Zeit? Das wird die grundlegende Fragestellung der vorliegenden Seminararbeit sein.

Um zu verstehen, wie stark der Einfluss der Religion auf die Kultur der arabisch-muslimischen Welt ist, möchte ich zu Beginn dieser Arbeit erst einmal das alltägliche Leben im Nahen Osten mit seinen religiösen Riten und Gebräuchen näher betrachten. Dabei gilt es auch zu bedenken, in welch starkem Gegensatz dazu der immense Einfluss der westlichen Kultur steht und wie dieser Einfluss in die arabische Welt einbricht. Daraus ergibt sich die Frage nach islamischen Fundamentalismus und in wie fern man ihn gegen den Alltag abgrenzen kann. Es soll aufgezeigt werden, dass bestimmte Faktoren, den Fundamentalismus beeinflussen und stärken.

Der Hauptteil dieser Arbeit umfasst die Entwicklung der Gewaltbereitschaft auf der Grundlage der Religion. Die historische Betrachtung unter besonderer Betonung des heiligen Krieges djihad ist dabei ein erster Schritt, der geradewegs zu der Bedeutung des Islams im postmodernen Terrorismus führt. Verdeutlicht wird dies am Beispiel eines Rechtsgutachtens, genannt fatwa, aus dem Jahre 1998. In diesem Zusammenhang werde ich auch die Rolle Usama bin Ladins ansprechen, allerdings nicht zu ausführlich, da dies ansonsten den Rahmen dieser Arbeit weit übersteigen würde. Abschließend wird noch einmal die Fragestellung aufgegriffen, ob und in wie weit sich Terrorismus aus kulturellem Aspekt, im speziellen aus religiöser Sichtweise erklären lässt. Kann man überhaupt einen Einfluss erkennen und ergibt sich dieser von allein oder entsteht er aus Wechselwirkungen mit anderen Faktoren?

Terrorismus im heutigen Sinne – um die Bedeutung zu Beginn meiner Überlegungen einzugrenzen – bezieht sich in der vorliegenden Arbeit auf die Definition von Bruce Hoffman. Er beschreibt Terrorismus als „bewusste Erzeugung und Ausbeutung von Angst durch Gewalt oder die Androhung von Gewalt.[...] Der Terrorismus zielt darauf ab, Macht zu schaffen“[2].

2 Religiöses Leben der arabisch-muslimischen Welt

Mit circa einer Milliarde Muslimen bildet die jüngste der Weltreligionen inzwischen auch die zweitgrößte. Dabei darf man nicht vergessen, dass Muslim nicht gleich Muslim bedeutet, denn genau wie im Christentum gibt es auch im Islam verschiedene Konfessionen mit zum Teil unterschiedlichen religiösen Ausprägungen und dementsprechend auch unterschiedlich stark ausgeprägten Gewaltpotenzial.

Wenige Jahre nach dem Tod des gemeinsamen religiösen Stifters des Islam, Muhammad[3], im siebten Jahrhundert nach Christus kam es wegen unterschiedlicher Auffassung über dessen Nachfolge und über die Leitung der Glaubensgemeinde zu Spaltung zwischen den Muslimen, deren große Richtungen die Schiiten und die Sunniten bilden, wobei letztere mit fast 90% die Mehrheit der Muslime ausmacht. Die verhältnismäßig kleine Gruppe der Schiiten teilen sich territorial in viele kleinere Gruppen, wie zum Beispiel die Imamiten, die die Mehrheit der Schiiten im Iran, Irak und Libanon bilden, während man in Indien hauptsächlich auf Ismailiten trifft. In Syrien und der Türkei haben sich Alawiten ausgebreitet, Drusen findet man ebenfalls in Syrien, im Libanon und auch in Israel.

Auffallend ist die Gewaltbilanz schiitisch-islamistischer Terrorgruppen. Obwohl sie nur „acht Prozent aller internationalen Terrorakte zwischen 1982 und 1989 begangen haben, waren sie gleichwohl verantwortlich für 30 Prozent aller durch Terrorakte verursachten Todesfälle“[4] dieses Zeitraums.

