Durch die Epochen der Zeit haben sich bestimmte kulturelle Aspekte in bestimmten Regionen bzw. Nationen besonders herausgebildet. In den Ländern des Nahen und Mittleren Osten war vor allem der Aspekt Religion, vorrangig die des Islam, Ausdruck der Kultur. Der Islam beeinflusst das alltägliche Leben durch bestimmte Riten, geregelte Tagesabläufe und Wertvorstellungen. Für viele Muslime ist ihr Glaube die Basis ihres Seins und seine Grundsätze, so fremdartig sie Westeuropäern erscheinen mögen, sind Gesetz.
Es ist nicht immer ganz leicht nachvollziehbar, dass fremde Kulturen Handlungen legitimieren, denen die eigene Kultur ablehnend gegenübersteht.
Nach den Anschlägen des 11. Septembers 2001 wurde oft vorschnell die Gleichung "Islamist = Terrorist" aufgestellt. So pauschal kann und darf das nicht gelten. In der Tat liegen terroristischen Handlungen oft ideologische, nicht selten von Religion geprägte Denkansätze zu Grunde. Doch reicht Religion als Erklärung aus? Ist religiöser Fanatismus die Antwort auf das Warum oder ist Religion für die Terroristen selbst lediglich ein schwacher Versuch der Legitimation? Inwiefern beeinflusst die Religion des Islam und die damit verbundene arabische Kultur den Terrorismus unserer Zeit?
Bevor man vorschnell Werturteile fällt, sollte man sich mit fremden Kulturen eingehender befasst haben. Daher sind der Islam, seine Geschichte, Traditionen und Auswirkungen, speziell im Kontext des postmodernen Terrorismus, Gegenstand der Betrachtung der vorliegenden Arbeit.
Inhaltsverzeichnis
1 Religion als kulturspezifisches Merkmal
2 Religiöses Leben der arabisch-muslimische Welt
2.1 Wie sich Alltag im Islam definiert
2.2 Der kulturelle Einfluss des Westens
3 Entwicklung der Gewaltbereitschaft auf religiöser Grundlage
3.1 Die historische Grundlage des „Djihad“
3.2 Die Rolle des Islam im Terrorismus - am Beispiel der „fatwa“ von 1998 und ihren Folgen
4 Ob und in wie weit lässt sich Terrorismus aus der Religion ableiten?
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Seminararbeit untersucht die komplexe Wechselbeziehung zwischen religiösen Ausprägungen des Islams und der Entstehung von Terrorismus. Die zentrale Forschungsfrage lautet, inwiefern sich Terrorismus tatsächlich aus religiösen Aspekten begründen lässt oder ob die Religion lediglich als Instrument zur Legitimation politischer und sozialer Unzufriedenheit dient.
- Kulturelle Identität und religiöse Riten im Nahen Osten.
- Entwicklung und Bedeutung des Begriffs „Djihad“.
- Die Instrumentalisierung von Rechtsgutachten (Fatwas) für terroristische Ziele.
- Einfluss westlicher kultureller Dominanz auf Fundamentalismus.
- Psychologische Dynamik von Märtyrertum und Gewaltpotenzial.
Auszug aus dem Buch
3.1 Die historische Grundlage des „Djihad“
Das Entstehungsgebiet des Islams lag in der westarabischen Wüste. Von einer „arabischen Kultur“ konnte bis dahin noch keine Rede sein. Arabien bestand zu dieser Zeit aus einer großen Anzahl von Stämmen, einige sesshaft, andere unbeständige Nomaden, die weder gemeinsame Interessen verfolgten noch einen gemeinsamen Mittelpunkt hatten, sondern sich gewöhnlich bekämpften und in einem Spannungsverhältnis zueinander standen. Schutz fand der Mensch in der Familie, die Familie im Klan und der Klan im Stamm. So präsentierte sich im sechsten Jahrhundert nach Christus eine Gesellschaft, die trotz Abwesenheit zentraler Herrschafts- und Gesetzesebenen ein relativ hohes Maß an Gemeinschaftskontrolle entwickelte. Die Ideologie des Islam beschreibt diese Menschen jedoch später als unmoralisch, barbarisch und anarchisch und stuft die Gesamtheit ihres Gesellschaftssystems als „Epoche der Ignoranz“ ab.