Auf Seiten der Sunniten sind vor allem Anschläge der Hamas bekannt geworden. „Mehr als 150 Menschen sind bei 14 Selbstmordangriffen durch Mitglieder der Hamas und des Palästinensischen Islamischen Dschihad (eine andere extremistische Palästinensergruppe) zwischen April 1994 und Juli 1997 getötet worden.“[5] Ideologische Grundlage dieser Attentate ist häufig die religiöse Überzeugung vom Tod durch Märtyrertum. Der eigene Tod ist dabei Instrument und Waffe gegen die mächtigen und starken Gegner. Dabei erwirbt der Märtyrer „das Recht, in den Himmel einzutreten und sich selbst von allem Schmerz und Leid dieser Welt zu befreien.“[6]

Dazu muss man wissen, dass der Islam monotheistisch ist und nur das bedingungslose Ergeben in den Willen Allahs kennt, der als der einzige Gott und Schöpfer aller Dinge, sowie Herrscher über die Welt, verehrt wird. Der Gläubige Muslim erhält als Lohn für ein gottgefälliges Leben einen Aufenthalt voller sinnlicher Freuden im Paradies; den Verdammten dagegen erwarten Höllenstrafen. Wer für die Ausbreitung des Islams stirbt, kommt unmittelbar in den Genuss dieses Paradieses. Das Märtyrertum ist ein weit verbreiteter Gedanke der islamischen Welt. Dabei wird der frei gewählte Tod zur Durchsetzung religiöser Ideale als freudiges und wünschenswertes Ereignis empfunden. Durch das Sterben erwirbt der Muslim das Recht in den Himmel einzutreten, wo den Gläubigen Flüsse „von Milch und Wein...Seen von Honig und [die] Dienste von 72 Jungfrauen“[7] erwarten. Weiterhin steht ihm ein Treffen mit Allah und das Zusammenkommen mit 70 ausgewählten Verwandten bevor. Das islamische Recht hat keinerlei Geltung mehr, weshalb Alkohol – allen Muslimen im irdischen Leben untersagt – und Sex gestattet sind.

Um zu verstehen, warum die Privilegien eines durch den Märtyrertod Gestorbenen so erstrebenswert erscheinen, sollte man einen vertieften Blick auf den strengen Regelkatalog des Islams werfen, der den Alltag eines jeden Gläubigen beeinflusst.

2.1 Wie sich Alltag im Islam definiert

Religiöse Glaubensätze und Pflichten der Muslime sind durch die Religion genau festgelegt und bestimmen die gesamte Lebensweise der Muslime. Zu diesem Regelkatalog gehören an oberster Stelle die so genannten „Fünf Säulen des Islam“.[8]

Als erste Säule gilt das Glaubenszeugnis: Ich bezeuge, dass es keinen Gott gibt außer Allah, und ich bezeuge, dass Muhammad sein Gesandter ist.

Das Glaubenszeugnis sind die ersten Worte, die ein muslimisches Kind nach der Geburt ins Ohr geflüstert bekommt, gleichzeitig sind es die letzten Worte vor dem Tod. Es wird bei jedem Gebetsruf des Muezzins gesprochen und jeder Muslim betet es mehrmals täglich. Man kann das Glaubenzeugnis als das wichtigste gemeinsame Band aller Muslime der Welt, von Westafrika bis Indonesien, bezeichnen.

Das Gebet selbst bildet die zweite Säule des Islam. Die Sunniten beten fünfmal täglich, die Schiiten dreimal. Es findet kniend statt und meist auf den öffentlichen Aufruf durch den Muezzin, den Prediger, hin. Das Freitagsgebet sollte in einer Moschee abgehalten werden und stets sind strenge Vorschriften und Vorraussetzungen einzuhalten: Sauberkeit (Reinheit), bestimmte Bekleidung, Gebetsrichtung nach Mekka, Gebetszeit und der Vorsatz, nach dem sich das Gebet richtet.

Ein weiterer wichtiger Grundsatz ist die so genannte Pflichtabgabe, Zakat, die besagt, dass jeder Muslim einen bestimmten Anteil seines Vermögens beziehungsweise seines Einkommens für gemeinnützige Zwecke spenden soll. Vor allem dieser Vorsatz wird oftmals ausgenutzt, indem Vermögensanteile in terroristische, als wohltätige Institutionen getarnte Organisationen einfließen um Gewaltattentate im Namen der Religion zu unterstützen

Des weiteren ist die Pilgerfahrt nach Mekka, die Hadsch, höchstes Ziel eines jeden Gläubigen. Mindestens einmal in seinem Leben soll der Muslim im letzten Monat des islamischen Jahres dorthin pilgern um in der Umgebung der Ka´aba, dem arabischen Nationalheiligtum, bestimmte Riten zu vollziehen.

Als fünfte und letzte Säule des Islams wird das Fasten im Monat Ramadan vorgeschrieben. Der Ramadan ist der neunte Monat des islamischen Jahres, in dem an jedem Tag - von Sonnenaufgang - an weder Essen noch Getränke zu sich genommen werden dürfen. Erst nach Sonnenuntergang ist Nahrungsaufnahme wieder gestattet.

Zu den grundsätzlichen Verboten im Islam zählen unter anderem der Genuss von Alkohol und Schweinefleisch.

Alle diese Glaubensgrundsätze und Verhaltensnormen basieren auf dem Koran, dem heiligen Buch des Islam, der die gesammelten Offenbarungen Allahs an Muhammad enthält. Gemäß dem Glauben der Muslime sind diese Offenbarungen die Wiedergabe einer im Himmel befindlichen Urschrift, der auch die Tora der Juden und die Evangelien der Christen entstammen, was die Gemeinsamkeit dieser drei Religionen erklärt. Da der Koran als Richtschnur für das religiöse und soziale Leben nicht ausreichte, entstand die Sunna mit ihren Nachrichten über Aussprüche, Wirken und Leben des Propheten Muhammad sowie seiner Genossen, die gesammelt wurden und als Leitsätze für das Denken, Leben und Handeln der Muslime normative Bedeutung haben.

Festzuhalten sei an dieser Stelle, dass sämtliche religiöse Gebote in erster Linie ausschließlich für Männer gelten. Frauen spielen im Islam nur eine untergeordnete Rolle, allerdings betreffen und beeinflussen Glauben und Wertvorstellungen des Islam auch ihren Alltag und ihre Selbstdefinition.

Eine Ausnahme dieser Unbedeutsamkeit von Frauen bildet aber zum Beispiel ein Kader junger Mädchen, die von der iranischen Führung Ende der 80er Jahre ausgebildet wurden, für ihr geistliches Oberhaupt, Ayatollah Khomeini, den Märtyrertod zu sterben, was eigentlich ausschließlich Männern vorbehalten ist.[9]

[...]


[1] Duden Schülerlexikon, Mannheim 1994, S. 383

[2] Hoffman, Bruce: Terrorismus – der unerklärte Krieg, Frankfurt am Main 1999, S.56

[3] Siehe Kapitel 3.1, S.12

[4] Hoffmann, Terrorismus – der unerklärte Krieg, S. 121

[5] Ebd., S. 128 f.

[6] Ebd., S. 129

[7] Ebd., S.129

[8] die folgenden Angaben beziehen sich auf: Microsoft Encarta 1998

[9] Vgl. Tophoven, Rolf: Sterben für Allah. Die Schiiten und der Terrorismus, Herford 1991, S. 146

Ende der Leseprobe aus 24 Seiten

Details

Titel
Ursachen des postmodernen Terrorismus
Hochschule
Westfälische Wilhelms-Universität Münster  (Institut für Politikwissenschaft)
Veranstaltung
Proseminar: Internationaler Terrorismus
Note
1,3
Autor
Jahr
2003
Seiten
24
Katalognummer
V56709
ISBN (eBook)
9783638513289
ISBN (Buch)
9783638664790
Dateigröße
529 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Ursachen, Terrorismus, Proseminar, Internationaler, Terrorismus
Arbeit zitieren
Katharina Jacobs (Autor), 2003, Ursachen des postmodernen Terrorismus, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/56709

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