Zu Beginn des siebten Jahrhunderts machte sich in Mekka ein Mann bemerkbar, der seinen Zeitgenossen eine neue Gottesvorstellung und ein neues Weltbild näher bringen wollte. Muhammad Ibn Abdallah sprach von einem einzigen Gott, Allah, was zu dieser Zeit revolutionär war und gänzlich abwich vom bisher praktizierten Götzenkult. Muhammad predigte von Sittlichkeit und Solidarität, die sich nicht länger durch den Klan und Stamm definierte, sondern einer neuen Gemeinschaft verpflichtete, die sich durch den Glauben an Allah und damit „eine höhere Stufe des Menschseins“ auszeichnete.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Religion als kulturspezifisches Merkmal: Dieses Kapitel definiert Kultur als vielschichtigen Begriff und beleuchtet die Rolle des Islams als prägenden kulturellen Aspekt in den Ländern des Nahen und Mittleren Ostens.
2 Religiöses Leben der arabisch-muslimische Welt: Hier werden die konfessionellen Unterschiede innerhalb des Islams erörtert und die Bedeutung religiöser Riten sowie der westliche Einfluss auf die Region analysiert.
2.1 Wie sich Alltag im Islam definiert: Dieser Abschnitt beschreibt die fünf Säulen des Islam und deren normative Bedeutung für das tägliche Leben und die Selbstdefinition gläubiger Muslime.
2.2 Der kulturelle Einfluss des Westens: Dieses Kapitel kategorisiert die verschiedenen islamischen Strömungen im Hinblick auf ihr Verhältnis zum Westen und thematisiert das Aufkommen des Fundamentalismus.
3 Entwicklung der Gewaltbereitschaft auf religiöser Grundlage: Hier wird der historische Kontext von Gewalt in verschiedenen Religionen betrachtet, um den Terrorismus als kein rein neuzeitliches Phänomen zu kennzeichnen.
3.1 Die historische Grundlage des „Djihad“: Dieser Abschnitt analysiert die Entstehung des Islams und des Begriffs Djihad als Expansionsprinzip zur Sicherung der neuen Glaubensgemeinschaft.
3.2 Die Rolle des Islam im Terrorismus - am Beispiel der „fatwa“ von 1998 und ihren Folgen: Das Kapitel untersucht die Instrumentalisierung einer spezifischen Fatwa durch Usama bin Ladin zur Legitimation von Gewalt gegen den Westen.
4 Ob und in wie weit lässt sich Terrorismus aus der Religion ableiten?: Das abschließende Kapitel reflektiert die Frage, ob der Terrorismus ein Produkt der Religion ist oder ob diese lediglich selektiv für politische Zwecke instrumentalisiert wird.
Schlüsselwörter
Terrorismus, Islam, Fundamentalismus, Djihad, Fatwa, Religion, Usama bin Ladin, Märtyrertum, Naher Osten, Kultur, Gewaltbereitschaft, Scharia, Umma, Globalisierung, Ideologie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht den Zusammenhang zwischen der Religion des Islams und der Entstehung moderner terroristischer Strukturen im Nahen Osten.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die Schwerpunkte liegen auf der kulturellen Bedeutung des Islams, der historischen Entwicklung des Djihad-Begriffs und der Analyse islamistischer Fundamentalismus-Strömungen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es zu klären, ob Terrorismus zwingend religiös begründet ist oder ob religiöse Texte für ideologische Zwecke instrumentalisiert werden.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine politikwissenschaftliche Analyse, die historische Kontexte mit aktuellen Rechtsgutachten und soziologischen Theorien verknüpft.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden der Alltag im Islam, der Einfluss westlicher Zivilisation und die historische Genese der Gewaltlegitimation in der muslimischen Welt detailliert analysiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Terrorismus, Islam, Fundamentalismus, Djihad, Fatwa und Ideologie.
Welche Bedeutung hat die Fatwa von 1998 für die Argumentation?
Sie dient als konkretes Fallbeispiel, um aufzuzeigen, wie Usama bin Ladin religiöse Rechtsgutachten politisch umdeutete, um Gewalt gegen den Westen zu rechtfertigen.
Wie unterscheidet sich der moderne Terrorismus laut Autor von historischen Beispielen?
Der moderne Terrorismus ist stärker durch globale Kommunikationsmittel und die grenzüberschreitende Vernetzung dezentraler Gruppierungen gekennzeichnet als frühere religiös motivierte Gewalt.
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- Katharina Jacobs (Author), 2003, Ursachen des postmodernen Terrorismus, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/56709